Schlagwort-Archiv: Intersektionalität

Call for Ideas: FemoCo2013 – die Gemeinsame Konferenz zu Feminismen of Color in Deutschland

Hier gehts zur Webseite. Diese Information hat mir übrigens den Tag gerettet. :) Ich bin sehr gespannt darauf.

Im Ankündigungstext steht(english version below):

FemoCo2013, die „Gemeinsame Konferenz zu Feminismen of Color in Deutschland“ (Arbeitstitel), ist eine Konferenz von und für uns. Wir, das sind alle Frauen, Trans* und Inter*, die sich als Schwarze, of Color, als jüdisch, im Exil lebend, als Sinti und Roma oder als Migrant_in verstehen. Die Konferenz wird am 5. und 6. September 20137. und 8.September(verschoben) in Berlin stattfinden.
Wenn du Ideen und Vorschläge hast, was du dir auf der Konferenz Feminismen of Color wünschst, mach mit beim Call for Ideas! Mehr Info hierzu sowie zur Konferenz und eine Vorlage für deinen Ideenvorschlag findest du im Anhang sowie auf http://femoco2013.jimdo.com/.
Bitte schick deine Idee bis zum 18. März an femoco2013@gmail.com. Anfang April ist auch ein gemeinsames Meeting zur Besprechung der Vorschläge und zum gemeinsamen Kennenlernen geplant.

Mit Dank und Bitte um Weiterleitung
das FemoCo2013-Organisationsteam

*Bitte beachte: Die Teilnahme an der Konferenz sowie am Call for Ideas ist nur möglich, wenn du zur *Zielgruppe* gehörst. Angehörige der weißen Mehrheitsgesellschaft und Cis-Männer sind von der Teilnahme an der Konferenz und am Call ausgeschlossen.
**Gerne kannst du den Aufruf über deine Netzwerke, an Freund_innen und Bekannte streuen. Wir möchten möglichst viele Frauen, Trans* und Inter* of Color erreichen.

- – - English Version:

FemoCo2013, the „Gemeinsame Konferenz zu Feminismen of Color in Deutschland“ or the „Collaborative Conference on Feminisms of Color“ (working titles), is a conference for us and by us. „Us“ refers to all Women, Trans* and Inter* that recognize themselves to be Black, of Color, Jewish, living in exile, Sinti and Roma or Migrants. The Conference will be held from 5 – 6 September 2013 in Berlin.

If you have an idea or suggestion of what you wish to have at the conference, participate in the Call of Ideas! More information to the conference and the call as well as a template are attached and can also be found at http://femoco2013.jimdo.com/.

Please send your suggestions to femoco2013@gmail.com by 18th of March. An input.gathering is also planned for early April in order to discuss all ideas and get to know each other better.

Any forwarding of this call is very appreciated.

Kind regards

the FemoCo2013 organising team

* Please note: Participation in the Call for Ideas is restricted to those belonging to the conference ‘target group’. Members of the white
majority and cis-men are excluded from participation.
** Please distribute this Call for Ideas throughout your networks, to friends and acquaintances. We hope to reach as many Women, Trans* and Inter* of Color as possible.

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[TW] You can stop r**e: Schritt 6 – Diskriminierung bekämpfen

Auch erschienen auf High on Clichés

<< Schritt 5

Schlagwörter: r**e culture – sexualisierte Gewalt – Diskriminierung – Intersektionalität

Wie ich damals in Teil 1 recht planlos schrieb, kann man sexualisierte Gewalt bekämpfen, indem man sexistische Schimpfwörter nicht mehr nutzt. Ich möchte auf diesem Punkt aufbauen und ihn erweitern:

Wenn du sexualisierte Gewalt bekämpfen willst, ist der Kampf gegen Diskriminierung an sich unumgänglich.

