Samia

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Name: Samia
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  1. Antwort auf “Wo ist eigentlich dieser Elfenbeinturm und in welchem Zimmer wohne ich?” von Nadine Lantzsch — 15/11/2012
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Antwort auf “Wo ist eigentlich dieser Elfenbeinturm und in welchem Zimmer wohne ich?” von Nadine Lantzsch

Hinweis: Im Artikel schreibe ich ein rassistisches Wort aus, um es zu erklären.

Ich hab grad diesen neuen Artikel auf Medienelite gelesen und mich geärgert, deshalb blog ich jetzt auch mal was.

Ich nenn gleich mal das größte Problem, das ich damit habe: Dass auf Kritik verwiesen wird, die dann aber nicht zugeordnet oder belegt wird. Das ist ne ganz miese Tour, so macht man sich nämlich unangreifbar: Wer sich angesprochen fühlt, ist eh schuldig. Wer sich nicht angesprochen fühlt, ist eh einverstanden. Ich werd deshalb gleich mal was aufklären, was eigentlich erst später im Artikel steht: Die Person, die sich über den Begriff “epistemische Gewalt” beschwert hat, ist unsere* übertrieben supertolle kiturak! Viele bunte <3 <3 <3 an dieser Stelle! Das kann man alles hier auf Facebook nachlesen.

Dieses hinterhältige Nicht-Zitieren hat noch einen weiteren “Vorteil”: Die Kritiker_innen lassen sich hervorragend weißwaschen. Ich lass das mal so stehen, denn um sinnvoll zu widersprechen, müsste ich ja wissen, wer gemeint ist. Merkt ihr was? Ach, ich helf euch: Genau einen Tag vor Nadine Lantzsch hat die einzigartige Bäumchen einen unfassbar wichtigen Artikel zu Klassismus geschrieben (Lesen! Am besten jetzt, vor dem Quatsch hier! Kommentare auch lesen!). Und da wurde bisher mehr so mäßig bis gar nicht drauf reagiert.
Jedenfalls beschließe ich wegen dieser ganzen Fragezeichen, mich einfach von dem kompletten Artikel angegriffen zu fühlen. Zitate sind fett gedruckt. Viel Spaß, geht los:

Oft lese ich Kritik und gewinne den Eindruck, es ginge nur um die Kritik der Kritik willen …

Unpolitisch und psychologisierend. Sagen sowas nicht immer die Masku-Trolle, die Feminist_innen angreifen? Egal, jetzt kommt das erste Argument:

Es wird Sprache kritisiert, die unverständlich ist, aber es wird nicht eingeordnet, was das für Sprache ist und wo sie herkommt, wie sie sich einbettet in ein bestimmtes Herrschaftswissen (oder eben auch Widerstandswissen), wie dieses Wissen und diese Sprache zustande kommt.

Auch hier bleibt die Kritik, die sich ja erstmal total einleuchtend anhört, virtuell. Weil sie einfach in die Luft geschossen wird, ohne Ziel. Nee, auch nicht, kiturak war ja schon ein ganz eindeutiges Ziel. Dann vielleicht: Ohne dass das Ziel bekannt wäre. Trotzdem, ab hier war ich neugierig – was ist dieses Widerstandswissen? Warum ist es wichtig? Wer hat es, wer kann es bekommen?

Erstmal kommt aber ein kleiner Schwenk ins Grundsätzliche:

Warum sich auf einmal in die Kritik eines Machtverhältnis ein fieser liberalistischer Grundgedanke einschleicht und jeder Hinweis auf die Gefahr der Gleichsetzung von sozialen Positioniertheiten mit “Spiel keine oppression olympics!” vom Tisch gefegt wird.

Den Teil fand ich sehr kryptisch. Da hätte ein konkretes Beispiel bestimmt geholfen, kann ja auch ein erfundenes sein. Liberalismus ist scheiße, Oppression Olympics auch, der Zusammenhang ist mir völlig unklar. Ich sag auch gerne mal was gegen Oppression Olympics, deshalb hätt ich die Stelle gern verstanden – wenns jemand erklären könnte, wär das toll.

Jetzt kommt viel von Lantzschs eigenem Leben und wie sie zu einer antiklassistischen Praxis gefunden hat. Sie kommt dann auf “studierte junge Menschen, vielleicht auch aus studierten Elternhäusern”, die ihr bei Vorträgen wegen ihrer Sprache Klassismus vorwerfen. Ich versuch das ja alles zu entschlüsseln, und ich denke mal, hier geht es definitiv nicht mehr um Leute, die ich kenne oder mit denen ich zu tun habe. Ich kenne offline jedenfalls kaum studierte Menschen, und meine großartigen Mitblogger_innen können auch nicht gemeint sein, weil die keinen “neoliberalem Sprech” draufhaben.

