Schlagwort-Archiv: feministische Grundlagen

Die feindliche Außenwelt (Teil 1)

Vielleicht gleich zu Beginn: Ich bin nicht so recht überzeugt, von der Idee der „feindlichen Außenwelt“. Dieses Konstrukt, dass ein Äußeres – wahlweise im Mainstream, Kapital, Bürgertum etc. – und ein Inneres – z.B. im Sub, in politischen Strukturen – definiert, erscheint dadurch seine politische Berechtigung zu haben, dass es aufgebrochen wird. So kann ich beispielsweise heute als Lesbe verhältnismäßig offen leben, da andere vor mir den Schutz des Subs verlassen haben. Gerade in der Schutz-Funktion liegt die persönliche Berechtigung der Teilung. Welche wiederum natürlich politisch ist, doch das tatsächliche Ziel ist halt die „nicht mehr Notwendigkeit“ des Schutz-Gebiets. Gerade diese Differenzierung macht das Sprechen darüber schwierig: Die persönlichen Bedürfnisse und die politischen Ziele wiedersprechen sich, doch liegt gerade darin der politische Sinn: Eben weil gerade dieser Widerspruch zwischen der Wesentlichkeit des Schutzes des Inneren und der Notwendigkeit von dessen Aufbruch das Überhaupt der Politik offenlegt.

Das Überhaupt der Politik liegt für mich in der Problemlösung von zwischenmenschlichen Schwierigkeiten. Egal ob es um Krieg, Gesetzgebung, Naturschutz, Ethik oder „Stimmungswandel“ geht, immer sind es Probleme zwischen und in Menschen, die das Thema auf’s Trapez bringen. Politik ist nichts weiter als eine riesen große Selbsthilfegruppe. Das größte Problem dieser Selbsthilfegruppe ist jedoch, dass wir deren Selbsthilfegruppehaftigkeit nicht sehen (wollen). Stattdessen reden wir lieber über andere, als über uns selbst oder eben diese „Anderen“ reden zu lassen. Das macht unsere Selbsthilfegruppe zu einer schlechten. Indem wir glauben Politik wäre ein „neutrales“ Gebiet, schaffen wir es nicht nur, die vorgefundene Probleme nicht im einvernehmlichen Miteinander anzugehen, sondern wir grenzen auch noch bewusst diese aus, indem wir die Politik für Betroffene der einzelnen Themenfelder, unbetretbar machen, z.B. durch fehlende Triggerwarnungen (Seitenhieb).

Doch mit dem Auflösungswunsch der Fehlinterpretation der Politik als neutral, stoßen wir auf das eingangs genannt Problem: Die Neutralitäts-Doktrin verlangt nach einem Schutz des Inneren gegen die Politik als Äußeres, denn ohne „Neutralität“ lässt sich im als politisch verstandenen Milieu kein Blumentopf gewinnen (RW) und so bleibt die Betroffenheitsperspektive allzu häufig im Schutzgebiet – um ihr trotzdem Gehör zu verschaffen, betreiben wir häufig Stellvertreter_innenpolitik. Die hart erarbeiteten Strategien der Betroffenen werden so „neutral“ wie möglich in die feindliche Außenwelt getragen. Damit dies weitestgehend möglich ist, ist es gerade zu notwendig, dass das Innere sich geeint gibt und die Konflikte des inneren Kreises nicht in die feindliche Außenwelt trägt. Doch ist nicht das Ziel, dass die Außenwelt nicht mehr feindlich ist? Wie lässt sich dieser Wiederspruch auflösen? Wird es den Moment geben, an die Außenwelt wohlgesonnener wirkt? Oder ist es vielmehr ein Raum nehmen, der die Außenwelt verändert?

(Dazu kommt vorraussichtlich irgendwann ein Fortsetzung, aber zunächst hoffe ich auf eine tolle Diskussion.)

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Lesben und Geld

Folgender Text stammt aus einer meiner “alten” Hausarbeiten (von 2009 schätze ich) zu “Geld in feministischen Frauenzusammenhängen”. Ich fand meinen “wissenschaftlich”-verpackten Frust sehr schön und zudem vielleicht auch sonst ganz spannend.

7. Lesben und Geld / lesbische Geldkultur
Auch wenn Lesben Frauen sind, bilden Lesben doch eine sehr eigene Gruppe. Wie die Kapitel 5 und 6 gezeigt haben, wurden die meisten Daten nur in Bezug auf heterosexuelle Frauen erhoben. Ebenso haben Lesben eine eigene Subkultur, sowohl innerhalb von Frauenzusammenhängen, als auch außerhalb.

7.1 Lesben und Geld
Es gibt weder Vertrauens erweckende statistische Erhebungen über die Existenz von Lesben, noch über deren Einkommen in Deutschland.

