Schlagwort-Archiv: Diskriminierung

[TW] You can stop r**e: Schritt 6 – Diskriminierung bekämpfen

Auch erschienen auf High on Clichés

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Schlagwörter: r**e culture – sexualisierte Gewalt – Diskriminierung – Intersektionalität

Wie ich damals in Teil 1 recht planlos schrieb, kann man sexualisierte Gewalt bekämpfen, indem man sexistische Schimpfwörter nicht mehr nutzt. Ich möchte auf diesem Punkt aufbauen und ihn erweitern:

Wenn du sexualisierte Gewalt bekämpfen willst, ist der Kampf gegen Diskriminierung an sich unumgänglich.

Sexismus

Sexismus ist hier vielleicht das offensichtlichste Beispiel: wenn die Meinung und Selbstbestimmung von Frauen* als zu vernachlässigen wahrgenommen wird, wenn Menschen mit Gebärmutter nicht alleine über ihren Körper verfügen dürfen, wenn man durch Werbung glauben könnte, Brüste existieren als eigenständige Lebensform, weil so selten ein zugehöriger Kopf gezeigt wird, hat das einen Effekt darauf, wie wir weiblich gelesene Menschen wahrnehmen und behandeln.
Die daraus entstehende herablassende Haltung wird nicht vor der Wohnungstür abgestreift, sondern in Beziehungen und Familien hineingetragen. (Wir erinnern uns: sexualisierte Gewalt wird zu einem großen Prozentsatz von Menschen verübt, die den Betroffenen bekannt sind.)
Genauso werden sexistische Haltungen zementiert und in die nächste Generationen getragen, indem sie von der Werbung, den Medien, Institutionen und auf der Straße (Stichwort Street Harassment) wieder und wieder abgespult werden.
Dieser für weiblich gelesene Menschen bedrohliche Gesamtzustand lässt sich nicht (nur) dadurch auflösen, dass wir alle fleißig Consent praktizieren, denn nur ein kleiner Prozentsatz aller Menschen weiß überhaupt um das Konzept. Wir brauchen stattdessen ein entschlossenes Vorgehen gegen jede Form von Sexismus, vor allem auch mit Unterstützung der Menschen, die nicht täglich davon betroffen sind.

Aber da hört es nicht auf

Es reicht nicht, sich nur gegen Sexismus stark zu machen.
Sexualisierte Gewalt wird immer dort begünstigt, wo Menschen Menschenrechte vorenthalten werden. Das ist bei jeder Form von Diskriminierung der Fall.

Sehen wir uns an, was passiert, wenn Rassismus Sexismus trifft: wer hat nicht von den rassistischen Stereotypen der feurigen Südländerin, exotischen Asiatin oder osteuropäischen Sexarbeiterin* gehört? Frauen* werden dabei schon schlicht durch die (vermutete) Herkunft ihrer Vorfahr*innen in einen sexualisierten Kontext gerückt. Aber nicht nur die damit verbundenen Anfeindungen und Übergriffe sind ein gefährlicher Faktor, vor allem auch rassistische Mechanismen in der Gesellschaft selbst.
Frauen* of Color werden häufiger als weiße Frauen* in Ausbildungsstätten, Ämtern und bei der Arbeit diskriminiert, wodurch sie es u.a. schwerer haben, finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen. Finanzielle Unabhängigkeit ist jedoch wichtig, um sich z.B. von einer*m gewalttätigen Partner*in zu trennen. Für einige Frauen* sind Sprachbarrieren und der Aufenthaltsstatus selbst ein Hindernis dabei Hilfe oder rechtlichen Beistand zu erhalten; Entsprechend hoch (sh. PDF) ist der Anteil von Migrantinnen* und Frauen* of Color in Frauen*häusern.
Nicht zuletzt die Absurdität sich an einen rassistischen Polizeiapparat wenden zu müssen, der bei sexualisierter Gewalt ohnehin unzuverlässig arbeitet, verschlechtert die Lage weiter.

Diese Gedanken lassen sich aber, wie gesagt, für jede Form von Diskriminierung durchspielen.
Menschen mit Behinderung sind wesentlich gefährdeter, als Menschen ohne Behinderung. QUILT*BAG-Menschen sind Belästigung auf der Straße und menschenrechts-verletztendem Verhalten der Polizei ausgesetzt. Es fehlt selbst das grundlegende gesellschaftliche Verständnis, dass sexualisierte Gewalt nicht einfach aus der Formel “Cis-Mann greift Cis-Frau an” besteht.
Kinder und Jugendliche stehen häufig in einer Abhängigkeits-Beziehung zu den Täter*innen. Dazu kommt noch einiges: Sie gelten als wenig glaubwürdig, oft haben sie keinen Vergleich für die Behandlung, die ihnen widerfährt. Woran eine (emotional, körperliche, sexualisiert) gewalttätige Behandlung erkennen, wenn die Hauptbezugsperson erklärt, dass alles seine Richtigkeit hat?

Am Ende ist es so, dass jede Form von Diskriminierung die Betroffenen angreifbarer für sexualisierte Gewalt macht. Willst du sexualisierte Gewalt bekämpfen, dann lerne diskriminierendes Verhalten zu erkennen und greife ein – bei dir selbst und bei anderen.

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Berliner Bäder-Betriebe schützen diskriminierende Mitarbeiter*innen

Vor einer Weile erreichte uns ein Text, den wir gerne weiterverbreiten möchten.
Inhaltswarnung: Ableismus und im folgenden Absatz genannte Formen der Diskriminierung

Ehemalige Mitarbeiterin der Berliner Bäder-Betriebe berichtet von rassistischen, hetero-sexistischen¹ und anderen menschenverachtenden Äußerungen der Kolleg_innen während der Arbeitszeit

