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Auf dem Weg zur Perfektion oder Altruismus verhindert Altruismus

Unter Leuten, die sich mit Intersektionalität beschäftigen, beobachte ich immer wieder Gespräche, die in einer „Wenn ich’s nichts richtig machen kann, darf ich dann überhaupt noch was machen?“-Schleife enden. Es gibt eine gewisse Grundverzweiflung, für dich ich drei Ursachen/Fehlschlüsse vermute.

Das erste, noch am leichtesten verständliche Ding ist, dass keine_r „nichts“ machen kann. Jede Aktion, auch das Unterlassen einer Handlung, ist eine Aktion. Wenn ich nichts mehr schreibe, nichts mehr sage usw. hat dies eine Aussage. Wie Wittgenstein und Lyotard es ausdrücken „Schweigen ist ein Satz“. Das bedeutet jedoch auch, dass es keinen Weg gibt, das „nicht richtig machen können“ über eine „Passive“-Handlung zu verhindern. Meines Erachtens ist es hier besser, eine „aktive“ Handlung vorzuziehen, da „passive“ Handlungen vielseitiger interpretierbar sind und somit eine größeren als falsch-interpretierbaren Spielraum haben.

Das zweite und wohl am meisten diskutierte Ding ist, dass „richtig“ ein sehr schwammiger Begriff ist. Das sind so Diskussionen nach dem Motto „Wäre es nicht richtiger, wenn…“ bzw. „Wie gehe ich besser mit den eigenen Privilegien um?“. Das Problem hieran ist nicht, dass die Diskussion und die Fragestellungen nicht zweckdienlich sind, sondern dass sie die Grundverzweiflung nicht einschränken. Scheinbar ist das Ziel der Auseinandersetzung Perfektion zu erreichen und diese Perfektion besteht nicht darin, Fehler bewusst zu machen. Eigentlich wissen ja alle, dass die gesellschaftlichen Probleme – gerade in -istischen Fragen – nicht von einer Person, die „alles richtig macht“ zu lösen sind. Das hindert uns jedoch nicht daran, trotzdem nach jeder dieser Diskussionen ein horrendes Bedürfnis nach Verdrängungswerkzeugen wie Alkohol, Schokolade oder Fernsehen zu entwickeln.
Ich glaube nicht, dass die Grundverzweiflung eine gute, beizubehaltende Idee ist. Sie macht Aktivist_innen müde, depressiv und/oder demotiviert. Ich denke, dass Beste was wir tun können, ist die Idee der Perfektion dahingehend aufzugeben, dass wir die Fehler in den Vordergrund stellen und nicht die Positivbeispiele. Dafür jedoch halte ich es für notwendig, auch die Idee des Altruismus aufzugeben. Womit ich zum dritten Ding komme:

Zumindest mir wurde gerade in meiner Jugend beständig vermittelt, dass es diese tollen, selbstlosen Menschen gibt, die „einfach so“ ihr Leben irgendeiner Sache gewidmet haben und dafür „am Besten“ auch noch in den Tod gegangen sind. In den unzähligen Schuldiskussion zu diesem Altruismus habe ich jedes mal gesagt, dass ich glaube, dass sie das aus reinem Egoismus getan haben, nämlich mindestens in der Hoffnung darauf, irgendwann von der Nachwelt dafür bewundert zu werden. Das Problem an der Altruismus-Konstruktion ist für mich, dass Altruismus motivationslos zu erfolgen hat. Dementsprechend ist die Frage, warum sollte ich altruistisch handeln?

Aus dieser Motivationslosigkeit des viel bewunderten Altruismus folgen dann Gespräche, wie sie vielleicht jede_r Aktivist_in kennt: Bewundernde Äußerungen seitens nicht oder wenig aktiven Menschen, wie „Ich find’s so toll, was Du alles machst. Ich könnte das nicht.“. Solche Äußerungen machen mich aggressiv, ich antworte darauf mal mit einer Version von „Super, mehr Blumen und Anerkennung für mich.“ und mal, dass es halt eine Frage von Prioritäten ist (Natürlich gibt es selbstgewählte und erzwungene Prioritäten, Engagement ist nicht frei von Privilegien.). Meine Antworten werden in der Regel nicht verstanden, was ich jedoch versuche deutlich zu machen, ist das Engagement nicht selbstlos ist und jede_r Motivationsgründe für Engagement finden kann. Es geht nicht darum, für das eigene Engagement irgendwann „heilig“ gesprochen zu werden, sondern das eigene Leben so zu gestalten, wie es für die Jeweiligen cool ist. Zu meiner Lebensplanung gehört ein ziemlich großer Lottogewinn, den ich vermutlich nicht kriegen werden, genauso wie Engagement, welches nicht immer perfekt laufen wird. Doch wenn ich vorgebe, aus Altruismus heraus zu handeln, verhindere ich einerseits, dass meine Handlungen anschlussfähig für Viele sind, die ihr Leben nicht aufgeben wollen und ich bau mir selbst einen riesigen moralischen Druck auf, selbstlos zu sein und keine Fehler zu machen – denn Fehler offenbaren scheinbar einen fehlerhaften Charakter und wie kann ein fehlerhafter Mensch altruistisch sein?

