Kategorienarchiv: Bäumchen

Kleine Bekanntgebung: Namens(zurück)wechsel

AusDerBaum wird auf takeover.beta wieder offiziell zu Bäumchen. :-) Ab jetzt werden alle Beiträge von mir derart bezeichnet sein; und ich werde auch die älteren Posts nach und nach editen.

WiederAnDerBaum.

Liebe Grüße,

euer Bäumchen

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takeover.beta – gefährdet neuerdings auch Ihre Jugend.

Jugendliche sind lauter Gefahren ausgesetzt.

Zum Beispiel den ganzen Erwachsenen um sie herum.

Für die gibt es leider keinen Spamfilter.

Aber für Seiten wie takeover.beta.

Ich saß heute im Frankfurter Flughafen, sehr gestresst über eine verpasste Mitfahrgelegenheit und entdeckte einen Computer mit Internetzugang. Viel Kleingeld hatte ich nicht mehr und mir war auch viel zu heiß,als dass ich jetzt mit besonderem Interesse gesurft hätte. Mehr zur Beruhigung sollte es dienen und ich schenkte mir teure sechs Minuten Internet.

Klick, klick.

Ich kam bei takeover.beta nicht rein.  Sehr verwundert starrte ich auf das Display. Die  Seite war gesperrt – wegen jugendgefährdender Inhalte. What the fuck. Dachte ich. Und sah weiter unten weswegen:

Wegen dem Keyword “White Supremacy”.

Das kam sehr überraschend.

White Supremacy “dient als Sammelbezeichnung für eine Vielzahl rassistischer ideologischer Systeme”(Quelle: wikipedia) und ist in antirassistischen und postkolonialistischen Theorien ein vielverwendeter Begriff, um weiße Privilegien sichtbar zu machen, wo heute vielleicht nicht mehr offen von ,,Überlegenheit des weißen Mannes” gesprochen, aber Weißsein mit Normalsein gleichgesetzt wird.

Darum ist unsere Seite jugendgefährdend. Weil sie sich mit Rassismus kritisch auseinandersetzt.

Was bitte schön, liebe Menschen vom Frankfurter Flughafen oder die, die für die verdammten Jugendschutzfilter zuständig sind, soll das denn sein???

 

 

 

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Schnipp-Schnapp-Thread (2): ~~~Hitze~~~

Es ist warm. Das erfährt mensch auch online und ohne sich darüber informieren zu wollen. Menschen, die Außer-Haus-Erfahrungen für altmodischen Schnickschnack halten, bekommen in aller Breite und Intensität derzeitige Wetterverhältnisse beschrieben, das ist  ‘ne Serviceleistung z.B. in vielen Timelines auf Twitter. Welche also will, kann jetzt auch hier etwas über das Wetter schreiben. Oder über das warme Wetter. Oder über das Phänomen schwitzender Menschen bei warmen Wetter.

Oder über alles, was die Person gerade beschäftigt. :-)

 

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Religiöse Herr-schaft. Dekonstruktion am Beispiel einer Freundschaft.

In­halt: Re­li­giö­ser Miss­brauch, Ab­leis­mus ge­gen­über Trau­ma­ti­sier­ten, Ge­walt, Ky­ri­ar­chie, He­te­ro­s­e­xis­mus

,,Das Wort sein be­deu­tet im Deut­schen bei­des: Da­sein und ihm-ge­hö­ren.“
Franz Kafka

Ta­ge­buch­ein­trag aus dem Jahre 20__

Ges­tern, als Hen­drik* ge­meint hat, dass zum Glück nir­gend­wo in der Bibel steht, dass wir durch Ge­füh­le er­ret­tet wer­den, ist Maria auf­ge­stan­den vom Tisch und zu einem an­de­ren ge­gan­gen. Echt, ihr Ver­hal­ten ist ziem­lich krass zur­zeit. Ich habe es nie er­lebt, dass je­mand UN­BE­RÜHRT von der You‘co heim­ge­kehrt ist. Sie hat sich auch gleich am Sams­tag, als wir von der You‘co zu­rück­ge­kehrt sind, abends mit Ste­fan ge­trof­fen.
Wie­der scheint es, als würde ich bald eine Schwes­ter ver­lie­ren. Ich bin über­zeugt, dass sie nur in [Wohn­ort X] blei­ben will wegen ihrer welt­li­chen Freun­de. In [Wohn­ort Y], einer klei­nen Ge­mein­de, wäre sie auf­ge­for­dert, am Ge­mein­de­le­ben teil­zu­ha­ben; in [Wohn­ort X] aber ver­schwin­det sie in der Masse. Sie will auch mit mir zu­sam­men zie­hen, aber das liegt wie­der­um daran, dass wir nie viel Ge­mein­schaft mit­ein­an­der haben und dass ich wohl eher ihre welt­li­chen Freun­de ak­zep­tie­ren würde als an­de­re Schwes­tern. In [Wohn­ort X] wird sie in ihrem Selbst blei­ben. Ich brauch die an­de­ren Ge­schwis­ter in die­ser Sache. Der Herr weiß, dass ich kurz davor stehe, ihr eine Ohr­fei­ge zu ver­pas­sen. Ich habe bei Hanna, Ruth und Rahel den Feh­ler ge­macht, ihnen nicht zu zei­gen, dass sie völ­lig im Selbst han­deln. Aber – wenn der Herr seine Be­stä­ti­gung dazu gibt – bei Maria werde ich mich nicht der Ver­ant­wor­tung ent­zie­hen. Sie ist völ­lig im Selbst. Sie ver­schläft den hal­ben Tag und be­haup­tet, sie hätte Schlaf­man­gel. Sie geht nicht zur Ver­samm­lung, weil sie müde ist, fühlt sich aber fit genug, sich am sel­ben Abend mit einem Kum­pel zu tref­fen.
Au­ßer­dem gibt es noch einen an­de­ren Punkt, den ich nicht rich­tig ein­ord­nen kann. Sie hängt sich viel­zu­sehr an mich, und zwar auf eine Weise, die die Alarm­glo­cken in mei­nem Kopf schril­len lässt. In der You‘co mein­te sie plötz­lich, was für eine be­son­de­re Au­gen­far­be ich hätte. Sol­che Dinge hel­fen nicht ge­ra­de, ihre Nähe aus­zu­hal­ten.
Und in Sa­chen Josef ist sie völ­lig ni­hi­lis­tisch, ich meine sie war mit dem Kerl drei Jahre lang zu­sam­men, und jetzt redet sie nicht mehr mit ihm, küm­mert sich nicht um ihn. Mit ihm habe ich schon ge­re­det und seine Sicht kann ich gut ver­ste­hen; ihn ir­ri­tie­ren ihre Selbst­mord­ge­dan­ken. Da ist er nicht al­lei­ne.

*Namen und Wohn­or­te ge­än­dert/un­kennt­lich ge­macht

Das ist ein Ta­ge­buch­ein­trag, den ich kurz nach der Ju­gend­kon­fe­renz mei­ner Ge­mein­de vor ei­ni­gen Jah­ren ge­schrie­ben habe. Ich hatte ge­ra­de das Ab­itur hin­ter mir mit einer zu­frie­den­stel­len­den Note; ich war­te­te auf die Brie­fe der Uni­ver­si­tä­ten, bei denen ich mich be­wor­ben hatte. Ich war auf dem Hö­he­punkt mei­ner christ­li­chen Glau­ben­s­kar­rie­re. Sel­ber be­schrieb ich das mit ,,end­lich ge­lernt zu haben, was es heißt, sein Selbst auf­zu­ge­ben.“

Was die­ser Text be­deu­tet und was ich heute für mich und viel­leicht für an­de­re dar­aus zie­hen kann, möch­te ich jetzt ana­ly­sie­ren. Ich werde so vor­ge­hen, dass ich ihn Satz für Satz aus­ein­an­der­neh­me und kom­men­tie­re, mit mei­nem heu­ti­gen po­li­ti­schen Wis­sen be­ur­tei­le und ver­glei­che. Die­sen An­satz kön­nen an­de­re ,,Ana­ly­se“ nen­nen; ich mag das Wort ,,De­kon­struk­ti­on“ lie­ber, also zu­gleich Zer­stö­rung und Auf­bau; und habe das als An­satz von Ana Mar­doll: deren Li­te­ra­tur­kri­ti­ken ich nur jeder emp­feh­len kann.

Ich nehme einen Ta­ge­buch­ein­trag von mir, weil ich es für wich­tig halte, Se­xis­mus, Ras­sis­mus, He­te­ro­s­e­xis­mus, Ky­rio­zen­tris­mus, Ab­leis­mus etc. nicht immer nur an an­de­ren Men­schen zu kri­ti­sie­ren und sich an ihnen ab­zu­ar­bei­ten. Der Kampf gegen alle mög­li­chen Ismen muss in jedem Men­schen neu voll­zo­gen wer­den; die ei­ge­nen Ab­grün­de zu ent­de­cken, den ei­ge­nen An­teil an der Re­pro­duk­ti­on der Ge­samt­schei­ße; um die Di­men­si­on zu be­grei­fen, in der wir alle davon durch­drun­gen sind. Audre Lorde schrieb ein­mal über die Aus­gren­zun­gen in­ner­halb fe­mi­nis­ti­scher Grup­pen ge­gen­über schwar­zen, armen, les­bi­schen, alten Frau­en den wun­der­ba­ren Text ,,The Mas­ter’s Tools Will Never Dis­mant­le the Mas­ter’s House“ (als Sinn­bild etwa: Die Werk­zeu­ge des Pa­tri­ar­chats wer­den das Pa­tri­ar­chat nicht zer­stö­ren). In die­sem Sinne möch­te ich sagen: Damit Kri­tik dann letzt­end­lich tat­säch­lich wirk­sam wird, weil wir, die wir den Um­gang mit die­sen Werk­zeu­gen ver­in­ner­licht haben, fähig wer­den, ihre An­wen­dung zu er­ken­nen: bei uns sel­ber wie auch bei an­de­ren. Um neue Wege zu fin­den und einen Wi­der­stand zu kre­ieren, der zum Ab­riss des Pa­tri­ar­chats dann letzt­end­lich auch bei­trägt und ein gutes Leben für alle er­mög­licht.

Ich be­gin­ne ein­fach mal Stück für Stück.

Ges­tern, als Hen­drik ge­meint hat, dass zum Glück nir­gend­wo in der Bibel steht, dass wir durch Ge­füh­le er­ret­tet wer­den, ist Maria auf­ge­stan­den vom Tisch und zu einem an­de­ren ge­gan­gen. Echt, ihr Ver­hal­ten ist ziem­lich krass zur­zeit. Ich habe es nie er­lebt, dass je­mand UN­BE­RÜHRT von der You‘co heim­ge­kehrt ist.

Maria ist eine mei­ner bes­ten und zu­min­dest auch meine lang­jäh­rigs­te Freun­din. Sie ist in der Ge­mein­de auf­ge­wach­sen; wäh­rend ich durch sie da­zu­kam, als ich 14 Jahre alt war. Sie war an­er­kannt in der Ge­mein­de; spä­ter hatte sie aber ein trau­ma­ti­sches Er­leb­nis wäh­rend ihrem FSJ, was zu einem Ein­bruch ihrer bis­her li­nea­ren Be­zie­hung zur Ge­mein­de und zu Gott führ­te. Durch sie in die Ge­mein­de ge­kom­men, wurde ich immer mit ihr as­so­zi­iert; ihr ,,Schat­ten“, wie mich an­de­re z.t. nann­ten. Lange Zeit wurde ich nur mit ihr und nie al­lei­ne ein­ge­la­den. Wäh­rend sie dann den Bruch er­leb­te, ge­noss ich lang­sam schon etwas An­se­hen; eine an­de­re Freun­din aus der Ge­mein­de hatte er­folg­reich dazu bei­ge­tra­gen, mich bes­ser zu in­te­grie­ren und ich heims­te lang­sam die Früch­te einer jah­re­lan­gen ent­beh­rungs­rei­chen Ar­beit ein.

