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Klassismus intersektional denken

 [Die Kommentarmoderation ist stillgelegt, bis die internen Absprachen gelaufen sind. Es ist egal, was ihr in der Zwischenzeit schreibt, ob Pro, Contra oder Jein, es wird von mir nichts mehr freigeschaltet, solange die Interna nicht geregelt sind.] – Zur Erklärung der Interna hierlang.

Wunderschöner Artikel zur Erklärung des Konflikts, der lief, von einem meines Wissens daran unbeteiligten Beobachter, für den ich sehr dankbar bin:

http://thewholebakery.wordpress.com/2013/03/12/anti-klassismus-und-anti-kapitalismus/

 

Zunächst möchte ich meinen vollen Support für die Thematisierung von Klassismus gerade auch innerhalb der „Linken / der Blogosphäre aussprechen. Wie mein Nickname verrät, ist dies auch für mich ein sehr wichtiges Thema. Und auch ich habe mich lange nicht am politischen Diskurs des Feminismus sowie der Linken beteiligt, weil ich nicht bürgerlich genug war, ihren Code zu imitieren.

 

In diesem Post möchte ich zwei sachliche Punkte ergänzen, damit es nach der Sensibilisierung für das Thema, die durch die letzen vier Artikel von ClaraRosa , Regenbogenmaschine , insideoutsidenowhere und viruletta entstehen kann und sollte, mit inhaltlichen Überlegungen weitergehen kann.

Bei keiner Dimension von Intersektionalität erscheint es mir gleichzeitig so wichtig und so „gefährlich“, sie intersektional zu denken. „Gefährlich“, weil ich befürchte, die ein oder andere könnte das in den falschen Hals kriegen, da es oft mit Blaming verwechselt wird, obwohl es keines ist. Daher nochmal ausdrücklich: Ich schätze eure vier Artikel sehr und ich schätze sie als Rant und als biographische Texte, ich befürchte lediglich, dass dabei zwei Dinge durcheinander geraten.

 

Klassismus und Ableismus müssen in der Debatte getrennte Dimensionen bleiben. Das ist mir gerade deswegen so wichtig, da wenn mensch beides in einem Atemzug nennt, das Klischee, dass Menschen, die wenig Geld haben auch gleichzeitig wenig gebildet sind, dadurch reproduziert wird. Und gegen dieses Vorurteil möchte ich kämpfen und auch ihr habt dieses Vorurteil ja angesprochen. Wenn das Benachteiligen von Menschen mit geringerem Bildungsstand aber auch einfach als „Klassismus“ bezeichnet wird, wie es in den vier Tagebuch/Rant-Einträgen teilweise geschah, erhärtet sich dieses Vorurteil mehr und mehr. Deshalb wäre ich froh, wenn es eine Möglichkeit gäbe, diese beiden Dimensionen der Intersektionalität getrennt zu benennen und dann erst im zweiten Gedankenschritt zu zeigen, dass natürlich viele Menschen von beidem betroffen sind. Deshalb mag ich den Intersektionalitätsbegriff ja so gerne, weil er gerade das zeigt, dass Menschen, die von einer Ungleichheitsdimension betroffen sind, oft unweigerlich in andere Dimensionen reinrutschen. Also eben am Beispiel, dass von Klassismus Betroffene oft und auch systematisch von Ableismus Betroffene werden. Aber dennoch sind es zwei Paar Schuhe, denn wie gesagt, das Vorurteil vom „d*mmen Ba*er“ will ich nicht reproduziert sehen, indem das Wort Klassismus auf Bildungsdebatten nur halb-richtig angewendet wird.

 

Glossar-Einschub:

Klassismus bezeichnet die strukturelle Benachteiligung von Menschen aus der sogenannten „Unterschicht“ bei Prozessen der Partizipation am kulturellen, sozialen und politischen Leben. „Unterschicht“ bezeichnet dabei die soziale Schicht (englisch eben „class“, wie früher bei den MarxistInnen „Klasse“, was eigentlich nicht mehr ganz richtig und zeitgemäß ist), deren „sozioökonomischer Status“ in der Gesellschaft durch die Geringschätzung ihrer Berufe, Tätigkeitsfelder und die damiteinhergehende geringe Entlohnung sowie Prekarisierung (Drohung der Arbeitslosigkeit, Teilzeit, Rente, Mini-Jobs) herabgestuft wird. Diese Herabsetzen bedeutet oft auch eine Geringschätzung der durchaus vorhandenen Bildung. (zB die Vorurteile wie, dass das was ein_e Handwerker_In könne ja keine große Kunst sei)