Egoistische Motivationsgrundlagen zu finden, scheint mir ein wichtiges Anliegen für Engagement und Aktivismus zu sein. Die Idee aufzugeben, ein „besserer Mensch zu werden“ zugunsten des eigenen Lebensplans. Wenn Engagement und die Beschäftigung mit Intersektionalität auf „Genau so habe ich mir mein Leben vorgestellt“ beruht und nicht auf „Ich will, dass die Welt ein besserer Ort ist“, hilft das nicht nur dabei, bei jeder weiteren Baustelle, bei jedem Fehler usw. nicht zu verzweifeln, sondern jede Baustelle und jeder Fehler ist genau das, was das Ziel des Ganzen war, nämlich das Leben mit eben diesen Baustellen und Fehlern und Menschen und Kram zu füllen.

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6 Kommentare

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  1. 1
    kiturak

    Hmmm … ich hab die ersten zwei Absätze hiervon toll gefunden, insbesondere den ersten -

    Das bedeutet jedoch auch, dass es keinen Weg gibt, das „nicht richtig machen können“ über eine „Passive“-Handlung zu verhindern.

    weil, schrecklich! “OH MEIN GOTT OH MEIN GOTT ICH BIN EIN SCHRECKLICHER MENSCH, am Besten spreche ich mit [Person, die_den ich *istisch verletzt habe] GARNICHT MEHR!” … Das mag manchmal richtig sein, zumal, wenn diese Person es deutlich gemacht hat, dass sie mit einer_m nix mehr zu tun haben will – aber ich kenne viel eher die Situation, plötzlich isoliert und im Stich gelassen dazustehen, weil jemand Angst hat davor, “was falsch zu machen”. (Und dass dahinter die Vorstellung steckt, dass ich die Person vorher für anti-*istisch perfekt gehalten hatte, und dass darauf meine Sympathie beruhen sollte, ist nochmal gruseliger.)

    Zum Altruismus-Ding bin ich entweder anderer Meinung oder hab einen Knoten im Hirn (RW).
    Also, mein Aktivismus ist ziemlich genau eine wütende Reaktion auf *istische Scheiße in meinem Leben. Da, wo ich von der Scheiße privilegiert bin, ist es, das ich es wahrnehme als genau die gleiche Scheiße, die nur diesmal andere kaputtmacht, was ich nicht will. Also sprich, was ich mit meinem Aktivismus will? von vornherein so ziemlich ausschließlich “die Welt soll weniger scheiße sein”. Ich hätte das jetzt nicht als “Altruismus” einsortiert, aber ok. Was ich nur meine, ist, das ist NICHT das Leben, was ich mir vorgestellt hatte. Ich hab mir die Diskriminierung nicht ausgesucht, ich hab mir nur den für mich erträglichsten Weg ausgesucht, damit umzugehen. Ich versuch halt, mich auf ne Weise darin zurechtzufinden, die mich dann doch wieder froh macht, also, tolle Sachen organisieren, tolle Menschen kennenlernen, und Denken macht mir ja auch unglaublich Spaß. Mir ein Leben daraus (jenseits davon) zu basteln, das gut für mich ist. Aber soll ich mich jetzt auch noch schlecht fühlen, weil mich *ismus depressiv macht – was irgendwie meine Schuld ist, weil ich mich “falsch” engagiere?
    Wo ich voll dabei wäre, ist, dass ich gefälligst Kohle bzw. ( = ) Anerkennung will für das, was ich tue. Das würde mein Leben tatsächlich wesentlich besser machen. Das wäre aber ne andere Kritik an “Altruismus” oder wie auch immer mensch es nennen mag – dass das Idealisieren davon (oder auch einfach die Annahme, dass es “selbst belohnend” ist, was wir tun, Babys wickeln, Blogposts schreiben) schlicht auf eine Verarschung von marginalisierten Menschen hinausläuft, die wichtige Sachen machen.