Sexismus

Sexismus ist hier vielleicht das offensichtlichste Beispiel: wenn die Meinung und Selbstbestimmung von Frauen* als zu vernachlässigen wahrgenommen wird, wenn Menschen mit Gebärmutter nicht alleine über ihren Körper verfügen dürfen, wenn man durch Werbung glauben könnte, Brüste existieren als eigenständige Lebensform, weil so selten ein zugehöriger Kopf gezeigt wird, hat das einen Effekt darauf, wie wir weiblich gelesene Menschen wahrnehmen und behandeln.
Die daraus entstehende herablassende Haltung wird nicht vor der Wohnungstür abgestreift, sondern in Beziehungen und Familien hineingetragen. (Wir erinnern uns: sexualisierte Gewalt wird zu einem großen Prozentsatz von Menschen verübt, die den Betroffenen bekannt sind.)
Genauso werden sexistische Haltungen zementiert und in die nächste Generationen getragen, indem sie von der Werbung, den Medien, Institutionen und auf der Straße (Stichwort Street Harassment) wieder und wieder abgespult werden.
Dieser für weiblich gelesene Menschen bedrohliche Gesamtzustand lässt sich nicht (nur) dadurch auflösen, dass wir alle fleißig Consent praktizieren, denn nur ein kleiner Prozentsatz aller Menschen weiß überhaupt um das Konzept. Wir brauchen stattdessen ein entschlossenes Vorgehen gegen jede Form von Sexismus, vor allem auch mit Unterstützung der Menschen, die nicht täglich davon betroffen sind.

Aber da hört es nicht auf

Es reicht nicht, sich nur gegen Sexismus stark zu machen.
Sexualisierte Gewalt wird immer dort begünstigt, wo Menschen Menschenrechte vorenthalten werden. Das ist bei jeder Form von Diskriminierung der Fall.

Sehen wir uns an, was passiert, wenn Rassismus Sexismus trifft: wer hat nicht von den rassistischen Stereotypen der feurigen Südländerin, exotischen Asiatin oder osteuropäischen Sexarbeiterin* gehört? Frauen* werden dabei schon schlicht durch die (vermutete) Herkunft ihrer Vorfahr*innen in einen sexualisierten Kontext gerückt. Aber nicht nur die damit verbundenen Anfeindungen und Übergriffe sind ein gefährlicher Faktor, vor allem auch rassistische Mechanismen in der Gesellschaft selbst.
Frauen* of Color werden häufiger als weiße Frauen* in Ausbildungsstätten, Ämtern und bei der Arbeit diskriminiert, wodurch sie es u.a. schwerer haben, finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen. Finanzielle Unabhängigkeit ist jedoch wichtig, um sich z.B. von einer*m gewalttätigen Partner*in zu trennen. Für einige Frauen* sind Sprachbarrieren und der Aufenthaltsstatus selbst ein Hindernis dabei Hilfe oder rechtlichen Beistand zu erhalten; Entsprechend hoch (sh. PDF) ist der Anteil von Migrantinnen* und Frauen* of Color in Frauen*häusern.
Nicht zuletzt die Absurdität sich an einen rassistischen Polizeiapparat wenden zu müssen, der bei sexualisierter Gewalt ohnehin unzuverlässig arbeitet, verschlechtert die Lage weiter.

Diese Gedanken lassen sich aber, wie gesagt, für jede Form von Diskriminierung durchspielen.
Menschen mit Behinderung sind wesentlich gefährdeter, als Menschen ohne Behinderung. QUILT*BAG-Menschen sind Belästigung auf der Straße und menschenrechts-verletztendem Verhalten der Polizei ausgesetzt. Es fehlt selbst das grundlegende gesellschaftliche Verständnis, dass sexualisierte Gewalt nicht einfach aus der Formel “Cis-Mann greift Cis-Frau an” besteht.
Kinder und Jugendliche stehen häufig in einer Abhängigkeits-Beziehung zu den Täter*innen. Dazu kommt noch einiges: Sie gelten als wenig glaubwürdig, oft haben sie keinen Vergleich für die Behandlung, die ihnen widerfährt. Woran eine (emotional, körperliche, sexualisiert) gewalttätige Behandlung erkennen, wenn die Hauptbezugsperson erklärt, dass alles seine Richtigkeit hat?

Am Ende ist es so, dass jede Form von Diskriminierung die Betroffenen angreifbarer für sexualisierte Gewalt macht. Willst du sexualisierte Gewalt bekämpfen, dann lerne diskriminierendes Verhalten zu erkennen und greife ein – bei dir selbst und bei anderen.

