Schlagwort-Archiv: empowerment

RPS-Beispiel: Unehrlichkeit (Collage)

Transcript folgend:

Comic von Fuchskind:

Bild 1 (scheinbar Schulhof):
Beschriftung: Oft offenbarte sich mir aber kein logischer Zusammenhang vom Sinn und Zweck.
Figur A: Sehen wir uns später?
Figur B: Ja, klar!
Figur C: Klaro!
Hauptprotagonisten steht mit Abstand zur Gruppe von Figur A-C im Bild.

Bild 2 (scheinbar Schulhof):
Figur A: Freu mich, bis dann!
Figur C: Ich mich auch!
Figur B steht lächelnd dabei.
Hauptprotagonisten steht mit Abstand zur Gruppe von Figur A-C im Bild.

Bild 3 (scheinbar Schulhof):
Hauptprotagonistin und Figur C und B gucken der aus dem Bild verschwundenen Figur A hinterher.

Bild 4 (scheinbar Schulhof)
Figur B: Gott ist die nervig!
Figur C: Kaum zum Aushalten!
Hauptprotagonisten steht mit Abstand zur Gruppe von Figur A-C im Bild, mit Fragezeichen über dem Kopf.

Bild 5 (Party):
Beschriftung: Faszinierenderweise kann ich manche Beobachtungen von damals auch noch heute entdecken.
Figur D winkt: Bis morgen!
Figur  E und F: Mach’s gut!
Hauptprotagonistin steht mit anderer Figur im Bild.

Bild 6 (Party):
Figur E: Was für ‘ne [leider sexistischer Begriff] Schlampe!
Figur F: Hast Du das Kleid gesehen? Irks!
Beschriftung: Und sie machen genauso wenig Sinn wie früher.

Bild 7 (Klassenzimmer):
Hauptprotagonistin sitzt alleine ein Buch lesend am Tisch.
Beschriftung: Es gab mehr Gründe lieber für sich alleine zu bleiben, statt mit anderen Kindern zu spielen.

 

“Jetzt überlegen SIe einmal: Wir sind in der Minderheit. Selbst, wenn jede/r Normale es mit 2 – 3 Autisten zu tun hätte, die ihn/sie ählich nerven wie ich, so sollten sie ab und zu bedenken daß ich von Normelen umgeben bin.”  Quelle: Vera F. Birkenbihl

 

Nothing more to add. / Nichts hinzuzufügen.

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Empowerment anhand von “Beverly Hills Chihuahua”

In der letzten Zeit bin ich immer wieder auf Aussagen gestoßen, die benannte Privilegien-Verhaltensweisen auf die jeweils dazu Marginalisierte übertragen. So wird seitens einer Feministin der Begriff „womansplaining“ verwendet; eine WoC versucht umgekehrten Rassismus damit zu belegen, dass People of Color Spottnamen für Weiße verwenden; und eine andere Feministin erklärt, dass sie Mackerverhalten von Frauen genauso nervig findet, wie von Männern (Quellenangaben füge ich auf eigenen Wunsch der Beispiel-Leute ein).

Für mich stellt diese Anhäufung eine ungute Entwicklung dar und zwar, weil es Empowerment verunglimpft. Die Sache ist die: Privilegierte Verhaltensweisen zu benennen ist wichtig, denn das Ausmachen und Benennen von diesen, hilft nicht nur dabei, diese zu erkennen, sondern auch diese zu beseitigen. Ebenso ist grade bei Diskriminierungen die in der Gesellschaft verankert sind, wie z.B. Sexismus und Rassismus,  es häufig so, dass die Aneignung von Verhaltensweisen, die Privilegierte nutzen – auch wenn es in einer heilen Welt keine coolen Verhaltensweisen wären – wichtig, denn es beinhaltet ein Sich-zur-Wehr-setzen und macht gleichzeitig eben durch Negativreaktionen Privilegierter auf die Aneignung deutlich, worin die gesellschaftlichen Strukturen bestehen. Wenn jedoch diese Selbstermächtigung von davon Nicht-Negativ-Betroffenen angegriffen wird, macht dies einerseits das Empowerment schwieriger und gleichzeitig vergeht eine weitere Funktion davon: Die gesellschaftlichen Strukturen sichtbar machen. Das ist sehr theoretisch und daher werde ich es anhand eines Vergleichs erklären:


[Szene aus "Beverly Hills Chihuahua". Bitte um Transkription!!!]