 

Ableismus bezeichnet die strukturelle Benachteiligung von Menschen, die eine für die konkrete Situation relevante Befähigung nicht haben. Dies kann eine Behinderung im engeren Sinne sein oder eben die Fähigkeit an Informationen zu kommen, zu lesen (zB Alphabetisierungsdebatte) oder sich zu bilden. Im Bereich Bildung bedeutet Ableismus in der Regel einen Teufelskreis: Aufrgund der fehlenden Capability (nach Nussbaum „Capabilities Approach“. Sie bricht die künstliche Unterscheidung zwischen Behinderung und behindert werden auf, indem sie zeigt, dass die Diskriminierungsprozesse dieselben sind) hat der Mensch wiederum geringere Chancen, sich zu befähigen. (Also kurz: Menschen mit geringerer Bildung haben schlechtere WEITERbildungschancen, egal wie viel Geld sie haben!).

Bekannte Beispiele dafür, dass das verschiedene Dinge sind: In Kuba sind die Taxifahrer reicher als die Ärzte.

Unternehmer_Innen in Deutschland, die nicht studiert haben, aber steinreich geworden sind, haben große Probleme von den anderen als gleichgute Unternehmer_Innen gewertschätzt zu werden.

 

Der zweite Punkt, den ich machen möchte ist, dass ich das Gefühl habe, es wird übergangen, dass insbesondere die Linke nicht nur in einer bestimmten Klasse stattfindet, sondern auch in einem bestimmten Milieu. Ich weiß, einige von euch bekommen bei diesem Wort bereits allergischen Hautausschlag ;-) . Aber das ändert nichts daran, dass es der Fall ist und dass eine andere Empowerment-Bewegung, nämlich die ANTI-KLASSIST_INNEN DER ERSTEN STUNDE ! hart dafür gekämpft haben, dass diese Unterscheidung gemacht wird. Also bitte, lasst diesen Menschen ihre Stimme, die lange vor euch über Klassismus nachgedacht haben. Eure Arbeit hat eine wesentlich längere Tradition als ihr denkt. Ich bitte euch: Nutzt doch diese Vorarbeiten, nehmt sie wahr, sie haben uns allen viel zu bieten. Eine von euch hat Bourdieu genannt: Ironisch, denn Bourdieu kommt wirklich aus der Gosse. Er hat Soziologie studiert, weil er sich gegen Klassismus wehren wollte! Weil er nichts hatte! Bourdieu ist nicht nur einer unserer Allies, er ist (bzw war) ein Mitbetroffener! Lasst dem Mann doch seine Würde.

 

Bourdieu-Einschub: 

Bourdieu ist auch der Mann, der als er es sich später leisten konnte das berühmte Werk “Das Elend der Welt” herausgegeben hat, in dem er Tagebucheinträge und Geschichten aus dem täglichen Leben, genau solche wie die der vier Bloggerinnen oben, publiziert hat. Damit hat er seine Macht als Professor genutzt, damit nicht seine Stimme, sondern die Stimme der Menschen, denen er sein ganzes Werk gewidmet hat, gehört wird! Wenn über den Mann hergezogen wird, kommen mir die Tränen. Das hat er nicht verdient. Auch dann nicht, wenn gewisse “Linke” ihn ständig ausnutzen um die letzte Scheiße zu rechtfertigen.

 

