Schlagwort-Archiv: Adultismus

Über das Unreif-Sein, Kapitalismus und Gedankensalat

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Schlagwörter: Adultismus – Kapitalismus – Ableismus – Gedankensalat

Genauso wie “kindisch sein”, “werd’ endlich erwachsen” oder “du verhältst dich wie ein*e Vierjährige*r” ist der Vorwurf unreif zu sein ein adultistischer. Kindern wird die vielgepriesene Rationalität abgesprochen, sie werden als überemotional dargestellt. Das geht mir auf die Nerven (RW)¹. Es dient, wie bei vielen anderen Formen der Diskriminierung dazu, die Gegenposition als irrelevant darzustellen und somit von der Hand zu weisen (RW). Es erkennt einer Gruppe unserer Gesellschaft die Menschlichkeit ab.
Und wie es sonst auch der Fall ist, wird eine künstliche Unterscheidung aufgemacht, die es Privilegierten verbietet, bestimmte Eigenschaften an den Tag zu legen (RW). (Vorsicht, ab hier wird es etwas “What about teh adults”)
Dadurch, dass bestimmte Eigenschaften Kindern zugeschrieben werden, erhalten sie eine negative Bedeutung und können – wie im Eingangsabsatz gesehen – dazu dienen, “Erwachsene” zur Ordnung zu rufen. In dieser Ordnung ist das Hören auf eigene Bedürfnisse und Gefühle, impulsives Handeln und starke Ablehnung bestimmter Dinge, ohne sich zu erklären, nicht gerne gesehen.

Da ich schon einen verwirrenden Beitrag schreibe, der ab hier nicht besser wird, eine kleine Nebenbemerkung zur Ablehnung von Dingen: Unsere Gesellschaft ist scheiße im Akzeptieren von unterschiedlichen Bedürfnissen. U.a. begründet im Kapitalismus und sich sehr deutlich zeigend im Ableismus.
Wenn Anpassungen für Minderheiten vorgenommen werden, warten alle auf ihre Medaille, weil wir einfach so daran gewöhnt sind, dass das Persönliche nicht zählt. Dass es egal ist, wer woraufhin Kopfschmerzen oder Unwohlsein oder Desorientierung empfindet. Das Zugänglich-Machen von Medien für jedes Sinnesorgan, wird als vernachlässigbar und Sache der*s Einzelnen gesehen. Öffentliche Räume so zu gestalten, dass sich tatsächlich alle darin bewegen können, ist uns auch zu viel Stress. (Momentan kann sich uneingeschränkt ohnehin nur eine sehr kleine Gruppe unserer Gesellschaft bewegen, aber daran sind wir ja gewöhnt.) Wenn also Anpassungen vorgenommen werden, wird das nicht etwa als selbstverständliches Zeichen von Empathie gesehen, sondern einen riesen Aufwand, der bitte auch belohnt werden soll.
Wegen all dem also war ich letztens überrascht, als ich bei einer Übernachtung davon sprach, unter welchen Umständen ich schlecht schlafe und darauf ohne Hinterfragen oder Witze mit den entsprechenden Anpassungen reagiert wurde. Eigentlich sollte das immer so sein, aber dadurch ist mir bewusst geworden, wie wenig individuelle Bedürfnisse, selbst in meinem Freund*innenkreis, mitunter respektiert werden.

Und hier kommt mein Bogen zum Kapitalismus. Sowohl die Unterscheidung zwischen Kindern und Erwachsenen, als auch die Ablehnung des Individuellen leistet dem Kapitalismus einen großen Dienst und befeuert diverse -ismen.
Einerseits wird es als das höchste Gut gepriesen, auf eigenen Beinen zu stehen (RW) – üblicherweise eine Forderung, die an Erwachsene herangetragen wird. Wer, vor allem finanziell, von anderen abhängig ist, hat es Nicht Geschafft™, ungeachtet jeglicher Umstände. Entsolidarisierung ist völlig erwünscht, geplant und wird aktiv betrieben. Solidarität wird nur gefördert, wenn sie finanzielle Vorteile mit sich bringt (essentielle, aber ehrenamtliche Arbeit, hallo), Anerkennung wird sich selten finden. Natürlich auch, weil es sich bei ehrenamtlicher Arbeit meist um Pflege- und “emotionale” Tätigkeiten handelt, die eine menschliche Gemeinschaft überhaupt erst zusammenhalten, aber “nichts bringen”, sich also nicht zum Geldmachen eignen.
Individualität zu akzeptieren, respektieren und zu fördern, ist natürlich ebenso “nutzlos”. Man denke an all die Mehrausgaben, die man leisten müsste, wenn Bildung, Kleidung und der Mensch an sich nicht mehr mit Massenabfertigung in Verbindung gebracht würden [\Sarkasmus]. Wenn wir uns erzählen, alle Menschen seien gleich (hätten also die gleichen Voraussetzungen im Leben und würden sich eine definierte Menge an “normalem” Verhalten teilen), lassen sich so ziemlich alle Unterdrückungsmechanismen viel einfacher betreiben.