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    1. 1.1
      Stephanie

      kiturak » Mir ging’s bei dem Altruismus-Dings um das Ideal, nicht unbedingt um die empfundene Praxis. Ich glaube, dass sich die Idealisierung von Altruismus negativ auf Engagement auswirkt. Ich nehm einfach mal Dein Beispiel auf: ” “die Welt soll weniger scheiße sein”. Wenn das meine Motivatin ist, muss sich dann nicht jede Scheiße die baue (Fehler z.B.) so anfühlen, als würde sich mein Engagement negativ auf mein Ziel auswirken und damit meine Motivation unterhöhlen? Ich hätte gern, dass Fehler die Arbeit besser machen und nicht in so’nem Rechtfertigungsding drin sind, wie “Sorry, ich bin nicht perfekt”. Allein dieser Beispielsatz hat ja sowohl diese Distanzierung zum Selbsterhalt drin, als auch das Eingeständnis, es besser machen zu wollen, jedoch nicht immer zu können. Ich glaube, dass dieses Ding mit der Idealisierung von Altruismus zusammenhängt.

      Was ich daraus jedoch nicht machen wollte, ist victim blaiming. Es ging mir darum, dass die gesellschaftliche Konstruktion von Altruismus sich negativ auf Selbst- und Fremdwahrnehmung von Engagement auswirkt. Kann das so verstanden werden oder steckt das victim-blaiming immer noch/notwendigerweise drin?

      Dein letzter Punkt ist irgendwie ein anderes Thema. Wenn ich Dich richtig verstehe, habe ich dazu mal hier was geschrieben. (Offtopic: Soll ich mal meinen alten, cooleren Texte hier veröffentlichen?)

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      1. kiturak

        @Stephanie:

        “die Welt soll weniger scheiße sein”. Wenn das meine Motivatin ist, muss sich dann nicht jede Scheiße die baue (Fehler z.B.) so anfühlen, als würde sich mein Engagement negativ auf mein Ziel auswirken und damit meine Motivation unterhöhlen?

        nö. Wie kommst Du darauf?

        Sorry, ich bin nicht perfekt

        Das ist irgendwie ein anderes Thema ;) – aber ich bitte doch darum, dass sich Typen bei mir für sexistischen Scheiß entschuldigen, den sie bauen. Ich weiß nicht, was daran das Problem ist, oder die Distanzierung vom Selbsterhalt. “Sorry, bin nicht perfekt” ist allerdings ne miese Formulierung für ne Entschuldigung. Also, ist keine.

        Dein letzter Punkt ist irgendwie ein anderes Thema.

        Nö. :D Also, wie trennst Du die Idealisierung von Altruismus einerseits, und dass es für als “altruistisch” gesehene Sachen keine Kohle gibt andererseits?

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        1. Stephanie

          kiturak » Als ich grad tat, was ich nebenher mache, dachte ich, ich sollt’s vielleicht hier dazu schreiben, weil’s nen Zusammenhang gibt. Also, ich lese parallel dazu gerade Sekundärliteratur zu Descartes Meditationen, was insofern relevant ist, als ich mich diesbezüglich eben mit Fragen beschäftige, welche Weltsicht welche Weltsichten und Ansichten bedingt. Bin also inmitten einer typischen Philosophie-Blase.

          Was das Altruismus-Thema dabei betrifft, ist, dass ich mir Gedanken mache, inwiefern die Vermittlung von Altruismus in Form von Idealisierung und Konstruktion Auswirkungen auf das Denken und die Wahrnehmung hat. Ich komme zu dem Schluss, dass Altruismus eher keine gute Idee ist, also als gesellschaftliches Ideal. Was das persönliche Ding darin betrifft, ist’s mir eigentlich schnuppe. Also, wenn ein Individum für sich befindet, dass Altruismus die Grundlage der eigenen Arbeit/Existenz/sonstwas ist, ist’s mir recht. Wenn jedoch dafür missioniert wird – sei es in der Schule oder von den Religionen – halt ich’s für keine gute Idee. Ist mir wichtig, dass zu trennen.

          Was jedoch wieder mit dem individuellen Umgang zu tun hat, ist wenn beständig vermittelt wird, dass Altruismus ein Ideal ist, eine “höhere Existenzform”, die in den Himmel oder sonstwohin/wozu führt. Das hat sicherlich Auswirkungen und dann wird’s schwierig die individuelle Einstellung zu Altruismus von der gesellschaftlich vermittelten Idealisierung zu trennen. Was ich hier gerne versuchen würde, also weg vom Individum zu denken, hin zu den Auswirkungen ohne dabei den Individuum ihr Ding abzusprechen. Ähnlich wie das “Hausfrauen”-Ding (nur ein Beispiel, geht genauso mit Anderem) im Feminismus, also dieses “Natürlich kannst Du gerne Hausfrau werden, aber es gibt gesellschaftlichen Strukturen die sich in dem, mit dem und durch das bedingen”.