Insbesondere, wenn es um Phänome geht, wie den Ausschluss von Menschen, die in Sitzungen überhört werden oder sich erst gar nicht trauen, dort zu erscheinen, weil sie die dort vorherrschende Sprache nicht sprechen, müssen wir, wenn wir zu einer Lösung kommen wollen, über Sprache und Habitus sprechen. Und darüber wurde schon sehr viel gesprochen. Und dann sollte mensch nicht so tun, als müsste mensch das Rad neu erfinden. Das tut mir weh, dass so viele Menschen, die nicht nur Allies, sondern Mitbetroffene sind, da einfach übergangen werden. Gerade in den Massenmedien haben diese Ansätze es schließlich schon zu Anschlussfähigkeit gebracht (zB durch den Begriff der „Chancengerechtigkeit im Vergleich zu Chancengleichheit“-Debatte). Da ist so viel schon passiert. Und auch diese Unterscheidung bedeutet, nicht aus Versehen klassistische Vorurteile zu reproduzieren, wenn mensch über Klassismus spricht, denn auch hier gilt: Natürlich gibt es innerhalb der Untersschicht viele Familien, die sehr viel Wert auf Bildung legen. Und natürlich gibt es Kinder, die in derselben Klasse/Schicht noch nicht mal mehr diese Chance auf Empowerment in der Kernfamilie haben, weil sie eben in einem anderen Milieu groß werden. Wer nur über Class spricht, ohne über Milieus zu sprechen, läuft Gefahr diese Verhältnisse zu verschweigen. Wie gesagt, das soll kein Vorwurf an euch vier sein, aber an der Stelle tut es eben mir weh, wenn das übergangen wird. Ich bin offline seit zehn Jahren in der Debatte drin, weil ich den Sprachcode des Feminismus nie beherrscht habe und dort nie mitreden konnte. (Kleines Schmankerl am Rande: Das ging so weit, dass mich Stephanie irgendwann für „unpolitisch“ hielt, weil ich mich nicht mehr mit ihr über Politisches unterhalten habe ^^). Auf jeden Fall, fände ich es ein bisschen schräg, so zu tun, als wäre dieses Thema immer nur totgeschwiegen worden, denn es ist in den Massenmedien sowie in der sozialwissenschaftlichen Forschung sogar präsenter als Feminismus. Es wird dort eben nur anders formuliert. Im Gegensatz zu Feminismus füllt Klassismus in der Soziologie so viele Bücherregale, dass es in der Bibliothek eine eigene Abteilung hat. Das Grundlagenfach, das jede_r Sozialwissenschaftler_In kennt, heißt „Soziologie der Ungleichheit“ und es ist einfach falsch zu behaupten, dies sei insgesamt ein unterbearbeitetes Thema. Es ist ein Thema, vor dem die Linke schon sehr oft Angst hatte, es in den eigenen Reihen zu reflektieren, ja. Aber es ist ein Feld, das seit über 40 Jahren unablässig beackert und beforscht wird. Bitte vergesst das nicht.

 

Herzliche Grüße

long_way_up

 

Storno an Kasse 3, bitte.

-Ich habe einen Fehler gemacht: Ich hatte, bis mir einige “Linke” hier unter den Artikel geschissen haben, keine Dimension davon, wie angestrengt manche “Linke” versuchen, nicht über Klassismus in den eigenen Reihen nachzudenken und wie sehr die den Arsch offen haben. Wer will, kann dies unten nachlesen. Kurzfassung aus meiner Perspektive: Da kommen ein paar Menschen und erzählen, dass ihr sie klassistisch ankotzt und ihr wollt mir erzählen, dass ihr denen nicht zuhören könnt, weil ihre Vorstellung von Klassismus auf einer falschen Annahme von “Mittelschicht” und “Privileg” basiert. Fickt euch!

Ich glaube zwar immer noch an das, was ich oben gesagt habe, aber nun hab ich gesehen, womit es in Verbindung gebracht wird und ich habe keine Lust Futter zu bieten für falschrum links-Gestrickte, die es in ihrem revolutionären Eifer nicht für nötig halten, Menschen zuzuhören: Wer seine kommunistische oder sonstwie geartete Ideologie über die Menschen stellt, die in dem System wie es nun mal ist, so kapitalistisch wie es ist, leiden und dieses Leiden ausdrücken, kann mir gestohlen bleiben.

Entschuldigen möchte ich mich also dafür, dass ich euch unwissentlich damit getriggert habe, etwas zu sagen, dass euch an diese Struktur erinnert. Diese Scheiß-Comments unten (und einige nun gelöschte) hab ich gebraucht, um zu sehen, dass es allen Ernstes Leute gibt, die euch absprechen wollen, dass ihr von Klassismus betroffen seid, und das nur, weil es ihnen nicht in die kommunistische Ideologie passt. Dafür hats bei mir – zugegeben lange gebraucht. Sorry.

Der Text oben ist nur gestrichen, nicht gelöscht, da ich wie gesagt, immer noch glaube was ich gesagt habe, aber es offensichtlich in eine schräge Ecke gestellt wird. Warum, kann ich mir erst seit einigen Stunden vorstellen. In jedem Fall ist es mir, um mich ausdrücklich von dieser Ecke abzugrenzen, wichtiger etwas gegen den Klassismus im bestehenden System zu tun, als unter Berufung auf kommunistische Wunschphantasien, den Menschen, die unter dem Kapitalismus leiden, auch noch ans Bein zu pinkeln, weil sie natürlich eine Klasse konstruieren müssen, um auf Klassismus hinzuweisen!