Ich weiß nicht, worauf ich hiermit hinaus will, vieles davon wurde schon gesagt. Vielleicht: ein*e jede*r hat das Recht darauf, dass sire ganz individuellen Probleme Beachtung finden.

1 RW = Redewendung

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SV-Bildungswerk und BSK – damit komm‘ ich gar nicht klar

Wie im letzten Artikel bereits angekündigt, steht zum Thema Adultismus ein Artikel zur „Bioklippe“ aus. Wie ebenso angekündigt, tue ich mich mit der Formulierung meiner Gedanken dazu schwer. Aber ich werde versuchen, dies über ein Beispiel zu erklären – mal schauen ob’s funktioniert.

Meine politische Heimat ist die Schüler_innenvertretung (SV), genauer die LandesschülerInnenvertretung (damals nur GG, also Gymnasien und Gesamtschulen) Rheinland-Pfalz (LSV RlP). Die LSV RlP hatte zumindest damals den Anspruch (ich denke auch heute noch), die (einzig) demokratisch legitimierte Vertretung der Schüler_innen zu sein – oder am ehesten legitimierte, denn damals nur GG, heute sind die Grundschulen auch nicht dabei. Einzig legitim daher, da eben die meisten Schüler_innen nicht volljährig sind und damit an der Wahl keiner Regierung beteiligt sind – außer an den Wahlen der SVen. Unter anderem auf Grundlage dessen wurde das allgemeinpolitische Mandat beansprucht (das bis heute den Studierenden- und Schüler_innenvertretungen abgesprochen wird), also das Recht nicht nur in ausbildungsbezogenen Belangen Forderungen zu stellen. Ebenso gehörte zum politischen Repertoire der Selbstbestimmungs- statt Mitbestimmungsansatz, welcher zu meiner Zeit ebenso zu Konflikten führte.

Zu meiner Zeit gab’s das SV-Bildungswerk nicht und die BSK (Bundesschülerkonferenz) hatte sich gerade in Konkurrenz zur BSV (BundesschülerInnenvertretung) gegründet. Beide hielt und halte ich politisch für keine gute Idee. Das SV-Bildungswerk übernahm die Aufgabe der LSVen insofern, als dass dort Nicht-Schüler_innen Schüler_innen ausbilden, die dann Schüler_innen in SV-Arbeit ausbilden. Vorher bildeten schlicht (L)SVler_innen SVler_innen aus. Die Wissenstradierung lief nicht immer perfekt, im alten System, da natürlich die SV-Zeit wie die Schulzeit begrenzt ist und schneller Personalwechsel eben eine besondere Herausforderung auch in der Wissenstradierung ist. Das Problem löst das SV-Bildungswerk gewissermaßen, doch es nimmt im Gegenzug auch viel und zwar vor allem auf der Empowerment-Metaebene. Auch zu meiner Zeit wurden Externe – sprich Nicht-Schüler_innen – für ausgewählte Dinge beschäftigt, z.B. als Geschäftsführung oder als Referent_innen. Doch die Hierarchie ist in diesem Fall eine nicht unwesentlich andere: Schüler_innen bestimmten darüber, wer wofür für sie arbeitete. Das SV-Bildungswerk macht das Gegenteil, sie bestimmt welche Schüler_innen für sie arbeiten und das auch noch im ureigensten Feld der SVen, nämlich eben der SV-Arbeit.

Was die BSK betrifft möchte ich hier erstmal nicht viele Worte verlieren, vor allem da sie anscheinend zur Zeit zumindest inaktiv ist. Die BSK gründete sich wie gesagt in Konkurrenz zur BSV (BundesschülerInnenvertretung) und ging, naja, siegreicher hervor. Folgendes ist symptomatisch für die Selbstbestimmungs- oder Mitbestimmungsfrage. Auf wikipedia ist z.B. zu lesen: „Zudem postulierte die BSV über die Schul- und Bildungspolitik hinaus ein allgemeinpolitisches Mandat. Dies geht deutlich über den durch die Schulgesetzgebung der Länder vorgesehenen Auftrag der Landesschülervertretungen hinaus und wurde auch von einer reihe von Landesschülervertretungen kritisiert.“  Heißt: es gab LSVen, die sich an die Gesetzte hielten, die für sie geschaffen wurden und es gab LSVen die sich nicht daran hielten, weil ihre Beschlusslage vorsah, dass sie sich nicht daran halten sollen.

Anhand dieses Beispiel komme ich zur „Bioklippen“-Frage zurück. Ich bin nicht mehr Schülerin und ich bin nicht mehr Minderjährig. Meine Kritik an SV-Strukturen (im weitesten Sinn) ist insofern völlig irrelevant, als ich nicht zur Entscheidungsgruppe zählen sollte (ich kann zwar als volljährige deutsche Staatsbürgerin auf die deutschen Schulgesetze Einfluss nehmen, aber…) und damit meine oberste Priorität sein muss, die selbst geschaffenen Strukuren und damit einhergehenden Beschlusslagen ernst zu nehmen. Wenn SVen das SV-Bildungswerk beschäftigen, hab ich nicht zu meckern. Wenn die BSK beschließt, dass sie die Schulgesetze für relevant  für ihre eigene Beschlusslage definieren, hab ich nicht zu meckern. Im Gegenteil: Ich habe sie darin zu unterstützen, zumindest insofern, als dass ich ihnen die Kompetenz für diese Entscheidung nicht abspreche.

