Schlagwort-Archiv: Gefühle

Hier streitet die Redaktion – über Gefühle

Gefühlsäußerungen haben im internen Forum mehrfach zu Problemen geführt und wir finden die Diskussion auf der Metaebene dazu sehr wichtig, weshalb wir sie öffentlich führen möchten.

In der Regel sind wir uns einig, dass Gefühle wie Wut, Ärger usw. einfach zu einer Diskussion und vor allem zu Diskriminierungserfahrungen dazu gehören. Deshalb lehnen wir das tone-argument ab.

Doch haben wir die Erfahrung gemacht, dass einige Gefühlsäußerungen triggern oder verschieden interpretiert werden, so dass ein Streit oder eine Diskussion dadurch scheinbar derailt wird. Gleichzeitig besteht die Frage, inwiefern Abwehrreaktionen mit der Ablehung von bestimmten Gefühlsäußerungen damit zusammenhängen.
Generell ist ebenso unklar, wozu Gefühlsäußerungen überhaupt gut sind.

  • Kleine Anmerkung: Dies ist unser erste Versuch öffentlich und geplant zu streiten und zu diskutieren. We “make up the rules as we go along” (Wittgenstein, Philosophische Untersuchungen 83)…
  • Stephanie lässt sich von Dr. autistic Summer imitieren.

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Aus den Hinterzimmern (3) – Interne Streits und der Hive Mind

Seit dem letzten Hinterzimmerbericht haben wir viel Zeit damit verbracht uns im internen Forum zu kloppen, ein Streit folgte dem nächsten. Neben einigen Randthemen beschäftigen uns zur Zeit dauerhaft drei Themen: Wie treffen wir Entscheidungen, wie und warum reden wir über Gefühle und wie gehen wir mit –ismus-fails um.

Die „Wie treffen wir Entscheidungen“-Geschichte zeigte uns, dass es gar nicht so einfach ist, mit verschiedenen Bedürfnissen umzugehen. So waren wir zunächst dabei generelle Regeln zu suchen, um z.B. irgendwas für die Veröffentlichung frei zu geben. Nach einigen Miss- und Unverständnissen haben wir uns gegen allgemeine und für persönliche Regeln entschieden, also jede_r bestimmt, wann und wie er_sie in eine Entscheidung einbezogen werden möchte. Mal schauen, wann die Vorgehensweise crashed.

Aufgrund unseres ersten epic-ismus-fails beraten wir über die Frage, wie wir mit –ismus-fails umgehen wollen, inklusive Abwehrverhalten und so weiter. Erstaunlicherweise haben wir dafür kein Allheilmittel, aber hey, drüber reden…

Damit durchaus zusammenhängend, jedoch aus einem persönlichen Streit geboren, wollen wir demnächst öffentlich auf der Meta-Ebene über Gefühlsäußerungen streiten. Stay tuned ;-) .

Vermutlich haben wir bereits die Entscheidung getroffen (siehe „Ahh, wie treffen wir Entscheidungen?“), dass wir neu Hinzukommenden eine Gnadenzeit geben wollen, in der sie mitentscheiden können, aber nicht müssen. Dann kann sich erstmal durch’s Forum gewühlt werden usw.

Wir sind die Borg – NOT
Vielleicht sind wir alle ein bisschen verwundert darüber, dass wir takeover.beta-Leuts gerne als homogene Gruppe wahrgenommen und angesprochen werden. Nachdem wir im letzten Hinterzimmerbericht uns schon zur Mädchenmannschaft-Geschichte geäußert haben, aus „Macht und Redaktion“ hervorgeht, dass wir von Uneinigkeit ausgehen und wir gerne die Artikel Anderer auf takeover.beta meist kritisierend kommentieren, dachten zumindest einige von uns schon, dass das Thema ad Acta gelegt werden kann. Dem ist wohl nicht so.
Also nochmal ausdrücklicher: Bisher mögen wir uns gegenseitig und schätzen die Artikel und Positionierungen der jeweils anderen. „Schätzen“ heißt jedoch nicht 100%-Zustimmung.