Hen­drik war ein jun­ger Mann, der zu denen ge­hör­te, die die Ju­gend lei­te­ten. Ge­ra­de bei ge­mein­sa­men Essen mit vie­len Ju­gend­li­chen kommt es vor, dass diese geist­li­chen ,,Hir­ten“ sich ir­gend­wo da­zu­set­zen oder sich eine Grup­pe um sie schart und dann haben sie Ge­mein­schaft und tei­len ihre Er­fah­rung mit den Jün­ge­ren oder we­ni­ger Geist­li­chen. Geist­lich steht in mei­ner Ge­mein­de als ein Syn­onym für ,,alles, was von Gott ist“. Alles an­de­re ist Mist (wort­wört­lich nach Pau­lus). Schon in der Art, wie dich diese Män­ner – es waren immer Män­ner –, an­spre­chen, kannst du er­ken­nen, auf wel­cher geist­li­chen Stufe du dich wohl be­fin­dest. Er­stre­bens­wert ist es, wäh­rend so einer Ge­mein­schaft sel­ber viel aus­zu­tei­len und bei­zu­tra­gen. Wer Ver­ant­wor­tung über­nimmt, wird nicht als un­mün­dig be­trach­tet. Diese Lei­ter, die sehr viel Zeit dafür auf­brach­ten, sich um die an­de­ren zu küm­mern, waren auch die­je­ni­gen, die die An­er­ken­nung gaben. Wel­che also schaff­te, nicht nur etwas zu sagen, son­dern die Lei­ter zu be­ein­dru­cken, diese bekam zu­sätz­li­che An­er­ken­nung.

,,Dass nicht Ge­füh­le uns er­ret­ten“: In­ner­halb der christ­li­chen Logik ist das durch­aus eine be­frei­en­de Aus­sa­ge, davon aus­zu­ge­hen, dass Men­schen nicht ge­ret­tet sind, weil sie sich ,,ge­ret­tet füh­len“, wenn sie mal einen guten Tag haben, son­dern durch eine ein­ma­li­ge Ent­schei­dung, dem Be­kennt­nis zu Gott und Jesus, für immer ge­ret­tet sind. In man­chen christ­li­chen Strö­mun­gen hält die Un­ge­wiss­heit über den Sta­tus des ei­ge­nen Heils Men­schen bei der Stan­ge und in den Kir­chen­ge­mein­den. Meine Ge­mein­de hat da einen cle­ve­ren Trick ein­ge­setzt, um Vor­tei­le von Ge­wiss­heit und Furcht zu­gleich ein­zu­heim­sen: Es gibt ein­fach zwei Arten von Er­ret­tung! Die eine wird er­langt durch das Be­kennt­nis und gilt als geist­li­cher ,,Start­schuss“, die an­de­re wird durch An­stren­gung er­langt und sym­bo­lisch als ,,Wett­lauf“ ge­se­hen. Mit der einen ent­gehst du dem ewi­gen Tod, mit der zwei­ten be­kommst du eine Zu­satz­be­loh­nung von etwa tau­send Jah­ren Herr­schaft auf Erden.

Zu dem gan­zen Kom­plex ge­hört na­tür­lich dazu, wie ne­ga­tiv in mei­ner Ge­mein­de das Wort ,,Ge­fühl“ ist. Ge­fühl ist Ir­ra­tio­na­li­tät und alte Mensch­lich­keit, Wahn und Ver­zer­rung der ,,nüch­ter­nen“ und ,,ob­jek­ti­ven“ Welt­wahr­neh­mung. Ne­ga­ti­ve und po­si­ti­ve Ge­füh­le wer­den in mei­ner Ge­mein­de kri­ti­siert, weil ihre Quel­le die Seele des Men­schen ist und nicht der Geist, also der Teil in uns, wo Gott wohnt. Je nach­dem wird auch manch­mal kri­ti­siert, dass zum Bei­spiel die Ju­gend ,,zu nüch­tern“ sei und nicht ,,auf die Stüh­le sprin­ge“ wie die Äl­te­ren anno da­zu­mal. Diese ver­schie­de­nen Si­gna­le zu sen­den, um ei­ner­seits Ge­füh­le ab­zu­wer­ten, an­de­rer­seits zu dis­zi­pli­nie­ren, wo je­mand sich nicht von der Bot­schaft ein­ge­nom­men und be­wegt genug zeigt, trägt zum wir­ren Ver­hält­nis vie­ler zu ihrem In­nen­le­ben bei.

Auf Ge­füh­le ist nicht Ver­lass, weil auf Men­schen nicht Ver­lass ist. Du kannst

1. dich nicht auf dich selbst ver­las­sen, dei­nem Ge­fühl und dei­ner In­tui­ti­on nicht trau­en, was das Selbst­be­wusst­sein dau­er­haft ein­schränkt

2. nicht an­de­ren Men­schen trau­en und ihren Ge­füh­len dir ge­gen­über, was auf Dauer zu Ent­so­li­da­ri­sie­rung führt. Freund­schaft und Liebe von Men­schen kann nur Ab­klatsch des­sen blei­ben, was Gott dir bie­tet. Er­mu­tigt wird des­halb, nur in­ner­halb der Ge­mein­de Lie­bes­be­zie­hun­gen zu füh­ren. Freund­schaft, diese ver­rä­te­ri­sche Bin­dung zwei­er Men­schen die auf nichts als Zu­nei­gung be­ru­hen kann, wird meis­tens ab­ge­lehnt, un­ter­ein­an­der nen­nen sich Men­schen lie­ber ,,Ge­schwis­ter“ um dar­zu­stel­len, dass Gott der Vater sie alle ver­bin­det und nicht etwa ihre ver­gäng­li­che Zu­nei­gung oder Ge­mein­sam­kei­ten au­ßer­halb Got­tes und der Ge­mein­de.

Was Maria da also getan hat: auf­zu­ste­hen, in­ner­halb die­ses Rah­mens, und weg­zu­ge­hen, ist groß. Sie ver­wehr­te sich der Ab­wer­tung der ei­ge­nen Ge­füh­le. Sie ver­wehr­te sich teil­zu­neh­men an einem so­zia­len Spiel, durch das sie in der Ach­tung an­de­rer stei­gen würde. Beide waren wir be­ob­ach­tet durch den Ju­gend­lei­ter. Ihr Weg­ge­hen de­fi­nier­te sie klar zu der we­ni­ger geist­li­chen Per­son. Was mich zu der bes­se­ren mach­te. Und ich habe das ge­nos­sen. Nicht offen, nicht­mal be­wusst. Ihr Ver­hal­ten wirk­te auf mich wie ein Re­gel­ver­stoß. In­ner­li­ches Na­se­rümp­fen. Ich konn­te mich end­lich von ihrer Per­son ab­gren­zen und da­durch end­lich auch Be­wer­te­rin sein und nicht­mehr nur Be­wer­te­te.

Ich habe es nie er­lebt, dass je­mand UN­BE­RÜHRT von der You‘co heim­ge­kehrt ist.

Un­be­rührt von der You‘co, der Kon­fe­renz für die 15-30Jäh­ri­gen, heim­zu­keh­ren, ist ein Makel son­der­glei­chen. Um ihren be­son­de­ren Cha­rak­ter dar­zu­stel­len, gab es ir­gend­wann eine Na­mens­än­de­rung: Damit nie­mand drauf kommt, dass das so ne Art lo­cke­re Ju­gend­frei­zeit sei, wurde sie ,,Zu­rüs­tung“ ge­nannt. Be­nutzt wurde der Name dau­er­haft nur von den Lei­ten­den; aber es sym­bo­li­siert schön, was die You‘co sein soll: Auf­rüs­tung für die Sol­da­ten Got­tes. Sie ist ein Kol­lek­ti­ve­r­eig­nis für junge Men­schen, die ihre geist­li­chen Mus­keln spie­len las­sen, sich in Ek­sta­se beten und sin­gen. Eine wich­ti­ge an­de­re Funk­ti­on hat sie als Raum für Balz, der mit der Selbst­prä­sen­ta­ti­on ver­bun­den ist: Hier ent­ste­hen zu­künf­ti­ge Ehe­paa­re. Alles in allem das so­zia­le Er­eig­nis für junge Men­schen in mei­ner Ge­mein­de.

„Be­rührt wer­den“ ist dabei ein gän­gi­ges Schlag­wort in mei­ner Ge­mein­de, das nichts an­de­res be­deu­ten soll als eine di­rek­te Be­rüh­rung von Gott, etwa durch einen Vers, ein Gebet, einen Psalm, die hei­lend, er­ret­tend sein soll und ihren Ur­sprung ver­mut­lich in der Ge­schich­te der blut­flüs­si­gen Frau birgt, die Jesus mit einer ein­zi­gen Be­rüh­rung sei­nes Ge­wan­des von der jah­re­lan­gen Krank­heit be­freit. In einer You‘co mit zwei Haupt­ver­samm­lun­gen, einer per­sön­li­chen Ge­mein­schaft, einer Klein­grup­pe sowie Gebet am Abend und das alles PRO TAG sowie all den in­for­mel­len Ge­mein­schaf­ten beim Essen und Drau­ßen­sit­zen bleibt nie­mand un­be­rührt, schon al­lein wegen der Er­schöp­fung und des so­zia­len Drucks.

Sie hat sich auch gleich am Sams­tag, als wir von der You‘co zu­rück­ge­kehrt sind, abends mit Ste­fan ge­trof­fen.

Töröö. Der Be­weis der geist­li­chen Un­zu­läng­lich­keit mei­ner Freun­din wird mit einem wei­te­ren Ar­gu­ment be­fes­tigt: NIE­MAND trifft sich di­rekt nach der You‘co mit ,,welt­li­chen“ Freun­den. Nie­mand. Das ist Ver­un­rei­ni­gung. Auf Dauer kann das Kon­strukt der Ge­mein­de, ihre Wert­vor­stel­lun­gen und ihr Re­gel­werk nur auf­recht­er­hal­ten wer­den, wenn es nicht an­dau­ern­der Kri­tik aus­ge­setzt wird. Und dazu ge­hört schon, Al­ter­na­ti­ven zu ken­nen, über an­de­re The­men zu reden, mit Wert­vor­stel­lun­gen an­de­rer Men­schen in Be­rüh­rung zu kom­men, eben Freund*innen aus der Welt zu haben. Freund­schaft mit die­ser Welt ist Feind­schaft gegen Gott. Ja­ko­bus 4:4. Ge­ra­de auch nach der You‘co be­fin­den sich die meis­ten in einer Art hoch­geist­li­chem Sta­di­um, in der oft­mals laut­hals be­dau­ert wird, jetzt wie­der zu­rück in die Welt zu müs­sen sowie zu pro­kla­mie­ren, die ei­ge­nen Freun­de nur des­halb sehen zu wol­len, um ihnen das Evan­ge­li­um zu pre­di­gen. Die „Welt“ steht hier üb­ri­gens als Syn­onym für alles, was nicht Gott und nicht Ge­mein­de und was damit gleich­zei­tig von Grund auf schlecht ist.