Gerade für Adultismus ist symptomatisch, dass Volljährige Minderjährigen die Entscheidungskompetenz absprechen und das vielfach begründen. Auch wenn meine Kritik darauf aufbaut, dass das SV-Bildungswerk und die BSK „internalisiert adultistisch“ ist, wird’s halt nicht besser, wenn ich dagegen meine adultistische Entscheidungskompetenz setze. Das Beste was ich tun kann, ist einfach mal die Klappe halten und die Entscheidungen „für voll nehmen“, denn nur so können Menschen die Erfahrung machen, dass sie ein Recht darauf haben, für „voll genommen zu werden“.

Allgemeiner: Mit kiturak habe ich vielfach diskutiert, inwiefern wir als Volljährige etwas zu Adultismus sagen dürfen. Hätte ich meinen letzten Artikel schreiben dürfen und Adultismus mal grad so runterdefinieren, ohne einen einzigen Link? Lehrt die Anti-ismen Schule nicht, dass Betroffenen zugehört werden soll? Lehrt die Ally-Schule nicht, sich andere Nicht-direkt-Betroffene vorzuknöpfen? Wie steht’s überhaupt mit Diskriminierungsformen von denen eine_r mal betroffen war und jetzt aber nicht mehr ist?

Letztere Frage ist besonders im Adultismus-Bereich relevant, denn wir waren alle mal Minderjährig. Nur jetzt bin ich es nicht mehr, ich bin über die Bioklippe gegangen. Ich werde jetzt für „voll genommen“ insofern ich jetzt „VOLLjährig“ bin. Meine Sprecherinnenposition verändert sich gewaltig, auch wenn ich von früher spreche. Ich werde zu einer „erwachsenen Beraterin“ und das ist reichlich igitt.

Also: Wie schlimm ist mein letzter Artikel? (und wie schlimm ist dieser?) Ich werde mit mir und der Welt einfach nicht einig.

(P.S.: Ja, die Überschrift ist absichtlich provokativ gewählt, in der Hoffnung darauf, dass Betroffene neugierig werden, da “Adultismus” anscheinend bisher nicht zog. Sorry.)

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Wenn Menschen Menschen sind – Adultismus

Zusammenhängend-lose Gedanken zu Adultismus von einer Nicht-negativ-Betroffenen, die die Übergriffigkeit dessen nicht so ganz klar in den Artikel kriegt.

Einleitung

Wir leben in einer Gesellschaft, in der auch nach dem Geburtstag berechnet wird, welche Rechte Menschen haben und wie sie behandelt werden sollen/dürfen. Erstaunlicherweise ;-) hat das Auswirkungen, die sich besonders gern bei Menschen zeigen, die mit nicht-gleichaltrigen Menschen zu tun haben, z.B. Elter_n (der Unterstrich markiert hier das Singular vom Plural, heißt es geht mir nicht um die Paarkonstellation, die Biologie usw..) oder Pfleger_innen. Das heißt nicht, dass der Rest der Welt nicht die gleichen Gedankengänge pflegt, sondern nur, dass sie seltener die Gelegenheit haben, diese zu performen.

Wie immer wenn’s um gruppenbezogene Rechte anhand von sozial-konstruierten Merkmalen geht, ist’s eine Form von Diskriminierung. Adultismus bezeichnet demnach die Diskriminierung von Menschen, die unter 18 bzw. unter 21 Jahre alt sind. Adultismus ist daher scheinbar eine Form von Ageismus, wobei ein deutliches Differenzierungsmerkmal ist, dass von Adultismus-Betroffene niemals durch eine Phase der Mündigkeit gegangen sind und somit niemals in der gesellschaftlichen Position waren, ernst genommen zu werden. Heißt, junge Menschen konnten weder sehen, was auf sie zukommt (da sie reingeboren wurden) noch konnten sie dies im Vorhinein angehen. Während ich mich also jetzt, als 26-Jährige dafür einsetzen kann, auch mit 80 noch ernst genommen zu werden, da ich gesellschaftlich in meinem aktuellen Alter für artikulations- und kritikfähig gehalten werde. Daher macht’s meines Erachtens keinen Sinn, Adultismus Ageismus zuzuordnen.

Ein häufiges Argumentationsmodell gegen Adultismus ist daraus eine Ableismus-Diskussion zu machen. So wird z.B. gegen die Forderung nach Wahlalter 0 eingewendet, dass junge Menschen beeinflussbar(er) sind oder wahlweise nicht selbstständig zur Wahlurne gelangen können (weil sie nicht laufen, schreiben, lesen, etc. können). Diese Einwände sind also auf Ableismus aufgebaut und zeigen, dass adultistisch diskriminierte Menschen häufig auch ableistischer Diskriminierung unterworfen sind. Dies wird gerne unterschlagen, dennoch wird deshalb aus Adultismus keine Form von Ableismus.