[Zusammenstellung: Szenen aus Star Trek - The Next Generation, insbesondere "Star Trek: First Contact". INHALTSWARNUNG: Kolonialismus-Parallelen. Transcript folgt unten. kiturak]

Ebenso kommt es vor, dass wir einander – im Forum oder per E-Mail – darum bitten, ein Auge auf eine Kommentar-Diskussion zu werfen, an der wir gerade teilnehmen. Damit kann es also zusammenhängen, wenn mehrere takeover.beta-Leute in einer Diskussion auftreten. Dies bedeutet aber nicht, dass eine gemeinsame Meinung vertreten oder Agenda verfolgt wird. Wer anwesend ist, ist das immer noch als “Privatperson” (oder “Individuum mit Einzelmeinung” oder whatever) und vertritt keine “Blog-Meinung”. Es gibt auch keine Regel sich hinter andere takeover.beta-Leuts zu stellen, auch nicht bei Hilferufen. Dass wir uns gerne auch miteinander prügeln, haben wir hoffentlich hinlänglich gezeigt.
Weiterhin geht mit dem Mitmachen bei takeover.beta keine Übernahme von „Feindschaften“, Animositäten etc. der anderen Beteiligten einher.

Gibt’s dazu noch Fragen? Bitte gerne kommentieren, damit wir zukünftig die „hivemind“, „braintwin“, „Du = Ihr“-Zuschreibungen ein für allemal klären können.

[Transcript Video:
BORG: We are Borg. You will be assimilated.
LOCUTUS/ JEAN-LUC PICARD: I am Locutus of Borg. Resistance is futile. Your life as it has been is over. From this time forward you will service us.
BORG: You will be assimilated.
LOCUTUS/PICARD: Resistance is futile.
BORG (andere Stimme): We are the Borg. Lower your shields, surrender your ships. We will add your biological and technological distinctiveness to our own. Your culture will adapt to service us. Resistance is futile.
Hintergrundinfo Borg: memory alpha wiki – englisch wikipedia – deutsch]

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RPS: Interesse

Bevor ich mich den Einzelbeispielen widme, ist noch eine weitere Grundlage des Right Planet Syndromes zu klären. Wie bereits aus der Anpassungsdruck-Problematik erahnbar ist, geht mit dem Right Planet Syndrome eine Welt- und Selbstwahrnehmung einher, die es Neurotypischen beinahe unmöglich macht, Interesse zu empfinden. Interesse ist ein Gefühl, das bedingt, ob etwas erfahren, kennengelernt oder erlernt werden möchte.

Es gibt zwei Theorien, welche versuchen zu klären, wie es sich mit diesem Gefühl für Menschen mit Right Planet Syndrome verhält:

Theorie A: Menschen mit Right Planet Syndrome scheint das Gefühl „Interesse“ gänzlich unbekannt zu sein und wird von diesen daher durch die Kalkulation von Eigenbedürfnissen ersetzt. So werden Neurotypische häufig als manipulativ wahrgenommen, da sie eben keine klare Aussagen über ihr Interesse an Themen oder Menschen machen können, sondern das fehlende Bewusstsein für Interesse durch Verschleierungstaktiken zugunsten ihres Eigeninteresses kaschieren. Daher werden zum Beispiel aufgrund von romantischen Bedürfnissen, gemeinsame Interessen vorgetäuscht, was bereits in zahlreichen Spielfilmen problematisiert wurde.

Theorie B: Menschen mit Right Planet Syndrome wird einerseits über ihr Syndrom und andererseits über den Anpassungsdruck beständig suggeriert, dass ihre Interessens-Gefühle, den Interessens-Gefühlen ihr Mitmenschen gleichen. Dadurch stellt es für sie eine extreme Verunsicherung dar, wenn sie zumindest scheinbar nicht ebenso Interesse empfinden. Dies führt insbesondere in sozialen Beziehungen zu Problemen, zum Beispiel: Unterhaltungen werden geführt, obwohl das Thema zumindest für eine Partei uninteressant ist; aus mangelndem Interesse wird nur unzulänglich zugehört; sexuelle Beziehungen werden als romantisch deklariert (und umgekehrt).

Ob nun Theorie A oder Theorie B zutrifft, ist es in beiden Fällen wesentlich, Menschen mit Right Planet Syndrome eine Brücke zu bauen, durch welche sie benennen können, was sie bewegt, damit sie sich und ihre Mitmenschen angstfrei kennenlernen können. Davon hätten auch wir im Alltag und in der Therapie einen erheblichen Vorteil: Endlich nicht mehr raten zu müssen, worum es ihnen wirklich geht.

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