7.1.1 Statistisches Bundesamt
Eine Onlineabfrage, am 22.10.2009 um 13:05 Uhr, beim statistischen Bundesamt ergab bei den Suchworten „Lesben“, „Lesbe“, „lesbisch“, „lesbische“ und „lesbischen“ keinerlei Treffer. Die Suche nach „Homosexuell“ ergab einen Treffer, der Aufschluss über Straftaten u.a. nach dem Paragraphen 175 aufführt . Damit ist zunächst einmal belegt, dass es homosexuelle Handlungen zwischen Männern gab. Der Paragraph ist inzwischen abgeschafft, so dass darüber und über Homosexualität im Allgemeinen, nach den Daten des statistischen Bundesamts, für den heutigen Zeitpunkt keine Aussagen getroffen werden kann.

7.1.2 Bisher zitierte Statistiken
Die in den Kapiteln 5 und 6 aufgeführten Erhebungen erwecken nicht einmal den Anschein, dass Lesben oder lesbische Paarhaushalte existieren.

(7.1.3. weggelassen)

7.1.4. Gerüchteküche
Die les-bi-schwule Community spricht von 10 % homosexuellen Menschen , teilweise sinkt der prozentuale Wert auf 5 %. Lesben gelten eher als arm, wobei ich noch keine „im Verhältnis zu…“ Aussage gehört habe.
Jedoch gibt es auch Zusammenschlüsse lesbischer Frauen, die als eher wohlhabend gelten, wie z.B. die Wirtschaftsweiber .

7.1.5. Einschätzungen der Ihrsinn
Die „Ihrsinn“ ist eine „radikalfeministische Lesbenzeitschrift“, die von 1990 bis 2004 zweimal im Jahr erschien. 1994 erschien eine Ausgabe zum Thema Lesben und Geld unter dem Titel „Von Klassen und Kassen“. In dieser Ausgabe stellt Ulrike Janz Überlegungen zur ökonomischen Lage von Lesben in Deutschland an.

Zunächst geht sie davon aus, dass die meisten Lesben unverheiratet oder geschieden sind. Des weiteren das Lesben in den Statistiken als allein – stehend gelten, da sie keinen Mann vorweisen können. Es lagen ihr keine Daten vor, wie viele Lesben Kinder haben und damit, mangels Mann, als allein – erziehend gelten. (Die Ausrichtung von Frauen auf (Ehe)-Männer wird mehrfach innerhalb des Artikels als Heterosexismus betitelt.)

Weiterhin führt sie aus, „daß (sic!) für die meisten Lesben in der BRD heute die mannlose Existenz möglich ist“ . Da die so genannten „Frauenberufe“ vom Verdienst auf einen Zusatzverdienst und nicht auf Existenzsicherung ausgerichtet sind, sei die ökonomische Lage von Lesben schwieriger als für heterosexuelle Frauen in Paarbeziehungen.

Alleinerziehende Mütter sind, laut Janz, die Ärmsten der Gesellschaft. Lesbische allein erziehende Mütter kann es nochmals härter treffen, wenn ihr aufgrund ihrer sexuellen Orientierung die familiäre Unterstützung verweigert wird oder von ihr selbst verweigert wird, um nicht von einem Mann, sprich ihrem Vater, abhängig zu sein. Nach Janz ist „die Unabhängigkeit vom (…) Mann (…) eine Grundbedingung ihrer lesbischen Identität“.

Weiterhin wirkt sich möglicherweise das „offen lesbisch leben“ negativ auf die berufliche Situation aus, ebenso die Verweigerung vom weiblichen Rollenmuster nach „Aussehen, Lächeln, vorausgesetzter Verfügbarkeit (…)[, dass] viel zu oft als integrierter Bestandteil der Arbeitskraft Frau betrachtet wird“ .

Trotzdem geht Janz davon aus, dass „junge, gutausgebildete, nichtbehinderte deutsche Lesben in der BRD bessere Chancen einer eigenständigen Existenzsicherung haben, als heterosexuelle verheiratete Frauen“ . Dies vor allem, da kinderlose Lesben keine unbezahlte Reproduktionsarbeit für Kinder und Mann leisten müssen. (Die feministische Ökonomietheorie sieht diese Arbeit als eine der Hauptursachen von Frauenarmut.)

Ebenso führt Janz aus, dass durch die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und dem Anspruch des Arbeitsmarktes auf allzeitige und allseitige Verfügbarkeit, also wenig private und räumliche Verpflichtungen, Lesben die idealen Arbeitnehmerinnen sein könnten, da es bei Ihnen weniger wahrscheinlich sei, dass sie Kinder bekommen oder großziehen und die familiären und räumlichen Verpflichtungen dementsprechend gering sind.

Letztere Einschätzung wurde mir neulich von einer lesbischen Mitarbeiterin einer Personalabteilung bestätigt: Lesben bekommen seltener Kinder, dementsprechend kein Mutterschutz, keine Vertretung und Einarbeitung einer Vertretung in Elternzeit, keine Abrufe der Arbeitnehmerinnen aufgrund von Kindernotfällen etc.. Dementsprechend günstige und weit reichend verfügbare Arbeitskraft.

7.2 Lesbische Geldkultur
„Ist schon bitter, wenn eine nicht mal zur Werbungs-Zielgruppe taugt. Sind wir etwa nicht lesbisch genug um einzukaufen? PROTEST!!!“ wird auf dem lesbischen Blog „L-Talk“ zum Thema „Schwulenwerbung“ gebloggt. Diese positive Haltung zur Einordnung in eine Konsumentinnengruppe ist eher selten.