Im Juli 2012 lag mehrere Stunden lang auf dem Tisch der Schwimmmeister_innenkabine im Hallenbad der SSE Schwimm- und Sprunghalle im Europa-Sportpark ein (Nach-)Druck der „Zeitung“ „Der Völkische Beobachter“. Diese wurde von einem Mitarbeiter dort hingelegt. In der Kabine halten sich regelmäßig Mitarbeiter_innen auf, sie ist aus Glas und dadurch auch einsehbar. Einen Mitarbeiter darauf angesprochen wurde der dort neuen Mitarbeiterin mitgeteilt, dass die „Zeitung“ gelesen werde „um sich zu informieren“ und „Es war ja nicht alles schlecht damals…“. Dieser Vorfall reiht sich ein in einen Arbeitsalltag, in dem viele Mitarbeiter_innen untereinander Badegäste abwertend mit der (von ihnen willkürlich) zugeschriebenen Herkunft bezeichneten. Es wurde auch das Roma- und Sinti-feindliche Z-Wort benutzt. Im Gegensatz wurden Badegäste, denen (ebenso willkürlich) eine „deutsche Herkunft“ zugeschrieben wurde, als „der Mann “ und „die Frau“ beschrieben. Zudem wurde die o.g. Mitarbeiterin explizit auf ein vermeintliches „Ausländer“problem im Bad hingewiesen.
Am Tag nach dem „die Zeitung“ auslag verweigerte die Mitarbeiterin die Arbeit und setzte das Personalbüro der Berliner Bäder-Betriebe persönlich darüber in Kenntnis und forderte Maßnahmen dagegen. Auf ihren Wunsch hin wurde die Mitarbeiterin dann in ein anderes Bad versetzt.
Auch am neuen Einsatzort, dem Kombibad Seestraße, kam es nach sehr kurzer Zeit zu weiteren menschenverachtenden Aussagen. Ein ebenfalls u.a für die Badeaufsicht zuständiger Mitarbeiter sprach sich dafür aus, dass „kriminelle(n) Ausländer hier in Deutschland direkt in den Zug gepackt werden und dieser Zug wird dann von außen mit einem Schloss verriegelt. Im Zug ist dann ein Loch im Boden, dort können sie ihr Geschäft verrichten.“ Und dann würden sie, wenn es nach ihm gehen würde, dort angekommen, ausgeladen werden um dann direkt ins Gefängnis zu kommen. Ein weiterer Mitarbeiter fügte lachend hinzu: „Sie können ja noch Stroh zum drauflegen bekommen.“
Bei einem anderen Gespräch erzählte die Mitarbeiterin sie sei pansexuell, was für sie heiße, dass sowohl Frauen als auch Männer als auch Menschen, die sich nicht in eine Geschlechtskategorie einordnen wollen und/oder können als potentielle Partner_innen in Frage kommen. Daraufhin erwiderte ein ebenfalls u.a. für die Wasseraufsicht zuständiger Mitarbeiter, dass Menschen, die sich nicht in eine Geschlechtskategorie einordnen lassen „behindert“ seien. Der Mitarbeiterin wurde entgegengebracht, alles was von der heterosexuellen Norm abweiche sei „krank“ und „verdient die Todesstrafe“. Weiter: „Ich finde bis jetzt warst du eine nette Kollegin, aber aufgrund dieser Charaktereigenschaft musst du getötet werden.“

Alle beschriebenen Vorfälle wurden von der Mitarbeiterin dem Betrieb gemeldet. Ihr sind -bis auf Anhörungen – keine unternommenen Maßnahmen bekannt, die Bäder-Betriebe geben in einem Schreiben vom 17.12.2012 an, dass die dargestellten Vorfälle nicht bestätigt werden könnten.

1 Geändert wegen unserer Kommentarrichtlinien

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What About Teh Menz, Esme!?

Zuerst erschienen auf High on Clichés

Schlagwörter: Patriarchat – Diskriminierung – Sexismus – what about teh menz – Umsturz – Aktivismus

Ich habe wiederholt angesetzt. Ich habe immer wieder versucht, über die Situation von Männern* zu schreiben. Ich fand es interessant zu durchdenken, inwiefern sie ebenfalls vom Patriarchat eingeschränkt werden. Ich wollte Geschlechter-Rollen betrachten, Begriffen wie “Weichei” auf den Grund gehen. Ich wollte laut drüber nachdenken, welche Gefühle Männer* überhaupt zeigen dürfen. Aber all das wird nicht sein.

Also tue ich, was ich in diesem Tweet schon andeutete:

Ich kann über das Thema nicht schreiben. Ich habe nicht umsonst immer wieder ansetzen müssen: Ich habe eben auch immer wieder aufgehört. Woher das ganze Gequäle?

Jedes Mal wenn ich ansetze einen solchen Artikel zu schreiben, fällt mir jeder Scheiß wieder ein. Meist der von vor ein paar Tagen. Vielleicht ein Kommentar auf dem Blog: “Männlichen Privilegien existieren nicht.” Vielleicht, wie ein Typ sich meine Antwort auf seine Frage von einem anderen bestätigen lässt, bevor er ihr Glauben schenkt. Vielleicht erinnere ich mich an das letzte Mal, als ich die öffentlichen Verkehrsmittel nutzte. Als ich die Wahl hatte mich einer Flunder gleich in meinen Sitz zu falten oder gegen fremde weit gespreizte Beine zu stoßen.
Aber allen voran beherrscht mich das Gefühl, dass man als Feministin die ganze Hand verliert, wenn man Leuten den kleinen Finger reicht (RW = Redewendung).
Wie ich letztens von Samia und kiturak gelernt habe, heißt das, ich habe Angst vor “Anschlussfähigkeit”. Eine Aussage wird meist als anschlussfähig kritisiert, wenn die “Falschen” sich ihrer bedienen könnten. Beispiel:
Ich so: Männer werden vom Patriarchat auch benachteiligt.
Jemand so: OH MY GAWWWWWD, sag ich ja: Feminismus, voll der Scheiß!!
Ich so: Äh…

In diesem Fall ist meine Aussage also anschlussfähig für Anti-Feminist*innen.
Ich habe aber keine Lust, dass meine Aussagen von denen benutzt werden. Ich will nicht, dass Leute meinen Text gebrauchen, um für das genaue Gegenteil zu argumentieren. (Wenn sie mich als Negativbeispiel nutzen, ist das natürlich in Ordnung.)
Ich habe sicher nur begrenzt Kontrolle drüber, ob und wie meine Aussagen weitergetragen werden, aber ich würde es dennoch gerne vermeiden.

Aber das ist nur der eine Punkt. Der andere Punkt ist: ich will nicht. Ja, ich weigere mich schlechthin diese Themen zu bearbeiten. Ich hab keinen Bock. Ich hab keinen Bock als Feministin vorzukauen, warum Männer* diese ganze Patriarchats-Scheiße vielleicht auch kacke finden sollten. Ich will nicht erst ein Beispiel suchen müssen, von dem Männer* sich endlich zum Handeln animiert fühlen … weil es sie betrifft. Wenn Leute einen Missssstand erst dann ernst nehmen, wenn sie selbst betroffen sind, haben sie ein echtes Problem mit ihrem Mitgefühl. Das kann ich auch nicht lösen, indem ich ihnen ganz umständlich erkläre: Hey, wenn du dieser diskriminierten Gruppe hilfst, springt was für dich bei raus!
Wo mir Stephanie mal die Augen geöffnet hat (RW): Warum sollen Feministinnen denn jetzt auch noch für die Männer* mitdenken? Also so ganz prinzipiell, warum sollen sie die Denkarbeit machen? Warum sollen sie die Kampagnen organisieren, die Artikel schreiben, die Projekte ins Leben rufen? Irgendwoher schreit es “Aber auch Männern* widerfährt xy.” Die gleichen Personen, die das schreien, scheinen aber irgendwie drauf zu warten, dass die Welt, das Karma oder sonstwer ihnen Für Die Gerechtigkeit (TM) Männerhäuser vom Himmel wirft oder Workshops oder was weiß ich.
Newsflash: das Wahlrecht der Frau* oder das Ende der Sklaverei in den USA wurde nicht von Männern* bzw. Weißen herbeigeführt. Sondern gegen ihren erbitterten Widerstand.