Wich­tig ist auch, dass Maria einen Freund tref­fen will, männ­lich. Man stel­le sich den Film ,,Harry und Sally“ re­li­gi­ös um­ge­setzt vor. Frau­en und Män­ner kön­nen nicht be­freun­det sein. Wes­halb jedes Al­lein­sein zwei­er Men­schen ver­schie­de­nen Ge­schlechts un­ter­bun­den wer­den muss. Nein, nicht durch Stra­fen. Durch in­ne­re Dis­zi­plin. Jede und jeder darf seine Gren­zen na­tür­lich sel­ber set­zen. Aber wir sehen es gerne, wenn ein Junge und ein Mäd­chen sich zum Bei­spiel nicht al­lei­ne zu­sam­men in einem Raum be­fin­den. Oder auf einer Au­to­fahrt. Sich vor­sätz­lich zu tref­fen, ohne dass an­de­re Men­schen dabei sind, kommt quasi vor­ehe­li­chem Ge­schlechts­ver­kehr gleich. Es ist kein Witz, dass Maria mal mit einem Freund un­ter­wegs war und in der Stadt einer äl­te­ren Dame aus mei­ner Ge­mein­de be­geg­net ist, die spä­ter Ma­ri­as Vater an­ge­ru­fen hat, um her­aus­zu­fin­den, ob Maria die Nacht noch nach Hause ge­kom­men ist.

Wie­der scheint es, als würde ich bald eine Schwes­ter ver­lie­ren. Ich bin über­zeugt, dass sie nur in [Wohn­ort X] blei­ben will wegen ihrer welt­li­chen Freun­de. In [Wohn­ort Y], einer klei­nen Ge­mein­de, wäre sie auf­ge­for­dert, am Ge­mein­de­le­ben teil­zu­ha­ben; in [Wohn­ort X] aber ver­schwin­det sie in der Masse. Sie will auch mit mir zu­sam­men zie­hen, aber das liegt wie­der­um daran, dass wir nie viel Ge­mein­schaft mit­ein­an­der haben und dass ich wohl eher ihre welt­li­chen Freun­de ak­zep­tie­ren würde als an­de­re Schwes­tern. In [Wohn­ort X] wird sie in ihrem Selbst blei­ben.

Die­ser Ab­satz ist so hoch­mü­tig, dass ich kot­zen könn­te. Nicht ein ein­zi­ges ver­damm­tes ,,Viel­leicht“ oder ,,könn­te sein“ habe ich hier rein­ge­setzt. So über­zeugt von der ei­ge­nen Voll­kom­men­heit, so über­zeugt von Ma­ri­as ,,Fall“. Sie ist üb­ri­gens im Ge­gen­satz zu mir immer noch in der Ge­mein­de, nur um euch mal einen Rea­li­tät­scheck zu geben.

Alles, was Maria tut, spricht na­tür­lich gegen sie. Dass sie in [Wohn­ort X] blei­ben will, einer sehr gro­ßen Ge­mein­de mit vie­len ver­schie­de­nen Men­schen und Ge­le­gen­hei­ten, sich un­ter­ein­an­der zu tref­fen, kann in mei­ner wir­ren ,,Maria ist ge­fal­len“-Lo­gik nichts Po­si­ti­ves bedeuten.Sie will na­tür­lich nur wegen ihrer Freun­de im Ort blei­ben, weil sie wei­ter­hin ihre un­ge­sun­den Be­zie­hun­gen füh­ren und in der Ge­mein­de nichts bei­tra­gen will. So­lan­ge sie da ist, sicht­bar und an­we­send, muss sie nicht mit viel tun, um da­zu­zu­ge­hö­ren. Sie ge­nießt also Vor­tei­le bei­der Wel­ten. Ich, als Heim­so­zia­li­sier­te, konn­te mir das nicht leis­ten: Im Ge­gen­satz zu ihr hatte ich keine Rück­bin­dung an einen Vater, der auch in der Ge­mein­de ist und durch den sie wei­ter­hin immer Teil der Ge­mein­de blei­ben wird, was sie auch tut. Ich muss­te mich zei­gen und agie­ren, um an­we­send zu sein. Ich war nei­disch auf ihre Frei­heit und mein Text zeigt gut, wie ich mich hier an eine Norm an­pas­se, die mir sel­ber Ge­walt antut – um be­lohnt zu wer­den, indem ich teil daran habe, an­de­ren diese Ge­walt an­zu­tun.

Auch, dass sie mit mir zu­sam­men­zie­hen möch­te, kann und bin ich nicht be­reit so aus­zu­le­gen, dass Maria mich mag, dass ich eine ihrer engs­ten Ver­trau­ens­per­so­nen bin. Es ist Ge­heim­nis die­ser geist­li­chen Ent­so­li­da­ri­sie­rung, dass Men­schen ihre ge­mein­sa­me Ge­schich­te nicht als ver­trau­ens­wür­dig ein­stu­fen; alles wird durch den Fil­ter der Geist­lich­keit ge­se­hen und was nicht einem ge­wis­sen geist­li­chen Ka­pi­tal zu­gu­te kommt, ist schlecht: für die ein­zel­nen Men­schen, für die Be­zie­hung und na­tür­lich auch für die Be­zie­hung jeder ein­zel­nen zu Gott. D.h. Maria wäre be­reit mich auch mit ins Ver­der­ben zu rei­ßen durch den Ein­fluss ihrer per­sön­li­chen Be­zie­hung zu mir, ein­fach nur weil sie Freun­de da drau­ßen hat. So der Ge­dan­ken­gang.

In [Wohn­ort X] wird sie in ihrem Selbst blei­ben. Ich brauch die an­de­ren Ge­schwis­ter in die­ser Sache. Der Herr weiß, dass ich kurz davor stehe, ihr eine Ohr­fei­ge zu ver­pas­sen. Ich habe bei Hanna, Ruth und Rahel den Feh­ler ge­macht, ihnen nicht zu zei­gen, dass sie völ­lig im Selbst han­deln. Aber – wenn der Herr seine Be­stä­ti­gung dazu gibt – bei Maria werde ich mich nicht der Ver­ant­wor­tung ent­zie­hen. Sie ist völ­lig im Selbst. Sie ver­schläft den hal­ben Tag und be­haup­tet, sie hätte Schlaf­man­gel. Sie geht nicht zur Ver­samm­lung, weil sie müde ist, fühlt sich aber fit genug, sich am sel­ben Abend mit einem Kum­pel zu tref­fen.

Drei­mal ,,im Selbst“. Drei­mal ein Vor­wurf, der in mei­ner Ge­mein­de als Herr­schafts­in­stru­ment ein­ge­setzt wird, um Men­schen jeg­li­che Au­to­ri­tät und Aus­sa­ge­kraft über ihren per­sön­li­chen Glau­ben und über ein ver­ant­wor­tungs­voll ge­führ­tes Leben ab­zu­spre­chen. Dazu habe ich in mei­nem Be­richt ,,From­me Ju­gend“ be­reits schon was ge­schrie­ben und will das jetzt nicht aus­füh­ren. Aber es hat eine ähn­li­che Wir­kung wie diese Aus­sa­ge von Spock. Zu­ge­ge­ben, das ver­lin­ke ich, weil Spocks An­blick nach so­viel be­las­ten­dem Ge­schrei­be ganz nett wirkt …

Ich brauch die an­de­ren Ge­schwis­ter in die­ser Sache.

Das ganze ist also aus­ge­wach­sen zu einer ,,Sache“, zu einem Pro­blem, das un­be­dingt be­han­delt wer­den muss. Und die Ge­schwis­ter und ich ver­schmel­zen dabei zu einem ,,Wir“, wäh­rend meine Freun­din die an­de­re ist, nicht zum Wir ge­hört; das ,,Wir“ hier ist mün­dig und über­nimmt Ver­ant­wor­tung; Maria ist un­zu­rech­nungs­fä­hig, eine geist­lich Kran­ke, die ver­sorgt wer­den muss. Gleich­zei­tig zeige ich: Ich ver­las­se mich nicht auf meine Kraft, ich brauch die an­de­ren; wie­der ein Be­weis mei­ner de­mü­ti­gen Un­ter­ord­nung unter das Kol­lek­tiv und ihr Ge­mein­wohl.

Der Herr weiß, dass ich kurz davor stehe, ihr eine Ohr­fei­ge zu ver­pas­sen.

Das ist der schlimms­te Satz. Die Dro­hung, mei­ner Freun­din Ge­walt an­zu­tun, weil sie nicht ,,Schritt hält“, weil sie sich nicht an­passt. Damit zu ko­ket­tie­ren, weil ich sie in einem Wahn meine, durch den nur eine ,,ge­sun­de Ohr­fei­ge“ sie wie­der raus­bringt. Weil ich weiß, zu was Men­schen fähig sind, lehne ich des­halb auch Na­zi­ver­glei­che ab. Jedes Ver­bre­chen an einem Men­schen steht für sich und braucht keine Ver­glei­che (zur ver­meint­li­chen Be­wer­tung); v.a. nicht wenn getan wird, als ob es das eine spe­zi­el­le Ni­veau gäbe, auf das na­tür­lich Nie­mand Von Uns hin­ab­sin­ken würde. All­täg­lich haben wir doch An­teil an Un­ter­drü­ckung, die Grup­pen auf ein­zel­ne aus­üben, Mehr­hei­ten ge­gen­über Min­der­hei­ten, Mar­gi­na­li­sier­ten, Ent­mün­dig­ten.

Aber – wenn der Herr seine Be­stä­ti­gung dazu gibt -

Klar – ich war na­tür­lich, im Ge­gen­satz zu mei­ner Freun­din, ab­so­lut ge­hor­sam. Hatte mich der ky­ri­ar­cha­len Logik un­ter­wor­fen, denn es gab nur die Wahl zwi­schen zwei Arten von Sein: Got­tes Herr­schaft oder Herr­schaft des schlech­ten Le­bens/der Sünde/der Fein­de Got­tes. Und damit keine wirk­li­che Wahl. Und selbst wenn mein ,,ge­sun­der Men­schen­ver­stand“ mir sagte, Maria treibt es zu weit; ich würde selbst die­ser Ein­ge­bung nicht trau­en und so­weit war­ten, bis Gott sel­ber mir das Okay dafür gibt, sie zu­recht­zu­wei­sen. Uärr, hallo, au­to­ri­tä­re Per­sön­lich­keit. Das Wort ,,Herr“(ky­ri­os) steht hier be­zeich­nend für die ky­rio­zen­tri­sche Hin­ga­be mei­ner­selbst und wird in mei­ner Ge­mein­de sehr viel öfter als ,,Gott“ be­nutzt.

Sie ver­schläft den hal­ben Tag und be­haup­tet, sie hätte Schlaf­man­gel. Sie geht nicht zur Ver­samm­lung, weil sie müde ist, fühlt sich aber fit genug, sich am sel­ben Abend mit einem Kum­pel zu tref­fen.

Was ich mei­ner Freun­din hier auch nicht ver­zei­hen konn­te, war, dass sie of­fen­sicht­lich etwas Schlim­mes er­lebt hatte – und dann damit dar­auf re­agier­te, sich aus­zu­ru­hen und sich den Stress nicht mehr zu geben. Für mein Ver­ständ­nis ein un­heim­li­cher Luxus. Ich schwan­ke da zwi­schen ,,Hätte ich mir nie er­lau­ben kön­nen“, ,,Wäre nie drauf ge­kom­men, dass meine ne­ga­ti­ven Er­fah­run­gen Grund genug sind, mich aus­ru­hen zu dür­fen“ und ,,Sie darf nicht, was ich auch nicht durf­te“.

Au­ßer­dem gibt es noch einen an­de­ren Punkt, den ich nicht rich­tig ein­ord­nen kann. Sie hängt sich viel­zu­sehr an mich, und zwar auf eine Weise, die die Alarm­glo­cken in mei­nem Kopf schril­len lässt. In der You‘co mein­te sie plötz­lich, was für eine be­son­de­re Au­gen­far­be ich hätte. Sol­che Dinge hel­fen nicht ge­ra­de, ihre Nähe aus­zu­hal­ten.