Dann gehts darum, dass Lantzsch das Wissen von der Uni weiterverbreitet, indem sie z.B. bloggt. Hier bin ich auch wieder nicht ganz sicher, aber ich glaube, sie sieht das Bloggen als antiklassistische Praxis, weil sie damit ja Leuten hilft, die nicht studiert haben. Find ich ziemlich komisch, aber nicht so wichtig, weil:

Auch dann kommt wieder der Klassismusvorwurf um die Ecke, weil ich nicht immer Alltagssprache benutze.

Undankbares Pack! Da gibt man sich sone Mühe, und dann?! Naja, eh nicht: Sie behauptet ja, die Kritiker_innen seien gar nicht von Klassismus betroffen. LOL. “Nicht immer Alltagssprache” ist ne harte Untertreibung. Diesen Artikel von Lantzsch konnt ich ganz gut lesen, andere: Not so much. Alltagssprache sei “rassistisch, sexistisch usw geprägt und dominiert”. Normal, aber deshalb muss man doch nicht rumakademisieren. Krieg ich doch auch hin! Klar, die *ismen muss und musste ich mir abgewöhnen, das war und ist harte Arbeit. Das hat aber nen Scheiß mit dem Sprachniveau zu tun, ich versteh überhaupt nicht, wie man auf sowas kommt. Ich meine, gehts hier um “je niedriger die Klasse desto größer der Rassismus”? Sind Akademiker_innen weniger sexistisch? Ist “Migrationshintergrund” weniger widerlich als das K-Wort? (Das steht für das rassistische Schimpfwort “Kanake”.)

Warum soll ich Wissen von Theoretiker_innen of color umlabeln, umschreiben und umsprechen, so dass es auch jede weiße Person begreift? Warum wird Wissen von Theoretiker_innen of color als “Fremd”wörter fremddefiniert?

Bahnhof. Um welche Wörter gehts hier? Englische Sachen vielleicht? Spaß, es geht natürlich um die fantastische KITURAK! Also, um das oben erwähnte Zitat von Facebook.

Und warum beschweren sich weiße Personen aus Akademikerhaushalten, dass sie auf postkolonial verorteten Konferenzen das Wort “epistemische Gewalt” nicht verstanden haben … Während Wikipedia eigentlich die Antwort auf dem Silbertablett serviert?

Ich will hier nochmal betonen, was für ne unfassbar widerliche Tour das ist, jemanden so anzugreifen, dass nur sie* und ein paar wenige Eingeweihte es verstehen können. Aber zur Kritik: Wenn ich Wikipedia frage, kommt was krass Unverständliches über “Epistemologie”. Das soll ein Silbertablett sein?! Letztens konnte mir jemand “epistemische Gewalt” erklären, es bedeutet sowas wie “Wissensgewalt” oder “Gewalt durch Wissensproduktion”. Weil.. ein Epistel ein Brief ist. (Korrigiert mich bitte, wenn das völliger Quatsch ist.) Ich denke, das soll jetzt ein Beispiel für einen Begriff aus dem Widerstandswissen sein. Er ist ganz klar akademisch, lateinisch, für Außenstehende nicht verständlich. Kein Plan, warum das kein Fremdwort sein soll. Man kann so einen Begriff hinterfragen. Spoiler: Ich bin weder weiß noch akademisch, die Keule zieht also nicht.

Warum wird hier Klassismus gegen Rassismus ausgespielt, während es in der Mehrheit von Rassismus betroffene Menschen sind, die sich mit “ethnischer Unterschichtung”, Sozialchauvinismus und der Bewertung ihrer nationalökonomischen Verwertbarkeit rumschlagen müssen …

AAAAAH anstrengend. Denkt sie denn, die Menschen, für die sie da spricht (Achtung: bei anderen ist das was Schlechtes), verstehen den ganzen Scheiß? Gibts doch nicht. Aber es ist noch nicht vorbei, hier:

Warum wird widerständiges antisexistisches, antirassistisches Wissen zur Angriffsfläche von Klassismuskritik und nicht die sexistischen und rassistischen Wissensproduktionen irgendwelcher weißen Theoretiker … Warum werden nicht vornehmlich linke Theoriemacker bei Seite genommen …

Immer das Gleiche: Nestbeschmutzerin*! Wir müssen zusammenhalten! Du machst unsere schöne Bewegung kaputt! Die da drüben sind viel schlimmer! Das kann man doch echt nicht mehr bringen. Trololol, und woanders müssense hungern.. Aus.

Wichtige Hinweise: Das takeoverbeta-Team haftet nicht für Samia. Das ist übrigens immer so und bei allen, außer bei gemeinsam veröffentlichten Posts wie den Hinterzimmerberichten.
Die üblichen Lantzsch-Haters brauchens gar nicht erst versuchen, ihr seid hier immer schon raus. Sollte uns jemand durchrutschen, weil er_sie sich verstellt, sagt Bescheid, dann fliegt er_sie nachträglich raus.