Wie Eingangs erwähnt, finde ich die Themen spannend. Aber täglich von Sexismus betroffen zu sein, senkt die Motivation erstaunlicherweise ENORM, dich mit den Problemen derer zu beschäftigen, die einen Gewinn aus sexistischen Strukturen ziehen. Ich bin lieber mit mir selbst solidarisch.

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Serien-Ver- oder Empfehlung: My Name Is Earl

Auch erschienen auf High on Clichés

Schlagwörter: My Name is Earl – Diskriminierung – Rassismus – Sexismus – Klassismus

My Name is Earl (MNIE) ist eine Comedy-Serie, die in den USA spielt, genauer in einem unwichtigen Ort namens Camden. Dort lebt Earl J. Hickey mit seinem kleinen Bruder Randy Hickey, Earls Ex Joy mit ihrem neuen Freund/Mann/was-weiß-ich Darnell und die Reinigungskraft/Stripperin Catalina.

An dieser Stelle sollte ich wahrscheinlich erwähnen, dass keine Lachkonserven verwendet werden, was mir bis zur Lektüre des Wikipedia-Artikels gar nicht aufgefallen war (warum auch). Und wo ich schon dabei bin eine zweite interessante Beobachtung: ich finde die deutsche Synchronisation gut. Ich weiß nicht, wie sie sich im Vergleich mit dem amerikanischen Original schlägt, aber die einzelnen Stimmen passen charakterlich zu den Schauspieler*innen.

Zur Story: Earl ist ein Kleinkrimineller, klaut viel und bringt Leute anderweitig um ihr Geld, bis er im Lotto gewinnt. Er wird allerdings prompt von einem Auto angefahren und verliert das Los, was ihn glauben lässt, das Karma wolle von ihm, dass er all seine schlechten Taten wieder richte. Als er seine erste Tat wieder gutmacht, fliegt ihm sein Los zu. Dies überzeugt ihn gänzlich. Mit Hilfe des Geldes macht er sich im weiteren Verlauf der Serie an die Wiedergutmachung der gesamten Liste von schlechten Taten.

Nun habe ich nur einen Teil der Folgen gesehen und die wiederum wild durcheinander. Ich hoffe, dass meine Annahme über ihre Reihenfolge korrekt ist, werde mich aber zur Orientierung teils auf die Handlung beziehen. Fest steht, dass ein Großteil der mir bekannten Folgen aus der dritten Staffel stammt.

Eine Vielzahl der Witze lebt davon, dass Joy, Randy und Earl der ungebildeten Bevölkerung angehören sollen. Also genauer von inhaltlich falschen Aussagen, falscher Benutzung von Begriffen etc. Dieses Konzept hat eine deutlich klassistische Komponente, wurde aber in den ersten Folgen, die ich gesehen habe, gut umgesetzt. Ich habe mich ausreichend mit den Protagonist*innen identifiziert, um nicht das Gefühl zu haben, über sie zu lachen. Ich schreibe “in den ersten Folgen”, weil es einen Moment gab, an dem dies zu kippen drohte.
Die Darstellung dieser Figuren als Angehörige der Unterschicht hat noch ein größeres Problem zur Folge: Randy und Earl fallen durch mehrheitsgesellschaftlich übliche heterosexistische Bemerkungen auf, Joy wird zudem als stark rassistisch charakterisiert. Auch Cis-Sexismus und Ableismus kommen vor. Bei entsprechenden Aussagen, besonders bei Joy zu bemerken, fehlt der Serie das Gegengewicht. Es gibt bei solchen Szenen durch die Handlung selbst keinen Hinweis an die Zuschauer*innen, dass die Aussagen schlicht nicht in Ordnung sind. Bzw. ist man dazu genötigt, entweder über die (rass)-istische Aussage zu lachen, also selbst Kompliz*in zu werden, oder sitzt in hilflosem Schweigen da. Vor allem dieser Fuck-up verleidet mir die Serie.

Dies ist aber leider nicht mein einziger Kritikpunkt. Der Bechdel-Test wird zwar bestanden, aber manchmal gewinnt man den Eindruck, dass dies nur durch Konversationen geschieht, in denen sich Catalina und Joy darüber streiten, wer besser aussieht. Hmpf. Diese Konversationen stellen dann ihre Beziehung zueinander auch gut dar: sie sind die einzigen Frauen*, die konsequent in der Serie auftauchen und sie können sich nicht leiden … weil sie ihr Aussehen miteinander vergleichen. Wow. Das macht auch deswegen besonders wenig Sinn, weil es sonst zwischen Randy, Earl, Joy, Catalina und Darnell keine besonderen Feindschaften gibt. Nur die beiden Frauen…

Diiiie Rolle von People of Color: Catalina und Darnell haben definitiv eine Persönlichkeit, bei Catalina ist sie allerdings schon ein bisschen dünn. Sie bekommt wenig Hintergrundstory, die ihre eigenen Beweggründe und Wünsche ernsthaft darstellt. Häufiger dient die Story als Grundlage für eine Pointe. Die meisten Witze, die mit ihr zu tun haben, stellen Mexiko als vollkommenes Armenhaus dar (zugegeben, der Großteil der Handlung von MNIE spielt in einem Trailerpark also steht dem weniger eine Darstellung des “American Dream”-Amerikas gegenüber), beruhen darauf, dass sie rassistisch beleidigt wird oder gar auf sexueller Belästigung – die zum Glück “nur” einmal verharmlost wird, in den anderen Fällen wird sie innerhalb der Serie adressiert und kritisiert. Abgesehen davon natürlich, dass ausgerechnet sie auch als Stripperin arbeitet, nicht etwa die weiße Joy.