Ziemlich offensichtlich ist, dass adultistisch diskiminierte Menschen auch weiteren –ismen ausgesetzt sind, sei es nun Sexismus, Rassismus usw. und wie die intersektionelle Schule lehrt, die Verschränkungen verschiedener –ismen eigene gesellschaftliche Ausprägungen gebiert. Diese weiter auszuarbeiten, ist sicherlich aus vielerlei Gründen zentral, kann ich jedoch fortfolgend nicht leisten.

Adultismus ist also meines Erachtens eine eigene Form von Diskriminierung, die in sich deutliche Zusammenhänge zu Ageismus und Ableismus (ich würde mich zu der These hinreißen lassen, dass jeder –ismus einen starken Anknüpfungspunkt zu Ableismus hat) hat, jedoch eine eigenständige Diskriminierungsform ist.

Warum Eltern gar nicht so wichtig sind

Als Elter_n bezeichne ich fortfolgend Menschen, die bereit waren/sind, eine rechtlich-verpflichtende Beziehung zu einem anderen Menschen einzugehen, die von einem deutlichen Altersunterschied geprägt ist, in welchem die als Elter_n-Bezeichneten die jeweils älteren sind. Die Dauer dieser Beziehung ist dabei nicht vorgeschrieben (zumindest die rechtliche Seite dessen).

In den aktuellen Diskussionen um Adultismus geht es in großem Ausmaß um Elter_n. Ich verstehe schon, warum Elter_n so zentral für die Adultismus-Bekämpfung sind, doch scheinen mir diese nicht Hauptadressat_innen zu sein. Vielmehr sollte es darum gehen, wie die Denkschule gestellt werden kann, in welchem auch Elter_n Menschen als Menschen wahrnehmen können und ebenso als solche wahrgenommen werden.

In der Elter_n-bezogenen Adultismus-Diskussion geht es viel darum, wie die Abhängigkeitsbeziehung gestaltet werden soll. Heißt, wir leben in einem Staat in dem „Minderjährige“ eine verpflichtende Abhängigkeit zu ihren „Erziehungsberechtigten“ haben. Diese Abhängigkeit und die daraus resultierende Probleme werden daraufhin den Elter_n in diesen Diskussionen vorgeworfen, dabei dürfen diese nur die Scheiße austragen, die die gesellschaftliche Situation ihnen vorgibt.  Viele Facetten der Abhängigkeit sind rechtlich vorgeben, heißt Elter_n müssen die Verantwortung für Menschen übernehmen, denen sozial die Eigenverantwortlichkeit abgesprochen wird.

Diese Situation gebiert geradezu missbräuchliche Beziehungen und darüber hinaus, sind Menschen (und somit auch Elter_n) sehr unterschiedlich und schaffen es – flappsig gesagt – überhaupt nur selten zu nicht-missbräuchlichen Beziehungen. Natürlich macht’s die rechtliche und konstitutions-bedingte Abhängigkeit nicht besser. Aber die rechtliche Diskriminerung von „Minderjährigen“ abzuschaffen, ist sicherlich ein wichtiger erster Schritt.

Die konstitutions-bedingte Abhängigkeit

Bei der konstitutions-bedingten Abhängigkeit ist der Zusammenhang zu Ableismus wesentlich, denn auch wenn bei „Minderjährigen“ die konstitutions-bedingte Abhängigkeit zwangsläufig und häufig nicht von Dauer ist, sind die Zuschreibungen zu dieser Konstitution eben im Ableismus verankert.

So können sich Säuglinge unseres Wissens (hier wären dann eher die Religionen gefragt) nicht aussuchen, im welcher sozial-, genetisch und „dispositions“bedingten „Art“ sie erschaffen werden. Sei es die Staatsbürgerschaft, die physische Beschaffenheit oder eben die soziale Klasse, wird mit angeboren und fertig ist’s. Prognosen darüber, was welchem Menschen wohl lieber wäre, sind hahnebüchend und Teil verschiedener –ismen. Das bedeutet im Rückschluss nicht, dass Staatbürgerschaften, die Bewertung physischer Eigenheiten oder sozialen Klassen gute gesellschaftliche Ideen sind.

Fortfolgend ab der Zeugung sind Menschen verschiedenen Abhängigkeiten unterworfen und wie Abhängigkeiten nun mal so sind, sie sind selten fair. Die Frage ist jedoch, was wir daraus machen. Viele der Fragen, die vor allem die körperliche- und erfahrungsbedingte Beschaffenheit von Menschen ausmachen, können somit wunderbar in der Behindertenpolitik entlehnt werden.

„Ja, aber…“ – wenn Menschen Menschen sind

Menschen wie Menschen zu behandeln, ist in der derzeitigen gesellschaftlichen Lage immer eine Herausforderung. Das Denken ist zu sehr geprägt, von den verschiedensten –ismen. Ein paar dieser Herausforderungen/Fehlschlüsse möchte ich hier jedoch beispielhaft thematisieren.