In diesem Video wird gezeigt, wie eine seperatistische Chihuahua-Gruppe sich von Fremdzuschreibungen dadurch versucht zu emanzipieren, indem sie das Dasein als Schoßhund_hündin und „niedliche“ Namen ablehnen. Sie begeben sich in einem Massenrausch indem jede diesbezügliche Deklaration des Ausrufers mit dem Schlachtruf „no mas“ („Nie wieder!“) beantwortet wird. Eigentlich eine ziemlich coole Angelegenheit und gerade für die Chihuahuas wichtig, die sich erstmals von den Fremdzuschreibungen befreien. Das Problem ist nur, am Schoßhund_hündinnen-Dasein ist überhaupt nichts Schlimmes und auch „niedliche“ Namen sind gar kein Problem.

Für diese Dalmatinerin z.B. ist die Entdeckung ihrer eigenen Leidenschaft als Schoßhündin eine wichtige, emanzipative Sache.

Verhätnismäßig große Dalmatinerhündin liegt auf dem Schoss einer verhältnismäßig großen Frau.

Und für diese_n Dobermann wäre der Name „Fifi“ vermutlich auch eine Erleichterung.


[Dobermann und Babykatze spielen zusammen. Babykatze schlägt mit Pfote auf  Dobermann und Dobermann beisst nach Babykatze.]

Was ich sagen will: Empowerment-Geschichten anhand der zukünftig erwünschten Welt zu kritisieren, ist einfach gemein. Jetzt ist erstmal der Zeitpunkt Chihuahuas zu sagen, dass sie keine Schosshunde_hündinnen sein müssen, Dalmatiner_innen in ihrer Entdeckung des Schoßhund-Daseins zu supporten und angebliche Kampfhünd_innen mit „niedlichen“ Namen zu versehen. Aber auf keinen Fall kann’s angehen, Privilegien-Bezeichnungen gegen Marginalisierte zu verwenden.

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Schlag halt zurück, Mädchen!

Crossposted auf High on Clichés

Schlagwörter: street harassment – please do have a piece of my mind – victim blaming – empowerment
Auch wenn es die Schlagwörter nicht vermuten lassen, folgt keine triggerende Sprache. Die Lektüre sollte eher angenehm sein.

che2001 schreibt hier [Warnung für Kommentare bei che2001: Sexismus. kiturak]

[...] Offensive Gegenwehr von Frauen scheint da kein Thema zu sein, auch Zweisatz appeliert an die Anständigkeit von Männern, argumentiert aber eigentlich nicht mit Gegenmaßnahmen. Frauen erscheinen zwar als Subjekte mit eigenen, der heteromännlichen Suprematie entgegenstehenden Interessen, zugleich aber als tendenziell ausgelieferte Opfer. Da waren wir schon mal weiter.

http://highoncliches.wordpress.com/2012/05/17/wie-verhalte-ich-mich-moglichst-nicht-wie-ein-arsch/

[...]

Es ist kein Zufall, dass ich Frauen* nicht thematisiere. Den Grund erkläre ich gerne.

Zunächst einmal: ich habe den Text nur überflogen und weiß deswegen a) nicht, ob es eine schlechte Idee ist, den Blog zu verlinken. Nach den Brocken, die ich las, sieht es aber unbedenklich aus. b) Ist dieses Zitat wirklich aus dem Zusammenhang gerissen, da ich den Text nicht vollständig gelesen habe. Deswegen besteht durchaus die Möglichkeit, dass ich mit meiner Argumentation, was che2001 angeht, offene Türen einrenne, aber das ist mir egal. Ich würde meine Motivation gerne allen erklären, da mir die Gründe wichtig sind.

Daraus, dass der Text sich an heterosexuelle Männer* richtet, abzuleiten, dass ich Frauen* hauptsächlich die Opferrolle zugedenke, ist logisch nicht haltbar. Dass mein Text Männer* fokussiert, ist ein Statement: ich sehe das Problem nicht bei den Frauen* (respektive anderen Menschen, die auf der Straße belästigt werden).

Ich sehe das Problem immer bei denen, die Grenzen überschreiten, nicht bei denen, die auf eine Grenzüberschreitung reagieren müssen. Ich richte mich absichtlich an die Aggressoren*, weil ich mich weigere, die Schuld bei den Falschen zu suchen. Und ich richte mich an die Täter*, weil es immer noch viel zu selten geschieht.
Ich will, dass es normal wird, sich an die Täter*innen zu richten. Ich will, dass es als unlogisch empfunden wird, sich mit etwas anderem an Betroffene und Überlebende zu wenden als: “Geht es dir gut? Wie kann ich dir helfen?”. Ich möchte, dass anerkannt wird, wen die Schuld trifft.