Und das bringt mich zur Erklärung, warum ich die letzten Folgen, die ich gesehen habe, weniger mochte.
Ich weiß nicht, was der Grund ist – ob die Produzent*innen gewechselt haben oder ihnen einfach die Witze ausgegangen sind – aber in den letzten Folgen, werden vermehrt Practical Jokes benutzt, also Witze, die auf der körperlichen Beschaffenheit von Figuren beruhten. Konkreter gibt es eine Latina mit grotesk großem Hintern (Fatsuit-mäßig ausgestopft), die sich als Politesse wiederholt zwischen sehr eng beieinander parkenden Autos durchquetschen muss und Dharma (okay, die Schauspielerin von Dharma in Dharma und Greg), die eine Kratzwunde im Gesicht und ein davon verletztes Auge hatte, das ebenfalls wiederholt Gegenstand von Witzen ist. All diese Witze waren nicht nur extrem flach und unlustig, sondern mitunter auch stark sexistisch bzw. ableistisch. Urg.
Und wo wir bei Sexismus sind? Eine von den Charmed-Hexen (ich erkenne Schauspieler*innen nur an früheren Rollen, it’s a fact) hat als “Billy” in einigen Folgen einen Auftritt. Der ganze Plot ist furchtbar furchtbar furchtbar. Entweder ist sie zuckersüß und die Superfrau oder sie ist die ganze Zeit gereizt und die Furchtbare Ehefrau™. So weit ich mich erinnere bekommt sie auch keine logische oder stimmige Charakterentwicklung. Ja, ihr Charakter ändert sich, aber immer von jetzt auf gleich, damit Earl den Eindruck bekommen kann, dass das Karma will, dass er weiter an seiner Liste arbeitet.

Was Frauenrollen angeht, hat die Serie also noch einiges zu lernen. Und andere von Diskriminierung negativ Betroffene werden sich vielleicht die ständigen Witze, die irgendwie zur Charakterisierung von Angehörigen der Unterschicht dienen sollen, auch nicht ununterbrochen anhören wollen. Alles in Allem sehr schade, weil ich den Humor – vom Genannten abgesehen – mag und auch die Charaktere.

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Warum Noten an der Uni ein Hohn sind

Auch erschienen auf High on Clichés

Schlagwörter: unsere Gesellschaft – Universität – Studium – Noten – Klassismus – Ableismus – Diskriminierung

Dieses Thema lässt sich auf vielfältige Weise in jede Richtung ausdehnen (Vielleicht sind Noten an der Schule auch scheiße? Diskriminierung gibt’s nicht nur an der Uni! Das trifft auch aufs Arbeitsleben zu, usw.), ich beschränke mich aber auf dieses, denn irgendwo muss ich anfangen.

Noten reflektieren deine Fähigkeit auf bestimmte Art von Prüfungsfragen zu einer bestimmten Uhrzeit auf eine bestimmte Art zu antworten, nachdem du dich in einem festgesetzten Zeitraum mit einer bestimmten Art von Ressourcen (von der Uni, dem Schicksal und der Gesellschaft im Allgemeinen bestimmt) auf die Prüfung vorbereitet hast.

Dabei soll bereits Schüler*innen nahegebracht werden, dass ihr Wert als Mensch an ihren Notenschnitt geknüpft ist. Und noch mehr: dass es tatsächlich eine realistische Repräsentation ihres Wissens und Könnens in einem bestimmten Fachgebiet darstellt. Back to uni.

Den Noten ist es egal, ob du dich aufgrund deiner Wohnsituation mit dem verbundenen Zeitaufwand ganz alleine um den Abwasch, einkaufen, saubermachen, Sachen stopfen, die Wäsche, das Treppenhaus, den Rasen oder Hof kümmern musst, ob du die Aufgaben teilst, sie gar nicht oder für mehrere Personen mit erledigst.

Den Noten ist es egal, ob du einen Rückzugsraum hast, der es dir ermöglicht, in Ruhe für die Uni zu arbeiten.

Den Noten ist es egal, ob du dir eine teure Wohnung in annehmbarer Distanz zur Uni leisten kannst oder mehrere Stunden mit Bus und Bahn pendelst. Ob du ein Auto hast oder deine Energie in den öffentlichen Verkehrsmitteln täglich dadurch gefressen wird, dass du introvertiert bist, Angststörungen hast, Geräusch- oder lichtempfindlich bist oder regelmäßig von Diskriminierung betroffen und deswegen Angst davor hast, die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen und völlig geschafft in der Uni/zu Hause ankommst und zu keiner geistigen Arbeit mehr fähig bist.

Den Noten ist es egal, ob du dich um Freund*innen, Kinder, Eltern oder andere Menschen kümmerst. Ob du Zeit brauchst, sie durch den Tag zu begleiten, um mit Angst um sie oder eure gemeinsame Zukunft klarzukommen.

Den Noten ist es egal, ob du gar nicht vorkommst im gesellschaftlichen Verständnis deines Studiengangs. Ob du dich nicht wiederfindest in den Karrierepostern, auf denen weiße, (anscheinend) physiotypische junge Männer abgebildet sind. Ob du täglich mit den Botschaften zu kämpfen hast, dass Leute wie du das Thema eh nicht verstehen, langsam sind, alles falsch machen. Ob du persönlicher Diskriminierung durch Kommiliton*innen oder Professor*innen ausgesetzt bist.

Den Noten ist es egal, wo dein Geld herkommt. Ob du neben der Universität mehrere Stunden arbeiten musst, obwohl das Studium auf 40 Uni-Arbeitsstunden die Woche ausgelegt ist. Oder ob das Geld halt einfach da ist. Ob du Bafög beziehen kannst. Ob du Bafög zurückzahlen kannst, weil du tatsächlich eine Zukunft siehst. Ob du dich mit einem Bankdarlehen verschulden musst. Ob du überhaupt arbeitsfähig bist.

Den Noten ist es egal, ob deine körperliche Verfassung und dein finanzieller Haushalt es zulassen, alle Studienmaterialen zu erlangen, zu konsumieren und nach Notwendigkeit zu verändern und Arbeiten abzugeben. Ob du überhaupt einen Computer und Internet hast. Ob du zu einer Bibliothek gelangen und ihr Angebot nutzen kannst.

Den Noten ist es egal, wie viel Zeit du dafür aufbringen musst den Campus zu navigieren, weil du maximal zu einem zwangzigstel mitgedacht wurdest.

Den Noten ist es egal, ob du mit der Art wie die Informationen präsentiert werden, umgehen kannst. Ob dies deinem Lerntyp entspricht oder ihm völlig reingrätscht. Ob du mehr Praxis brauchst aber nur Theorie kriegst. Ob du mehr Theorie brauchst, aber nur Praxis kriegst. Ob du mehr Zeit brauchst, um alles zu verarbeiten, weil dein Tag nur 24 h hat.

Den Noten ist es egal, ob du den organisatorischen Anforderungen gewachsen bist. Ob du Hilfsangebote findest und sie dir zugänglich sind. Ob du Anträge drucken und sie inhaltlich verstehen kannst, um rechtzeitig alles auszufüllen.

Den Noten ist es egal, ob deine innere Uhr schon auf “wach” steht, wenn die Prüfung stattfindet. Ob du Prüfungsangst hast. Ob du mit der*m Prüfer*in befreundet bist oder Angst vor sim hast. Ob du die Materialien besitzt, die für die Prüfung zugelassen und notwendig sind. Ob du die Wahl hast auf “Fühlen Sie sich gesundheitlich in der Lage an dieser Prüfung teilzunehmen?” Nein zu antworten.