Häufiger findet sich die Thematisierung einer lesbischen Geldkultur in der Forderung bzw. Fragestellung „Lesbengeld in Lesbenhände“.

7.2.1 Lesbengeld in Lesbenhände
Die radikale Version der Forderung ist die Idee einer eigenständigen lesbischen Ökonomie (siehe dazu: „Lesbian Nation“ von Jill Johnston), eine abgeschwächte Form findet sich in der Forderung bzw. Praxis besonderer Solidarität zwischen Lesben.

Die erste Stiftung für Lesben in Europa ist die Sappho-Stiftung. Deren Motto „Das Vermögen unserer Urgroßmütter haben unsere Großväter geerbt. Das Vermögen unserer Großväter fiel an unsere Väter. Unser Vermögen werden unsere >>Töchter<< erben und es wird in Lesbenhänden bleiben.“ verdeutlicht praktisch die Forderung „Lesbengeld in Lesbenhände“.

Die Idee hinter „Lesbengeld in Lesbenhände“ hat keine allgemeine Verbreitung, wobei diese durchaus bei den „hauptberuflichen Lesben“, also Lesben die mit lesbenspezifischen Angeboten ihren Lebensunterhalt verdienen, Anerkennung findet. So finden sich bei lesbenspezifischen Angeboten immer wieder Forderungen wie „Geld sollte durch Lesbenhände fließen – davon sind wir überzeugt. Wir leisten unseren Anteil daran, indem wir lesbische Unternehmen und Veranstaltungen bewerben. [...] Nutzt die Partnerprogramme von lesben.org!“. Letzteres wurde 2009 von der Betreiberin des größten deutschsprachigen Lesbeninformationsportal Konstanze Gerhard online gestellt.

Ausführlicher äußerte sich eine Gruppe von Standbetreiberinnen des größten jährlichen Lesbentreffens Deutschland, dem Lesbenfrühlingstreffen, die um Wertschätzung seitens der Besucherinnen und Organisatorinnen baten: „Lesben, die sich entschieden haben, (auch) Produkte für Lesben herzustellen, haben eine politische Entscheidung getroffen. Wir sind darauf angewiesen, auf den jeweiligen Lesbenfrühlingstreffen und -wochen verkaufen zu können. [...]Wir wünschen und fordern, daß (sic!) alle Lesben so einfach über unsere Stände stolpern, daß (sic!) das Prinzip “Lesbengeld in Lesbenhände” ohne großen Aufwand umgesetzt werden kann. [...] Auch wenn Lesben wenig Geld haben (Thema für ein Extra-Kapitel …), gibt jede trotzdem mehr oder weniger viel Geld für kulinarische Genüsse aus. Deshalb ist es besonders wichtig, daß (sic!) Lesben für die Essensstände engagiert werden, mit einem so umfassenden Angebot, daß (sic!) die “Konsumentinnen” nicht in die Hetera/o-welt ausschwärmen, um dort ihr Geld zu lassen.“ Mitunterzeichnerin ist keine Geringere als Anke Schäfer, eine der wenigen lesbischen Bundesverdienstkreuzträgerinnen. (leider ist die Quelle nicht mehr online)

7.2.2. Einschätzung von Marie Sichtermann
Marie Sichtermann, Unternehmensberaterin bei „Geld und Rosen“ , führt an, dass ihr bei Lesben keine Verhaltensweisen auffallen, die für sie nicht generell unter frauentypisch fallen. Jedoch hält sie für möglich, dass diese frauentypischen Verhaltensweisen möglicherweise bei Lesben verstärkt werden, da es kein männliches Korrektiv gebe. Nach Sichtermann fehlen größtenteils die politischen Visionen .

Eine kleine Gruppe von Frauen die in der 2. bzw. neuen Frauenbewegung stark involviert waren, bewerten ihrer Meinung nach Geld, nach Geld streben und die Steigerung von Wohlbefinden durch Luxusgüter moralisch negativ.

Eine weitere Gruppe sind die Frauen die Geld mögen, viel dafür arbeiten und es dann sparen. Diese Frauen fühlen sich, nach Sichtermann, arm, insbesondere da sie sich nichts gönnen.

Die beiden genannten Gruppen bilden für Sichtermann die beiden Extrempole. Zwischen diesen liegen viele Frauen mit wenig Geld, insbesondere wenn diese Kinder haben. Weiterhin gebe es Lesben, die vom Familienvermögen ausgeschlossen werden, aber auch viele Frauen mit Geld, die nicht sparen oder ihr Geld für politische Ziele einsetzen.

Die beschriebenen Gruppen treffen laut Sichtermann nur noch selten aufeinander, da sich die Gruppen mit mehr oder mittelmäßig viel Geld separieren. Als gegenläufige Gruppierung bringt Sichtermann SAFIA an.