Ein KLAS­SI­KER. So stark nach Lehr­buch, dass ich zwei­mal lesen muss­te, weil es mich so ver­blüff­te – und wie­der so wenig ver­blüff­te. Als ich die­sen Text schrieb in mein Ta­ge­buch, wuss­te ich be­reits seit meh­re­ren Jah­ren, dass ich les­bisch war. Und ich hatte mich auch in die­sem Punkt ent­schie­den, Got­tes Wil­len leben zu wol­len- was für mich da­mals be­deu­te­te, es nicht zu­zu­las­sen. Un­ter­drück­te Ho­mo­se­xua­li­tät, die ich als Ho­mo­pho­bie gegen an­de­re rich­te­te; mein ei­ge­nes Be­geh­ren auf an­de­re pro­ji­zier­te, um es in ihnen zu fürch­ten und zu has­sen. Über­rascht war ich, weil mir die­ses Phä­no­men be­reits da­mals be­kannt ge­we­sen war; hatte ich da­mals nicht ge­se­hen, was ich da schrieb? War es mir ein­fach egal?

Und in Sa­chen Josef ist sie völ­lig ni­hi­lis­tisch, ich meine sie war mit dem Kerl drei Jahre lang zu­sam­men, und jetzt redet sie nicht mehr mit ihm, küm­mert sich nicht um ihn. Mit ihm habe ich schon ge­re­det und seine Sicht kann ich gut ver­ste­hen; ihn ir­ri­tie­ren ihre Selbst­mord­ge­dan­ken. Da ist er nicht al­lei­ne.

Öhm, was ich mit ni­hi­lis­tisch hier meine, hat wohl nichts mit ,,dem“ Ni­hi­lis­mus zu tun. Ver­mut­lich be­zie­he ich mich auf eine Art ,,ab­seits jeder bis­he­ri­gen Vor­stel­lung von dem, was sich ziemt“. Und das war es, wenn eine Frau sich nicht um ihren Freund küm­mert, jede Be­zie­hung­ar­beit plötz­lich fal­len lässt, „nur“ weil es ihr sel­ber schlecht geht …

Ma­ri­as De­pres­si­on, ihr Trau­ma wur­den nicht ernst ge­nom­men. Ver­mut­lich am al­ler­we­nigs­ten von mir, die ich es mit mei­nen ei­ge­nen trau­ma­ti­schen Er­fah­run­gen ,,ver­glich“ und sie denen un­ter­ord­ne­te. Und wie konn­te sie ein­for­dern, ernst­ge­nom­men zu wer­den mit ihrem Lei­den, wenn ich doch be­stimmt Schlim­me­res er­lit­ten hatte und dies auch nie­mand wahr­ge­nom­men hatte? Op­pres­si­on Olym­pics, und das in einer Freund­schaft.

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Fromme Jugend.

Crossposted auf Baum der Glückseligkeit.

Hier­mit spre­che ich eine In­halts­war­nung aus. In die­sem Post habe ich ver­sucht, meine Ge­dan­ken und Ge­füh­le und Er­leb­nis­se be­züg­lich mei­ner ehe­ma­li­gen christ­li­chen Glau­bens­ge­mein­schaft ein­zu­ord­nen, den re­li­giö­sen Miss­brauch und die Stig­ma­ti­sie­run­gen, die ich er­lebt habe, den Scha­den, den es an­rich­te­te und die Ver­ant­wor­tung, die ich trage. Her­aus dabei kam etwas Un­ab­ge­schlos­se­nes, teil­wei­se Wir­res; ich kann kei­nen roten Faden an­bie­ten, keine Moral. Ich ver­fan­ge mich in De­tail­haf­tig­keit, um dann wie­der große Zeit­ab­schnit­te zu über­sprin­gen. Die Ge­schich­te han­delt von einer Art Sub­kul­tur. Es ist auch eine Ge­schich­te von Ex­tre­men und ex­tre­men Ge­füh­len, die ich mit dem Nie­der­schrei­ben ab­le­gen möch­te. Ich habe ir­gend­wo an­ge­fan­gen, weil ich die Not­wen­dig­keit fühl­te. Ich kann das in­ner­halb dieses Blogs nicht so recht ver­or­ten, es ist auf seine Weise po­li­tisch.

Seit vie­len vie­len Wo­chen nun nehme ich mir vor, Leute aus mei­ner ehe­ma­li­gen Glau­bens­ge­mein­de zu be­su­chen. Immer und immer wie­der schie­be ich die­ses An­sin­nen auf. Ich ver­mis­se die Men­schen, ei­ner­seits. Ich ver­mis­se Gott.
An­de­rer­seits er­in­ne­re ich mich.
Vor einem hal­ben Jahr war ich das letz­te Mal dort, in den Win­ter­fe­ri­en. Es waren nur zwei Tage, und das ist nicht lang, aber in den zwei Tagen lief so vie­les falsch, dass ich mir da­nach vor­nahm, erst­mal eine ganz lange Pause zu ma­chen. Ich war scho­ckiert, am Ende und alles tat weh. Ich bin nach Hause ge­wankt, woll­te nicht mehr dran­den­ken und fühl­te wie stark in mir das Ver­trau­en ge­schwun­den war Men­schen ge­gen­über, die ich lange Zeit sehr ge­liebt habe.

Ich kam bei einer Freun­din unter, mei­ner lang­jäh­rigs­ten Freun­din. Ihre Fa­mi­lie war auf mich vor­be­rei­tet ge­we­sen und sie wuss­ten von mei­nem Vega­nis­mus. Des­halb war ich erst­mal ver­blüfft, dass ich, als ich ankam, in ihrem Kühl­schrank kein ein­zi­ges biss­chen Ge­mü­se fand. Kein Obst, nichts Vega­nes whatsoe­ver. Nur Käse und Wurst. Ich war ir­ri­tiert, aber dann war es mir wie­der egal; ich hatte mir ein biss­chen was mit­ge­bracht und aß davon. Viel­leicht, weil ich an die Wir­kung von Sym­bo­lik glau­be, hall­te die­ses klei­ne Er­leb­nis so in mir nach, das Ge­fühl, nicht will­kom­men zu sein, nicht Teil zu sein.

Am nächs­ten Tag stritt ich mich mit dem Vater mei­ner Freun­din. Wir haben be­reits eine ge­wis­se Streit­ge­schich­te hin­ter uns; er war in sei­ner Ju­gend auch ,,Pro­test­ler“ ge­we­sen; eine der äl­tes­ten Er­in­ne­run­gen mei­ner Freun­din ist die an Mahn­wa­chen, auf denen sie als Kind her­um­stand. Ihr Vater er­leb­te durch den Glau­ben dann eine Wen­dung, auch po­li­tisch, und ver­trat seit­dem kon­ser­va­ti­ve Stand­punk­te. Sol­che Men­schen gibt es ei­ni­ge in mei­ner Ge­mein­de. Aber mit­un­ter pre­di­gen sie eine un­po­li­ti­sche Hal­tung, die eine nicht sehen lässt, wel­che re­ak­tio­nä­re Agen­da sich da­hin­ter ver­birgt. (Immer be­lieb­ter, auch durch den Ein­fluss vie­ler Stu­dent*innen der Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten, wird die An­wen­dung ka­pi­ta­lis­ti­scher Phra­sen bi­bel­ge­mäß um­klei­det: Gott in­ves­tiert in uns, wir sind in einem Wett­lauf, Ge­winn brin­gen, die Ge­mein­de als ,,Bank“ Got­tes, etc.)

Ge­strit­ten haben wir uns schon über die Rolle der Frau im Ge­mein­de­le­ben, über Mus­li­me und all diese The­men, die äl­te­re weiße Her­ren vor­ge­ben, weil sie sich das ge­ra­de in ihrer kon­ser­va­ti­ven Zei­tung an­ge­le­sen haben.

Dies­mal strit­ten wir über Ho­mo­se­xua­li­tät. Ich hatte erst mit mei­ner Freun­din dar­über ge­re­det; sie ist wie viele an­de­re in der Ge­mein­de auch schwu­len-und les­ben­feind­lich, wes­halb ich ihr noch nicht von mir er­zählt habe. Die­ses ,,noch nicht“ sind nun sechs Jahre und sie dabei der sta­bils­te Mensch in mei­nem Leben (ich kenne sie, seit ich 10 bin). Wie ich mich also damit fühle, kann viel­leicht nach­voll­zo­gen wer­den. Sie wird lang­sam nach­denk­li­cher im Um­gang mit dem Thema und ich frage mich, was ich ihr er­zäh­len kann. Aber an die­sem Tag bringt sich ihr Vater ein. Er macht keine lan­gen Um­schwei­fe, er ver­gleicht Ho­mo­se­xua­li­tät mit Pä­de­ras­tie/Pä­do­phi­lie. Er zeigt mir einen alten Spie­gel-Ar­ti­kel on­line, in dem er­wach­sen­ge­wor­de­ne Kin­der aus ihrer Kom­mu­ne be­rich­ten und er­zäh­len, wie schön sie den Sex mit Er­wach­se­nen fan­den. Men­schen sind sün­dig, sagt er und wür­den lie­bend­gern den sün­di­gen Zu­stand wäh­len, egal wie gut es ihnen tat­säch­lich tut. Ich werde wü­tend. Er wisse genau, dass das nicht ver­gleich­bar sei, dass es bei Pä­de­ras­tie um ein Macht­ge­fäl­le geht. Er zuckt die Ach­seln und sal­ba­dert wei­ter. Die Ehe sei nur für Mann und Frau. Warum?, frag ich. Naja, wegen den Kin­dern, meint er und ver­sucht jetzt den bio­lo­gis­ti­schen Weg. Nur ein Mann und eine Frau kön­nen Kin­der be­kom­men. Ich ant­wor­te: Was ist mit Män­nern und Frau­en, die keine Kin­der be­kom­men wol­len oder kön­nen, dür­fen die dann nicht hei­ra­ten? Na­tür­lich, doch, meint er, ist ver­wirrt, aus dem Kon­zept ge­bracht und statt dem nach­zu­ge­hen, wen­det er IGNO­RANZ an und kehrt zu­rück zur Pä­de­ras­tie.

Ich koche vor Wut. Ich weiß, dass ich we­nigs­tens bei mei­ner Freun­din was zum Rol­len ge­bracht habe, denn sie stellt of­fe­ne Fra­gen und em­pört sich auch dar­über, dass die Ge­mein­de sol­che Men­schen aus­schlie­ßen würde. Aber das bringt nichts. Meine Ge­mein­de ist so he­te­ro­norm, Ho­mo­se­xua­li­tät wird nicht­mal er­wähnt, nie nicht, denn sowas darf es ja nicht geben. Nur ein­mal hat ein ame­ri­ka­ni­scher Pre­di­ger in einer Ju­gend­kon­fe­renz dar­über ge­re­det; aber wie un­ge­wohnt das war, zeig­te sich schon daran, dass sein Über­set­zer ganz er­schro­cken re­agier­te, als er das Wort ,,Ho­mo­se­xua­li­tät“ über­set­zen muss­te. Über die ame­ri­ka­ni­schen Evan­ge­li­ka­len kann ich nur sagen: We­nigs­tens reden sie dar­über. Wobei ich hier nicht zu der Ver­harm­lo­sung von Hass bei­tra­gen möch­te. Aber es ist noch­mal was an­de­res, wenn im ge­mein­d­ein­ter­nen Dis­kurs be­stimm­te Sa­chen ge­nannt sind statt dass es sie ein­fach nicht gibt und so auch keine Mög­lich­keit, dar­über zu reden.