„Aber ich will (m)ein Kind doch davon abhalten, auf die heiße Herdplatte zu fassen/vor ein Auto zu laufen.“
Die Sache ist, dass dieses Bedürfnis nichts mit „Kind“ zu tun hat. Es gibt wohl kaum Menschen, die nicht gerne davon abgehalten werden, sich versehentlich weh zu tun. Wenn’s wiedererwartend doch der Fall sein sollte, spricht nichts gegen den Konflikt. Sich darum zu streiten, was die jeweils andere Person als übergriffig empfindet und die gegenseitigen Bedürfnisse in einer Beziehung abzuwägen, ist ein normaler sozialer Prozess und nicht altersabhängig.

Aber Kinder verstehen doch gar nicht…“
Wiederum, „Kind“ ist hier nicht das zentrale Problem, sondern die soziale Situation. Wenn Verständnis für etwas wesentlich ist, haben wir immer ein gesellschaftliches Problem, verschiedene Menschen haben erfahrungs- oder sonstwas-bedingt verschiedene Weisen und Möglichkeiten etwas zu verstehen. Wie wir damit umgehen, ist die Herausforderung, nicht wie wir Adultismus rechtfertigen.

Altersunterschiede

Aus meiner Zeit als Jugendliche ist mir eine Sache besonders wichtig und erscheint mir ein wesentliches Merkmal von Adultimus zu sein. Es kommt durch folgende Aussage (die ich früher definitiv zu oft gehört habe) – ab und zu begegnet mir das auch heute noch:

„Wenn Du mal in meinem Alter bist…“

Das ist ein argumentatives Knock-Out und zwar weil es bedeutet „Ich nehme Dich nicht ernst, aufgrund einer Eigenschaft, die Du nicht ändern kannst.“
Das besonders perfide daran ist, dass es nicht zu widerlegen ist. Natürlich machen Erfahrungen einen Unterschied und natürlich braucht’s Erfahrungen, um zu sehen, dass Erfahrungen einen Unterschied machen. Gerade junge Menschen haben häufig weniger Erfahrungen als ältere Menschen.
Das ist und kann jedoch kein Grund sein, sie nicht ernst zu nehmen. Die so angegangen Person hat keine Chance die Diskussion weiter zu führen, weshalb ich nach einiger Übungszeit meine älteren Freund_innen immer in etwa folgenden Worten auf die Scheiße aufmerksam gemacht habe.

„Das mag sein. Doch Du bist jetzt und hier mit mir konfrontiert. Möchtest Du mich erst wieder in 10+X Jahren wieder sehen oder glaubst Du, dass unsere soziale Beziehung es wert ist, dass Du mich jetzt ernst nimmst?“

Meiner Erfahrung nach, war dies der einzige Weg ältere Menschen auf den Missstand ihres „Arguments“ hinzuweisen. Jede Form von „witziger“ Entgegnung, wie z.B. „Wenn Du mal noch in meinem Alter wärst…“, führt nicht zum gewünschten Ziel, sondern nur zum Belitteln.

Schlussworte

Die Gedanken zu diesem Text gehen mir seit einiger Zeit im Kopf rum und sind nicht vollständig, manchmal nur unzusammenhängend, häufig pauschalisierend usw. Dennoch will ich sie mit Euch teilen, in der Hoffnung, dass sie besser werden. Achso und in dem Artikel fehlt ein Punkt, den ich noch nicht formuliert kriege…

Andere Artikel sind von

 

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Adultismus – Wer sind die Bösen?

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Schlagwörter: Intersektionalität – Eltern – Kinder – Adultismus – unsere Gesellschaft – Familie

[Meine Lektüre: Erich Fromm (so lala), Arno Gruen (okay), Alice Miller (schon besser), Marshall Rosenberg (dazu komme ich später)]

Wenn Kinder sehr klein sind, sind sie abhängig von einer Bezugsperson/Bezugspersonen. Sie sind es in physischer Hinsicht, aber auch in emotionaler. Diese Bezugspersonen helfen ihnen idealerweise, ein Sinn für das eigene Ich zu entwickeln, dafür dass ihre Bedürfnisse zählen und wichtig sind und dass sie selbst liebenswert sind. Im Wortsinne: es wert, geliebt zu werden.
Mit zunehmendem Alter vollzieht sich eine Trennung von der Bezugsperson. Wenn die Beziehung funktioniert, ist die irgendwann vollständig: man steht sich als getrennte Personen gegenüber, die die Bedürfnisse der jeweils anderen anerkennen und für ihre eigenen eintreten.
Oft funktioniert es nicht.

Familie wird dennoch als der Nährboden für alles Gute dargestellt. “Blut ist dicker als Wasser” und all dieser Unsinn. Ich habe jedoch bewusst “Bezugsperson” und nichts von Eltern geschrieben, denn es besteht keine Notwendigkeit, dass dies (leibliche) Eltern oder ein Mann* und eine Frau* sein müssen. So weit mir bekannt ist, müssen es auch nicht zwei Personen sein oder nicht nur zwei. Was ein Kind aber braucht, ist, wie Alice Miller es nennt, ein*e Zeug*in. Eine Person (oder mehrere), die vermittelt, was ich im ersten Absatz beschrieb. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: das Leben mit leiblichen Eltern garantiert kein*e Zeug*in.