Mit „Sagen nicht auch die italienischen Philosophinnen , dass wir Frauen einander reichlich zu geben haben, unermessliches miteinander tauschen könnten, Geld sei nur eines von vielen Tauschobjekten? (…)Heute schon was an eine Lesbe verschenkt? “ gibt Sichtermann ihre eigene Vision an. (Sichtermann, Marie: „Happy and rich ?“. In: Lesbenring e.V.: „Lesbenring-Info. Lesben und Geld. Juni/Juli 2008“. Oldenburg, 2008, S. 11-12.)

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Barrierefreiheit im weitesten Sinn

Ich habe mich schon mehrfach hingesetzt, um über meine Erfahrung mit Gruppen- und Veranstaltungsorganisation zu schreiben. Zwei der Themen sind bereits seit einiger Zeit online: “Kritik und Gruppendynamik” und “Methoden der internen Gruppenorganisation”. Diesen Text habe ich bereits vor etwa einem Jahr geschrieben, doch aus Sorge um Vollständigkeit usw. nicht veröffentlicht. Die jetzt wieder aufkeimenden Diskussionen um das Gendercamp haben mich wieder daran erinnert. Ich finde die Diskussionen wichtig, doch hab ich immer das Gefühl, dass “die Welt” komplett neu erfunden wird. Viele der Themen wurden schon in verschiedenen Kontexten diskutiert. Vielleicht hilft eine Wissenweitergabe, um dann mit dieser weiterzuarbeiten. Hier also das, was ich mitbekommen habe:

Die Organisation von Veranstaltungen zu kritisieren ist genauso notwendig wie schwierig. Einerseits sind die Organisator_innen ganz toll, weil sie die Zeit (und das Geld etc.) für die Vorbereitungen aufgebracht haben, andererseits wurden Dinge nicht bedacht, die bedacht hätten werden müssen.

Aus der institutionalisierten Frauenbewegung und anderen Gremien bin ich gewohnt, dass in einer Orga-Gruppe (also die Gruppe, die eine Veranstaltung organisiert) immer wenigstens ein paar Menschen mit Erfahrung sitzen, aber es gibt eben auch Orga-Gruppen, in denen das nicht so ist. Zudem gibt es Orga-Gruppen, welche nicht prioritär Barrierefreiheit und so auf dem Schirm haben und daher diesbezügliche Vorschläge leicht übergehen.

Daher hier meine Zusammenstellung was ich über Barrierefreiheit und so in den letzten 10 Jahren gelernt habe, damit Orga-Menschen und solche, die es werden wollen, von dieser Erfahrung außerhalb von Kritik nach einer Veranstaltung profitieren können. Ich erhebe nicht mal ansatzweise Anspruch auf Vollständigkeit und ebenso wird nicht alles per se richtig sein. Ich neige zu einer egozentrischen Weltsicht und bemühe mich um Offenheit für Kritik und Ergänzungen.

Inhaltsverzeichnis

 

Zielgruppe
Die wenigsten Veranstaltungen heißen „Weiße, reiche, heterosexuelle, monogame, cis Männer ohne Behinderung treffen sich zum Thema X“. Dann würden alle POC, Frauen, nicht-heterosexuelle, nicht-monogame, intersexuelle, nicht-reiche, trans Menschen mit Behinderung (in allen Kombinationen) wissen, dass ihre Anwesenheit nicht erwünscht ist. Kommen diese trotzdem, können sie sich nur darüber beschweren, dass sie weder eingeladen noch in der Veranstaltungsgestaltung bedacht wurden.

Da jedoch die meisten Veranstaltungen die Zielgruppe – wenn überhaupt – nur minimal definieren (z.B. „Nur für Frauen“, „Für die Region X“), müssen eben alle Nicht-Ausgeschlossenen bedacht werden. Das ist sehr schwer und ich habe noch keine perfekte Veranstaltung gesehen.

Wichtig ist, sich bei jeder Frage im Hinterkopf zu halten: „Ich bin nicht der Maßstab!“.
Wahlweise hilft auch bei Vorschlägen mit der Formulierung „Für mich wäre …. gut/nicht gut.“ zu arbeiten und bei anderen Vorschlägen ebenso auf die „ich“-Formulierung zu achten. Generalisieren bringt nicht weiter, als z.B. nicht „Wir können ja (nicht) in einer Turnhalle schlafen“ sondern „Ich kann (nicht) ohne Probleme in einer Turnhalle schlafen“.

Macht Euch Gedanken darüber, wer kommen soll und wer nicht. Gebt das auch bekannt! Wenn ihr keinen Wert auf die Anwesenheit von bestimmten Gruppen legt, schreibt das „Wir legen keinen Wert darauf, dass berufstätige Menschen mit 9-5 Jobs kommen. Daher haben wir das Treffen auf Werktage in diesen Zeitraum gelegt. Wenn 9-5 Jobs Menschen trotzdem kommen, freuen wir uns (nicht), aber (/denn) ihr seid nicht unsere Zielgruppe.“ oder „Unsere Hauptzielgruppe sind Studierende und daher haben wir bei Wahl des Zeitpunkts vor allem auf deren Bedürfnisse geguckt.“. Ihr könnt es nicht für alle perfekt machen, aber es hilft, Menschen vorzuwarnen, ob sie zur (Haupt-) Zielgruppe gehören oder eben nicht.