Den Noten ist all das und noch viel mehr völlig egal. Aber wenn man genau hinschaut, wird klar, inwiefern sie deinen Wert in dieser Gesellschaft repräsentieren sollen.

[Editiert für Klarheit und um Link einzufügen. 02.10.2012 Zweisatz]

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SV-Bildungswerk und BSK – damit komm‘ ich gar nicht klar

Wie im letzten Artikel bereits angekündigt, steht zum Thema Adultismus ein Artikel zur „Bioklippe“ aus. Wie ebenso angekündigt, tue ich mich mit der Formulierung meiner Gedanken dazu schwer. Aber ich werde versuchen, dies über ein Beispiel zu erklären – mal schauen ob’s funktioniert.

Meine politische Heimat ist die Schüler_innenvertretung (SV), genauer die LandesschülerInnenvertretung (damals nur GG, also Gymnasien und Gesamtschulen) Rheinland-Pfalz (LSV RlP). Die LSV RlP hatte zumindest damals den Anspruch (ich denke auch heute noch), die (einzig) demokratisch legitimierte Vertretung der Schüler_innen zu sein – oder am ehesten legitimierte, denn damals nur GG, heute sind die Grundschulen auch nicht dabei. Einzig legitim daher, da eben die meisten Schüler_innen nicht volljährig sind und damit an der Wahl keiner Regierung beteiligt sind – außer an den Wahlen der SVen. Unter anderem auf Grundlage dessen wurde das allgemeinpolitische Mandat beansprucht (das bis heute den Studierenden- und Schüler_innenvertretungen abgesprochen wird), also das Recht nicht nur in ausbildungsbezogenen Belangen Forderungen zu stellen. Ebenso gehörte zum politischen Repertoire der Selbstbestimmungs- statt Mitbestimmungsansatz, welcher zu meiner Zeit ebenso zu Konflikten führte.

Zu meiner Zeit gab’s das SV-Bildungswerk nicht und die BSK (Bundesschülerkonferenz) hatte sich gerade in Konkurrenz zur BSV (BundesschülerInnenvertretung) gegründet. Beide hielt und halte ich politisch für keine gute Idee. Das SV-Bildungswerk übernahm die Aufgabe der LSVen insofern, als dass dort Nicht-Schüler_innen Schüler_innen ausbilden, die dann Schüler_innen in SV-Arbeit ausbilden. Vorher bildeten schlicht (L)SVler_innen SVler_innen aus. Die Wissenstradierung lief nicht immer perfekt, im alten System, da natürlich die SV-Zeit wie die Schulzeit begrenzt ist und schneller Personalwechsel eben eine besondere Herausforderung auch in der Wissenstradierung ist. Das Problem löst das SV-Bildungswerk gewissermaßen, doch es nimmt im Gegenzug auch viel und zwar vor allem auf der Empowerment-Metaebene. Auch zu meiner Zeit wurden Externe – sprich Nicht-Schüler_innen – für ausgewählte Dinge beschäftigt, z.B. als Geschäftsführung oder als Referent_innen. Doch die Hierarchie ist in diesem Fall eine nicht unwesentlich andere: Schüler_innen bestimmten darüber, wer wofür für sie arbeitete. Das SV-Bildungswerk macht das Gegenteil, sie bestimmt welche Schüler_innen für sie arbeiten und das auch noch im ureigensten Feld der SVen, nämlich eben der SV-Arbeit.

Was die BSK betrifft möchte ich hier erstmal nicht viele Worte verlieren, vor allem da sie anscheinend zur Zeit zumindest inaktiv ist. Die BSK gründete sich wie gesagt in Konkurrenz zur BSV (BundesschülerInnenvertretung) und ging, naja, siegreicher hervor. Folgendes ist symptomatisch für die Selbstbestimmungs- oder Mitbestimmungsfrage. Auf wikipedia ist z.B. zu lesen: „Zudem postulierte die BSV über die Schul- und Bildungspolitik hinaus ein allgemeinpolitisches Mandat. Dies geht deutlich über den durch die Schulgesetzgebung der Länder vorgesehenen Auftrag der Landesschülervertretungen hinaus und wurde auch von einer reihe von Landesschülervertretungen kritisiert.“  Heißt: es gab LSVen, die sich an die Gesetzte hielten, die für sie geschaffen wurden und es gab LSVen die sich nicht daran hielten, weil ihre Beschlusslage vorsah, dass sie sich nicht daran halten sollen.

Anhand dieses Beispiel komme ich zur „Bioklippen“-Frage zurück. Ich bin nicht mehr Schülerin und ich bin nicht mehr Minderjährig. Meine Kritik an SV-Strukturen (im weitesten Sinn) ist insofern völlig irrelevant, als ich nicht zur Entscheidungsgruppe zählen sollte (ich kann zwar als volljährige deutsche Staatsbürgerin auf die deutschen Schulgesetze Einfluss nehmen, aber…) und damit meine oberste Priorität sein muss, die selbst geschaffenen Strukuren und damit einhergehenden Beschlusslagen ernst zu nehmen. Wenn SVen das SV-Bildungswerk beschäftigen, hab ich nicht zu meckern. Wenn die BSK beschließt, dass sie die Schulgesetze für relevant  für ihre eigene Beschlusslage definieren, hab ich nicht zu meckern. Im Gegenteil: Ich habe sie darin zu unterstützen, zumindest insofern, als dass ich ihnen die Kompetenz für diese Entscheidung nicht abspreche.

Gerade für Adultismus ist symptomatisch, dass Volljährige Minderjährigen die Entscheidungskompetenz absprechen und das vielfach begründen. Auch wenn meine Kritik darauf aufbaut, dass das SV-Bildungswerk und die BSK „internalisiert adultistisch“ ist, wird’s halt nicht besser, wenn ich dagegen meine adultistische Entscheidungskompetenz setze. Das Beste was ich tun kann, ist einfach mal die Klappe halten und die Entscheidungen „für voll nehmen“, denn nur so können Menschen die Erfahrung machen, dass sie ein Recht darauf haben, für „voll genommen zu werden“.

Allgemeiner: Mit kiturak habe ich vielfach diskutiert, inwiefern wir als Volljährige etwas zu Adultismus sagen dürfen. Hätte ich meinen letzten Artikel schreiben dürfen und Adultismus mal grad so runterdefinieren, ohne einen einzigen Link? Lehrt die Anti-ismen Schule nicht, dass Betroffenen zugehört werden soll? Lehrt die Ally-Schule nicht, sich andere Nicht-direkt-Betroffene vorzuknöpfen? Wie steht’s überhaupt mit Diskriminierungsformen von denen eine_r mal betroffen war und jetzt aber nicht mehr ist?

