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Die Nougat-Klausel für Mietverträge

Mietverträge lesen sich für Mieter_innen ja eher schlecht. Während die Vermieter_innen sich größtenteils von allem Möglichen freisprechen, werden die Mieter_innen größtenteils eigentlich nur mit Pflichten beladen. Das ist im privaten Bereich so und im Gewerblichen ist’s nur noch schlimmer. Selten ist eine_r in der Position zu verhandeln…

„Aber!“ schreien jetzt die Jurist_innen „die meisten Mietverträge sind sowieso quatsch und überhaupt prima vor Gericht anfechtbar!“. „Sicherlich“ denken die potenziellen Mieter_innen „aber welche_r will sich schon vor Gericht mit dem/der Vermieter_in kloppen und überhaupt steckt das für die Rechtschutzversicherung vorgesehene Geld in der Miete…“

Die beste Basis für ein gelungenes Mietverhältnis ist ein kooperatives und vertrauensvolles Miteinander zwischen Mieter_in und Vermieter_in. Während jedoch dieses vielleicht noch vor dem Lesen des Mietvertrags bestand, ist es spätestens nach dem Lesen seitens der Mieter_innen futsch.

Natürlich werden jetzt einige sagen: „Mietverträge sehen nun mal so aus.“ Oder „Ich als Vermieter_in hab’s auch nicht so dicke, dass ich mir einen nett ausgearbeiteten Mietvertrag leisten kann“. Aber das muss ja gar nicht so sein. Es gibt ab heute ein ganz einfaches Mittel den guten Willen seitens der Vermieter_innen zu zeigen:

Die Nougat-Klausel

Am Ende des Mietvertrags ist dafür ein ganz einfacher Paragraf einzufügen:

„§Z: Dem/der Mieter_in wird einmal jährlich eine handelsübliche Tafel Nougat-Schokolade unentgeltlich zur Verfügung gestellt.“ (wahlweise durch andere Süßigkeit zu ersetzen)

Da unterschreiben wir Mieter_innen doch gerne, oder?

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15 Kommentare

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  1. 1
    Nicolai

    Eigentlich fährt man als kleine_r Vermieter_in (also mit weniger als 5 Häusern) am Besten, in dem man einen einfachen Standardmietvertrag nimmt und vor allem die Gesetze selbst gelten lässt. Alles andere wird einer_m vor Gericht sowieso um die Ohren gehauen und dient nur der Einschüchterung der Mietenden. Aber wer will als kleine_r Vermieter_in seine Mieter_innen schon einschüchtern?
    Die Rendite wird sowieso von dem_der einen Querulant_in im Haus halbiert, die_der auch für 90% des Stresses verantwortlich ist. Es ist also besser, die Mieter gar nicht erst einzuschüchtern und nur nette Menschen zu nehmen, die merken, dass man ihnen nichts böses möchte und seinen strukturellen Vorteil nur soweit auszunutzen gedenkt, wie das gesellschaftlich akzeptiert ist (das festzulegen ist übrigens Funktion des Mietspiegels).
    Nichts ist aufwändiger (und damit teurer) und nerviger, als ein ausgetiftelter Mietvertrag und ein Mietverhältnis in dem beide Seiten mit Argusaugen über die Ausfalldauer jeder Glühbirne buchführen.
    Die Nougatklausel ist eine nette Idee, ich mache sowas immer ohne Klausel zu Weihnachten.

    [Freigeschaltet von Zweisatz]

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    1. 1.1
      Stephanie

      Nicolai » Ich denke, Verträge werden sowieso überschätzt. Klar ist’s ein gutes Mittel um darzustellen, was sich die Parteien vorstellen, aber die Vertragseinhaltung ist ein ganz anderes Blatt. Daraus ein Machtspiel (ob vor Gericht, per Anwält_innen, etc.) zu machen ist für beide Seiten unschön und unwirtschaftlich (allein der zeitliche Aufwand). Daher die Idee mit der Nougat-Klausel: Macht deutlich, dass es schlicht um ein produktives Miteinander geht.
      Ich träume ja ab und zu von einem Bewertungsportal für Vermieter_innen, dann könnten die Guten schneller entdeckt werden…