Alles Liebe

long_way_up

 

[Die Kommentarmoderation ist stillgelegt, bis die internen Absprachen gelaufen sind. Es ist egal, was ihr in der Zwischenzeit schreibt, ob Pro, Contra oder Jein, es wird von mir nichts mehr freigeschaltet, solange die Interna nicht geregelt sind.]

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Call for Ideas: FemoCo2013 – die Gemeinsame Konferenz zu Feminismen of Color in Deutschland

Hier gehts zur Webseite. Diese Information hat mir übrigens den Tag gerettet. :) Ich bin sehr gespannt darauf.

Im Ankündigungstext steht(english version below):

FemoCo2013, die „Gemeinsame Konferenz zu Feminismen of Color in Deutschland“ (Arbeitstitel), ist eine Konferenz von und für uns. Wir, das sind alle Frauen, Trans* und Inter*, die sich als Schwarze, of Color, als jüdisch, im Exil lebend, als Sinti und Roma oder als Migrant_in verstehen. Die Konferenz wird am 5. und 6. September 20137. und 8.September(verschoben) in Berlin stattfinden.
Wenn du Ideen und Vorschläge hast, was du dir auf der Konferenz Feminismen of Color wünschst, mach mit beim Call for Ideas! Mehr Info hierzu sowie zur Konferenz und eine Vorlage für deinen Ideenvorschlag findest du im Anhang sowie auf http://femoco2013.jimdo.com/.
Bitte schick deine Idee bis zum 18. März an femoco2013@gmail.com. Anfang April ist auch ein gemeinsames Meeting zur Besprechung der Vorschläge und zum gemeinsamen Kennenlernen geplant.

Mit Dank und Bitte um Weiterleitung
das FemoCo2013-Organisationsteam

*Bitte beachte: Die Teilnahme an der Konferenz sowie am Call for Ideas ist nur möglich, wenn du zur *Zielgruppe* gehörst. Angehörige der weißen Mehrheitsgesellschaft und Cis-Männer sind von der Teilnahme an der Konferenz und am Call ausgeschlossen.
**Gerne kannst du den Aufruf über deine Netzwerke, an Freund_innen und Bekannte streuen. Wir möchten möglichst viele Frauen, Trans* und Inter* of Color erreichen.

- – - English Version:

FemoCo2013, the „Gemeinsame Konferenz zu Feminismen of Color in Deutschland“ or the „Collaborative Conference on Feminisms of Color“ (working titles), is a conference for us and by us. „Us“ refers to all Women, Trans* and Inter* that recognize themselves to be Black, of Color, Jewish, living in exile, Sinti and Roma or Migrants. The Conference will be held from 5 – 6 September 2013 in Berlin.

If you have an idea or suggestion of what you wish to have at the conference, participate in the Call of Ideas! More information to the conference and the call as well as a template are attached and can also be found at http://femoco2013.jimdo.com/.

Please send your suggestions to femoco2013@gmail.com by 18th of March. An input.gathering is also planned for early April in order to discuss all ideas and get to know each other better.

Any forwarding of this call is very appreciated.

Kind regards

the FemoCo2013 organising team

* Please note: Participation in the Call for Ideas is restricted to those belonging to the conference ‘target group’. Members of the white
majority and cis-men are excluded from participation.
** Please distribute this Call for Ideas throughout your networks, to friends and acquaintances. We hope to reach as many Women, Trans* and Inter* of Color as possible.

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Diskussion um den Begriff “blind”

Unter einem Artikel von long_way_up ist eine Diskussion über den Begriff “blind” entstanden, die ab sofort hier weiterverfolgt werden soll. Aus dem Artikel “Why dancing?” wurde der Begriff entfernt.

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Neue Mitbloggerin: Khaos.Kind

Seit kurzem ist eine neue Bloggerin mit am Start: Khaos.Kind, die auf ihrem Blog Die chaotische Welt der Geschlechter Gender und Gesellschaft auseinandernimmt. Da wir ansonsten neue Mitblogger*innen in unseren Hinterzimmerberichten erwähnen, deren Fortsetzung gerade noch aber ein bisschen auf sich warten lässt, hier ein kleiner und feiner Willkommens-Post :-) .

