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Diskussion um den Begriff “blind”

Unter einem Artikel von long_way_up ist eine Diskussion über den Begriff “blind” entstanden, die ab sofort hier weiterverfolgt werden soll. Aus dem Artikel “Why dancing?” wurde der Begriff entfernt.

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://takeoverbeta.de/2013/02/diskussion-um-den-begriff-blind/

5 Kommentare

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  1. 1
    Zweisatz

    Könntest du ableistische Begriffe wie “Wahnvorstellung” und “blind sein ggü. etwas” vermeiden? Also unter der Voraussetzung, dass die “Wahnvorstellung” metaphorisch, nicht wörtlich gemeint ist.

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  2. 2
    long_way_up

    Zweisatz,

    “blind” ist gar nicht in die abilty-richtung gemeint.
    Man kann sich ja auch blind machen, sich blenden, etwas nicht sehen wollen
    oder nicht sehen können, weil es versteckt ist.
    Das hat mit Unfähigkeit nichts zu tun.

    (Falls du das aber als Befürchtung in Richtung Menschen mit Sehbehinderung meintest:
    die nennen sich ja genau deswegen “Menschen mit Sehbehinderung”, da
    sie eben nicht blind (metaphorisch) sind, sondern eben nicht oder nur wenig sehen (physiologisch) können).

    @Wahnvorstellung: dass ich das nicht diskriminierend meinte, solltest du wissen.
    Streng genommen ist es ein Kompliment: Wie viele Menschen schaffen es denn, 200 Ländern ihre Idee zu kommunizieren?

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  3. 3
    Zweisatz

    long_way_up,

    Uhm, es geht nicht um “meinen”. Es geht drum Begriffe, die etwas Bestimmtes beschreiben (oder damit in Verbindung gebracht werden, sh. blind -> Sehbehinderung) als negative Metapher für etwas zu verwenden.

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  4. 4
    Zweisatz

    “Wahnsinn”, so wie der Begriff verwendet wurde, ist für mich auch immer noch kein Kompliment.

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  5. 5
    rouven

    Hallo,
    ich habe den Eindruck, dass es nicht ganz leicht ist, eine Sprache zu finden ohne Ableismus. Den Begriff “blind” verstand ich als vieldeutig und habe selbst keine negative Reaktion darauf im Vergleich zu “lahm”, aber ich habe die Kritik von Zweisatz nachvollzogen und bin mir nun sicher, dass wir eine gute Ausdruckweise suchen sollten. Vor allem nach meiner gleich beschriebenen Erfahrung weiß ich nun, worum es geht.

    Der Ersatz im Artikel ist das Wort “unsensibel” und brachte mich wegen persönlicher Betroffenheit erst dazu, stärker nachzudenken und dann auch hier zu schreiben: Aufgrund einer Erkrankung bzw. Therapie leide ich unter Sensibilitätsstörung und tatsächlich triggerte die Ersetzung “unsensibel” bei mir unangenehme Gedanken und Gefühle, die mich vom Artikel ganz abgelenkt haben. Ich will jetzt nicht, dass hier noch mal ersetzt wird, ich stelle nur fest, dass ich als “unsensibler” Mensch keine Wahl habe als meine Nervenzellen zu trainieren und zu hoffen (ÄrztInnen und PflegerInnen sagen dazu ‘kämpfen’ und ‘geduldig sein’) – das ist aber im Artikel nicht ganz so gemeint, es geht wohl nicht so sehr um die Hilflosigkeit und Unausweichlichkeit, sondern mehr um Bequemlichkeit.

    Ich finde, dass eine bildhafte Sprache durch die Bilder eine besondere Energie hat, aber vieles geht auf Kosten von durch das Bild fälschlich Getroffenen. Die Ersetzung eines Begriffs bringt das Ziel vielleicht nur ein kleines Stück näher, ich denke, dass wir größere Schemata ersetzen müssen. Ein kurzes wildes Tauchen durch meine Assoziationen hat mir deutlich gemacht, dass praktisch überall da, wo Einstellungen, Kräfte und Verhältnisse benannt werden, die unser Denken, Fühlen, Verhalten und Handeln beeinflussen, wo von Fähigkeit und Unfähigkeit die Rede ist, ein Begriff steht, der fehlgeht, d.h. die falschen Leute trifft – und diese Überlegung geht dann davon aus, dass es möglich ist und wünschenswert ist, die richtigen Leute zu treffen. Es gibt ein Erbe, etwa so Worte wie “Verblendung” (Rückkehr zum Thema, endlich), dessen Gewalt sich schwerer und unkontrollierter auswirkt als ich bisher gedacht habe.

    Eine andere Schwierigkeit stellt sich für mich in der Domäne des Psychischen. Zweisatz Frage bzw. Entscheidungsregel, inwieweit “Wahnvorstellung” bildhaft oder wörtlich aufzufassen ist, macht es für mich deutlich – inwieweit ist ein – hm – psychiatrischer Begriff wörtlich auffassbar? Wenn wir den – bald möglicherweise erneuerten – Definitionen der Psychiatrie folgen, hätten wir eine Basis für wörtliche Bedeutung für Angst und Furcht, Traurigkeit und Trauer, Wahn usw. Es sind aber mit Sicherheit Begriffe, die gewaltvoll einwirken, sie dienen dann nicht als neutraler Grund, von dem wir einen gewaltvollen Fehlgebrauch abscheiden könnten. Der auf dieser Seite erschienene Artikel zur Antipsychiatrie entlastet mich, das näher erklären zu müssen. (Kurze Herkunftsdeklaration: Ich habe etwas Ausbildung in dem Bereich gehabt und einige Wochen psychiatrisch gearbeitet , die Nützlichkeit psychiatrischer Definitionen wie auch ihre Leerstellen, die Gewalt der Institution und die Entlastung und Belastung, die PatientInnen darum erleben habe ich ein wenig kennengelernt.)

    Abschließend will ich aber noch mal auf die Wirkung dieses Artikel eingehen im Sinne der Kritik von Zweisatz. Ob ein Begriff als Herabsetzung oder Kompliment gemeint oder aufgefasst werden kann, macht aus meiner Sicht keinen Unterschied, denn ob ich “Wahnsinnige” oder “Unwahnsinnige” bevorzuge ist in einem ableistischen Raster nun nicht der wichtigste Punkt, denke ich, sondern die Unterscheidung selbst. Möglich, dass Zweisatz letzlich auch darauf hinaus wollte, nur waren die kurzen Kommentare vorher da nicht so klar in diesem Punkt, weil eben kurz.

    Ich finde das Gebiet sehr spannend und möchte mir mehr Gedanken dazu machen. Takeoverbeta ist der Ort, an dem solche Gedankengänge beginnen können. Danke dafür.
    Rouven

    [Freigeschaltet von Zweisatz]

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