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RPS: Neurotypische lügen fast immer

Nach jahrelanger intensiver Forschung steht nun fest: Neurotypische mit Right Planet Syndrome (RPS) lügen fast immer.

Grundlage der Forschung war die in Alltagsgesprächen häufig auftauchende Bitte, doch „mal ehrlich“ zu sein. Nach Prüfung aller möglichen Ursachen der Sitte um eine „ehrliche“ Einschätzung oder Antwort zu bitten, ist nicht davon auszugehen, dass Neurotypische mit RPS meistens die Wahrheit sagen. Die explizite Bitte um „Ehrlichkeit“ lässt nur zwei Ursachen zu:

1. Die erste Ursache ist zugleich die naheliegendste: Neurotypische mit RPS gehen davon aus, dass sie nur dann eine „ehrliche“ Antwort erhalten, wenn sie explizit darum bitten. Daher muss davon ausgegangen werden, dass NTs in der Regel lügen und nur dann davon abweichen, wenn sie dazu aufgefordert werden. Dieses – über die Bitte zum Ausdruck gebrachte – Wissen um die soziale Regel normalerweise zu lügen und eben nur auf Wunsch ehrlich zu sein, deutet darauf hin, dass eben diese Bitte implizit auch die Bereiche benennt, in der gelogen werden soll. Unmarkiert ist also die Lüge und damit der Regelfall.

2. Insbesondere für diese zweite Ursachenklärung wurden die Jahre intensiver Forschung benötigt: Neurotypische mit RPS bringen mit der Bitte um „Ehrlichkeit“ das Gegenteil zum Ausdruck. Grundlage dieser bei näherer Hinsicht überzeugenden Interpretation ist die Beobachtung, dass die Bitte nur dann auftaucht, wenn es auf die Antwort der gefragten Person seitens der fragenden Person ankommt. Das soziale Setting dieser Situation ist häufig dergestalt, dass die Entscheidung, welche „ehrlich“ kommentiert werden soll, eigentlich schon getroffen ist, z.B. bei der Partner_innenwahl, getätigten Einkäufen oder geleisteter Arbeit. Die Wahrscheinlichkeit, dass die um „Ehrlichkeit“ bittende Person ihre Entscheidung bei einer negativen Einschätzung der gefragten Person wirklich revidieren möchte, ist dabei anzuzweifeln.

Zahlreiche Tests haben kein eindeutiges Ergebnis offenbaren können. Zu verschiedenen Anlässen haben unsere Forscher_innen als gefragte Personen alle 4 Möglichen Szenarien durch entsprechende Antworten herbeigeführt:

Situation 1: Ehrliche Antwort, welche positiv zur getroffenen Entscheidung ausfiel.
Situation 2: Ehrliche Antwort, welche negativ zur getroffenen Entscheidung ausfiel.
Situation 3: Gelogene Antwort, welche positiv zur getroffenen Entscheidung ausfiel.
Situation 4: Gelogene Antwort, welche negativ zur getroffenen Entscheidung ausfiel.

In den Situationen 1 und 3 konnte keine nennenswerte Reaktion seitens der fragenden Person festgestellt werden.  In Situation 2 und 4 waren die Reaktionen so divers, dass sich eine Auswertung bisher als nicht durchführbar erwies. Erwähnenswert ist jedoch, dass in Situation 4 bei Offenlegung der Lüge, sich die fragenden Personen nach einem Lachen ohne Umschweife wie in Situation 1 und 3 verhielten. Die Lüge wurde also offenbar nicht als Problem empfunden, obwohl sie dem explizit erbetenem Verhalten wiedersprach. Letzteres und die weitgehend neutrale Reaktion auf gelogene und ehrliche positive Einschätzungen lässt den Schluss zu, dass es bei der „Bitte um Ehrlichkeit“ nicht im Geringsten um die Ehrlichkeit geht, sondern möglicherweise um die positive Einschätzung, die jedoch gelogen sein darf. Das wiederum lässt den Schluss zu, dass wenn selbst die „Bitte um Ehrlichkeit“ gelogen ist, es auch nicht besser um andere Aussagen steht.

Noch ist ungeklärt, wie es sich mit der Findung der passenden Lüge verhält, gibt es doch weitaus mehr gelogene als ehrliche Aussagen. Stellt der Anpassungsdruck die Auswahlkriterien oder ist dies „zwischen den Zeilen“ verborgen? Hat der mangelnde Sinn für Ehrlichkeit etwas mit mangelndem Interesse zu tun? Trifft die zweite mögliche Ursache zu, ist es vermutlich eine Form von „indirekter Kommunikation“,  doch ist dies auch der Fall bei der ersten Ursache?

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