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      1. Zweisatz

        @Stephanie: Das würde sicher in Grund und Boden geklagt werden (RW) :/ Hätte ich für Ärzt*innen auch gerne…

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      2. Nicolai

        [Triggerwarnung Klassismus. kiturak]

        @Stephanie: Was meinst du, wie sehr Vermietende von so etwas träumen? Ein funktionierendes Portal für Mieter_innenbewertungen. Ein Traum. Das eigentliche Problem ergibt sich vor allem daraus, dass du den Besitz (=! Eigentum) an einer Sache an jemanden überträgst, der diese, wenn sie_er sie beschädigt Sache oft selbst niemals bezahlen könnte.
        Zwar kannst du deine_n Mieter_in verklagen, wenn er_sie dein Wohnung beschädigt, aber wie willst du beispielsweise [ableistisches Schimpfwort entfernt, Zweisatz], die aus Unwissenheit gepaart mit Geiz (oder auch Geldnot) die Heizungsventile komplett zudrehen und dann in den Winterurlaub verreisen, woraufhin dir die Heizungsrohre platzen und die Hauszentralheizung kaputt geht, soviel Geld abnehmen, wie es kostet, alles zu reparieren, wenn sie das doch gar nicht haben? (für Neugierige: Der Trick besteht in angepassten Thermostaten, die eine vollständige Schließung nicht zulassen und immer eine Minimaltemperatur zulassen. Allerdings funktioniert das nur, wenn die Mietenden die nicht selbst ersetzen. Wozu sie glücklicherweise oft gerade die Menschen, die das machen würden, zu sparsam sind.)
        Letztlich fehlt es an einer brauchbaren Umverteilung des Wohnraums. Solange Wohnungen Menschen gehören, die nicht darin leben wird es schwierig. Hilfreich wäre vielleicht ein rein staatlicher Grundmarkt, wie in Singapur.
        Auch problematisch sind die furchtbar langen Fristen um Mieter_innen loszuwerden, die nicht zahlen. Wenn du heute aufhörst Miete zu zahlen und klug genug bist, zwischendurch einmal beim Gericht vorbeizuschauen, brauche ich 1 Jahr und 9 Monate um dich letztlich physisch aus der Wohnung zu bekommen. Das macht fiese Mieter_innen sehr teuer und ärgerlich und Vermietende sehr misstrauisch.
        Alles in allem sind aber die Vermietenden am deutlich längeren Hebel. Von ein paar Einzelfallkonstellationen mal abgesehen.

        @Zweisatz: Vermutlich ja. Es ist auch sehr schwer, sowohl eine Mietenden- als auch ein Vermietendenbewertungsportal ordentlich zu führen.

        [freigeschaltet von Stephanie]

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        1. Stephanie

          Naja, zunächst besteht ein grundlegender Unterschied zwischen Gewerbetreibenden (z.B. Vermietenden) und Privatpersonen. Als Gewerbetreibende stehe ich ja zunächst immer in der Öffentlichkeit meiner Zielgruppe, diese ist unweigerlich größer, wenn ich mich an Menschen im Allgemeinen richte. Als Privatperson mache ich das nicht, niemand gibt mir Geld für meine Existenz, somit besteht auch keine Rechtfertigungspflicht (zumindest im “moralischen-geschäftlichem” Sinn). Ich weiß nicht, warum Vermietende da geschützer sein sollen, als beispielsweise Einzelhändler_innen. Für Letztere gibt’s Bewertungsportale, die mögen das sogar mehr oder minder.

          Naja, dass Mieter_innen nciht rauszukriegen sind, ist ja auch ein Schutz vor Obdachlosigkeit. Problematisch am Rechtssystem ist sicherlich, dass diejenigen die den rechtlichen Schutz brauchen, häufig von den Mitteln ausgeschlossen sind, diese Rechte einzufordern – während evtl. einige, die sich damit “professionell” beschäftigen, eben auch professionell damit umgehen und daraus eine Profession machen.

          Übrigens: Die Idee an dem Geschäftskonzept Vermietung ist eben mit Eigentum, das andere nicht haben (zumindest nicht in der Form, also vielleicht anderswo etc.), Geld zu machen. Gibt kein Geschäft ohne Risiko (bzw. sollte es nicht geben, dass wäre wirklich seltsam). Darüber zu jammern, dass bei Vermietung Risiken bestehen, ist halt daher meines Erachtens Quatsch.

