«

»

Lesben und Geld

Folgender Text stammt aus einer meiner “alten” Hausarbeiten (von 2009 schätze ich) zu “Geld in feministischen Frauenzusammenhängen”. Ich fand meinen “wissenschaftlich”-verpackten Frust sehr schön und zudem vielleicht auch sonst ganz spannend.

7. Lesben und Geld / lesbische Geldkultur
Auch wenn Lesben Frauen sind, bilden Lesben doch eine sehr eigene Gruppe. Wie die Kapitel 5 und 6 gezeigt haben, wurden die meisten Daten nur in Bezug auf heterosexuelle Frauen erhoben. Ebenso haben Lesben eine eigene Subkultur, sowohl innerhalb von Frauenzusammenhängen, als auch außerhalb.

7.1 Lesben und Geld
Es gibt weder Vertrauens erweckende statistische Erhebungen über die Existenz von Lesben, noch über deren Einkommen in Deutschland.

7.1.1 Statistisches Bundesamt
Eine Onlineabfrage, am 22.10.2009 um 13:05 Uhr, beim statistischen Bundesamt ergab bei den Suchworten „Lesben“, „Lesbe“, „lesbisch“, „lesbische“ und „lesbischen“ keinerlei Treffer. Die Suche nach „Homosexuell“ ergab einen Treffer, der Aufschluss über Straftaten u.a. nach dem Paragraphen 175 aufführt . Damit ist zunächst einmal belegt, dass es homosexuelle Handlungen zwischen Männern gab. Der Paragraph ist inzwischen abgeschafft, so dass darüber und über Homosexualität im Allgemeinen, nach den Daten des statistischen Bundesamts, für den heutigen Zeitpunkt keine Aussagen getroffen werden kann.

7.1.2 Bisher zitierte Statistiken
Die in den Kapiteln 5 und 6 aufgeführten Erhebungen erwecken nicht einmal den Anschein, dass Lesben oder lesbische Paarhaushalte existieren.

(7.1.3. weggelassen)

7.1.4. Gerüchteküche
Die les-bi-schwule Community spricht von 10 % homosexuellen Menschen , teilweise sinkt der prozentuale Wert auf 5 %. Lesben gelten eher als arm, wobei ich noch keine „im Verhältnis zu…“ Aussage gehört habe.
Jedoch gibt es auch Zusammenschlüsse lesbischer Frauen, die als eher wohlhabend gelten, wie z.B. die Wirtschaftsweiber .

7.1.5. Einschätzungen der Ihrsinn
Die „Ihrsinn“ ist eine „radikalfeministische Lesbenzeitschrift“, die von 1990 bis 2004 zweimal im Jahr erschien. 1994 erschien eine Ausgabe zum Thema Lesben und Geld unter dem Titel „Von Klassen und Kassen“. In dieser Ausgabe stellt Ulrike Janz Überlegungen zur ökonomischen Lage von Lesben in Deutschland an.

Zunächst geht sie davon aus, dass die meisten Lesben unverheiratet oder geschieden sind. Des weiteren das Lesben in den Statistiken als allein – stehend gelten, da sie keinen Mann vorweisen können. Es lagen ihr keine Daten vor, wie viele Lesben Kinder haben und damit, mangels Mann, als allein – erziehend gelten. (Die Ausrichtung von Frauen auf (Ehe)-Männer wird mehrfach innerhalb des Artikels als Heterosexismus betitelt.)

Weiterhin führt sie aus, „daß (sic!) für die meisten Lesben in der BRD heute die mannlose Existenz möglich ist“ . Da die so genannten „Frauenberufe“ vom Verdienst auf einen Zusatzverdienst und nicht auf Existenzsicherung ausgerichtet sind, sei die ökonomische Lage von Lesben schwieriger als für heterosexuelle Frauen in Paarbeziehungen.