Letztere Frage ist besonders im Adultismus-Bereich relevant, denn wir waren alle mal Minderjährig. Nur jetzt bin ich es nicht mehr, ich bin über die Bioklippe gegangen. Ich werde jetzt für „voll genommen“ insofern ich jetzt „VOLLjährig“ bin. Meine Sprecherinnenposition verändert sich gewaltig, auch wenn ich von früher spreche. Ich werde zu einer „erwachsenen Beraterin“ und das ist reichlich igitt.

Also: Wie schlimm ist mein letzter Artikel? (und wie schlimm ist dieser?) Ich werde mit mir und der Welt einfach nicht einig.

(P.S.: Ja, die Überschrift ist absichtlich provokativ gewählt, in der Hoffnung darauf, dass Betroffene neugierig werden, da “Adultismus” anscheinend bisher nicht zog. Sorry.)

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Allies ja, Selbstdarstellung nein

Crossposted auf High on Clichés

Schlagwörter: Allies – Diskriminierung – Selbstdarstellung – Solidarität

If you are going to actually be an ally this means that you have to take a true and legitimate interest in the causes and or people that you are claiming allegiance to. Wearing the right assortment of coloured bracelets or ribbons does not constitute activism. Sitting in a coffee house expounding on the lightness of being, while you quote esoteric quotes to prove how in touch you are with the downtrodden is the equivalent of a hot breeze on a hot day; annoying and needless.

Renee Martin auf Womanist Musings

Zuerst die Grundlagen; “Allies” (oder dt. korrekt “Allys”, sieht jedoch schlimm aus), zu deutsch “Verbündete”, sind Menschen, die von einer Diskriminierung nicht betroffen sind, sich aber explizit gegen diese aussprechen und von sich sagen, sie wöllten gegen diese Diskriminierung vorgehen. Ich könnte mich zum Beispiel, was Rassismus angeht, als Ally bezeichnen.

Wenn es um Allies geht, kommt es durch die Art unserer Gesellschaft mit Diskriminierung umzugehen unweigerlich zu einem Problem: es wird immer derjenigen Person zugehört, die weniger sich überschneidende Diskriminierung erfährt. In der Folge erfahren Allies mehr Aufmerksamkeit als Betroffene, obwohl sie Diskriminierung ansprechen, mit der sie keine persönliche Erfahrung haben (ich schwör: daneben zu stehen, wenn eine Person rassistisch beschimpft wird ist nicht “Erfahrung mit Rassismus”).
Was heißt hier “Allies” – Es wird lieber Nicht-Marginalisierten¹ zugehört. Mit etwas Glück sind das wenigstens Allies.

Das brisanteste Beispiel der letzten Tage für den Ausschluss betroffener Stimmen war eine Sendung von DRadio Wissen mit dem Titel “Sex, Gewalt und Hochkultur – ein Talk über Computerspiele”. Sexismus wurde thematisiert, keine Frau* war eingeladen. Vom Rassismus möchte ich hier gar nicht sprechen. Auf femgeeks.de wurde das ganze Debakel rückblickend beleuchtet und kritisiert. Unter ihrem inhaltlich gleichen Beitrag auf der Mädchenmannschaft wurde dann prompt die Erwartungshaltung und Lernresistenz der Angesprochenen durch einen Teilnehmer* verdeutlicht.

Nun wird das Ignorieren von betroffenen Stimmen durch die Presse, Radio und Fernsehen gerne als Motivator benannt “erst recht für die Rechte von … einzutreten”. Hugo Schwyzer etwa war im An-sich-Reißen des feministischen Dialogs in den USA ganz groß. Warum das nichts Gutes für Frauen* und Feministinnen* bedeutete, besonders für die mit sich überschneidenden Diskriminierungen, lässt sich vielerorts nachlesen.
Denn “für” andere sprechen ist vielleicht nett gedacht, aber sehr sehr kurz. Allies haben per Definition weniger Ahnung vom betreffenden Thema, weil sie nie nicht und nimmer davon betroffen sein werden (außer in sehr wenigen Fällen, aber für den Ist-Zustand ist das unerheblich).
Kiturak hat hierzu auf Facebook mal hilfreich die Definition eines “Sprachrohrs” verlinkt, da sich einige Allies gerne als solches für “marginalisierte Stimmen” verstehen: ein Sprachrohr kann das Gesagte nicht verändern, es wiederholt den Inhalt nur lauter. (Durch kituraks unermüdliches Beharren ist mir übrigens auch die Wichtigkeit der folgenden Liste deutlicher geworden.)

Aus all diesen Punkten ergibt sich die folgende Aufgabenstellung für Allies:

  • Die Texte von marginalisierten Personen verlinken, selbsterklärend kommentiert. Ein Äquivalent zur Frauen*quote kann für solche Links als Maßstab genutzt werden: wenn es zum gleichen Thema den Text einer marginalisierten Person und den einer*s Allys gibt, ist ersterer immer vorzuziehen.
  • Edit zu Punkt 1: das bedeutet absichtlich nach Texten von Marginalisierten zu suchen! “Ich lese halt keine Texte von Betroffenen, nur über Betroffene – wer weiß ob die überhaupt bloggen” ist eine furchtbar schlechte Entschuldigung.
  • Zitate, Zitate, Zitate mit Quelle und Erwähnung der Person, von der sie stammen.
  • Ablehnen an öffentlichen Diskussionen teilzunehmen, die nur aus nicht-Marginalisierten besteht. (via accalmie)
  • Bei Anfragen für Vorträge, Artikel usf. schamlos Blogger*innen o.a. promoten, die von der Diskriminierung betroffen sind.
  • In Artikeln und Diskussionen mitdenken, wo man gelernt hat, was man gerade wiedergibt. Die entsprechenden Namen konsequent nennen.
  • In Gremien und Diskussionen allgemein die eigene Redezeit selbstständig (d.h. unaufgefordert!) beschränken, wenn man z.B. cis-männlich ist oder Betroffene der Diskriminierung, die gerade diskutiert wird, anwesend sind – um ihnen den Diskussionsball zuzuspielen, versteht sich.

Versteht mich nicht falsch, mindestens die Hälfte dieser Liste muss ich selber noch besser angehen. Aber eine Erinnerung kann nicht schaden.

Drei weiterführende grandiose Links zum Ally-Sein und arbeiten mit Allies
When Allies Fail, Part I
When allies fail – Pt. 2
I’m An Ally But

Weitere Links zum Thema in den Kommentaren gerne willkommen.

1 “marginalisiert” – wörtlich: an den Rand gedrängt

Edit: “öffentlich” in den vierten Anstrich eingefügt

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IBB – Deine Beobachtungsgabe beleidigt mich

Crossposted auf High on Clichés

Schlagwörter: Rassismus – Derailing – Abwehrverhalten – Intersektionalität – Diskriminierung – intersektionelles Bullshit-Bingo

(Dieser Artikel nahm seinen Anfang vor dem Kuttner-Debakel. Ich schließe nicht aus, dass er auch in diesem Kontext hilfreiche Einblicke liefern kann, dafür ausgelegt ist er jedoch sicher nicht.)