Natürlich ist es nicht schön, nicht zur Zielgruppe zu gehören. Schlimmer ist aber, zu glauben zur Zielgruppe zu gehören und dann zu erfahren, dass es nicht stimmt. Klare Äußerungen verhindern Gefühle, wie „Ich hab so viel dafür getan hier zu sein und jetzt bin ich gar nicht erwünscht.“ – solche Gefühle produzieren Wut und Enttäuschung.

Zeit & Zeitpunkt
Menschen haben unterschiedlich viel Zeit, unterschiedliche terminliche Verpflichtungen, unterschiedliches Zeitempfinden und unterschiedliche Rhythmen.

Einige Studierende haben in den Semesterferien mehr Zeit, einige weniger. Für einige Menschen bedeuten Wochenenden Freizeit, für Einige nicht. Einige Menschen können Urlaub für Veranstaltungen nehmen, andere nicht oder brauchen ihren Urlaub für anderes. Einige haben abends Verpflichtungen, andere haben Freizeit. Einige haben Tags  Verpflichtungen, Einige nicht. Einige haben zu sehr unterschiedlichen Zeiten Verpflichtungen. Einige können sich mehrere Stunden konzentrieren, Einige brauchen häufiger und/oder größere Pausen. Einige können nachts besser arbeiten, andere tagsüber. Einige brauchen mehr, andere weniger Schlaf. Einige können sich nur kleinere Zeiträume freischaufeln, Einige mehr. Einige können langfristig planen, Einige nur kurzfristig.

Wenn also mehrere Menschen zur gleichen Zeit am gleichen Ort (physisch oder virtuell) sein sollen, kann es nicht allen Recht gemacht werden – insbesondere bei großen Gruppen. Natürlich gibt es viele Menschen, die an Wochenenden Freizeit für Veranstaltungen haben, aber es sind eben nicht alle.

Bekanntgabe des Termins & Anmeldung
Je frühzeitiger ein Termin bekannt gegeben wird, desto wahrscheinlicher, dass viele Menschen es einplanen können. Desto kurzfristiger eine Anmeldung möglich ist, desto flexibler ist die Zeitplanung für Menschen mit vielen und/oder flexiblen Verpflichtungen.

Zeitplan
Wenn von Vornherein klar ist, wann angefangen und aufgehört wird, können sich Menschen zumindest darauf einstellen. Den Zeitplan einzuhalten, hilft Menschen, die darauf angewiesen sind. Nicht einfach später anfangen, nicht einfach später aufhören, usw. Alle Menschen die da sind, wollen dabei sein und haben dafür ein organisatorisches Drumherum in Kauf genommen. Einige davon, werden sehr „pünktlich“ geplant haben, damit sie da sein können. Einfach „länger zu machen“ sagt denen, die pünktlich gehen müssen, dass auf ihre Anwesenheit verzichtet werden kann.

Pausen
Menschen sind unterschiedlich belastungsfähig. Regelmäßige Pausen einzuplanen hilft z.B. weniger Belastungsfähigen ungemein. Einigen jedoch werden die angebotenen Pausen zu wenig sein, hier hilft es entweder die Möglichkeit über eine Geschäftsordnung mehr Pausen zu schaffen und/oder allen freizustellen, ob sie alle Veranstaltungsteile besuchen. Falls nichts über eine Teilnahmepflicht (im Vorhinein) bekannt ist, hilft es nicht Teilnehmer_innen Abwesenheit vorzuwerfen.

Dauer der Veranstaltung
Unglaublich schwierig. Denn für Einige ist mehr Zeit besser, für Andere nicht. Zumindest wäre es gut bekannt zu geben, ob eine Anwesenheitspflicht für die gesamte Dauer besteht. Falls nicht: Nicht vorwerfen oder bewerten, wenn Menschen früher gehen/später kommen.

Zeitpunkt
Es gibt keinen perfekten Zeitpunkt. Abwesenheit ist daher nicht nur eine Frage des Interesses. Die Forderung nach einem anderen Zeitpunkt ist nicht unverschämt, sondern berechtigt. Aber ja, es kann nicht für alle der perfekte Termin gefunden werden.

Bei nicht-einmaligen Veranstaltungen hilft es teilweise, den Zeitpunkt zu wechseln – insbesondere wenn die definierte Hauptzielgruppe nicht zeitspezifisch ist.

Kinderbetreuung
Kinderbetreuung ermöglicht es Elternteilen unabhängig vom Geldbeutel und Kinderversorgung teilzunehmen.

Ebenso: Kinderbetreuung kann für junge Menschen, die von Veranstaltungen ausgeschlossen werden sollen oder nicht teilnehmen wollen, ein alternatives Angebot sein. (Edit dank kiturak)

Veranstaltungsort
Wo etwas stattfindet, bedingt die Erreichbarkeit, die Fahrtkosten und die Anreisezeit. Nicht alle Menschen können gleich viel Zeit und Geld für die Anreise aufbringen und nicht alle Menschen nutzen die gleichen Transportmittel.