Alleinerziehende Mütter sind, laut Janz, die Ärmsten der Gesellschaft. Lesbische allein erziehende Mütter kann es nochmals härter treffen, wenn ihr aufgrund ihrer sexuellen Orientierung die familiäre Unterstützung verweigert wird oder von ihr selbst verweigert wird, um nicht von einem Mann, sprich ihrem Vater, abhängig zu sein. Nach Janz ist „die Unabhängigkeit vom (…) Mann (…) eine Grundbedingung ihrer lesbischen Identität“.

Weiterhin wirkt sich möglicherweise das „offen lesbisch leben“ negativ auf die berufliche Situation aus, ebenso die Verweigerung vom weiblichen Rollenmuster nach „Aussehen, Lächeln, vorausgesetzter Verfügbarkeit (…)[, dass] viel zu oft als integrierter Bestandteil der Arbeitskraft Frau betrachtet wird“ .

Trotzdem geht Janz davon aus, dass „junge, gutausgebildete, nichtbehinderte deutsche Lesben in der BRD bessere Chancen einer eigenständigen Existenzsicherung haben, als heterosexuelle verheiratete Frauen“ . Dies vor allem, da kinderlose Lesben keine unbezahlte Reproduktionsarbeit für Kinder und Mann leisten müssen. (Die feministische Ökonomietheorie sieht diese Arbeit als eine der Hauptursachen von Frauenarmut.)

Ebenso führt Janz aus, dass durch die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und dem Anspruch des Arbeitsmarktes auf allzeitige und allseitige Verfügbarkeit, also wenig private und räumliche Verpflichtungen, Lesben die idealen Arbeitnehmerinnen sein könnten, da es bei Ihnen weniger wahrscheinlich sei, dass sie Kinder bekommen oder großziehen und die familiären und räumlichen Verpflichtungen dementsprechend gering sind.

Letztere Einschätzung wurde mir neulich von einer lesbischen Mitarbeiterin einer Personalabteilung bestätigt: Lesben bekommen seltener Kinder, dementsprechend kein Mutterschutz, keine Vertretung und Einarbeitung einer Vertretung in Elternzeit, keine Abrufe der Arbeitnehmerinnen aufgrund von Kindernotfällen etc.. Dementsprechend günstige und weit reichend verfügbare Arbeitskraft.

7.2 Lesbische Geldkultur
„Ist schon bitter, wenn eine nicht mal zur Werbungs-Zielgruppe taugt. Sind wir etwa nicht lesbisch genug um einzukaufen? PROTEST!!!“ wird auf dem lesbischen Blog „L-Talk“ zum Thema „Schwulenwerbung“ gebloggt. Diese positive Haltung zur Einordnung in eine Konsumentinnengruppe ist eher selten.

Häufiger findet sich die Thematisierung einer lesbischen Geldkultur in der Forderung bzw. Fragestellung „Lesbengeld in Lesbenhände“.

7.2.1 Lesbengeld in Lesbenhände
Die radikale Version der Forderung ist die Idee einer eigenständigen lesbischen Ökonomie (siehe dazu: „Lesbian Nation“ von Jill Johnston), eine abgeschwächte Form findet sich in der Forderung bzw. Praxis besonderer Solidarität zwischen Lesben.

Die erste Stiftung für Lesben in Europa ist die Sappho-Stiftung. Deren Motto „Das Vermögen unserer Urgroßmütter haben unsere Großväter geerbt. Das Vermögen unserer Großväter fiel an unsere Väter. Unser Vermögen werden unsere >>Töchter<< erben und es wird in Lesbenhänden bleiben.“ verdeutlicht praktisch die Forderung „Lesbengeld in Lesbenhände“.

Die Idee hinter „Lesbengeld in Lesbenhände“ hat keine allgemeine Verbreitung, wobei diese durchaus bei den „hauptberuflichen Lesben“, also Lesben die mit lesbenspezifischen Angeboten ihren Lebensunterhalt verdienen, Anerkennung findet. So finden sich bei lesbenspezifischen Angeboten immer wieder Forderungen wie „Geld sollte durch Lesbenhände fließen – davon sind wir überzeugt. Wir leisten unseren Anteil daran, indem wir lesbische Unternehmen und Veranstaltungen bewerben. [...] Nutzt die Partnerprogramme von lesben.org!“. Letzteres wurde 2009 von der Betreiberin des größten deutschsprachigen Lesbeninformationsportal Konstanze Gerhard online gestellt.