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        2. kiturak

          Triggerwarnung Zitat – Klassismus

          @Nicolai

          Auch problematisch sind die furchtbar langen Fristen um Mieter_innen loszuwerden, die nicht zahlen. Wenn du heute aufhörst Miete zu zahlen und klug genug bist, zwischendurch einmal beim Gericht vorbeizuschauen, brauche ich 1 Jahr und 9 Monate um dich letztlich physisch aus der Wohnung zu bekommen. Das macht fiese Mieter_innen sehr teuer und ärgerlich und Vermietende sehr misstrauisch.

          -> “Hier handelt es sich nicht mehr um ein Problem, das es zu lösen gilt, hier handelt es sich einfach um einen Feind, der geschlagen werden muß.”
          (Marx, zitiert via Samia <3)

          Heißt, nein, nicht, in keiner Weise, nie, no way.
          Zuallermindest in diesem thread gibt's mindestens von mir für Kommentare von Dir keine Veröffentlichung. Kram wie das Zitat oben nimmt hier schon zuviel Platz ein.

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  2. 2
    ink*ogni

    vermieter_innen-bewertungsportal? als ob du dir das aussuchen könntest, wo du ne wohnung kriegst… luxusprobleme 8-|

    [Freigeschaltet von Zweisatz]

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    1. 2.1
      kiturak

      ink*ogni »
      oh, ich fänd das unter Umständen trotzdem nicht schlecht. Manchmal ists ja auch einfach gut, rechtzeitig gewarnt zu sein. Also, oldschool-Nazi, hat so ein Ding damit, in Deiner Abwesenheit in der Wohnung rumzustöbern, ganz okay solange nicht [...] Kann ich mich wenigstens drauf einstellen, was kommt.

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    2. 2.2
      Samia

      @ink*ogni Huh? Hast du noch nie ne Wohnung angeguckt und dich nich beworben? Oder im Internet gesehen und dich nich gemeldet? Ist “Ich mag keinen Schimmel” ein Luxusproblem?

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  3. 3
    Nicolai

    @Zweisatz Danke für den Hinweis auf I* als Ableismus. Habe das Wort nachgeschlagen. War mir dieser Bedeutung nicht bewusst. Werde es nicht mehr verwenden.

    @kiturak verstehe den Klassismusvorwurf noch nicht so genau, setze mich jetzt aber hin, lese etwas darüber und versuche, zu verstehen, was ich geschrieben habe. Hoffe, dass mir das ermöglicht Klassismus in Zukunft zu vermeiden oder zumindest einzuschränken. Es war nicht meine Absicht in euer Wohnzimmer defäkieren. Es tut mir leid, dass ich das tat.

    [freigeschaltet vom Samia]

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  4. 4
    Samia

    @Nicolai Ich weiß echt nich, was die Probleme von Vermieter_innen (Arbeit”geber_innen”, Abgeordneten, Bullen…) hier zu suchen haben. Man kann nicht gegen Unterdrückung sein und für Herrschaft.

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  5. 5
    inkogn*i

    defäkieren in der rw heisst kacken,
    rant heisst hass- oder schimpftirade.
    beides kannte ich noch nicht.
    kiturak und samia, ja stimmt schon, so gesehen ist es ne kleine verbesserung.
    was mir im kopf präsent war, als ich denn kommentar schrieb, war det, dass fast alle die ich kenne, vor allem meine freund*innen in berlin aber nicht nur dort, voll krass oft berichten, wie schwer das ist überhaupt ne wohnung oder ein zimmer zu finden, da zum beispiel in kreuzkölln, also in gegenden, die nicht voll von nazis oder alltagsrassisten usw. dominiert sind.

    [Freigeschaltet von Zweisatz]

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  6. 6
    Nicolai

    @inkogn*i

    Was heißt denn RW?

    [Freigeschaltet von Zweisatz]

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    1. 6.1
      Zweisatz

      Es steht für Redewendung.

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      1. Nicolai

        @Zweisatz: Danke.

        [freigeschaltet von Stephanie]

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