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Feminism mit Schmerz und Schwarzer

Meine Timeline auf Twitter las sich vorgestern so: Allgemeine Empörung(tm) von Feministinnen*. Auf @radioeins wurde behauptet, es gäbe ja eh nur Alice Schwarzer die in Deutschland wirke und nach ihr keine andere Feministin*.

Die Wut einiger darüber kann ich sehr gut verstehen. Bei anderen ist mein Mitgefühl begrenzt.

Liebe Feministinnen*, die ihr euch unbeachtet fühlt: Kritik an Schwarzer ist bäräh-chtigt, das wissen wir alle. Aber bevor ihr euch vornehmlich an ihr abarbeitet, also an einer, an der das echt ne leichte Aufgabe ist; eine die offen zu Rassismen wie der Forderung nach ,,Assimilation” steht und den Islam als Bedrohung für die Zivilisation darstellt; achtet doch darauf, wo ihr selber daran mitwirkt, andere Menschen innerhalb der Bewegung auszugrenzen und unsichtbar zu machen. Das ist etwas, woran wir alle noch arbeiten müssen. Ich auch. Und das ist auch etwas, was vielen Menschen wehtut. Und nicht nur Schwarzers Variante.

Schwarzer zu kritisieren ist easy. Ich hab das auch schon geschafft. Aber was wir lernen müssen und was schwieriger ist: Sich selber der Kritik stellen. Nicht mit Beißreflexen reagieren. Oder genauso schwierig: Lernen, die eigenen Freund*innen zu kritisieren, wenn sie failen. Denn wir alle haben den Bullshit verinnerlicht.

Stellt euch vor, ich hätte gestern einigen geantwortet, wie mir und anderen Menschen beim Thema Klassismus geantwortet wurde. Ich gehe dabei mal darauf ein, was Nadia v.a. in ihrem Artikel an die taz schrieb und der von vielen gefeiert wurde (und nein, Nadia, ich lasse hier mal nicht los). ,,Die Schwarzer kämpft für euch da draußen, während ihr es hier in eurer Bubble schön kuschlig habt.” Stellt euch vor, ich hätte gesagt auf euer Bemühen hin, Formen von Rassismus sichtbar zu machen: ,,Es gibt ja eh fast nur deutsche Feministinnen* in der feministischen Bewegung.” Das wäre nicht okay gewesen. Ihr wäret zu Recht wütend geworden. Und dann hätte euch noch jemensch gesagt: Sag das bitte netter, sonst provozierst du ja nur, dass ich dir nicht zuhöre. Das hat Antje Schrupp gebracht.

Nein, mensch kann Rassismus und Klassismus nicht gleichsetzen. Muss ich auch nicht. Klassismus IST eine Form von Ausgrenzung und ist für viele unter uns spürbar. Und niemand muss dazu Bourdieu studiert haben, um das zu wissen. Ich weiß, wie emanzipatorisch Bildung sein kann; ich weiß, wie wichtig mir gerade als von Rassismus Betroffene Bildung gewesen ist und noch immer ist. Aber es bleibt dabei: Wichtig ist, nicht stehenzubleiben dabei, sondern diese Form von Ermächtigung zu reflektieren.

Nadia schreibt in etwa: Wenn die EMMA mich nicht braucht, brauche ich die EMMA und Alice Schwarzer auch nicht.
Seriously, Nadia? Ich mein, mit der Schwarzer gebe ich dir zu 100% Recht; ich find die scheiße. Aber was denkst du, wie es mir mit dir geht?

Eine Feministin zitierte vor kurzem Flavia Dzodan von Tiger Beatdown, die schrieb:

,,My feminism will be intersectional or it will be Bullshit. /
Mein Feminismus wird entweder intersektionell sein oder er ist Bullshit.”

Oder Vegans of Color, in deren Blogtitel steht:

,,Because we don’t have the luxury of being single-issue.” /
Sinngemäß etwa: Weil wir nicht den Luxus genießen, uns nur mit einer Form von Diskriminierung beschäftigen zu können.