Wilkommens-Kätzchen winkt
Willkommens-Kätzchen winkt
Quelle

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Credits

Ich begegne tausend tollen Menschen und die bereichern mich mit tausend tollen Gedanken. Manchmal ist ein ganzer Post von mir nur ein Korb mit vor allem von anderen Menschen gesammelten Früchten; oder wenigstens deren Setzlingen bzw. Kernen, die sich nach und nach zu Bäumchens Meinung(tm) entwickelt haben.

(Pflanzen-Metapher)

Manches ist nicht mehr rückzuführen auf etwaige Urheber*innen/Weiterleiter*innen. Manches ist als Ahnung oder als Beobachtung schon in mir drin, braucht aber die Worte eines anderen Menschen, um dieser Ahnung Bedeutung zu geben; quasi lose Gedanken ,,zusammenzuraffen”. Anderes wiederum ist schamlos geklaut :D Gerade bei letzterem versuchte ich bisher immer, Namen zu nennen, aber das lief auch nicht perfekt.

Ich will demnächst versuchen, mehr Credits zu geben. Mehr Namen zu nennen, mehr Hintergrund zu schaffen.
Also, ich gebe mal ein Beispiel: Den Gedanken, dass sich die feministische Bewegung vor allem deshalb an der Rassistin Alice Schwarzer abarbeitet, um sich nicht mit den eigenen Rassismen auseinanderzusetzen; den habe ich von Samia, meiner Takeoverbeta-Mitbloggerin. Das war irgendwie verschwommen als Beobachtung schon in meinem Kopf, dass da Schwarzer zentrale Bashing-Person war; aber welche Auswirkungen und Funktionen dies hatte; das habe ich für mich so noch gar nicht erkennen können. Also, danke an Samia für diesen Gedanken.

edit: Ich möchte aber nochmal konkret hinzufügen, dass die Schwarzer wirklich schrecklich ist und dass diese Gedanken NICHT dazu beitragen sollen, Schwarzer zu verharmlosen, im Gegenteil.

Und ja, wo ich gerade dabei bin: Danke auch an alle anderen, die ihre coolen Beobachtungen mit mir teilen und mir Worte geben für diese komische Welt.

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Leben mit Depressionen

Nachtrag: Auch wenn der Artikel von der Form her sehr allgemein geschrieben ist, ist er nur Ausdruck meiner Erfahrung. Depressionen fühlen sich nicht genau so für jede*n an. Sie wirken sich auch nicht genau so für jede*n aus. Ich beschreibe also nicht Depression schlechthin, sondern nur das, was meiner Erfahrung entspricht. Andere Personen haben eigene Erfahrungen gemacht.