Ausführlicher äußerte sich eine Gruppe von Standbetreiberinnen des größten jährlichen Lesbentreffens Deutschland, dem Lesbenfrühlingstreffen, die um Wertschätzung seitens der Besucherinnen und Organisatorinnen baten: „Lesben, die sich entschieden haben, (auch) Produkte für Lesben herzustellen, haben eine politische Entscheidung getroffen. Wir sind darauf angewiesen, auf den jeweiligen Lesbenfrühlingstreffen und -wochen verkaufen zu können. [...]Wir wünschen und fordern, daß (sic!) alle Lesben so einfach über unsere Stände stolpern, daß (sic!) das Prinzip “Lesbengeld in Lesbenhände” ohne großen Aufwand umgesetzt werden kann. [...] Auch wenn Lesben wenig Geld haben (Thema für ein Extra-Kapitel …), gibt jede trotzdem mehr oder weniger viel Geld für kulinarische Genüsse aus. Deshalb ist es besonders wichtig, daß (sic!) Lesben für die Essensstände engagiert werden, mit einem so umfassenden Angebot, daß (sic!) die “Konsumentinnen” nicht in die Hetera/o-welt ausschwärmen, um dort ihr Geld zu lassen.“ Mitunterzeichnerin ist keine Geringere als Anke Schäfer, eine der wenigen lesbischen Bundesverdienstkreuzträgerinnen. (leider ist die Quelle nicht mehr online)

7.2.2. Einschätzung von Marie Sichtermann
Marie Sichtermann, Unternehmensberaterin bei „Geld und Rosen“ , führt an, dass ihr bei Lesben keine Verhaltensweisen auffallen, die für sie nicht generell unter frauentypisch fallen. Jedoch hält sie für möglich, dass diese frauentypischen Verhaltensweisen möglicherweise bei Lesben verstärkt werden, da es kein männliches Korrektiv gebe. Nach Sichtermann fehlen größtenteils die politischen Visionen .

Eine kleine Gruppe von Frauen die in der 2. bzw. neuen Frauenbewegung stark involviert waren, bewerten ihrer Meinung nach Geld, nach Geld streben und die Steigerung von Wohlbefinden durch Luxusgüter moralisch negativ.

Eine weitere Gruppe sind die Frauen die Geld mögen, viel dafür arbeiten und es dann sparen. Diese Frauen fühlen sich, nach Sichtermann, arm, insbesondere da sie sich nichts gönnen.

Die beiden genannten Gruppen bilden für Sichtermann die beiden Extrempole. Zwischen diesen liegen viele Frauen mit wenig Geld, insbesondere wenn diese Kinder haben. Weiterhin gebe es Lesben, die vom Familienvermögen ausgeschlossen werden, aber auch viele Frauen mit Geld, die nicht sparen oder ihr Geld für politische Ziele einsetzen.

Die beschriebenen Gruppen treffen laut Sichtermann nur noch selten aufeinander, da sich die Gruppen mit mehr oder mittelmäßig viel Geld separieren. Als gegenläufige Gruppierung bringt Sichtermann SAFIA an.

Mit „Sagen nicht auch die italienischen Philosophinnen , dass wir Frauen einander reichlich zu geben haben, unermessliches miteinander tauschen könnten, Geld sei nur eines von vielen Tauschobjekten? (…)Heute schon was an eine Lesbe verschenkt? “ gibt Sichtermann ihre eigene Vision an. (Sichtermann, Marie: „Happy and rich ?“. In: Lesbenring e.V.: „Lesbenring-Info. Lesben und Geld. Juni/Juli 2008“. Oldenburg, 2008, S. 11-12.)