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Solidarität mit “AZ Wuppertal – Es reicht!”

Triggerwarnung: Debatte zum Umgang mit sexualisierter Gewalt in der radikalen Linken

Auf diesen Streit bin ich durch einen Link von Kommentator_in Nelo bei der Mädchenmannschaft aufmerksam geworden.

Eine Gruppe von Besucher_innen des AZ Wuppertal (im Folgenden nach ihrem Blogtitel “Antisexismus Wuppertal” genannt) beschreibt in einem ausführlichen Text das in ihrer Erfahrung von Sexismus und sexualisierten Übergriffen geprägte Klima dort. Ich weiß nichts über diese Szene, ich weiß nicht einmal, wo Wuppertal liegt, aber ich werde solche Erfahrungen niemals anzweifeln. Auslöser für die Intervention war der Umgang mit einem aktuellen Vergewaltigungsfall im AZ.

Die AZ-Leute sehen sich in ihrer Stellungnahme als Opfer einer Schmutzkampagne politischer Gegner_innen, die eine “Vergewaltigung instrumentalisieren” würden, um dem AZ zu schaden. Sie verbitten sich die radikale Formulierung “AZ dichtmachen” mit dem Hinweis, das AZ stehe durch Naziterror ohnehin ständig unter Beschuss. Bei der Gelegenheit werden die Kritiker_innen auch gleich in die Nähe der Nazis gerückt.

Diese Art der Prioritätensetzung kommt mir allzu bekannt vor: Weiße Feminist_innen bügeln mit der gleichen Logik die Kritik von WoC an der Bewegung ab, Pro Choice-Aktivist_innen schweigen aus “taktischen Erwägungen” zur Ableismus-Problematik oder vertreten sie gleich selbst, Kämpfer_innen für die gesetzliche Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare wollen von Poly-Anliegen nichts hören. Und das ist nur eine kleine Auswahl.

Das AZ scheint die Sache jedenfalls für eine Art Polit-Privatangelegenheit zu halten. Neben einem “offenen Austausch” fordert es allen Ernstes strikte Geheimhaltung, was das Internet betrifft:

Uns ist es wichtig Strukturen und Probleme offen (in gewissem Rahmen) anzusprechen und zu diskutieren. Wir bitten darum, mit dem Papier verantwortlich umzugehen, um eine von Nazis und Behörden kommentierte Debatte im Netz zu verhindern. Das schließt für uns das Posten auf öffentlichen Plattformen mit offener Kommentarfunktion (Facebook, Indymedia, diverse offene Foren ect.) aus.

Dem haben sich die Leute von Antisexismus Wuppertal widersetzt, und ich tu es ihnen gleich. Ohne das Internet blieben solche Debatten lokal begrenzt. Ohne das Internet hätte ich wahrscheinlich erst viele Jahre später vom Konzept der Definitionsmacht gehört. All das kann niemand wollen, der_die nicht bemüht ist, Täter zu schützen. Ich akzeptiere nicht, dass es “Nazis und Behörden” tatsächlich geschafft haben sollen, uns in die Lage zu bringen, uns nicht mehr politisch austauschen zu können. Es ist eine traurige Banalität, dass in vielen linken Zusammenhängen erst über Sexismus und sexualisierte Gewalt gesprochen wird, wenn eine Vergewaltigung öffentlich gemacht wird. Klarnamen u.Ä. haben natürlich trotzdem nichts im Internet verloren!

Ich gebe zu, mit der einleitenden Behauptung – wahr oder unwahr ist hier gleichgültig – die Kritiker_innen seien lediglich eine “kleine antideutsche, dogmatische Fraktion”, die eine “autoritäre Politik” betreiben würde, hätten sie mich fast gekriegt. Zum Glück habe ich den ganzen Text gelesen. Ohnehin hat die Haltung von Antisexismus Wuppertal zum israelischen Nationalismus in diesem Kontext keine Relevanz. Selbst wenn es sich bei den Leuten um einen ganz widerlichen Haufen antimuslimischer Rassist_innen handeln sollte, täte das der Richtigkeit ihrer Kritik in dieser Frage keinen Abbruch.

Ein nicht unwichtiges Detail ist die Tatsache, dass die Replik der AZ-Leute offenbar eine Beschreibung der Tat enthielt. Danke an Antisexismus Wuppertal für das Löschen derselben.

Wenn ihr dieses AZ erhalten wollt, AZ-Leute, stellt euch doch einfach der Diskussion. Unterdrückt die Abwehrreflexe und geht ernsthaft auf die Kritik ein. Äußert euch zu jeder einzelnen von Antisexismus Wuppertal geschilderten Situation, nicht nur zu der einen. Und tut es öffentlich. Tut es am Besten auch gleich: im Internet.

Hier nochmal die Links:

Kritik von Antisexismus Wuppertal

Stellungnahme der AZ Wuppertal-Leute

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