Am nächs­ten Tag war ich bei mei­ner Lieb­lings­fa­mi­lie essen. A*, eine Frau in mitt­le­ren Jah­ren, hatte sich seit ei­ni­ger Zeit mit mir an­ge­freun­det, mich häu­fig ein­ge­la­den, ich hatte auf ihre kran­ke Toch­ter bei deren Schul­land­heim auf­ge­passt; es be­stand ein enges Band zwi­schen uns. Sie war eine der we­ni­gen Men­schen, denen ich noch zu­hö­ren konn­te, wenn sie über Gott und ihren Glau­ben er­zähl­ten, ohne Kopf­schmer­zen zu be­kom­men.
Sie hatte viele an­de­re Men­schen ein­ge­la­den, u.a. zwei junge Men­schen, Arzt­kin­der, in mei­nem Alter, die ich von frü­her kann­te und frü­her schon nicht ge­mocht habe. Was ich dann er­leb­te, war eine ge­schla­ge­ne Stun­de Mob­bing von den zwei­en, vor der ver­sam­mel­ten Runde, ohne dass ir­gend­wer ein­griff. ,,Grund“ war mein Vega­nis­mus. Ich weiß wirk­lich nicht, warum Men­schen schon öf­ters mit der­ar­ti­gen Hass­ti­ra­den re­agier­ten; aber was die zwei mir boten, war vom Ek­ligs­ten. Es gip­fel­te ir­gend­wann in dem Streit der Ge­schwis­ter dar­über, ob ich denn des­we­gen ab­ge­nom­men hätte, die Schwes­ter mein­te: Ja, na­tür­lich, und ihr Bru­der rief aus: ,,Was, sie war noch di­cker als jetzt?“
Die zwei sind ein­fach ek­li­ge Men­schen und ich war kurz davor, in Trä­nen aus­zu­bre­chen. Schlim­mer wurde es, als diese gin­gen und A* mein­te, das Pro­blem wäre ge­we­sen, dass ich das mit mir habe ma­chen las­sen und dass sie an mei­ner Stel­le ein­fach ganz cool re­agiert hätte und ver­sucht, ihnen kei­nen Wind zu geben. Das sagte sie mir als Zu­schaue­rin, die kein Wort ge­sagt hatte zu den bei­den und sogar hin und wie­der amü­siert ge­we­sen war. Sie war jetzt noch amü­siert. Und als ob das nicht genug ge­we­sen wäre, fing eine gute Freun­din von mir, die eben­falls da­bei­ge­ses­sen hatte, im Zwei­er­ge­spräch dann an, dass SIE halt die Ge­schwis­ter liebe und ich mein Selbst auf­ge­ben müsse.

Klingt wie eine For­mel, oder?

Ich er­zäh­le euch ge­ra­de aus dem Ge­sche­hen einer sek­ten­ähn­li­chen Ge­mein­schaft und ihr braucht In­for­ma­tio­nen, um nach­voll­zie­hen zu kön­nen, wel­che macht­vol­len In­stru­men­te die Aus­drü­cke ,,Ge­schwis­ter lie­ben“, sein ,,Selbst auf­ge­ben“, ,,das Kreuz auf sich neh­men“ sind. Es sind Aus­drü­cke, die nicht ein­fach zur völ­li­gen Pas­si­vi­tät in Streit­fäl­len auf­ru­fen. Sie brin­gen dich dazu, auch noch dank­bar dafür zu sein. Wenn dich Ge­schwis­ter also be­lei­di­gen oder ver­let­zen, musst du erst­mal zu Gott ren­nen, ihm das ab­ge­ben und auch jedes ver­letz­te Ge­fühl. Du musst er­dul­den, was dir ge­schieht. Regst du dich auf, ist das nur der Be­weis, dass du immer noch in dei­nem ,,alten Selbst“ lebst und nicht Chris­tus ,,an­ziehst“. Und Be­lei­di­gun­gen und An­stö­ße sind per se gut für dich, weil du ge­prüft wirst, ob du im­mer­noch ,,im Geist“ oder in dei­nem Selbst bist.

Das Ganze ist nichts an­de­res als In­stru­men­ta­ri­um für Dik­ta­tu­ren; die For­de­rung zur Nächs­ten­lie­be in die­ser Form ein Mit­tel, die Men­schen­her­de ge­duckt zu hal­ten, Hier­ar­chi­en zu be­wah­ren und Men­schen auf Dauer zu be­schäf­ti­gen mit ihrem ,,in­wen­di­gen Bösen“, damit sie nicht nach außen schau­en oder gar Ana­ly­sen an­stel­len.
Victim Bla­ming in Rein­form, mir vor­ge­hal­ten von zwei der wich­tigs­ten Men­schen, die es in der Ge­mein­de für mich gab. Was das in mir aus­lös­te, war mir noch nicht klar; ich zog mich ins Wohn­zim­mer zu­rück, um eine Weile für mich zu sein und wein­te unter der Decke. Am nächs­ten Mor­gen, nach einer Ge­mein­de­ver­samm­lung, die ohne jede Be­deu­tung für mich war, stand ich erst al­lei­ne und ver­lo­ren in der gro­ßen Halle herum; in mei­nem Kopf schwirr­te es, ich fühl­te, wie die letz­ten gro­ßen Pfei­ler mei­ner jah­re­lan­gen Über­zeu­gun­gen und Hoff­nun­gen ein­stürz­ten, aber nicht ein­fach mein Glau­be kam zu einem Ende, son­dern mein Platz in einem so­zia­len Ge­fü­ge, in dem ich jah­re­lang zu­hau­se war, ja das ich zehn Jahre lang mein ein­zi­ges Zu­hau­se ge­nannt habe. Durch eine Un­stim­mig­keit zwi­schen mei­nen Gast­ge­ber*innen, die dazu führ­te, dass ich wie­der zwei Stun­den ohne Essen da­ste­hen würde, fing ich einen Streit an; ich woll­te ein­fach nur weg, woll­te nach Hause und nicht in der Kan­ti­ne war­ten, in der es kein Essen für mich gab. Ich woll­te weg von den Bil­dern, die mich ver­damm­ten, von all den glück­li­chen gläu­bi­gen Men­schen um mich herum in­mit­ten ihrer Fa­mi­li­en. Ich wurde nicht ernst­ge­nom­men, also rann­te ich weg und brach dann in einem der Ba­de­zim­mer zu­sam­men.

Vie­les mag er­schre­ckend klin­gen, was ich hier schrei­be, wieso war ich da über­haupt und sei froh, dass du da nicht mehr bist. Be­son­ders Athe­ist*innen ver­ste­hen dann nicht, und es ist ihr gutes Recht, es nicht zu ver­ste­hen. Und noch un­ver­ständ­li­cher ist, wie­viel ge­sche­hen muss­te, bis ich ver­stand, wel­che Ge­walt an­de­re und ich mir damit an­ta­ten.

Dass mir per se als Mensch, die ich in die Ge­mein­de mit 14 Jah­ren kam, Heim­kind das ich war, nicht ver­traut wurde, er­fuhr ich erst zwei Jahre nach mei­nem An­fang dort, nach einer Zeit vol­ler En­ga­ge­ment von mei­ner Seite aus, mit re­gel­mä­ßi­gen Be­su­chen aller mög­li­chen Ver­samm­lun­gen, mit­tels einer Per­sön­li­chen Un­ter­re­dung (PU wurde das mehr oder we­ni­ger scherz­haft ge­nannt) durch einen der Ge­mein­de­äl­tes­ten. Dass ich mich schon mehr an­stren­gen müss­te und mich end­lich ,,für die Ge­mein­de“ ent­schei­den müss­te. Das von einem Men­schen, der mich nicht kann­te, mich nicht­mal ge­grüßt hatte bis­her.
Es war auch mit 16, wo meine De­pres­sio­nen an­fin­gen, schlimm zu wer­den. In den Schü­ler- und Ju­gend­ver­samm­lun­gen saß ich außen, meine Trau­rig­keit schreck­te die Men­schen ab, nie­mand be­merk­te es, wenn ich mit­ten unter ihnen zu wei­nen an­fing und ihre Freu­de, ihre Aus­ge­las­sen­heit und die Tat­sa­che, dass sie eine größ­ten­teils ho­mo­ge­ne Grup­pe waren, mach­ten es mir noch schwe­rer. Hin und wie­der weg­zu­blei­ben wäre aber keine Lö­sung ge­we­sen, denn dann hätte ich noch mehr an Ver­trau­en ver­lo­ren, an christ­li­cher Credi­bi­li­ty. „Zu­hau­se“ er­war­te­te mich dann mein Heim, wo ich schon etwas län­ger zu einer Au­ßen­sei­te­rin ge­wor­den bin, die mit den meis­ten an­de­ren Kin­dern nicht klark­am.

Es war viel­leicht in mei­nem fünf­ten oder sechs­ten Jahr in der Ge­mein­de, wo ich durch ein ein­zi­ges Mäd­chen, das neu war, in die Ge­mein­schaft in­te­griert wurde, ein­fach nur da­durch, dass sie mich wahr­nahm, mit mir re­de­te, sich mit mir an­freun­de­te. Ich weiß nicht, ob ich als ein­zi­ge Tür­kin und Heim­so­zia­li­sier­te eine Art Ali­en-Tat­too auf der Stirn hatte, ich weiß nicht wieso die an­de­ren mich jah­re­lang igno­rier­ten. Aber sie sah mich und sie brach­te mich hin­ein. Meine ,,Glau­ben­s­kar­rie­re“ be­gann, ich bekam viele Freun­de und be­gann bald zu denen zu ge­hö­ren, die oft ,,Zeug­nis­se“ in der Ver­samm­lung gaben (Be­rich­te über Er­leb­nis­se mit Gott oder Ge­bets­er­hö­run­gen, Bi­bel­ver­se, die eine be­rüh­ren). Ich lern­te nun viel schnel­ler die gan­zen Codes, in­ter­na­li­sier­te sie, lern­te mich aus­zu­drü­cken, wie es auch die gan­zen ,,su­per­geist­li­chen“ Ge­schwis­ter taten.

In der Zwi­schen­zeit ver­lor ich auf­grund von Geld­man­gel meine Woh­nung, aus der dar­auf­fol­gen­den WG wur­den ich und ein Mit­be­woh­ner von dem in­säs­si­gen Pär­chen her­aus­ge­ekelt, ich droh­te auf der Stra­ße zu lan­den. Es gab eine PU mit allen Ge­mein­de­äl­tes­ten. Ich werde das nie ver­ges­sen. In einer Ge­mein­de, die ein Ge­mein­de­haus vol­ler Bet­ten be­sitzt und in der es viele Men­schen aus der Mit­tel­schicht gibt mit ei­ge­nen Häu­sern und Gäs­te­zim­mern, ich werde nie ver­ges­sen, dass mir ge­sagt wurde, es gäbe kei­nen Platz für mich. Und ich werde nie ver­ges­sen, dass dann das Wort ,,Ob­dach­lo­sen­heim“ aus­ge­spro­chen wurde und dass nicht ein Ge­mein­de­äl­tes­ter da­ge­gen pro­tes­tier­te, son­dern erst nach einer gan­zen Weile eine äl­te­re Frau, die da­bei­saß und das nicht mit­an­hö­ren konn­te.