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://takeoverbeta.de/2012/06/lesben-und-geld/

13 Kommentare

Zum Kommentar-Formular springen

  1. 1
    Bäumchen

    Das erinnert mich interessanterweise an Monique Wittigs Aussage, Lesben seien in ökonomischer Hinsicht keine Frauen: ,,…es wäre unkorrekt zu sagen, dass Lesben mit Frauen zusammen sind, Liebe machen, leben, denn „Frau“ hat nur Bedeutung im heterosexuellen System des Denkens und in heterosexuellen ökonomischen Systemen. Lesben sind keine Frauen.”(geklaut aus Wikipedia)
    Sowie an die Tatsache, dass der Begriff ,,Klassismus” zum ersten Mal geprägt wurde von einer Lesbengruppe aus New York Mitte(?) des letzten Jahrhunderts.
    Ich finde die Idee von so einer lesbischen Solidarität toll.

      Zitieren  Antworten

    1. 1.1
      Stephanie

      AusDerBaum » Letzteres wusste ich gar nicht :-) ! Ich bereue grad so ein bisschen, dass ich damals z.B. “Prolo-Lesben” von Martina Witte aus “In Bewegung bleiben” nicht mitaufgenommen habe…

      Sag mal, hast Du Lust mit mir einen Artikel zu “Umgang mit Mehrfachdiskriminierung” in der Lesbenbewegung zu schreiben? Ich will sowas schon länger für’s Internet ;-) , nur dachte ich bisher, es wäre cooler, wenn’s eine Ältere schreibt. Aber muss ja gar nicht :D .

        Zitieren  Antworten

    2. 1.2
      Stephanie

      AusDerBaum » Glaubst Du, dass Wittig recht hat?

        Zitieren  Antworten

  2. 2
    Bäumchen

    Hast ne Email :-)

      Zitieren  Antworten

  3. 3
    Bäumchen

    Stephanie,

    Also, ich kann eigentlich nur stümperhaft dazu antworten.(Übrigens hab ich all mein ergaunertes Halbwissen vor allem von dem Blog theoriealspraxis.blogsport.de).
    Wittig behauptet ja damit quasi, dass Mann und Frau ökonomische wie politische Kategorien sind, und nicht ewige. Und fährt fort: ,,„For what makes a woman is a specific social relation to a man, a relation that we have previously called servitude, a relation which implies personal and physical as well as economic obligations […], a relation which lesbians escape by refusing to become or stay heterosexual.“
    Hmm.Da müsste ich Statistiken von heute kennen (< -- Statistikbesessen). War auch n bisschen ne andere Zeit, in der Monique das schrieb. Aber ich würde mal davon ausgehen, dass Frauen in heterosexuellen Beziehungen immernoch für die Reproduktionsarbeit, für die Beziehungsarbeit (die ja auch Reproduktion ist) zuständig sind, jetztmal unabhängig davon ob sie ökonomisch gesehen unabhängig sind. Es gibt eben immer noch die heterosexuelle Arbeitsteilung. Und die ökonomische Abhängigkeit wird ja auch noch verstärkt durch Ehegattensplitting und so ein Scheiß. Wenn Kategorie ,,Frau" also immer als relativ zur Kategorie ,,Mann" gesehen wird, sehe ich durchaus, dass ,,Lesbe" heute noch eine andere Kategorie ist. Obwohl ... ja, und jetzt kommen all die Gedanken: Was ist mit Single-Frauen, was ist mit Frauen, die sich nicht in lesbisch oder heterosexuell zugehörig fühlen, was ist mit Sachen wie Wahlverwandtschaften und Kommunen, die auf der Basis von ökonomischer Solidarität leben... d.h. wie nennt sich eine ,,Frau" heutzutage, die nicht lesbisch ist, aber auch nicht in heterosexueller Komplementärarbeit drin steckt (gibt es so ein Wort wie heterosexuelle Komplementärarbeit? ^^)? Ja, hier endet mein Stümperkommentar. Ich nenne ihn so, weil ich mich mal wirklich nie mit jemanden darüber unterhalten habe und mich da eher unsicher fühle.*auf-eis-rutsch*

      Zitieren  Antworten

  1. 3.1
    kinky

    @AusDerBaum: hallo, zwei fragen dazu: 1.: “a relation which lesbians escape by refusing to become or stay heterosexual.” – gibt es denn eine freie wahl, also was wofür sich ein mensch bewusst entscheiden kann: “ich bin heterosexuell.” oder “ich bin lesbisch (bzw. schwul).”?
    2. das mit dem entkommen aus der “servitude” funzt in dem zugegeben großen bereich des privaten lebens/haushalts, aber außerhalb dessen z.b. im auch großen bereich des schul-, uni- oder arbeits-lebens ist diese servitude auch sofort wieder da, soll heißen diese wird erwartet. oder?
    p.s. @ stephanie: wow, ein spannender artikel!