Ebenso: Berlin ist für PoC safer als andere Orte sowie Bahnhöfe, die ohne Regionalbahnen erreichbar sind. (Edit dank Mrsnextmatch)

Transportmittel
Gibt es Wege den Veranstaltungsort mit Bus und Bahn zu erreichen? Sind die Aus- und Einstiege Barrierefrei? Wie weit sind die Fußwege? Sind die Fußwege kurz genug, für Menschen, die nicht gut zu Fuß sind? Muss geshuttelt werden und wurde bei der Wahl des Shuttlefahrzeugs u.a. auf Rolli-Bedürfnisse geachtet?

Gibt es Parkplätze in Gebäudenähe? Sind Parkplätze in direkter Nähe Menschen mit entsprechenden Bedürfnissen vorbehalten? (Nicht alle Menschen kommen aus „Luxusgründen“ mit dem PKW.)

Fahrtkostenunterstützung / Wechsel des Veranstaltungsorts
Insbesondere bei nicht-regional-beschränkten Veranstaltungen ist die Finanzierung der Anreise ein Problem, aber auch Nahverkehrskosten können das Budget einiger Menschen sprengen.

Ein Weg damit umzugehen, ist finanzielle Mittel zu akquirieren, um die Fahrtkosten der Teilnehmer_innen zu übernehmen oder teilweise zu übernehmen. Das geht z.B. über Stiftungen, Teilnahmebeiträge, Spenden usw. Vorher angeben, ob, wann und wieviel Fahrtkosten übernommen werden können.

Eine andere/zusätzliche Möglichkeit ist bei öfter stattfindenden Veranstaltungen den Ort zu wechseln, umso die Kosten der Anreise allen Teilnehmer_innen einmal aufzubürden. Damit können zwar nicht immer alle kommen, aber zumindest manchmal. Der Ortswechsel sollte wenn möglich im gesamten Einzugsgebiet der Zielgruppe erfolgen, also z.B. bei bundesweiten Veranstaltungen nicht zwischen Mainz und Wiesbaden hin- und herwechseln, sondern mal in Mainz, mal in Potsdam, mal in Freiburg, mal in Görlitz usw.
Der Wechsel des Veranstaltungsorts verteilt auch die Anreisezeit.

Gebäude (Ort)
Einen Ort für einen Veranstaltung zu finden ist schon allein aus finanziellen Gründen schwierig. Das Stattfinden der Veranstaltung über die Zugänglichkeit, Erreichbarkeit und Barrierefreiheit zu stellen, ist jedoch ein starker Diskriminierungsfaktor, denn es sagt „Auf Euch können wir verzichten“ ohne dies über die Zielgruppe der Veranstaltung begründet zu haben.

Ausschilderung
Nicht alle Menschen haben einen Orientierungssinn. Nicht alle Menschen können es sich leisten, Wege für das Suchen des richtigen Wegs zurückzulegen oder ihre Zeit mit Suchen zu verbringen. Daher ausschildern, ausschildern, ausschildern: Von der Bushaltestelle zum Gebäude, die treppenlosen Wege, die Wege über Treppen, die Veranstaltungsräume, die Toiletten und Rolli-Toiletten, die Schlafplätze, etc.

Treppenfreie Wege
Ob Krücken, Rolli, kaputte Knie, Rheuma…: Treppen machen es für Viele schwierig bis unmöglich zu kommen. Daher keine Veranstaltungsräume ohne treppenfreien Zugang. „Tragen“ ist keine Alternative, denn es macht abhängig.

Rauchfrei
Nicht nur für Asthmatiker_innen ist es wichtig rauchfreie Veranstaltungsräume und Aufenthaltsorte zu haben. Mehr Pausen sind nicht nur für Raucher_innen gut (s. Pausen).

Schlafplätze
Schlafen auf dem Boden, in Gruppenunterkünften usw. macht es für Einige schwierig bis unmöglich zu kommen. Daher verschiedene Formen von Schlafplätzen anbieten, welche nicht vom Geldbeutel der Teilnehmer_innen abhängig sind.

Essen & Trinken
Menschen müssen Essen und Trinken und das kann ohne eigene Küche teuer werden. Daher kann Essen und Getränke gegen Teilnahmebeitrag, umsonst oder Pauschale angeboten werden. Doch was?

Aufgrund von Allergien, veganen und vegetarischen Ernährungsweisen und anderen Einschränkungen können nicht alle alles essen. Daher ist „Eintopf“ eine schlechte Lösung. Besser ist es, leicht trennbare Lebensmittel anzubieten. Sei es Brot (glutenfreies Brot nicht vergessen), Aufschnitt usw. oder Nudeln/Reis, Gemüsearten, Soßen, Fleisch usw. Schlicht: Möglichst wenig zusammen schmeißen. Wahlweise kann auch einfach die Küche Essenwünsche entgegennehmen, was jedoch meist teurer ist. Ebenso läuft’s mit Getränken.

Sprache
Welche Sprachen werden gesprochen? Ob Deutsch, Kroatisch, Gebärdensprachen, Akademiker_innensprech, einfache Sprache etc. Wenigstens ankündigen was die Hauptsprache/n ist/sind und welche Übersetzungen angeboten werden. Nicht auf den Geldbeutel der Individuen setzen, dass diese ja ihre eigenen Dolmetscher_innen mitbringen können.