Und wie immer, wenn etwas Schlim­mes in mei­nem Leben ge­sche­hen ist, konn­te ich es an­fangs noch nicht be­grei­fen und war oft­mals noch dank­bar für das We­ni­ge, was ich be­kom­men konn­te. Es wurde eine an­de­re Lö­sung für meine Lage ge­fun­den; ich, der­weil ab­ge­ma­gert, weil ich in der schwie­ri­gen Zeit nicht­mal mehr Geld für Essen ge­habt hatte, freu­te mich ein­fach nur wie­der daran, Essen zu haben und satt zu wer­den und Men­schen um mich zu haben, die mich an­lä­cheln. Ich war so re­du­ziert in all mei­nen Be­dürf­nis­sen, dass es nicht­mal weht­at, als die Men­schen mir Kom­pli­men­te mach­ten, weil ich zehn Kilo ab­ge­nom­men hatte. Sogar meine De­pres­sio­nen ver­schwan­den, es war, als hätte mein Kör­per den Not­schal­ter um­ge­legt.

Was ich fühl­te, war Dank­bar­keit und ich drück­te diese aus, indem ich mich noch enger an die Ge­mein­de band und mich noch mehr an­streng­te. In den nächs­ten drei vier Jah­ren würde ich die schöns­te Zeit er­le­ben, die Zeit, in der ich wirk­lich an­ge­kom­men war in­mit­ten der an­de­ren. Ich konn­te Frie­den ma­chen mit dem, was in der Bibel stand, es wurde mein Leben, ich ließ es mich be­herr­schen, mich er­freu­en, jede Mi­nu­te war mei­nem Glau­ben ge­wid­met. Ich flog auf der Welle des sym­bo­li­schen Reich­tums, der sich mir er­öff­ne­te, ich fand Mit­tel und Wege, meine Schmer­zen in Ka­nä­le zu lei­ten, um sie zu er­leich­tern, ich fand neue Freu­de. Ich rich­te­te meine Zu­kunft­wün­sche auf ein Leben in der Ge­mein­de aus, auf einen Part­ner, den ich hier tref­fen würde, hei­ra­ten, um ge­mein­sam ein Boll­werk für die an­de­ren Men­schen zu sein. Ich ver­lieb­te mich stän­dig neu in ,,Brü­der“, ich ver­lieb­te mich lange, ver­stärkt durch den Ge­schlech­ter­se­pa­ra­tis­mus und die ri­gi­den Re­geln er­fuhr ich üb­ri­gens nie, ob diese Ge­füh­le er­wi­dert wur­den.

Aber es gab auch die an­de­re Seite. Ab 16, 17 be­gan­nen mich schlim­me Träu­me in der Nacht zu quä­len. Ich weiß nicht, ob das die Art meines Kör­pers war, mit dem düsteren Sym­bo­lis­mus in der Bibel um­zu­ge­hen und wie dieser Symbolismus in meiner Gemeinde zelebriert wurde. Ich träum­te davon, von Dämonen be­ses­sen zu sein, Träu­me die sich fort­setz­ten, eine Ge­schich­te ent­wi­ckel­ten. Es waren nicht ein­fach Alp­träu­me. Es be­gann freund­lich mit so ner Art Ge­fühl, aus dem Kör­per zu schwe­ben, es war ein Glücks­ge­fühl, das schöns­te und ir­ri­tie­rends­te, was ich wohl je ge­fühlt habe. Doch ir­gend­wann wen­de­te sich das Blatt, und das Un­be­kann­te be­gann mich zu quä­len. Es fuhr in mich, be­setz­te mich, riss an mei­nem Kör­per herum wie an einer Mario­net­te; ich werde den Hor­ror nie­mals ver­ges­sen, nie­mals die Angst. Nie­mals das Ge­fühl, wie real es sich an­fühl­te und wie wach ich es er­leb­te. Vom un­be­kann­ten Sche­men in den An­fangs­träu­men an ge­wann es an Form, bis es Ge­sich­ter bekam, die Ge­sich­ter und Kör­per von Frau­en.

Ich ver­lieb­te mich in eine Frau. Es war Ende De­zember 2006; ich be­such­te ein Essen in der Halle, vol­ler Vor­freu­de über einen jah­re­lan­gen Schwarm, den ich dort sehen würde. Ein biss­chen Katz und Maus spie­len fand ich reiz­voll, also ging ich den Men­schen­grup­pen aus dem Weg, und fand eine Be­kann­te von mir im Ess­zim­mer sit­zen. Sie war nicht al­lein; sie saß da mit einem Mäd­chen das ich bis­her nur ent­fernt kann­te. Ich be­grüß­te sie, small­talk­te. Wäh­rend dem Reden wurde ich mir be­wusst, was für ein of­fe­nes Ge­sicht sie hatte, jun­gen­haft, an­dro­gyn, mit wil­den blon­den Lo­cken. Sie be­ein­druck­te mich. Ich ging nach Hause und die zuvor star­ke Fi­xiert­heit auf den Typen war wie weg­ge­bla­sen, ich hatte ihn sogar ver­ges­sen. Ich war glück­lich und wuss­te nicht wieso. Und erst ein paar Tage spä­ter würde ich rea­li­sie­ren, was da ge­ra­de pas­siert war. Und es würde mich um­wer­fen und nicht los­las­sen, und das in einer Zeit, in der ich end­lich in der Ge­mein­schaft an­ge­kom­men war. Und es würde dazu bei­tra­gen, die Ge­mein­de zu hin­ter­fra­gen, aber bis mir das mög­lich war, würde es mich sogar noch stär­ker an sie bin­den, im Glau­ben, durch Hin­ga­be Ab­so­lu­ti­on zu er­fah­ren.

Zu der Freun­din, die zu mei­ner In­te­gra­ti­on maß­geblich bei­ge­tra­gen hat: Zwei Jahre lang hatte sie sich für das Ge­mein­de­le­ben auf­ge­op­fert, die per­fek­te Schwes­ter, mit immer vol­lem Gäs­te­tisch zu­hau­se, vol­ler Dienst­bar­keit an­de­ren Men­schen ge­gen­über; immer ver­nach­läs­sigt, was sie sel­ber wünsch­te. Es war kein Wun­der, dass sie un­glück­lich wurde. Sie freun­de­te sich mit einem Mann an, der neu in der Ge­mein­de war. Was dann be­gann, war Ruf­mord an ihr, Ge­schich­ten, die ru­mer­zählt wur­den und sie ver­leum­de­ten. Aber nicht nur dass die Ge­schich­ten er­fun­den waren, war wich­tig, son­dern dass diese sich um Sex dreh­ten, um Sex, den eine er­wach­se­ne Frau hatte oder nicht hatte. Ich be­griff erst spät was los war, und sie pack­te schon ihre Kof­fer, als ich es in sei­ner gan­zen Kon­se­quenz rea­li­sier­te. Ich war wie er­starrt, ich bat sie zu blei­ben und ich wuss­te doch, was ihr da an­ge­tan wor­den war.

Diese Dinge sind alle ge­sche­hen und sind erst nach und nach in mei­nem Be­wusst­sein zu Er­leb­nis­sen an­ge­reift, die mich aus­ein­an­der­ris­sen. Am An­fang stand da die­ser Wunsch, da­zu­zu­ge­hö­ren, ein­fach nur Teil des­sen zu sein. Wie groß er ge­we­sen sein muss­te und wie­viel Schö­nes auch pas­siert ist, dass ich das Ne­ga­ti­ve manch­mal sogar ver­gaß, kann ich nur ahnen; und dass mir eine Wahl ge­fehlt hat, all das trägt dazu bei, dass diese schlim­men Er­leb­nis­se ihre de­struk­ti­ve Kraft nur lang­sam ent­fal­ten konn­ten. Ich bin ver­ant­wort­lich dafür, in was ich mich da ge­bracht habe, ver­ant­wort­lich dafür, nicht frü­her nein ge­sagt zu haben, ver­ant­wort­lich für das, was ich durch mein Schwei­gen ak­zep­tiert habe. Teil einer so­zia­len Dy­na­mik, die Men­schen re­ak­tio­nä­ren Bil­dern über Mensch­lich­keit und Liebe und Leben und Ge­sell­schaft un­ter­wirft, sie dar­auf trimmt, ihre ,,frohe Bot­schaft“ auf der Welt zu ver­brei­ten, mit dem Be­kennt­nis nicht zu­frie­den ist, son­dern auch die Her­zen, die Ge­dan­ken, die In­stink­te zu be­set­zen und zu be­herr­schen an­strebt; jeden Zen­ti­me­ter Mensch, der zur Ver­fü­gung steht.

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Veganer*innen und Fleischkonsument*innen in der politischen Zusammenarbeit

Stephanie fragte intern herum, wie wir mit den verschiedenen politischen Haltungen in der takeoverbeta-Redaktion umgehen wollen. Sie bezog sich dabei u.a. speziell nochmal auf den Antispeziesismus, der innerhalb der Gruppe in dieser Art nur von mir vertreten wird. Interessante Fragestellung.

Ich habe bereits hier schonmal über Bündnisarbeit und deren Schwierigkeiten geschrieben. Kiturak wollte mit mir ja am Wochenende in Mainz darüber diskutieren, ob es blöd für mich ist, dass die meisten von takeover.beta keine Veganer*innen sind. Mich hat das geärgert und ich war auch nicht vorbereitet; zuoft reicht es den Leuten von meinem Vegansein zu erfahren, um daraus ‘ne Riesendiskussion zu konstruieren, weil ich ja Fleischesser*innen Von Grund Auf(tm) verachten muss – - – (ja, Kiturak hats nicht so gemeint, aber ich hab solche Auseinandersetzungen einmal zu oft erlebt).
Hier mal meine Gedanken zum Antispeziesismus und zur veganen Ernährung:

Ich kann und will Menschen nicht vorschreiben, was sie essen sollen. Gerade bei Frauen* gibt es historisch und aktuell immer wieder Bestrebungen, ihnen ihre Ernährungsweise und ihr Verhältnis zu ihrem Körper vorzuschreiben; sowie ihnen Ekel vor dem Essen zu bereiten, das sie zu sich nehmen. Für mich geht es weniger um Kritik am individuellen Konsum, sondern um die strukturelle Ausbeutung von Tieren (damit beziehe ich mich im weiteren Text auf nichtmenschliche Tiere) in unserer Gesellschaft, die im derzeitigen System darauf beruht, aus Tieren und Tiererzeugnissen Profit zu schlagen. Wobei individueller Konsum durchaus kritisierbar bleibt und ich auch an Boykott glaube, aber nur in der immanenten Logik des Kapitalismus, den ich gerne abschaffen würde.

Mit moralischem Antispeziesismus kann ich derweil nichts anfangen; es bringt m.E. nichts, Menschen den Verzehr von Fleisch zu verbieten, wenn es ihre Ernährungsgrundlage darstellt (also geradez.B. in Hirtenkulturen) oder ewige Diskussionen darüber zu führen, ob das Leben eines befreundeten Hundes jetzt mehr wert sein soll als das eines fremden Menschen. Ich halte nichts von Singers Thesen alá ,,Tiere sind weniger wert für uns, deshalb beuten wir sie aus”, sondern bin da eher historische Materialistin und meine, Tiere sind weniger wert für uns, WEIL wir sie ausbeuten. Die speziesistische Ideologie dient also nur zur Legitimierung der Handlungen, die wir bereits schon lange an Tieren ausführen und ist nicht der Grund für diese Handlungen.

Genauso glaub ich nicht, dass ethischer Vegetarismus und Veganismus einfach so in den Köpfen der Menschen aufgetaucht istsind, weil wir plötzlich alle so tierfreundlich geworden sind; sondern dass diese auf einer ökonomischen Grundlage basieren: Industriell sind wir heutzutage in Deutschland in der Lage, uns fleisch- und tierproduktfrei zu ernähren. Einer der größten Feinde ist also für mich die Massentierhaltung; und der heutige Tierschutz damit nur eine andere Form, Ware zu schützen.