    [freigeschaltet von Samia]

      Zitieren  Antworten

  • 4
    Samia

    Ich will ja jetzt hier wirklich nicht die RZB retten, aber ich halte das Zitat von Wittig für von vorne bis hinten verkehrt. Ja, Reproduktionsarbeit ist immer noch hauptsächlich Frauen*sache.1 Dennoch wird das Modell doch grade aufgeweicht, und da gibts halt auch Heterobeziehungen, in denen Männer* den größeren Teil der Reproduktionsarbeit machen. (Ich erwähn das nur, weil sowohl das Zitat, als auch deine, AusDerBaum, Ausführungen, in der Hinsicht absolut formuliert sind.) Frauen* in solchen Beziehungen wären nach Wittig auch keine Frauen*.

    1 Und das ist doch nicht automatisch “servitude”, das klingt für mich total nach “Hausfrauen*”-Bashing.

      Zitieren  Antworten

  • 5
    Bäumchen

    Samia,

    Das Zitat von Wittig stammt von ’78. Wie ich schon gesagt habe, es hat sich einiges geändert seitdem und ich vermute mal, dass sie sich vor allem auch an den vorangegangenen Jahrzehnten abarbeitet. Aber: Studien zeigen, dass sich im Haushalt eben nich viel geändert hat, dass Frauen immer noch selbstverständlich einen größeren Teil übernehmen, und die Männer, selbst wenn sie nur einen kleineren Anteil dessen übernehmen, werden dafür noch bis in den Himmel gelobt. Soviele Hausmänner gibt es eben nicht, Samia.
    Als Hausfrauenbashing würde ich das Zitat nur sehen, wenn diese Arbeit von Wittig herabgewürdigt würde. Aber ich glaube, es geht ihr mehr um die Tatsache, dass zu den Tugenden der Weiblichkeit eben immer noch die Heimeligkeit am Herd zählte und die Repro-Arbeit, auch im Bezug auf den Mann (wenn er nach Hause kommt, frag ihn nach der Arbeit,kümmer dich um ihn, lasse nicht zu, dass die Kinder ihn nerven etc.). Es war nicht einfach eine Arbeit, die getan werden musste, es war Teil der “Essenz” des Frauseins.

      Zitieren  Antworten

  • 6
    Bäumchen

    kinky,

    Zum Zitat: Wittig sieht Sexualität vermutlich nicht als starr und genetisch vorgegeben an. In diesem Punkt stimme ich ihr schon zu (gefühlt), sehe aber auch die Gefahr, dass dieser Gedanke instrumentalisiert wird und bereits ofts schon instrumentalisiert wurde(siehe ,,Homo-Heilung” und so nen Scheiß). M.E. muss auch jeder Mensch für sich selbst wissen, wie sie*er die eigene Sexualität wahrnimmt.

      Zitieren  Antworten

  • 7
    kiturak

    @AusDerBaum
    hm. Ich muss das noch durchdenken, aber hiermit

    „For what makes a woman is a specific social relation to a man, a relation that we have previously called servitude, a relation which implies personal and physical as well as economic obligations […], a relation which lesbians escape by refusing to become or stay heterosexual.“

    bin ich in der Vergangenheit auf Probleme gestoßen, weils in cis-sexistische/cis-normative Sackgassen geführt hat.

    Ich glaube, dass das Zitat als eine soziale beziehungsweise wirtschaftliche Status-Quo-Einschätzung super ist. Soweit auch
    @Samia, weil … einfach nee, da hat sich echt so unglaublich wenig geändert bislang, dass ich AusDerBaum, Wittig &Co. komplett Recht gebe. Real existierender Sexismus.