          Altruismus ist nach meiner Analyse als selbstlos und uneigennützig konstruiert (was auch die fehlende Kohle bedingt, ich dennoch gern nur als Beispiel dafür und nicht als eigenes Thema diskutieren möchte). Diese beiden Punkte am Altruismus halte ich für keine gute Idee. Wenn ich also daran arbeite, dass “die Welt weniger scheiße wird”, ist’s einerseits wichtig zu wissen, dass dann die eigene Welt auch cooler wird und andererseits (steckt ja auch schon drin), dass es nicht um persönliche Perfektion im Sinne von “ideale, höhere Existenzsform” geht – wie’s eben auch durch die Altruismus-Konstruktion vermittelt wird.

          Generell erscheint mir die Motivationsgrundlage für Engagement, insbesondere außerhalb der Betroffenheitspolitik, ein wichtiges Thema zu sein und gerade im Bereich der intersektionellen Arbeit zumindest verworren. Ich arbeite daran, meine Gedanken dazu mal auf dieser generellen Ebene auf die Bildschirme zu bringen. Hier an dem Punkt hätte ich jedoch gesagt, dass Altruismus zu Wohltätigkeit führt, und Wohltätigkeit immer Hierarchien ausbildet…

          Also, irgendwie so.

          Achso, “Sorry, ich bin nicht perfekt” bezog sich nicht auf die erste Eskalationsstufe nach bemerken eines Fehlers, sondern eher auf eine Situation, in der der Fehler zugegeben und bearbeitet wurde, “die Welt” jedoch nicht darüber hinweg kommt, dass Menschen Fehler machen, sondern weiter auf dem “Du hast aber mal…” beharren und nicht auf das “Ich habe diesen Fehler gemacht, was kann ich außer X,Y und Z noch tun, um das nicht zu wiederholen und Wiedergutmachung zu leisten” eingehen. Aber war mehr in meinem Kopf als im Kommentar ausgeführt.

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  2. 2
    kiturak

    [Nachtrag: das hat sich zeitlich mit Deiner Antwort überschnitten, Stephanie. Sorry!]

    Ich glaube, der ganze Wirrwarr in meinem Kopf liegt daran, dass “altruistisch” (im Sinn von “selbstlos”, “uneigennützig”) ein völlig unpassender Ausdruck ist für “ich will, dass die Gesellschaft weniger scheiße ist”. Teil der Gesellschaft sind alle, deshalb sind alle von vornherein interessiert.

    Zu “ich find das SOOOO toll, was Du alles machst, ich könnte das ja nicht” – das kenn ich eigentlich nur in der “SOO interessant, was Du machst, ich lerne so viel”-Version.
    Jedenfalls … ich hol’ mal etwas weiter aus. Also, ich seh tatsächlich das, was ich so anti-diskriminierungsdingsig mache, als eine Tätigkeit an, die im Idealzustand einfach nicht existiert. Ja, ich wär wirklich gern überflüssig damit :D Soweit auch zu Deiner Erwähnung des “Ideals”.

    Das nimmt mir auch nicht die Motivation oder so, garnicht. Ich würd’s vielleicht sehr entfernt vergleichen mit dem, wie ich glaube, dass ich mich im medizinischen Bereich fühlen würde. Ich glaube nicht, dass ich als Krankenpflegerin* keinen Sinn im Leben sehen oder dem, was ich tue, nur weil die Tätigkeit idealerweise genauso wie Krankheiten nicht existieren würde. (Andere Gründe gibt’s natürlich, zum Beispiel Keine Kohle Zu Viel Arbeit Menschen Ohne Hoffnung etc. – Und ich lass jetzt mal eine Reihe philosophische Grundsatzfragen zu “Gibt Es Ein Leben Ohne Krankheiten” und “Wollen Wir Denn Ewiges Leben?” einfach weg.) Ich glaub’ auch nicht, dass es mir als Ärztin* unbedingt das Gefühl geben würde, mein Lebenswerk habe keinen Sinn gehabt, nur weil sich rausstellt, dass ich 30 Jahre lang bei einer Krankheit das falsche Medikament verschrieben habe. (Solang ich sonst auch noch Sachen richtig gemacht habe.) Oder weil manche Dinge nicht heilbar sind.