“Schuld” klingt sehr pompös. Tatsächlich fällt es Menschen sehr schwer anzuerkennen, dass sie etwas falsch gemacht haben, wenn sie keine bösen Absichten hatten. Deswegen kann ich es auch gerne “Verantwortung” nennen: wenn man Menschen eingeschüchtert, geängstigt oder verletzt hat, trägt man die Verantwortung für die ursächliche Handlung. Intention egal.
Ich möchte betonen: einzugestehen, dass man etwas falsch gemacht hat, ist nicht das Gleiche wie einzugestehen, dass man ein schlechter Mensch ist. Eine verletzende Handlung macht keinen schlechten Menschen. Nicht die Verantwortung zu übernehmen, das macht einen schlechten Menschen aus.

Ja mag sein, ich bin ein bisschen abgeschweift.
Was denke ich nun davon, dass Frauen* (oder von Diskriminierung Betroffene allgemein) sich wehren, ja sogar selber angreifen, zurückschlagen?
Na ja, ich denke: ‘Not my business, aber wenn ich kann, helfe ich gerne dabei.’ You see, ich fühle mich nicht in einer Position Menschen vorzuschreiben, wie sie auf persönliche Angriffe reagieren. Denn selbst nett gemeinte Aufforderungen, die bestärkend (aka empowerend) wirken sollen, werden irgendwann immer gegen die Betroffenen verwendet. Schon mal von victim blaming gehört? Ach was, das hat jede*r schon mal erlebt!
Selbst bei alltäglichkeiten Unglücken wie einer Schürfwunde oder einem verlorenen Schlüssel werden einige Menschen kommen und sagen: “Aber hast du schon mal dran gedacht, Armschützer zu tragen?” – “Du hättest ein Schlüsselband benutzen sollen. Ich benutze immer ein Schlüsselband.” Woraufhin ich denke: ‘What the everloving fuck?! Ich habe eine Verletzung, die tut weh. Ich komme nicht in meine verdammte Wohnung und du gibst mir “Tips”, auf die ich schon vorgestern gekommen bin?’

Ernsthaft, ich muss Frauen* nicht erzählen, was sie tun sollen. Jede*r kennt sir Leben am besten, weiß ob hän Probleme mit Panikattacken hat oder schon so lange im Theater spielt, dass hän sich in der Lage fühlt, jeden Klappspaten auf der Straße zur Schnecke zu machen. Und was unweigerlich passieren wird, wenn ich beginne, Menschen “Ratschläge” zu geben, ist dass die mit den Panikattacken sich schlechter fühlen werden. Und dass es für ihre Umgebung noch akzeptabler wird, sie zu bedrängen, warum sie sich “nie wehren”. Das möchte ich in hundert Jahren nicht.

Dennoch will ich Betroffenen gerne helfen. Und deswegen versuche ich, wann ich kann, Menschen Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sie sich wehren können. Wie diese Artikelserie. Wenn ich tatsächlich Ideen habe, wie ich helfen kann, versuche ich sie z.B. auf diese Art mitzuteilen or hell, mit diesem ganzen Blog! Aber mir ist es wichtig, sie nur im Schaufenster auszustellen und zum Verschenken anzubieten. Ich will keinen High-Pressure-Verkauf¹ auf der Straße machen, bei dem ich Leute belabere, bis sie sich überzeugen lassen. Das erzeugt Druck. Das erzeugt Schuldgefühle und eine “hättest du mal”-Mentalität. Der direkte Vorgänger der “selber Schuld”-Mentalität, die ich wie die Pest meide.

Die andere Art, wie ich versuche Betroffenen zu helfen? Indem ich die Leute anspreche, die Scheiße bauen. Wo keine Ursache, da keine Wirkung und was ist denn effektiver, als gegen die Ursache vorzugehen?

Versteht mich nicht falsch. Sich verteidigen zu können ist toll und kann sehr befreiend sein. Weil unsere Welt scheiße ist, ist das oft sogar die einzige Hilfe, die man bekommt. Aber was die Welt nicht braucht, ist noch eine Person, die Menschen die Pflicht auferlegt, nicht bedroht zu werden. Glaubt mir, auch ohne mich wird Frauen* unaufhörlich nahegelegt, sich Pfefferspray zu besorgen oder eine Trillerpfeife. Ich verschaffe ihnen lieber die Freiheit, weder das eine noch das andere zu kaufen.

1 Es gibt einen Begriff für diese Methoden – und der hier ist definitiv falsch

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