    Das Problem ist aber nicht nur da, wo kinky auch eingesetzt hat, wenn sone Art victim-blaming-Schleife oder Selbstgerechtigkeit einsetzt (ihr Heten habt ja die Wahl, ne?).
    Scheiße ist diese “Geschlecht ist ausschließlich ne Kategorie von Unterdrückung”, weils einfach Gender-Identitäten keinen Raum lässt (@Samia, das vielleicht auch ein bisschen Dein Punkt?).
    “Stöckelschuhe? Bauchfrei? Mit nem Typen zusammen? Ahh, du unterdrückst dich selbst! Kein Mitleid!”, oder “Du bist trans*? Das festigt doch dieses Unterdrückungssystem.”

      Zitieren  Antworten

  • 8
    Stephanie

    Das mit der Wahl ist halt auch eine “Womit wollen Sie sich schlecht fühlen?”-Frage? Also klar, können Menschen Entscheidungen treffen, mit denen es ihnen nicht gut geht. Z.B. können Heten allesamt ins Kloster gehen, nur werden sie sich damit vermutlich (auch?) nicht wohl fühlen – aus unterschiedlichen Gründen ;-) . Ich denke, die “Wahl”-Geschichte verschleiert nur worum es wirklich geht: Wollen wir Menschen die Möglichkeit geben, ihr Leben “glücklich” zu leben – und falls ja, dann müssen wir halt auch alle was dafür tun, angefangen damit, dass Leben der jeweils anderen zu respektieren.

    Was ich an dem Wittig-Ding mag ist, dass ich es wichtig finden, über Unterschiede nachzudenken, dass eben Geschlecht und Sexualität nicht die einzigen Kategorien sind, dass aber “Frau” gerne umfassend gedacht wird. So werde ich z.B. extrem selten belästigt. Das liegt daran, dass ich in einem gewissen Sinne keine “richtige” Frau bin, da ich das “Napoleon Syndrom” (Napoleon hatte Angst vor großen Frauen – und für ihn waren ziemlich viele Frauen große Frauen :-) ) auslöse. Jetzt ist aber offensichtlich mein Körperbau kein Problemlösungstipp für alle anderen und das geht eben auch bei anderen Unterschieden nicht.
    Als Lesbe muss ich mir um Schrödingers Rapist auch viel weniger Gedanken machen (und bin deswegen “weniger Frau”), schlicht weil mich Angrabereien von Typen überhaupt nicht interessieren. Das macht aber Schrödingers Rapist nicht unwichtiger und Lesbischsein ist da auch keine Lösung.
    Na, aber natürlich bin ich auch “mehr Frau”, z.B. weil meine Beziehung den Pay-Gap nicht ausgleichen kann.

      Zitieren  Antworten

    1. 8.1
      kiturak

      @Stephanie

      Was ich an dem Wittig-Ding mag ist, dass ich es wichtig finden, über Unterschiede nachzudenken, dass eben Geschlecht und Sexualität nicht die einzigen Kategorien sind, dass aber “Frau” gerne umfassend gedacht wird.

      (ich deute das so, dass Du hier mit “Geschlecht” das meinst, was ich Gender-Identität nenne, und “nicht die einzigen Kategorien” für “Frau* sein”)
      … mit “mögen” meinst Du “es stimmt so offensichtlich nicht, dass es ne super Anregung ist, darüber nachzudenken, was an den heute gängigeren Verallgemeinerungen auch nicht stimmt”?

        Zitieren  Antworten

      1. Stephanie

        kiturak » Ja, was meine ich damit? Nun über das gängige Zitat “Lesben sind keine Frauen” kommt eine_r halt schnell zu der Frage, wie Lesbe und Frau konstituiert sind und unter welchen Bedingungen die Aussage für die nachdenkende Person wahr ist …oder falsch…oder unbeantwortbar.

          Zitieren  Antworten

  • Hinterlasse eine Antwort

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

    Sie können diese HTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>