Warum die Einleitung?

Es gibt wenige Themen, die es einer*m so schwer machen können, den Durchblick zu erhalten. Weil die menschliche Psyche zu einem guten Teil daran glauben muss, dass die eigenen Eltern/Bezugspersonen gut waren. Das ist der Grund, warum einige Kinder nicht einfach davonlaufen, wenn sie 18 werden (also die meisten, meine ich), obwohl ihre Familie sie von außen betrachtet furchtbar behandelt haben. – Selbst diese Betrachtung von außen wird oft erschwert, weil man dran gewöhnt ist, “Schrulligkeiten” in einer Familie eher zu dulden, auch wenn sie zwischen Partner*innen als emotionale oder körperliche Misshandlung eingestuft würden. Unter anderem natürlich auch wegen Adultismus selbst: weil Kindern keine körperliche und seelische Autonomie zugestanden wird.
Was ich sagen will: Familie und besonders Eltern sind in unserer Gesellschaft stark mit Bedeutung aufgeladen, die der Gesundung von vielen Kindern, [edit]die Probleme haben[/edit], im Wege steht und auch die Betrachtung von Adultismus erschwert, weil schmerzhaft macht. (“Kinder” ist hier durchaus als “alle Personen mit Eltern/Bezugspersonen” gemeint – also auch Menschen weit über 18. Wenn ich von der Betroffenheit durch Adultismus schreibe, spreche ich aber nur von Personen bis 18.)

Heißt es immer Eltern vs. Kinder?

Jein. Auf der persönlichen Ebene haben Eltern¹ tatsächlich eine sehr wichtige Position, die ich oben erklärt habe: das emotionale Wohlbefinden der Kinder hängt von ihnen ab. Aber Adultismus² bezieht sich meinem Verständnis nach vor allem auf gesellschaftliche Strukturen, die Eltern z.B. moralisch in ihrer Machtposition bestärken. Damit meine ich konkret, Entscheidungen “für” statt mit ihren Kindern zu treffen, ihnen Vorschriften zu machen, ihren Lebensweg bis zur Vollendung des 18. Lebensjahr vorzuzeichnen.
Eltern haben gesellschaftliche Rückendeckung dabei, über das Leben einer anderen Person zu bestimmen.

Das bedeutet aber im Umkehrschluss, dass gesellschaftliche Strukturen stark bestimmen, inwiefern ein Kind anti-adultistisch behandelt werden kann.
Auch Eltern, die ihrem Kind auf Augenhöhe begegnen möchten, müssen der Schuldpflicht nachkommen, können ihre Kinder keine wichtigen Dokumente selbst unterzeichnen lassen, bevor sie volljährig sind, können ihre Kinder nicht wählen schicken usw.

Eine andere Frage ist die nach sich überschneidenden Diskriminierungen der Eltern. Wie wirkt sich das auf die Fähigkeit der Eltern aus, ihr Kind anti-adultistisch zu behandeln? Meiner Meinung nach: so gut wie nicht. Es ist korrekt, dass z.B. Alleinerziehende/Geringerverdiener*innen mit mehreren Jobs schlicht und ergreifend weniger Zeit mit den Kindern verbringen können und gerecht ist das nicht (aus einer gesellschaftlichen Perspektive). Es hat aber keinen Einfluss darauf, wie (sprich: auf welche Art, nicht wie oft) die Eltern mit dem Kind umgehen. Ob sie si:hn an Entscheidungen beteiligen oder ob sie über siren Kopf hinweg entscheiden.
Anklagen wie Rabenmutterschaft und all das fällt zu einem guten Teil unter Sexismus und nicht Adultismus. Oft für das Kind nicht erreichbar zu sein, macht noch keine adultistischen Eltern. Es kann die Eltern-Kind-Beziehung schädigen, aber hier wäre die Schuldigkeit tatsächlich nicht bei Adultismus zu suchen, sondern bei den klassistischen, rassistischen und ableistischen Strukturen unserer Gesellschaft, die den Eltern verwehren, mehr Zeit mit den Kindern zu verbringen.
Jedoch: Kinder werden oft als Anschaffung betrachtet. Man plant sie ins Leben ein und dann sind sie da und man freut sich. Weniger beachtet wird, ob sie etwas zum Freuen haben. Viel zu viele Eltern sind meiner Meinung nach emotional überhaupt nicht in der Lage, damit umzugehen. Kinder als Accessoir oder Haustier? Adultistisch.

Dadurch, dass ich Adultismus mit der Einleitung vermischt habe, habe ich die Themen ein wenig vermengt. Ich weiß nicht, ob es als adultistisch zählt Kinder aufgrund von äußeren Umständen z.B. zeitlich zu vernachlässigen. Dies ist ein Thema für ein andermal, wenn ich vielleicht mehr weiß.

Ich habe noch einige relevante Links durch/von takeover.beta, hoffe aber, die in einem der nächsten Artikel einfügen zu können.