Sogar die Polizei hat das größte Problem unserer Zeit erkannt*: wenn Menschen als rassistisch beleidigt werden.

Ich schreibe bewusst “beleidigt”, weil die Bezeichnung “Rassist/in” nicht etwa als Konsequenz dessen betrachtet wird, dass man eine rassistische Handlung beobachtet hat und der Person daraufhin eine passende Bezeichnung zuweist. Sie gilt schlicht und ergreifend als Beleidigung, als würde ich “Arschloch” sagen.
Die Logik dahinter will mir nicht in den Kopf.

Obwohl man es nach gängigen Diskussionsverhalten erwarten würde, wird nicht einmal scheinbar zum Thema gekontert (“Bla kann nicht rassistisch sein, denn Bla hat nichts gegen Ausländer.” oder “Bla ist gut befreundet mit einem Schwarzen – HOMIES FOREVER.”), nicht einmal die Mühe klassisches Derailing zu verwenden macht man sich also. “Rassist/in” ist schlicht und ergreifend ein neues Schimpfwort geworden, dessen inhaltliche Bedeutung (“rassistisch denken oder handeln”) man völlig ignoriert. Eine inhaltliche Debatte über das, was Anlass zu der Bezeichnung gab, ist damit nicht mehr möglich. Man könnte also sagen, der empörte Aufschrei nach einer Rassist/in-”Attacke” ist die beste Derailing-Taktik.

Wegen der neuen(?) Bedeutung von “Rassist/in” stoße ich auch in Gesprächen auf Unverständnis, wenn ich unumwunden sage: “Ja, ich bin rassistisch”. Entweder nehmen Menschen an, dass ich was falsch verstanden habe und wollen die böse Aussage, die man mir eingeredet haben muss, abschwächen oder Personen, die mir näher stehen, sind der Meinung, dass ich es mit meiner kritischen Selbstanalyse inzwischen übertrieben habe und “nicht so hart mit mir ins Gericht gehen” solle – in jedem Falle wird “rassistisch” im Kopf mit der beleidigenden Note in Zusammenhang gebracht.
Tatsache ist: ich sage das weder, weil ich krasse Hetze gegen Einheimische anderer Länder, Migrant*innen oder Deutsche of Color betreibe, noch weil ich Ally-Sternchen bekommen möchte, weil ich so toll introspektiv bin (à la “Seht her! Ich habe entdeckt, dass ich sexistisch bin! Geil, wa? … Oh ja, ich will voll dran arbeiten.”) – nein, für mich ist es eine nicht wertende Tatsachenbeschreibung. Man kann mich aufgrund dieser Bezeichnung bewerten, wenn man das möchte, die Beschreibung selbst ist aber keine Beleidigung. Sie sagt aus, dass ich weiß, dass ich als Weiße in einem rassistischen Land aufgezogen wurde und all die Bilder, die ich dadurch aufgenommen habe und noch aufnehme, ihre Spuren hinterlassen haben, gegen die ich aktiv vorgehen, die ich aber sehr unwahrscheinlich restlos beseitigen kann. Viele werden mir wahrscheinlich auch nie bewusst. Ganz davon abgesehen, dass ich spätestens bei rassistischen Strukturen mit Solidarität nicht weit komme. Ich kann dagegen protestieren, dass racial profiling als zulässig erklärt wurde, werde aber immer noch weiß sein, wenn ein*e rassistische*r Kontrolleur*in in der Bahn meine Karte mit dem Blick streift und bei der schwarzen Frau* neben mir ganz genau hinsieht.

Also merke: nicht alles, was weh tut, ist eine Beleidigung. Manchmal ist der Schmerz ein Zeichen von unwillkommener Erkenntnis.
Es war zwar nicht beabsichtigt, dass es wieder einen roten Faden in meinen Beiträgen gibt, aber ich kann nur auf meinen vorherigen Artikel zum Abwehrverhalten verweisen: wenn dich eine*r als -istisch bezeichnet, mach’s erst mal ganz in Ruhe mit dir aus, bevor du losschlägst.

*In dem Fall, von dem ich spreche, sagte ein Polizist etwas sehr Rassistisches zu einer Frau* (was ich aus diesem Grund nicht verlinke), die daraufhin darauf bestand, dass die Aussage nicht in Ordnung sei. Dann zeigte man sie an.

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Abwehrverhalten bitte an der Tür abgeben

Schlagwörter: intersektionelle Grundlagen – Derailing – Privileg – Abwehrmechanismen – Diskriminierung

Wer kennt das nicht: da stürzt man sich engagiert in eine Diskussion, die Diskriminierung thematisiert und nickt beim Lesen so vor sich hin, aber dann beginnen Leute in eine ungute Richtung abzudriften. Sie legen nahe, dass man selbst zu den Personen gehört, die hier Arbeit zu tun haben, denn man ist vom diskutierten Problem eben nicht betroffen, auch privilegiert genannt. In einigen Schilderungen von problematischem Verhalten findet man sich dann auch noch selbst wieder und es ist zu spät: man haut in die Tasten und erklärt in einem erbosten Traktat, warum man unmöglich so böse sein kann. Um etwas Würze hineinzubringen erwähnt man, wie man damals mal etwas gegen Diskriminierung getan hat und zeigt auf, dass die da drüben noch viel schlimmer diskriminieren. Davon mal abgesehen hat man’s nicht so gemeint und findet, dass der Artikel schon recht boshaft geschrieben war und man das netter hätte formulieren können. Außerdem … – an dieser Stelle ziehe ich mal die Notbremse.

Was wir hier erlebt haben, wertes Publikum, ist Abwehrverhalten. Es setzt dann ein, wenn man sehr wohl erkennt, dass es ein Problem gibt, an dem man darüber hinaus beteiligt ist, dieses Gefühl aber – verständlicherweise – so unangenehm findet, dass man darauf verzichten möchte, sich in Ruhe damit zu beschäftigen und stattdessen mitten in die Diskussion platzt, um das eigene Ego wieder aufzubauen.
Was dann mit der Diskussion geschieht, hängt nur noch vom Moderationsverhalten der Verantwortlichen ab. Wenn sie so gnädig sind zu verhindern, dass sich die Erbosten vor aller Welt blamieren, löschen sie entsprechende Beiträge und Derailing kann vermieden werden. Wenn wir hingegen von einer größeren Tageszeitung sprechen, bricht an dieser Stelle die Apokalypse aus, denn alle, die einmal gedemütigt und verletzt wurden (sprich: auf Fehlverhalten oder Privilegien hingewiesen), kommen jetzt aus dem Unterholz und feiern eine große “Antidiskriminierungsopfer”-Party.