Ein Beispiel dafür sind Betäubungen an Schlachttieren. Ist ja nett gemeint, Tiere nicht leiden zu lassen, wenn sie getötet werden. Aber die Unfähigkeit, zu schreien, sich zu wehren, als Lebewesen sich erkenntlich zu machen, macht das betäubte Tier im Tötungvorgang warenförmiger. Es ist eine entsetzliche Form von ,,Humanismus”, die Tierschützer*innen da erkämpfen und immanent sehe ich da auch keine andere ,,Lösung”, außer durch individuellen Konsum die Ausbeutungsmaschinerie zu boykottieren.

Auf Bio- und Ökofleisch zu setzen, ist für mich auch keine Lösung, da Fleischessen dann wieder zu einem Privileg der Reicheren unserer Gesellschaft wird (mal ganz abgesehen davon, dass das auf der halben Welt immernoch so ist). Ausdruck dessen bei jedem Gammelfleischskandal ist dann die Phrase in gewissen Artikeln, wer Billigfleisch kaufe, sei ja selber Schuld. Verschiedene Klassismen in dem Umgang mit Ernährung gilt es zu hinterfragen, sei es von den Vertreter*innen aus der Bio- und Ökoecke, sei es, dass Vegetarismus und Veganismus eine neue Form der Distinktion darstellt, um sich von “barbarischen proletarischen Fleischesser*innen” zu distanzieren.

Was ist also meine Hoffnung? Ich hoffe dass es ein Ende der Massentierhaltung geben wird, dass Veganismus keine teure Alternative, sondern eine für alle Menschen zugängliche Selbstverständlichkeit wird. Ich glaube daran, dass das auch starke Auswirkungen darauf hat, wie wir über Tiere denken werden in Zukunft. Ich hoffe, dass Menschen und Tiere in einer Welt, in der Menschen den Lebensraum von nichtmenschlichen Tieren rauben, miteinander leben lernen. Ich wünsche mir, dass Tieren ein eigenständiges Leben zugestanden wird, wozu gehört, dass wir anerkennen, dass Tiere nicht für uns da sind, weder als die Bärchenwurst auf unserem Teller noch als Kuscheltiere in unseren Häusern.

Und natürlich wird es Momente geben, wo ich mich über Fleischesser*innen ärgere. Oder über massenhaftes Rumschicken süßer Katzenbilder, die Tierliebe zu manifestieren scheint, aber für mich nichts anderes bestätigt als ein seltsames Mensch-Tier-Verhältnis, in der willkürlich die einen Tiere auf- und die anderen abgewertet werden.

Deshalb arbeite ich trotzdem weiterhin mit Fleischesser*innen zusammen, auch hier bei takeover.beta und auch in weiteren, v.a. antikapitalistischen Zusammenhängen. Sollte aber von Menschen, mit denen ich zusammenarbeite, negiert werden, dass es soetwas wie eine strukturelle Ausbeutung von Tieren gibt und diese in der Ausarbeitung von Forderungen und/oder Selbstverständnissen innerhalb einer politischen Gruppe immer wieder unterschlagen werden, oder wird über Utopien spekuliert, in denen wieder und wieder nichtmenschliche Tiere keinen Raum haben sollen, dann werde ich jetzt und in Zukunft die Zusammenarbeit mit solchen Menschen überdenken und in den meisten Fällen abweisen. Das ist keine Drohung, sondern die Konsequenz, die ich daraus ziehen muss, dass ich meine politische Arbeit ernst nehme.

Edit: Die meisten meiner Gedanken und Eindrücke verdanke ich dem Buch: ,,Das steinerne Herz der Unendlichkeit erweichen: Beiträge zu einer kritischen Theorie für die Befreiung der Tiere”(Hrsg: Susann Witt-Stahl).

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Zum Wochenende Links:

Hier erstmal ein paar Basics:

Neurotypische Menschen müssen sich selten als solche auweisen und sind sich deshalb umso weniger ihrer Privilegien bewusst. Dev auf Square 8 liefert eine Privilegien-Checkliste für NTs. (englisch)

In unserer Gesellschaft herrscht die Meinung vor, dass nur Beziehungen zum Glück führen. Kritik an dieser Haltung übt Das Institut für separatistischen Ausschlussfeminismus.

“Schlag ihn doch, wenn er dich belästigt!” Warum diese Aussage nicht hilft, damit beschäftigen sich drei Artikel von Geek Feminism und Melissa McEwan (alle englisch, Triggerwarnung für sexuelle Belästigung und Gewalt).

Klassistische Ausgrenzungserfahrungen im Umgang mit Geld in der eigenen alternativen Wohngemeinschaft erlebte ClaraRosa.

Auf “Journeys with Autism” schrieb Rachel einen Artikel über unklare Fragen und empathisches Sich-hinein-versetzen. (englisch)

“Männersache”, das Portrait eines jungen Transmannes verfassten Anna Hunger und Chris Grodotzki.

Für Menschen die Unterdrückung und Diskriminierung erfahren und im ständigen Kampf manchmal sich selbst vergessen: Eine Hab-auf-dich-acht-Liste von Fabian Romero. (englisch)

Sich selbst und ihre Fähigkeiten gering einzuschätzen ist gerade auch bei Frauen eine Sozialisationssache. Den Umgang damit schildert Dani Sojasahne.

accalmie über den Umgang Weiße*r mit rassistischen Ausdrücken.(englisch)

Kurz nochmal:
Polykritik hier. (via Moona مونا Moon, englisch)
Textsammlung von bell hooks (englisch)
Die Schwierigkeiten beim Coming Out für People of Color. (via @RVCBard, englisch)
Kritik an den heteronormativen Reaktionen auf das Coming Out von Anderson Cooper.(englisch, via @brinstar)

Aktuelle Themen:

Über die konsequente Haltung zu Rassismus vom Fußballspieler Balotelli freut sich ElFlaesch. (via @noriegatubbs)

Ist Ponaders Kritik an Hartz IV subversiv oder nur Ausdruck der Optionsmöglichkeiten Privilegierter? Dieser Frage geht Nadia Shehadeh nach.

Von Anna, Mädchenmannschaft: Spiegel Online blendet die junge Tochter eines Fußballspielers im Familienportrait aus; im Mittelpunkt steht allein die Beziehung zwischen Vater und Sohn.

Femgeeks.de ist seit kurzem am Start – wir gratulieren!
Auch dort wird Mehrfachdiskriminierung zum Thema: Maya schreibt einen offenen Brief: „Ich bekenne – ich bin Nichtakademikerin“. Grund dafür ist das Cybermentoren-Projekt, das zur Unterstützung junger Frauen in den MINT-Bereichen dienen will – mit Mentorinnen, die v.a. aus dem Akademiker*innen-Bereich kommen sollen.

Wie das Militär in Israel die Rechte von Homosexuellen für sich vereinnahmt, darüber schreiben die zwei israelischen Queers Yossi und Liad aus Berlin. (via Moona مونا Moon)

Update zur NSU-Mordserie: Aktenvernichtung sollte vertuscht werden. (via Moona مونا Moon) Zum selben Thema und dem Abgang vom Thüringer Verfassungsschutzpräsident Thoma Sippel schreibt das Migazin.

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Antwort auf Kritik am Poly-Text

Wer es mit­ge­kriegt hat: Sancz­ny und yetzt haben eine recht aus­führ­li­che Kri­tik auf mei­nen letz­ten Text hin ge­schrie­ben. Hier der Ver­such einer Ant­wort, prä­sen­tiert auf mei­nem Blog und bei takeover.beta, da ich immer Schwie­rig­kei­ten habe, bei Word­press zu kom­men­tie­ren.

So, jetzt hab ich Zeit zu ant­wor­ten. Ich finde euren Text lang und an man­chen Stel­len schwer zu kna­cken. Des­halb dau­er­te die For­mu­lie­rung mei­ner Ant­wort län­ger, weil ich z.T erst nach er­neu­tem Wie­der­le­sen ver­stan­den habe (und manch­mal im­mer­noch nicht ver­steh), um was es euch da geht. Ich habe mei­nen Post zu Po­ly­amo­rie erst ge­schlechts­neu­tral for­mu­liert, bevor ich noch­mal dar­auf ein­ging, dass das für mich be­son­ders stö­ren­de Merk­mal die männ­li­che Do­mi­nanz ist, die das Thema Poly um­gibt. Ihr schreibt, es geht nicht um die Herr­schafts­för­mig­keit von Be­zie­hungs­for­men. Und gleich­zei­tig ist euer Text ab­so­lut ge­schlechts­blind ge­hal­ten, so als ob es nicht klar wäre, wer in un­se­rer Ge­sell­schaft An­er­ken­nung dafür be­kommt, meh­re­re (Sex-, Lie­be-, wha­te­ver) Part­ner*innen zu haben. Das ist euer luft­lee­rer Raum. – Ihr sagt, ich sehe Poly als Wahl im luft­lee­ren Raum. Als Wahl sehe ich es vor allem im Bezug auf mich und auf die, die ich kenne, die Poly als Be­zie­hungs­form ge­wählt haben und es nicht als es­sen­ti­el­le Iden­ti­tät wahr­neh­men. Da kann ich aber nicht all­ge­mein spre­chen. Riot­man­go sagt, wir soll­ten lie­ber nicht von Wahl oder Nicht­wahl reden, ich bin der An­sicht, jeder Mensch soll­te aus­drü­cken dür­fen, wie er* oder sie* das emp­fin­det, auch wenn uns diese De­bat­te nicht wei­ter­bringt, aber es zeigt, wie Men­schen ihre Iden­ti­tät er­le­ben, näm­lich ver­schie­den, un­ein­heit­lich, manch­mal schick­sals­be­dingt, manch­mal Aus­druck eines frei­en Wil­lens, der mehr oder we­ni­ger frei ist. Und luft­leer ist der Raum ge­nau­so wenig, weil ich ihn be­reits ganz am An­fang ge­füllt habe mit der Aus­sa­ge: „Ihr traut euch so ei­ni­ges in einer Welt der auf zwei Men­schen pro Zeit­raum fi­xier­ten bür­ger­li­chen Vor­stel­lung von Liebe“ Dass RZB also die ge­sell­schaft­lich do­mi­nan­te Be­zie­hungs­form ist, war im Text klar. Und wei­ter­hin soll diese Aus­sa­ge nicht auf einen ,,se­xu­el­len Nor­mal­zu­stand“ hin­wei­sen, son­dern auf die star­ke nor­ma­ti­ve Kraft des RZB-Kon­strukts. Ihr baut eure Kri­tik dar­auf auf, dass ich aus Per­spek­ti­ve der Mo­no­amanz schrei­be. Wo ich das so genau aus­ge­drückt habe, ist mir bis jetzt nicht klar. Die An­sa­ge ist an Men­schen ge­rich­tet, die sich klar als poly ver­or­ten, das ,,ihr“ be­deu­tet aber nicht, dass ,,ich“ zur ,,an­de­ren Seite“ ge­hö­re, so als ob wir hier von einer Po­la­ri­tät reden. So­viel auch zu eurem An­fang, dass die Welt zu kom­plex ist für Schub­la­den. Dass ich keine klare Po­si­ti­on be­zie­hen kann, woll­te ich auch noch­mal mit mei­ner Hoff­nung dar­über dar­stel­len, Po­ly­amo­rie viel­leicht wie­der neu be­set­zen zu kön­nen und nicht das Feld den Ma­ckern zu über­las­sen, die mir ein­trich­tern wie Po­ly­se­in aus­zu­se­hen hat. Dass ich aber ge­failt hab, klare Worte ala ,,Ich bin … und des­we­gen … qed“ zu brin­gen, gibt dem Text diese schlim­me Form von Neu­tra­li­tät, die keine ist und die ich ihm gerne wie­der ent­zie­hen möch­te. Meine Ver­glei­che mit RZB waren schwach, das stimmt, und haben ver­mut­lich für den größ­ten Unmut ge­sorgt. Ich habe kurz um­ris­sen und den Ab­klatsch einer RZB ge­lie­fert, weil ich mich nicht näher mit ihr be­fas­sen woll­te, und das war mein Feh­ler, denn das Re­sul­tat waren gru­se­li­ge Idea­li­sie­run­gen. Dass hier der Ein­druck ent­steht, ich schrei­be aus der Sicht der Mo­no­amanz, kann ich ver­ste­hen. Bes­ser wird es nicht da­durch, wenn ich er­klä­re, dass diese Ver­glei­che der Bild­lich­keit die­nen soll­ten. Ich habe schlicht nicht ge­se­hen, in wel­che Rich­tung sich mein Text be­wegt und bin des­halb auch dank­bar für eure De­kon­struk­ti­on.

