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Die Straße gehört den anderen

Schlagwörter: street harassment – sexuelle Belästigung – Sexismus – unsere Gesellschaft

Street harassment is a form of sexual terrorism because women never know when it might happen, by whom, and how far it may escalate. Because of street harassment, from a young age women learn that public spaces are male territory. In the Stop Street Harassment survey, almost one in four women said the harassment started by age 12 and around 90 percent by age 19. Because of street harassment, women learn – and are told from a young age – to limit the places they go, they try not to be in public alone (especially at night), and when they are alone, they stay on guard.

Aus dem Stop Street Harassment-Fact sheet von Holly Kearl, zum Download auf Hollaback Berlin

Nachpfeifen, anhupen, angaffen, sexualisierte Kommentare oder Gesten, Fotos machen ohne zu fragen, angrabschen, in Nahverkehrsmitteln gegen eine Frau* pressen, ihr folgen oder sie ohne ihre eindeutige Zustimmung ansprechen und in ein Gespräch verwickeln, die eigenen Genitalien zeigen, anfassen oder masturbieren, an einer gut einsehbaren Stelle urinieren bis hin zu sexuellen Übergriffen sind street harassment.

Street harassment ist ein Zeichen einer Gesellschaft, die den Erfahrungen und der Autonomie von Frauen* weniger Wert beimisst. Die es in Kauf nimmt, dass Mütter, Schwestern, Freundinnen, Töchter und Großmütter ihr Leben in unsichtbaren Schranken planen und leben, sich im öffentlichen Raum nicht unbeschränkt und in Sicherheit bewegen können und ihnen darüberhinaus die Schuld zuweist, wenn sie belästigt wurden.

Auch die “harmloseren” Formen von street harassment sind Gewalt. Sie führen, in der Manier des stetigen Tropfens, zu einem Gefühl der Unsicherheit und der ständigen Vorsicht. Sie bringen Frauen* dazu, ihre Kleiderwahl, ihr Auftreten, ihre Schul-, Arbeits- und Freizeitwege zu überdenken, zeitlich einzuschränken, wann sie auf die Straße gehen oder mit wem. Sie krempeln das Leben in einer schleichenden, schwer im Blick zu behaltenden Art um, die spätestens im Alter von 25 zu einer zweiten Haut geworden ist.

Aber auch dafür gibt es keine Belohnung. Es ist egal, ob und welche Vorsichtsmaßnahmen eine Frau* trifft, sie wird weder dadurch belohnt, in Ruhe ihr Leben führen zu können, noch werden die Einschränkungen öffentlich anerkannt, die sie sich auferlegt.

Immerhin verhindert die zweite Haut, dass man jeden Tag darüber nachdenkt, in welcher Form man sich einschränkt. Es tritt vielleicht an die Oberfläche, wenn man von einem neuerlichen Fall krasser Belästigung hört oder selbst davon betroffen ist. Sonst aber wird man von Gedanken darüber verschont, wenn man nicht gerade in einem Workshop sitzt, der Männer* und Frauen* fragt, was sie dagegen unternehmen, Opfer von Gewalt auf der Straße zu werden. Die einen sitzen verständnislos da und denken über die Frage nach, während die anderen schon krampfhaft schreiben.

Es ist nicht in Ordnung und darf nicht normal sein, dass Frauen* diese Zustände erdulden müssen. Ich will etwas dagegen tun, irgendwas.

Abschließend eine Runde Bullshit-Bingo:

Ich als Mann würde mich freuen, wenn Menschen meines/meiner bevorzugten Geschlechts/Geschlechter mir hinterherpfeifen würden. Ich/meine Freundin* finde/t das voll in Ordnung. Was erwartet sie* auch mit den Klamotten/um die Uhrzeit…
Mir ist so etwas noch nie passiert. Männer werden wesentlich häufiger Opfer von Gewalt auf der Straße.¹ Ich als Mann habe so etwas noch nie miterlebt.
In anderen Ländern ist das viel schlimmer. Das ist doch ‘ne Kleinigkeit. Das war als Kompliment gemeint!
Die Migranten sind es, die die Probleme machen. Jetzt darf man Frauen* nicht mal mehr ansprechen. Ich guck doch nur.

1 Hint: das ist Derailing

Das erste Mal wurde ich vor fremden Männern* mit 8 gewarnt.

Crossposted auf High on Clichés

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