Werfen wir noch einmal einen näheren Blick auf die Folgen einer übereilten Reaktion: Abwehrverhalten lenkt den Fokus vom eigentlichen Thema (das wichtig ist, sonst hättest du die Diskussion ja nicht verfolgt, richtig?) auf die persönlichen Empfindungen der Teilnehmer*innen ab. Das kann nur unter einer Bedingung wertvoll sein: wenn eine Person, die von der genannten Diskriminierung betroffen ist, ihre Empfindungen äußert.
Ich verstehe das Bedürfnis, die eigenen Privilegien mit anderen zu reflektieren und im Dialog auf die eigenen Gefühle klarzukommen – dieses Vorgehen kann sogar wertvoll sein, falls Privilegierte es fertig bringen, sich (ohne weitere Erklärungen von Diskriminierten zu verlangen) an einem anderen Ort zusammenzufinden und das eigene Verhalten objektiv zu reflektieren. Dadurch gewinnen alle.
Es kann aber nicht sein, dass ich als Privilegierte eine Diskussion dominiere, in der es darum geht, dass ich privilegiert bin. Das dient vielleicht als Paradebeispiel meines Bedürfnisses, im Vordergrund zu stehen, torpediert aber die ganze wertvolle Unterhaltung.

Also Leute:

  • wenn ihr das N-Wort sagt, gilt nicht eure Intention oder der besondere Kontext, in dem ihr euch wähnt. Es ist falsch.
  • in einer Diskussion um street harassment geht es ganz bestimmt nicht um Dating-Schwierigkeiten von heterosexuellen Männern* (mir wird jedes Mal schlecht, wenn ich versuche, den Gedankengang nachzuvollziehen)
  • Diskussionen über racial profiling laden sicher nicht dazu ein, über die Rate von von “Ausländer*innen” verübten Verbrechen zu schwadronieren (wer häufiger kontrolliert wird, kommt häufiger in die Statistik, die in Berlin eh gefälscht war. By the way, unterschreibt die Petition gegen racial profiling)
  • wenn Menschen von bestimmten Diskriminierungserfahrungen aufgrund eines Teils ihrer Identität erzählen, ist nicht “wo ist mir das als privilegierte Person auch schon mal passiert?”-Tag

Ich liebe produktive Diskussionen. Lasst uns mal damit anfangen.

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Ankotzen und Angekotzt werden: Emotionale Oppression Olympics

Seit Anfang der Woche sagt mir die Welt, dass dieser Text geschrieben werden soll. Anscheinend von mir ;-) . Erst ein Vortrag, bei welcher die Frauenpolitik als „Hauptwiderspruch“ gegenüber anderen Diskriminierungen inszeniert wurde. Dann der Kuttner-Scheißdreck, zu welchem meine Facebook-Timeline noch keinen Link herangespült hat, der nicht mit einer antisemitischen Form der Oppression Olympics angereichert ist (Edit: Endlich was Gutes zu Kuttner zum Verlinken gefunden!) und dann die Kinderbetreuungsdiskussion anlässlich des Gendercamps.

Die angenehme Geschichte an der Ablehnung von Oppression Olympics ist, dass eine_r nicht mal von deren Richtigkeit überzeugt sein muss, um Oppression Olympics abzulehnen. Es reicht ein einfaches Kalkül: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich Verbündete für mein „wichtigstes Thema der Welt“ verliere, wenn ich die Themen anderer Menschen kleinrede? Sehr hoch? So ca. 89%? Ja? Also, dann lieber nicht bei den Oppression Olympics mitspielen. Natürlich ist mein Scheiß für mich wichtiger, als der Scheiß anderer. Ich kann nur mit „für mich“ bei den Oppression Olympics nicht mal einen Blumentopf gewinnen. Ich muss mich also in ein Verhältnis zur Welt drum herum setzen. Das ist nicht immer einfach, denn vor allem Diskriminierungen, die mich direkt negativ betreffen, brennen mir am Stärksten unter den Nägeln (RW). Doch wie das mit Diskriminierungen so ist, um sie zu lösen, müssen wir es gesamtgesellschaftlich angehen. Es braucht Verbündete.

Ich persönlich bin super froh, dass ich nicht von jeder diskriminierenden Scheiße negativ betroffen bin. Das nämlich gibt mir die Gelegenheit zu erfahren, wie es ist angekotzt zu werden. Im selber kotzen bin ich ganz gut, doch angekotzt zu werden, gibt mir ein Lernumfeld, wie schwierig es ist, angekotzt zu werden. (Mit „kotzen“ meine übrigens Diskriminierungen als Betroffene_r mit Emotion zu thematisieren.) So kann ich lernen, mein von mir angekotztes Gegenüber besser einzuschätzen. Ein Teil dieses Lernprozess ist zu verstehen, wie leicht ich selbst in die Falle der Oppression Olympics gehe. Gerade beim Kotzen ist die Wohlüberlegtheit häufig nicht zu erreichen.

Es entstehen so manchmal Situationen, in denen jede Seite Mist gebaut hat. Um so eine Situation aufzulösen, braucht es eine Streitkultur und die sollte möglichst nicht „typisch deutsch“ sein. „Den Deutschen“ wird gerne nachgesagt, dass sie der These folgen, dass die Person, die als erste „Entschuldigung“ sagt, verloren hat. Wunderschön z.B. bei versehentlichen Anrempeleien zu beobachten: Wer sich zuerst entschuldigt, hat Schuld.  Doch eigentlich wissen wir ja, dass es nicht so ist. Oder warst Du jemals alleine Schuld, nur weil Du Dich zuerst entschuldigt hast? ;-)

Nehmen wir also an, die Situation ist folgende: Person A gibt diskriminierende Scheiße von sich. Person B kotzt und würgt dabei leider andere diskriminerende Scheiße mit raus. Person A kotzt (und macht eventuell das Gleiche). Jetzt kommen die emotionalen Oppression Olympics: Die eigene Scheiß-Erfahrung ist wichtiger als die fremde Scheiß-Erfahrung. Das wird unter Garantie nicht gut ausgehen, außer eine Person gibt nach (und dann *haha* ist diese Person, die Klügere! GEWONNEN! Argh.).

Es braucht also einen anderen Umgang, vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt und so. Dann langsam vorarbeiten: Was ist Deine Erfahrung, was ist meine? Wie lesen wir die Situation der jeweils anderen Partei? Müssen wir wirklich abwägen, wessen Bedürfnisse wichtiger sind?

(Ich habe aus einer komischen Form von Faulheit begonnen, die “Opression Olympics” mit verschiedenen Links zu versehen. Weiter Vorschläge für gute Links bitte in die Kommentare – natürlich genauso wie Kritik an eingefügten Links!)

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