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Empowerment anhand von “Beverly Hills Chihuahua”

In der letzten Zeit bin ich immer wieder auf Aussagen gestoßen, die benannte Privilegien-Verhaltensweisen auf die jeweils dazu Marginalisierte übertragen. So wird seitens einer Feministin der Begriff „womansplaining“ verwendet; eine WoC versucht umgekehrten Rassismus damit zu belegen, dass People of Color Spottnamen für Weiße verwenden; und eine andere Feministin erklärt, dass sie Mackerverhalten von Frauen genauso nervig findet, wie von Männern (Quellenangaben füge ich auf eigenen Wunsch der Beispiel-Leute ein).

Für mich stellt diese Anhäufung eine ungute Entwicklung dar und zwar, weil es Empowerment verunglimpft. Die Sache ist die: Privilegierte Verhaltensweisen zu benennen ist wichtig, denn das Ausmachen und Benennen von diesen, hilft nicht nur dabei, diese zu erkennen, sondern auch diese zu beseitigen. Ebenso ist grade bei Diskriminierungen die in der Gesellschaft verankert sind, wie z.B. Sexismus und Rassismus,  es häufig so, dass die Aneignung von Verhaltensweisen, die Privilegierte nutzen – auch wenn es in einer heilen Welt keine coolen Verhaltensweisen wären – wichtig, denn es beinhaltet ein Sich-zur-Wehr-setzen und macht gleichzeitig eben durch Negativreaktionen Privilegierter auf die Aneignung deutlich, worin die gesellschaftlichen Strukturen bestehen. Wenn jedoch diese Selbstermächtigung von davon Nicht-Negativ-Betroffenen angegriffen wird, macht dies einerseits das Empowerment schwieriger und gleichzeitig vergeht eine weitere Funktion davon: Die gesellschaftlichen Strukturen sichtbar machen. Das ist sehr theoretisch und daher werde ich es anhand eines Vergleichs erklären:


[Szene aus "Beverly Hills Chihuahua". Bitte um Transkription!!!]

In diesem Video wird gezeigt, wie eine seperatistische Chihuahua-Gruppe sich von Fremdzuschreibungen dadurch versucht zu emanzipieren, indem sie das Dasein als Schoßhund_hündin und „niedliche“ Namen ablehnen. Sie begeben sich in einem Massenrausch indem jede diesbezügliche Deklaration des Ausrufers mit dem Schlachtruf „no mas“ („Nie wieder!“) beantwortet wird. Eigentlich eine ziemlich coole Angelegenheit und gerade für die Chihuahuas wichtig, die sich erstmals von den Fremdzuschreibungen befreien. Das Problem ist nur, am Schoßhund_hündinnen-Dasein ist überhaupt nichts Schlimmes und auch „niedliche“ Namen sind gar kein Problem.

Für diese Dalmatinerin z.B. ist die Entdeckung ihrer eigenen Leidenschaft als Schoßhündin eine wichtige, emanzipative Sache.

Verhätnismäßig große Dalmatinerhündin liegt auf dem Schoss einer verhältnismäßig großen Frau.

Und für diese_n Dobermann wäre der Name „Fifi“ vermutlich auch eine Erleichterung.


[Dobermann und Babykatze spielen zusammen. Babykatze schlägt mit Pfote auf  Dobermann und Dobermann beisst nach Babykatze.]

Was ich sagen will: Empowerment-Geschichten anhand der zukünftig erwünschten Welt zu kritisieren, ist einfach gemein. Jetzt ist erstmal der Zeitpunkt Chihuahuas zu sagen, dass sie keine Schosshunde_hündinnen sein müssen, Dalmatiner_innen in ihrer Entdeckung des Schoßhund-Daseins zu supporten und angebliche Kampfhünd_innen mit „niedlichen“ Namen zu versehen. Aber auf keinen Fall kann’s angehen, Privilegien-Bezeichnungen gegen Marginalisierte zu verwenden.

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://takeoverbeta.de/2012/07/empowerment-anhand-von-beverly-hills-chihuahua/

2 Kommentare

  1. 1
    kiturak

    Weiß nicht, ob/wie schnell ich dazu komm’, das zu transkribieren.

    Generell scheint der Film mit den Chihuahuas übrigens eine Kombination aus grottig und auf ca. 24 verschiedenen Ebenen rassistisch zu sein – siehe Artikel hier: VivirLatino, Miercoles Movie: Beverly Hills Chihuahua

    So a white chihuahua learns that all Mexicans aren’t bad and that she can even have Mexican friends and lovers and that she may be a little Mexican herself. So the moral is, go hug a Mexican, well only if they are the “good” kind.

    Kam jetzt drauf, weil ich schon den kurzen Ausschnitt … schwierig fand.

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    1. 1.1
      Stephanie

      kiturak » Ja, der Film ist grottig. In der deutschen Übersetzung gehen allerdings ein paar Rassismen verloren, die VivirLatino benennt. Z.B. hat nicht jede_r mit eventuell mexikanischer Staatbürger_innenschaft einen Akzent (z.B. nicht der Landschaftsarchitekt) und Montezuma (Verdammt, das hab ich völlig überhört beim Anschauen) spricht einen Schweizer-Dialekt (gesprochen von DJ Bobo). Macht’s nicht wirklich besser, also nein, der Film ist überhaupt nichts (übrigens müssen Frauen immer immer immer gerettet werden, alle).

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