1 …/Bezugspersonen” bitte ab hier dazudenken
2 Wobei zu beachten ist, dass das Konzept des Adultismus sich stark auf Weiße bezieht. Weiteres bei accalmie. (Warnung Adultismus)
3 Ich habe diese Autor*innen vor 2 bis 5 Jahren gelesen. Ich lese sie, bis auf Alice Miller, gar nicht mehr, aus Gründen.™ Sie stehen nicht da oben, weil ich sie empfehlen will (siehe Klammern), sondern weil ich mir, unter anderem anhand dieser Bücher, eine Meinung gebildet habe. Diese ist im Artikel nachzulesen. Ich kann aber nicht mehr sagen, welche*r Autor*in konkret welche Meinung beeinflusste, daher habe ich sie alle aufgelistet.

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Ausgliederung der Adultismus-Diskussion

Angesichts dessen, dass Adultimus ein gesamtgesellschaftliches Phänome und Problem ist, jedoch gerade akut mit anderen Diskriminierungsachsen verwoben auftaucht (und vorraussichtlich auch wieder auftauchen wird) und – insbesondere weil wir noch nicht genauer drüber gesprochen haben -  eben jenes andere Thema derailt, gliedern wir es aus…. also so irgendwie.

Vorraussichtlich wird das hier eine Diskussion von Erwachsenen über negativ von Adultismus-Betroffenen. Dementsprechend schlecht wird die Diskussion hier laufen. Unter-18-Jährige sind besonders herzlich eingeladen, uns in die Kommentare zu kotzen und/oder in die Diskussion einzusteigen.

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Selbstmord aus Neugier

Wenn’s um Religion geht, scheint’s in den meisten Diskussion eigentlich nur zwei Seiten zu geben: Die Religiösen und die Atheist_innen. Es gibt jedoch noch eine gute versteckte Dritte, zu welcher ich mich zähle: Agnostiker_innen.

Als Agnostikerin weiß ich schlicht nicht, ob’s mind. eine_n Göttin_Gott gibt oder nicht. Ebenso geht mit meinem Agnostizismus einher, dass mir die Legitimation von religiösen Vorschriften verloren geht. Ich weiß schlicht nicht, warum extraterristische und/oder nicht-menschliche Autorität(en) Recht haben soll(en). Auf Aussagen wie „Mein Gott will das so“ ist meine Antwort also „Woher weißt Du, dass Dein Gott Recht hat?“. Am Ende bluten entweder beide Hirne (RW) und/oder ich denke darüber nach, mich aus Neugier umzubringen. In vielen Religionen gilt ja der Tod als Übergang ins „göttliche Reich“, damit sollte das dann geklärt sein. Doch was, wenn ich schlicht unwissend wiedergeboren werde? Dann wäre nichts gewonnen, Selbstmord ist also dafür keine Lösung, es gibt schlicht zu viele Optionen.

Die Sache mit den Optionen ist etwas, dass mich sehr stört. Immer muss ich mich entscheiden oder werde entschieden. So haben die Gottgeweihten (im Volksmund: Hare Krishnas) entschieden, dass ich – wenn ich mich nicht an die Regeln halte und die Regeln stimmen – in der untersten Kaste wiedergeboren werde… und – da ich die Bhagavad Gita besitze – mit mir, alle Leute die über mich Zugang zu ihr haben. Von einem Besuch bei oder einer Freundschaft/Bekanntschaft mit mir ist also im Zweifelsfall abzuraten.
Da ich katholisch getauft wurde, kann ich nur dann nicht in den Himmel kommen, wenn ich mich mit Regelbrüchen ran halte. Das geht so weiter. Ich habe ernsthafte Sorgen um meine seelische Selbstbestimmung, sollte auch nur eine Religion Recht haben.

Gerade dieses Thema der seelischen Selbstbestimmung ist ja Hauptanliegen aller mir bekannten Religionen. Über Wissensvermittlung zu Regeln usw. soll erreicht werden, dass Menschen die Chance habe, den Übergang in eine weitere Existenz zu planen und in ihrem Sinne zu gestalten.  Leider legen die Religionen gerne Fallstricke, wenn’s um diese Planungs- und Selbstbestimmungssicherheit geht, z.B. durch Initiationssriten, insbesondere wenn sie gerne von anderen entschieden werden und nicht rückgängig zu machen sind, wie die Taufe oder Beschneidungen.

Wenig erstaunlich ist, dass zumindest in Deutschland jedoch diese Fragen nicht anhand der (religionsübergreifenden) psychisch-seelischen Selbstbestimmung verhandelt werden, sondern anhand der (religionsspezifischen) körperlichen Selbstbestimmung. Ich glaube gerade für religiöse Menschen müsste dies ein UNDING sein, ist doch gerade die seelische Selbstbestimmung deren Thema. Aber nein, ich spiele zwar auf das aktuelle Beschneidungsthema an, doch da wird ja gar nicht verhandelt, nach welcher Religion ein Kind verurteilt wird. Sondern die achso gepriesene körperliche Selbstbestimmung, deren Dominanz mir spätestens seit meiner Morddrohungsgeschichte auf meine zigtausend Eier geht. Denn jetzt mal ehrlich, halten wir die körperliche Selbstbestimmung tatsächlich für so wichtig?