Inhaltswarnung: Erwähnung von Suizid, jedoch keine dahingehenden Gedanken

Depressiv zu sein bedeutet Stille. Es fällt schwer Menschen davon zu erzählen und dann kann man nicht einmal etwas vorweisen. Und so “richtig” depressiv ist man ja auch nicht, denn man hat noch nicht mal einen Selbstmordversuch unternommen. Es gibt dafür auch keine Hilfe an der Universität. Deine Studienzeit ist halt auf so und so viel Semester festgelegt. Niemand plant, da irgendwie mit deinen Gefühlen klarzukommen. Es gibt halt das Arbeitspensum und wie das erfüllt wird? Interessiert keine_n. Es gibt keine Anpassungen dafür. Keine besonderen Plätze, an denen man sich hinsetzen und ausruhen kann. Keine Alltagshilfe, falls man die grundlegenden Sachen nicht auf die Reihe kriegt. Essen und Essen kaufen zum Beispiel. Wenn du nicht ständig erklärst, wie schlecht es dir geht, wird es völlig übersehen. Aber selbst dann, wie erklärst du Menschen, dass du nicht meinst, dass du einen schlechten Tag hast? Dass du heute nicht “faul” bist, sondern dass dir die Müdigkeit in den Knochen sitzt, dass aufstehen eine unüberwindbare Hürde ist, dass – du – nicht – kannst. Jede Handlung ist zu viel. Und dennoch schleppt man sich durch den Alltag, wenn man keine andere Möglichkeit sieht, weil muss ja. Und wieder ist man in die Falle gegangen und erweckt den Anschein, als ginge es ja. Während man sich selbst weiter ausbeutet.
Freund_innen sind traurig. Sie wundern sich, warum du so wenig Zeit mit ihnen verbringst. Du brauchst Wochen und Monate, um ihnen zu antworten. Anscheinend magst du sie nicht? Sonst würdest du dir ja die Mühe machen ihnen zu schreiben? Dass du heute mit duschen, essen, Uni, Arbeit, nach Hause kommen alle vorhandene Energie aufgebraucht hast, dass das über Tage und Wochen gehen kann. Schwer vorstellbar. Und sie können es dir nicht ansehen. Du leitest nicht jedes Gespräch ein mit “Und übrigens, heute bin ich depressiv.” Und auch, wenn du es ihnen erklärst, können sie nicht abschätzen, wie lange du denn depressiv sein wirst. Und was heißt das überhaupt. Und zwischendurch haben wir uns doch getroffen, hättest du da nicht auch mal selbst ein Treffen anschubsen können? Es ist ihnen nicht nachvollziehbar, wie weit du schon wieder über deine Kraftreserven gegangen bist. Nicht fähig irgendwas zu tun, außer noch dein Essen zu machen, danach 2 Tage vor dem Computer gesessen hast. Was dir auch keine Linderung verschafft hat.
Der Kampf ist unsichtbar. Wie viel Überwindung am Morgen drin gesteckt hat, nicht einfach dazusitzen und vor dich hinzustarren. Aufstehen. Überwindung. Essen zubereiten. Überwindung. Zwischendurch nicht hinsetzen. Überwindung. Essen. Wenn’s scheiße läuft: Überwindung. Duschen gehen: Überwindung. Nicht wieder hinlegen. Überwindung. Sachen zum Anziehen raussuchen. Ach fuck, Entscheidungen treffen. Furchtbar. Anstrengend. Nicht sitzen bleiben, anziehen. Überwindung. Usw.
Das Gemeinste an der ganzen Sache: irgendwie willst du selbst klarkommen. Du willst nicht als Versager_in dastehen und nach außen organisiert und beisammen wirken. Bei einigen klappt das sehr gut. Bis es nicht mehr klappt. Der Preis ist die ständige Erschöpfung.
Um deine Fassade aufrecht zu erhalten, quälst du dich weiter. Der einzige Weg, der nicht in Frage kommt: einfach. nichts. tun.

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Klassismus oder: Der Artikel, den ich nicht schreiben kann.

Inhalt: Klassismus, Ton-Argument, bürgerlicher Feminismus

Das ist meine Schreibblockade.

Sätze, kurz und abgehackt.

Pausen. Tippen. Pausen. Überlegen. Zerfahren. Verwirren.

Tastatur funktioniert nicht. Ich hacke auf sie ein und hoffe, der wütende Überschwang bringt, bringt …

Seit wann?

Seit dieser Auseinandersetzung mit Antje Schrupp.

Was ist passiert?

Derailing. Tone Argument.

Was wirst du tun?

Wütend sein. Und diese Wut veröffentlichen. Auch wenn es Drei-Wörter-Sätze sind.

Antje Schrupp ist Feministin. Sie nennt sich Differenz-Feministin. Differenzfeminismus geht von der Unterschiedlichkeit aller Frauen* aus. Sie schreibt einen Blog.

In diesem Blog schreibt sie eines Tages über Verständlichkeit im Feminismus. Sie sagt: Es kommt nicht darauf an, wie leicht ein Text zu verstehen ist. Sie sagt, es kommt darauf an, wie sehr ein Mensch daran interessiert ist, ihn zu verstehen.

Es gibt viele Menschen, die viele Texte nicht verstehen. Weil nicht allen Menschen derselbe Zugang zu Bildung ermöglicht wurde. Meistens ist so ein Text schwer verständlich geschrieben. Ich verstehe auch viele Texte nicht. Dabei studiere ich. Und dabei interessieren mich die Themen sehr. Aber ich hatte keine Umwelt, die mich in meinen Bestreben unterstützt hat. Mir fehlte der akademische Hintergrund.

Nach der Meinung von Antje Schrupp bin ich aber nicht interessiert genug. Oder nicht genug betroffen.

Diese Erklärung ist klassistisch. Sie verleugnet eine Realität, in der Menschen Geld und Zeit brauchen, um sich eine derartige Bildung zu ermöglichen. Geld und Zeit stehen nicht jedem Menschen genügend zur Verfügung.