    Das ist eine Tätigkeit, die im Sinn von “ich wäre froh, wenn meine Tätigkeit überflüssig wäre” genauso “altruistisch” ist wie systemfeindlicher politischer Aktivismus – bloß gibt’s dafür, je nach Platz in der kapitalistischen Hackordnung, Geld und/oder gesellschaftliche Anerkennung. (Und ich wette, das zeigt sich genau hier auch – ich seh das Augenrollen beim Lesen meines Kommentars förmlich vor mir, ich bin ja selbst kurz davor – “glaubt die* ECHT, ihr* Kram sei so sinnvoll, gut und richtig wie das, was ein ARZT tut?” “Interessant” und “ich lerne so viel” zählt da plötzlich nicht mehr.)

    Also, ich glaube, das ist ein kapitalistisches Ding.
    Je weniger Kohle/Anerkennung, desto häufiger der Spruch “ich könnte das nicht”. (DIESE AUFOPFERUNG!)
    Ich muss aber nicht behaupten, dass das, was ich mache, die aus sich heraus super erfüllende Lebensaufgabe ist (HEY HURRA STEINE SCHMEISSEN! oder so), um zu sagen, dass ich das für eine gute, richtige, wichtige Sache halte, die mehr Leute tun sollten. Gesellschaftlicher Abwasch, sozusagen. Dann wär’s für die einzelnen auch nicht mehr so aufreibend.

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  3. 3
    Bäumchen

    Wow, spannendes Thema.
    Altruismus ist sehr negativ besetzt für mich, aus Gründen. Vor allem als Forderung ist es doch gerade an die Menschen gerichtet, die hier in der Gesellschaft keinen Platz einnehmen sollen. Denn wer opfert sich in zumeist ehrenamtlicher unbezahlter Arbeit für andere Menschen auf? Ja, das sind vor allem Frauen*.
    Ich mache politische Arbeit nicht, weil ich selbstlos bin, sondern um mir einen Platz in dieser Welt zu erkämpfen, quasi um selbst”voll” zu werden. Augenöffner war überraschenderweise der kleine Text von Kafka ,,Vor dem Gesetz”. Ja, jetzt kommt der Deutsch-Nerd in mir zum Zug. Wo ein Mensch in das Gesetz hineinwill, von dem Hüter aber nicht reingelassen wird. Meine Interpretation dessen war: Wir kämpfen danach uns in den Gesetzen unserer Gesellschaft wiederzufinden,die uns von Anfang an aufoktroyiert wurden und uns in die Illusion einlullen, alles wäre bereits ,,gesetzt”; wir wollen teilhaben und mitbestimmen. Jedoch sind es ausgerechnet die dem Gesetz bestimmten Hüter*innen (Eltern, Lehrer*innen, Verwaltung, Staat),die genau das verhindern. Ja, kleiner Ausflug in meine glückliche Welt der Kafkainterpretation.
    Noch ein weiteres Merkmal an Altruismus, das ich fuchtbar finde: Es wird v.a. unpolitisch benutzt. Nicht umsonst ist es so beliebt in gerade christlichen Errettungsfantasien. Peter Singers ,,Leben retten” ist so ein Buch, das sich total daran aufgeilt, welche Menschen welche Geldgrößen gespendet haben und wie man(n) es mit der richtigen Einstellung schafft, fremde Kinder seinen eigenen vorzuziehen undundund. Das alles bleibt so unpolitisch im Sinne,dass es das herrschende System nicht angreift, sondern sogar unterstützt:Das Elend hinauszögern, indem Menschen abhängig gemacht werden von der Selbstlosigkeit einiger Reicher,die sich in ihrer moralischen Einzigartigkeit sonnen.
    Ja, zugegeben, das Wort ist echt nicht meins.^^
    Aber dennoch gibt es Punkte, wo ich mich sehr wiederfinde. Ich will tatsächlich nichts falsch machen. Ich will andere Menschen nicht verletzen. Ich wünsche mir einerseits, dass mir sofort gesagt wird,wo ich gefailt habe, andererseits habe ich Angst, dass ich über diese Fehler fortan definiert werde. Die Polydiskussion zum Beispiel,wo am Ende nur noch mein Fehler ausgewälzt wurde und eine weitere Diskussion nicht zustande kam…
    Andererseits kann frau auch sagen:Ja,meine Fehler definieren mich auch – in der Weise, wie ich aus ihnen lerne oder eben nicht lerne.

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