Teilnahmebeiträge
Festpreise für die Teilnahme werden Menschen von einer Veranstaltung fern halten. Nach festgelegten Kriterien die Teilnahmebeiträge zu staffeln, wird Menschen ausschließen, deren finanzielle Lage nicht von den festgelegten Kriterien abhängt. Selbsteinschätzungspreise sind ein guter Weg diesen Problem aus dem Weg zu gehen, doch muss der Sinn dieser transportiert werden. Nach meiner Erfahrung zahlen häufiger die mehr, die weniger haben.

Verwaltung akquirierte Mittel
Über finanzielle Unterstützung, Teilnahmebeiträgen, Spenden usw. steht einer Orga-Gruppe ein Betrag X zur Verfügung. Voraussichtlich wird dieser nicht für alles reichen. Wofür also das Geld ausgeben?

Von den vermeintlichen Bedürfnissen der angenommenen Mehrheit der Teilnehmer_innen auszugehen, produziert in der Regel, dass diese „Mehrheit“ auch entsteht. Es ist also eine selbsterfüllende Prophezeiung, wenn „plötzlich“ alle wunschlos glücklich sind.

Alles Geld auf eine „Karte“ zu setzen, also z.B. nur das Essen zu bezahlen oder nur die Schlafplätze, produziert Ausschlüsse. Ebenso werden Menschen ausgeschlossen, wenn Sonderkosten für „spezielle“ Bedürfnisse erhoben oder in Kauf genommen werden.

Eine Einsparmöglichkeit ist Mehrkosten nur auf Wunsch in Kauf zu nehmen, doch damit werden Menschen gezwungen eine Sonderrolle einzunehmen. „Auf Nachfrage wird … zur Verfügung gestellt“ ist also kein Pluspunkt, sondern höchstens kein Minuspunkt.

Helfer_innenzeiten
Eine Möglichkeit Geld zu sparen ist Helfer_innenzeiten zu vereinbaren, z.B. für das Kochen, Übersetzungen, Aufräumen, Putzen, Abholdienste, Assistenz etc. Diese können jedoch nicht verpflichtend sein, z.B. da Menschen unterschiedlich Belastungsfähig sind, und sollten nach der Bereitschaft der Helfer_innen vergeben werden. Also nicht einfach Menschen zu bestimmten Diensten einteilen, sondern auf deren Aussage hin, was sie machen wollen. Genauso wenig, wie alle Menschen übersetzen können, können alle körperlicher Arbeit usw. nachgehen. Die Aufforderung zu benennen, warum sie etwas nicht können, produziert Ausschlüsse.

 

Fragen, Kritik, Ergänzungen usw. sind unglaublich willkommen!

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Wie verhalte ich mich möglichst nicht wie ein Arsch?

Schlagwörter: feministische Grundlagen – street harassment – Don’t be that asshole – Frauen*

[Triggernde Worte und Beschreibung von street harassment und anderen Formen der (sexuellen) Belästigung folgend]
Im Folgenden geht es aufgrund des Themas um Interaktionen zwischen Personen, die männlich wirken und Personen, die sich als weiblich identifizieren.


Street harassment ist unglaublich anstrengend, nervtötend und einschüchternd für Betroffene, also was tun, wenn Mann* doch mal eine Frau* ansprechen will?

Dieses Thema wurde in mindestens einem [Trigger Warnung für Titel des verlinkten Posts] englischsprachigen Artikel, der inzwischen recht bekannt ist, behandelt, aber ich werde dennoch im Geiste meines letzten Artikels zu street harassment darauf eingehen.

Man stelle sich vor, man ist unterwegs. In der Bahn oder zu Fuß, vielleicht mit dem Fahrrad oder dem Auto. Man hat ein Ziel, denn man muss zur Arbeit, einkaufen, möchte Freund*innen treffen oder endlich nach Hause, um sich entspannen zu können. Vielleicht ist man auch unterwegs, um sich dabei zu entspannen. Sehr unwahrscheinlich ist, dass man sich im öffentlichen Raum bewegt, um Menschen kennen zu lernen.
Nun wird man unterbrochen. Eine hoffentlich freundlich wirkende Person spricht eine* an.
Bereits in diesem Moment gibt es viele Umgebungsbedingungen, die beeinflussen, wie die Interaktion auf die Angesprochene wirken wird.

Aber gehen wir einen Moment zurück in der Zeit.

Die angesprochene Person ist in einer rape culture aufgewachsen. Ihr wurde von klein auf vermittelt, dass sie zu bestimmten Tageszeiten, in bestimmten Umgebungen, mit bestimmter Kleidung und in bestimmten Situationen vorsichtig sein muss, “damit ihr nichts geschieht”. Ihr wurde vermittelt, dass fremde Männer* eine Gefahrenquelle sind.
Leider wird sie aber nahezu unausweichlich nicht nur dieses theoretische Training erhalten haben, sondern auch ein praktisches. Sie wird erlebt haben, wie sie anzüglich oder mit Abscheu im Blick angestarrt wird, ihr hinterhergerufen oder sie angehupt wurde. Oft auch Einschneidenderes.
Wenn man bereits erlebt hat, wie die körperliche oder sexuelle Selbstbestimmung auf die eine oder andere Art verletzt wurde, wird man eine natürliche Reaktion darauf zeigen: man versucht zu verhindern, dass es noch einmal geschieht und befindet sich in einer Situation, die als gefährlich wahrgenommen wird, in Alarmbereitschaft.