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Liebe ,,Ich bin poly”-Bezeuger*innen!

Ich mag die meisten von euch. Ihr traut euch so einiges in einer Welt der auf zwei Menschen pro Zeitraum fixierten bürgerlichen Vorstellung von Liebe. Ihr feiert die Tatsache, dass Menschen viel(e) lieben können und viele von euch freuen sich daran, wenn geliebte Menschen Zärtlichkeit und Intimität mit anderen genießen. Das ist kostbar und nicht geringzuschätzen in einer Welt, in der Partner*innen einander noch aus Eifersucht umbringen. Ich bewundere diejenigen unter euch, die verbindlich und liebevoll miteinander umgehen, die sich die Zeit nehmen, über all das zu kommunizieren, was bereits in einer monogamen Bindung kompliziert und tückisch sein kann. Ihr setzt Grenzen, redet über Wünsche und vollbringt das, was manche immernoch für unmöglich halten.

Und dann gibt es diejenigen unter euch, mit denen ich große Probleme habe.

Zur ersten Gruppe gehören die, die Polyamorie gerade auch in der linken Szene wie ein religiöses Mem viral verbreiten. Das ist noch nicht mein Problem. Gute Ideen brauchen Verbreitung. Das ist mein Problem: die religiöse Idee, dass nur dieser eine Gott anzubeten sei. Klarer ausgedrückt: Wer nicht poly ist, sei spießig—
Nein. Darüber muss ich keine langen Reden halten. Ich wähle, was mir gefällt. Ich muss mit euch nicht darüber reden, was falsch sein könnte an meinen Erwartungen an die Menschen/Partner*innen, die ich wähle oder mich von euch “analysieren” lassen in jeglicher grenzüberschreitender Hinsicht. Eure Anmaßung darüber, die ,,richtige” Beziehungsform gewählt zu haben, mag gefüttert sein von den Schrecknissen, in die die Romantische Zweierbeziehung einige von uns schon geritten hat und von der Dominanz derselben in unserer Gesellschaft. Dennoch bleibt es eine Anmaßung. Redet von persönlicher Erfahrung, von dem, was für euch das Richtige ist. Aber bleibt mir mit eurem Evangelium der einen richtigen Beziehungsform fern. Alternativlosigkeit muss dekonstruiert werden, auch und vor allem in sogenannten progressiven Kreisen.

Die zweite Gruppe, ich nenne sie mal: die Missverständlichen. Sie sagen ,,poly”, aber sie meinen ,,promisk”. Pick Up für Linke, hab ich mir da mal gedacht, oder aus den Worten anderer: Die 68er-Problematik in neuer Verpackung. Nun, ich habe keine grundsätzlichen Probleme mit Promiskuität. Habt Sex, wenn ihr Lust drauf habt! Aber benennt auch, was ihr meint! ,,Poly” ist ein unglaublich schwammiger Begriff. Während die RZB für viele Menschen ein ,,all inclusive”-Paket bedeutet, müssen Menschen in Poly-Beziehungen vieles neu definieren, es wird ihnen nicht ,,vorgesetzt”. Mit Menschen was eingehen, denen ihr gesagt habt:,,Ich bin poly”, heißt nicht automatisch: ,,Du, aber morgen geh ich dann wieder.” Es heißt, ihr müsst erklären, was Polysein für euch bedeutet, ob ihr das völlig frei definiert im Sinne von: Ich schlafe einfach unglaublich gern mit unglaublich vielen Menschen, oder ob es für euch vielleicht eine verbindliche Beziehung beinhaltet neben einer/vielen anderen, die genauso romantisch sein kann wie eine RZB. Oder vielleicht was ganz anderes. Benutzt Begrifflichkeiten, die klar ausdrücken, was ihr meint und schleicht nicht um den heißen Brei. Versprecht nicht zu bleiben, wenn ihr das nicht vorhabt. Vor allen Dingen bedeutet Poly nicht: Wenn du dich lange genug hinhalten lässt, verbringe ich vielleicht mal wieder Zeit mit dir, und ansonsten bist du mir egal.

Ich habe diese Ansage geschlechtslos gehalten. Ich habe auf Poly-Mackern bereits schonmal herumgehackt, weil sie mir auf die Nerven gehen, allerdings frage ich mich, inwieweit Frauen* zulassen sollten, dass Polyamorie wie so oft bedeuten muss, was eine im Trans*Frauen*Lesben-Zelt des Antifees letzte Woche nach einem derartigen Vortrag meinte: ,,Da war mir zuviel weiße Männlichkeit.” Und ob wir lernen könnten, Polyamorie wieder neu für uns zu besetzen. Ich habe gemerkt, dass das Thema mich zuletzt deswegen so genervt hat, weil mir immerwieder in Schulunterrichtmanier von irgendeinem Typen eingehämmert wurde, wie falsch doch Zweierbeziehungen sind, qed. Auf einem zweiten Vortrag letztens habe ich aber eine schöne Erfahrung gemacht und erfahren, dass es auch anders geht: In Gruppen oder zuzweit redeten die Menschen darüber, was für sie persönlich wichtig ist, was sie erfahren haben, was Liebe*Beziehung*Freundschaft für sie bedeutet. Dieser Workshop war so unglaublich viel ertragreicher und respektvoller als jede ,,Treue ist doof/Menschen sind von Natur aus promisk/Bla bla bla”–Rhetorik aus 68er und heutigen Zeiten. Das heißt, es geht auch anders, und das festzuhalten, ist mir wichtig.

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Intersektionalität: Von Brücken und Grenzen, am Beispiel der Tierbefreiungsbewegung

Hatte neulich ne Diskussion auf Twitter über Intersektionalität. Interessanterweise hatten die Personen, mit denen ich stritt, ähnliche Ansichten, aber was Aktionen betraf, sah das ganz anders aus. Ein Punkt war v.a.: eine Aktion/Kampagne, die nicht auf alle Formen von Herrschaft eingeht, gar nicht anfangen.
Ich hab jetzt zwei Jahre antispeziesistische Arbeit gemacht. Wir verstehen uns sozusagen als Brücke zwischen oftmals autonomen, radikalen ,,Fleischlinken” mit anarchischen und emanzipatorischen Ansätzen einerseits und der Tierrechtsbewegung andererseits mit ihrem Rütteln am starren Mensch-Tier-Bild und der Forderung nach Tierrechten sowie veganer/vegetarischer Ernährung und Lebensweise. Für die einen sind wir menschenfeindlich, für die anderen linksextreme Spinner*innen. Die Kritik nach der einen Seite üben wir, weil Tiere in linken Theorien und Utopien einfach mal ausgeblendet werden, und nach der anderen Seite, weil sie Kapitalismus überall noch mitdenkt.
Es ist so schwer, die zwei zusammenzubringen! In der Tierrechtsbewegung gibt es wie auch in der Umweltbewegung religiöse wie rechtsradikale Gruppierungen (z.B. ist ,,Antispe” in Italien v.a. als Nazigruppe bekannt GRUSELIG). Was dauernd nötig ist, sind Abgrenzungen unsererseits, mitunter mit dem Gefühl, wir tuen eigentlich nichts anderes als uns abzugrenzen. Dennoch ist diese Arbeit wichtig, das ist klar, ich will nicht mit PETA, mit Universellem Leben, ,,Heimatschützern” und anderen Gruselgeschichten zusammenarbeiten. Andererseits wollen wir uns nicht einfach nur bei der Linken andienen und ständig deren Antirepressionsarbeit machen und für die vegane Vokü zuständig sein, sondern auch sie in Bezug auf Leben und Leiden von Tieren in unserer Gesellschaft sensibilisieren.
Zum Beispiel laufen derzeit Kampagnen gegen neue Schlachthäuser. Da gibt es dann Kollaborationen, die so aussehen können: Anarchistisch und herrschaftskritisch denkende Tierbefreier*innen arbeiten gemeinsam mit Bürgerinitiativen, denen es vor allem um die Erhaltung der Lebensqualität in ihrem Raum geht. Beide Gruppen sind sich eigentlich fremd; das einzige, was sie vereint, ist dieses Ziel: Schlachthof xy abzuschaffen. Beide lernen sich durch die Zusammenarbeit kennen, beide kämpfen für ihren Standpunkt innerhalb der Kampagne, beide gehen Kompromisse ein. Sie missverstehen sich und manchmal bekämpfen sie sich auch. Sie erreichen ihr Ziel oder nicht, manchmal mit, manchmal ohne die Bündnispartner.
Es gibt Ängste, dass das alles nur in Reformismus endet. Eine Abwärtsbewegung des Tierbefreiungsgedanken zu ,,bloßen” Tierrechten bis zum gesetzlich verankerten Tierschutz, der vor allem ,,Warenschutz” zu sein scheint. Um mal einen Menschen bei Twitter zu zitieren, mit dem*der ich über Veganismus diskutierte: ,,die kuh die aktuell leidet der nuetzt es nichts wenn sie weiss dass in diesem jahr 50 kuehe weniger leiden”[sic]. Aber was ist mit den 50 anderen Kühen, das sind doch Lebewesen, jedes für sich, nicht einfach nur ,,Exemplare” ihrer Art. Ein Freund von mir bezog sich in einer ähnlichen Diskussion auf die Frauenbewegung. Die sei letztendlich auch daran gescheitert, dass sie sich von vielen Ansprüchen wegbewegt hat hin zu einem vor allem auf Forderung von Rechten beruhenden Kampagnenaktivismus. Dass gesetzliche Gleichstellung vieles bisher noch nicht gelöst hat, wissen wir. Aber dass es nur eine Verlagerung von Unterdrückungsmechanismen sein soll, wenn Frauen in unserer Gesellschaft zum Beispiel ökonomisch unabhängig geworden sind, und diese Tatsache nicht etwa auch ein befreiendes Moment hat, dieser Gedanke stört mich. Wer ökonomische Abhängigkeit kennt, weiß was ich meine: Es macht einen RIESEN Unterschied. Und natürlich: Es reicht nicht. Ich will die Befreiung aller. Ich erfahre aber in der Realität immer die Grenzen von Menschen und Aktionen und muss damit umgehen, auch mit meinen eigenen Grenzen. Und sehe kleine Ziele, die ich heute erreichen kann und weiß, dass ich dieses positive Feedback auch brauche, um nicht total auszubrennen.
Wie geht es euch damit? Seht ihr das alles ganz anders? Wie geht ihr mit der ,,Vermittler*innen”-Rolle um? Was heißt es für euch, aktiv zu werden, macht ihr Kompromisse? Und wie fühlt ihr euch damit?

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