Zu ihrem Artikel gibt es auch einen Kontext. Der Kontext war eine Debatte, in der Menschen Feminist*innen Unverständlichkeit vorwarfen.

Dazu möchte ich hinzufügen: Es gibt unverständliche Feminist*innen. Und es gibt Menschen, die Feminist*innen Unverständlichkeit vorwerfen, um sich nicht inhaltlich mit Feminismus auseinandersetzen zu müssen.

Auf diese Vorwürfe reagierten Feminist*innen mit eigenen Artikeln. Sie schrieben, als ob Feminismus Kuschelzone für alle Frauen* bedeute. Sie schrieben, als ob alles andere der böse äußere Feind sei.

Mich stört das. Feminismus ist für alle Frauen*. Aber das heißt nicht, dass es unter Feminist*innen keine Diskriminierung gäbe. Es gibt sie. Und wer davon redet, dass Feminismus Kuschelzone für alle Frauen* sei, macht Diskriminierung unsichtbar. Dazu hat Kiturak bereits alles Wichtige geschrieben.

Ich kritisierte Antje Schrupp, auch andere. Esme hat einen sehr guten Artikel dazu geschrieben. Doch es gab keine weitere inhaltliche Auseinandersetzung mit Antje Schrupp. Stattdessen derailte sie. Das englische Derailen bedeutet: (den Zug) entgleisen. Ablenken. Das Gespräch bewusst anders lenken. Oder: Alles, nur nicht mit der eigentlichen Kritik auseinandersetzen.

Sie benutzte auch das Ton-Argument. Das bedeutet: Du redest in einem bestimmten Ton mit mir, also ist deine Äußerung nicht wertvoll, muss nicht beachtet werden. Ton-Argument wird oft verwendet, um diskriminierte Menschen zum Schweigen zu bringen. Wir erfahren strukturelle Gewalt, von Institutionen, von Menschen. Wir werden wütend, erschöpft, ängstlich, verletzt, panisch, gestresst, wir wollen uns verstecken oder brüllen, wir weinen. Und dann wird das gegen uns verwendet. ,,Wenn du das nur anders/netter gesagt hättest, könnte ich dich ernst nehmen“, sagt di:er Täter*in, di:er Übergriffige.

Antje Schrupp geht weiter. Sie tut, als ob es nur um zwei Individuen geht. Sie redet von ,,Beziehungen” und dass es eigentlich um eine Störung von Beziehungen gehe. Sie sagt: Mit deiner wütenden Reaktion ist „unsere Beziehung” zuende.

Antje Schrupp ist eine bürgerliche, weißdeutsche Feministin. Sie kann so mit Kritik umgehen, die an sie herangetragen wird. Sie geht so mit Kritik um.

Zuletzt möchte ich sie noch zitieren.

Im Blog von Susanna14 schrieb sie kurz nach unserem ,,Beziehungsende“:

ich finde das mit der Intersektionalitat auch nur halbgut, ich glaube auch, dass das Konzept hier in D. “dogmatischer” diskutiert wird als in USA, ebenso wie die Ideen von Judith Butler. [...]Ich sehe das auch genauso wie du, dass die häufig vorgenommene Analogisierung der verschiedenen “Ismen” falsch ist, und im Falle des “Klassismus” ist es besonders deutlich. Wobei, wie gesagt, diese Ansätze alle auch etwas Wahres haben, und dieses Wahre wahrzunehmen fällt in Deutschland halt schwer, weil viele ihrer Protagonist_innen das nicht nur schlecht vermitteln (:)) sondern meiner Meinung nach auch teilweise falsch verstehen bzw. wiedergeben. in den USA sind diese Debatten mehr in der breiteren feministischen Bewegung verankert und kommen dort zu ihrem recht, ohne einen Absolutheitsanspruch.

(Kürzungen von mir)

Ich fasse die letzte Hälfte zusammen:
Ihr seid doch selbst Schuld daran, dass wir euch nicht ernst nehmen.

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Petition gegen Racial Profiling: Noch zwei Tage

Noch zwei Tage bleiben, um bei der Petition gegen die Legalisierung rassistischer Polizeiwillkür zu unterschreiben. Hier nochmal ein kurzer Erinnerungs-Post. Unterschreibt und verbreitet es fleißig weiter!
Hier gehts zur –> Petition.

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