Wie Sakine Subaşı-Piltz so treffend verglichen hat, „optimieren“ wir unsere und die Körper Anderer (also Kinder über die Erwachsene bestimmen dürfen) über Impfungen. Da wird also ein Körper von seinem „natürlichen“ Werdegang abgehalten, um auf bestimmte Erreger nicht mehr oder zumindest geringer anzuspringen, teilweise halten diese Impfungen ein Leben lang. Unabhängig von dem Wissen, ob der geimpfte Mensch jemals mit dem Erreger in Kontakt kommen wird. Sehr ähnlich also zur Beschneidung, die ja nicht nur in sandreichen Gebieten einen erwünschten Nebeneffekt hat.

Da wir aber beim Beschneidungsthema nicht über Adultismus und die körperliche oder seelische Selbstbestimmung reden, sondern darum ob Beschneidung eine gute oder schlechte Idee ist, geht’s anscheinend darum nicht.

Aber warum eigentlich nicht?

(edit: quatschiges “nicht” entfernt)

Anmerkung: Herzlichen Dank dem Arbeitskreis Frauengesundheit, dessen Geschäftführerin mir für die nachfolgende Diskussion telefonisch weitergeholfen hat.

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unwohl

Erwachsene Menschen schreiben momentan eine Reihe von Artikeln darüber, dass Kinder auf dem Gendercamp waren, und wie die erwachsenen Menschen selbst das erlebt haben. Wer Lust hat, kann sie alle lesen, eine Reihe von links dazu gibt es bei der Mädchenmannschaft und Katrin Rönicke (argh: hetero-privilege denying trollparty in den Kommentaren. Verzeihung für die verspätete Warnung).

Das sieht dann auch mal so aus:

Ähnlich, wie Melanie schreibt, sollte es für alle(!) nachvollziehbar sein, wenn Menschen sich mit Kindern unwohl fühlen, und zwar, weil ihnen der Elternstatus, das Recht auf Familie abgesprochen wird oder schlicht körperlich nicht in der Lage sind/sein dürfen, Kinder zu bekommen oder zu erziehen/zu betreuen.

Gendercamp 2012 – Review zu Reproduktionsarbeit, Medienelite

… und …

Nö.

“Nachvollziehbar”? Wenn ich mir Mühe gebe. In der selben Weise, wie Sexismus “nachvollziehbar” ist, oder Mein Rassistischer Onkel ™.
Akzeptabel? Niemals.

Kein Mensch ist in erster Linie dazu da, andere Menschen glücklich zu machen (das sollten gerade sexistisch diskriminierte Menschen wissen). Sich mit jemand “unwohl” zu fühlen, weil sie_er einer bestimmten (diskriminierten!) Gruppe von Menschen angehört? NIE in Ordnung (das sollten gerade heterosexistisch diskriminierte Menschen wissen).
Das damit zu begründen, dies besondere Glück Durch Jene Anderen Menschen stünde einer_einem selbst nicht zur Verfügung, macht es, wenn überhaupt, schlimmer. Diskriminierung von Erwachsenen, welcher Art auch immer, ist keine Rechtfertigung dafür, sich in Gegenwart von Kindern generell unwohl zu fühlen (… hallo?!). Dass so etwas auch noch einfach so öffentlich geschrieben werden kann, in einem Umfeld und über eine Veranstaltung, die sich zu einem guten Teil ausgerechnet mit Diskriminierung befasst, zeigt, wie normal Adultismus ist.

Ich fänd’s schön, zu hören, wie die Kinder das Gendercamp gefunden haben. Gibt’s da auch schon Artikel?
Ernsthaft.
 
Ein anderer, älterer Artikel aus Erwachsenenperspektive: My Child Takes Up Space, Womanist Musings.

 

disclaimer: Ich war nicht auf dem diesjährigen Gendercamp, im Gegensatz zum letzten Jahr. Gründe dafür gibt’s eine Reihe, von denen ein kleiner Teil sehr klar von accalmie und Joke in Kommentaren bei der Mädchenmannschaft zusammengefasst sind. Vielleicht hab ich noch Lust, mich in das gesamte Ding reinzuhängen, dann gibt’s aber möglicherweise erstmal den rant über das Gendercamp im letzten Jahr, Titel “Macht’s Euch Doch Selbst! oder Von Der Community, Für Die Community”. Also bitte keine entsprechenden Kenntnisse erwarten, auch nicht über die gesamte erwachseneninterne Betreuungs-Debatte.

Nachtrag für die Kommentare
: Dieser Artikel handelt von Adultismus, oder der Diskriminierung von Menschen unter 18 Jahren in unserer gesamten Gesellschaft, für die das kritisierte Zitat nur ein einzelnes Beispiel ist.
Wie es Menschen über 18 geht, ist hier nicht Thema.
Und wer von den beteiligten Erwachsenen auch nur den Versuch macht, ihr eigenes Hass-Fest gegen die Medienelite-Blogautorin wie im Rönicke-Kommentarthread hier einzuführen, fliegt schneller als eine Torte bei Laurel&Hardy. Oder eine Tomate auf SDS-Macker.

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