Das klingt jetzt alles sehr negativ und deprimierend, aber wenn dich das überraschend trifft, kann ich nur sagen: Grüß dich, Privileg.

Also kommen wir dazu, welche Faktoren, die du beeinflussen kannst, bestimmen wie du während eines Gesprächs wahrgenommen wirst.

-> Umgebung
Vorzugsweise befindet ihr euch in der Hörweite von einigen anderen Menschen (die nicht unter dem Einfluss von Rauschmitteln stehen oder ein “Frauen sind scheiße”-Plakat herumtragen), je mehr desto besser. Öffentliche Verkehrsmittel, offene Plätze oder überfüllte Einkaufspassagen sind in der Hinsicht positiv.

-> Fluchtweg
Das klingt wieder sehr bedrohlich, ist aber nicht von der Hand zu weisen. Niemand möchte sich fühlen, als wäre hän in einer ausweglosen Situation. Fang also kein Gespräch mit einer Frau* an, die an einem Fensterplatz sitzt, während du den Weg zum Gang versperrst.

-> Körperhaltung
Abstand ist zentral. Je mehr Platz zwischen dir und ihr ist, umso besser. Menschen variieren im Empfinden, was für sie im Gespräch die beste Entfernung zueinander ist. Im Zweifelsfall wird sie auf dich zukommen.
Das gilt übrigens generell in öffentlichen Verkehrsmitteln, denn wenn ich kuscheln will, gehe ich damit zu Personen, die ich mag und die Lust drauf haben, nicht zu meinem Sitznachbarn.

-> Easy out
Da davon auszugehen ist, dass “Dich unterwegs kennelernen” nicht auf ihrer heutigen ToDo-Liste stand, halte das Gespräch kurz und biete ihr eine einfache Möglichkeit, es zu beenden. Wenn du nur nach dem Weg/der Uhrzeit fragen möchtest, belass’ es auch dabei und verwickel’ sie nicht in ein Gespräch, weil sie so freundlich wirkte.
Wenn du sie gerne treffen möchtest, biete ihr deine Nummer/E-Mail-Adresse/Twitternamen an. (Wenn sie Nein dazu sagt, ist das in Ordnung und du beendest das Gespräch höflich.)

-> Enthusiasmus ist key
Achte darauf, wie sie reagiert und wie viel sie von sich aus sagt. Freundlichkeit allein ist kein Zeichen von Interesse oder Freude am Gespräch, es ist mehr oder weniger der weiblich sozialisierte Default-Wert. Eine rege enthusiastische Beteiligung am Gespräch (das heißt nicht, nur auf Fragen zu antworten!) ist z.B. ein klareres Zeichen von Interesse.
Wenn sie allerdings schon zu Begin des Gesprächs bedrückt, ängstlich, aggressiv oder abweisend wirkt, beende es so schnell wie möglich. Zu versuchen sie von deiner Nettigkeit zu überzeugen wirkt nur aufdringlich (und stellt deine Nettigkeit ernstlich in Frage, schließlich hat sie nicht um das Gespräch gebeten).

-> Muss das wirklich sein?
Zu Beginn einer Interaktion, sollte immer die Frage stehen: ist das wirklich wichtig? Frauen*, an denen du vorbeigehst, müssen überhaupt nicht wissen, wie attraktiv du sie findest.

Tatsache ist: keine Frau* schuldet dir ihre Freundlichkeit oder Interesse und nicht einmal ihre Aufmerksamkeit. Wenn du Frauen* kennenlernen möchtest, tust du das am besten in Kontexten, die dafür geschaffen sind, wie Partys, Clubs¹ oder noch besser: Dating-Webseiten. Aber auch wenn du ehrlich nur nach der Uhrzeit oder dem Weg fragen möchtest, hat die Angesprochene jedes Recht nicht mit dir sprechen zu wollen. Du weißt nicht, was sie schon erlebt hat und sie muss sich nicht rechtfertigen.

1 Editiert am 25.05.2012, Wie ich mehrfach korrekt daraufhingewiesen wurde, sind Partys und Clubs (oder während des Urlaubs oder im Park) eben keine Orte, um Frauen* bedenkenlos anzumachen, weil es die Orte sind, an denen es am häufigsten und vor allem aufdringlichsten geschieht. Sie sind zur Entspannung geschaffen und daher sollte im Blick behalten werden, dass es nicht für jede Frau* “Entspannung” ist, angemacht zu werden – erst recht nicht, wenn es in einer übergriffigen Weise geschieht, wie ich in meinem Artikel zu street harassment beschrieb oder auch oben (bedrängen, isolieren, zulabern).

Crossposted auf High on Clichés

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