Wieso schreib ich das alles. Ich habe heute einen Brief von der EMMA bekommen. Vor zwei Monaten oder so habe ich mein Abo gekündigt und den Grund dafür in meiner Mail angegeben: Rassismus.

Die EMMA schreibt:

,,Wir sind sicher, dass Ihnen Ihr Abonnement der Zeitschrift EMMA viel Freude bereitet und wertvolle Informationen vermittelt hat.”

Bullshit.

Ich bin im ,,Frauenkirche”-Verteiler. Gestern gingen antimuslimische Emails rum, die von der ,Mehrheit muslimischer Männer” redeten, die alle ihre Frauen* schlagen. Und dass ja Änderung nur von den “intellektuellen europäischen Zirkeln” ausgehen würde. Ich reagiere und bekomme die Abwehrreaktionen eurozentrischer Elitengläubigkeit. Zitat: ,,Antimuslimischen Rassismus lasse ich mir nicht vorwerfen!” und ,,die Eliten müssen anfangen … Es waren auch die Eliten, die zur Aufklärung geführt haben!” und dass muslimische Frauen in Europa das Glück haben, das ihnen hier Bildung offensteht: ,, (wenn es ihre Eltern zulassen!!!)!”

Und das von Feministinnen*. Wieder und wieder.

Bullshit.

Das alles ist kein Hobby von mir oder anderen. Die letzten Wochen sind voll gewesen mit dieser Scheiße. Ihr regt mich auf.

- – -

Ellenlanges Derailing wird erst gar nicht veröffenlicht.

Crossposted bei Rumbaumeln.

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Antwort auf “Wo ist eigentlich dieser Elfenbeinturm und in welchem Zimmer wohne ich?” von Nadine Lantzsch

Hinweis: Im Artikel schreibe ich ein rassistisches Wort aus, um es zu erklären.

Ich hab grad diesen neuen Artikel auf Medienelite gelesen und mich geärgert, deshalb blog ich jetzt auch mal was.

Ich nenn gleich mal das größte Problem, das ich damit habe: Dass auf Kritik verwiesen wird, die dann aber nicht zugeordnet oder belegt wird. Das ist ne ganz miese Tour, so macht man sich nämlich unangreifbar: Wer sich angesprochen fühlt, ist eh schuldig. Wer sich nicht angesprochen fühlt, ist eh einverstanden. Ich werd deshalb gleich mal was aufklären, was eigentlich erst später im Artikel steht: Die Person, die sich über den Begriff “epistemische Gewalt” beschwert hat, ist unsere* übertrieben supertolle kiturak! Viele bunte <3 <3 <3 an dieser Stelle! Das kann man alles hier auf Facebook nachlesen.

Dieses hinterhältige Nicht-Zitieren hat noch einen weiteren “Vorteil”: Die Kritiker_innen lassen sich hervorragend weißwaschen. Ich lass das mal so stehen, denn um sinnvoll zu widersprechen, müsste ich ja wissen, wer gemeint ist. Merkt ihr was? Ach, ich helf euch: Genau einen Tag vor Nadine Lantzsch hat die einzigartige Bäumchen einen unfassbar wichtigen Artikel zu Klassismus geschrieben (Lesen! Am besten jetzt, vor dem Quatsch hier! Kommentare auch lesen!). Und da wurde bisher mehr so mäßig bis gar nicht drauf reagiert.
Jedenfalls beschließe ich wegen dieser ganzen Fragezeichen, mich einfach von dem kompletten Artikel angegriffen zu fühlen. Zitate sind fett gedruckt. Viel Spaß, geht los:

Oft lese ich Kritik und gewinne den Eindruck, es ginge nur um die Kritik der Kritik willen …

Unpolitisch und psychologisierend. Sagen sowas nicht immer die Masku-Trolle, die Feminist_innen angreifen? Egal, jetzt kommt das erste Argument:

Es wird Sprache kritisiert, die unverständlich ist, aber es wird nicht eingeordnet, was das für Sprache ist und wo sie herkommt, wie sie sich einbettet in ein bestimmtes Herrschaftswissen (oder eben auch Widerstandswissen), wie dieses Wissen und diese Sprache zustande kommt.

Auch hier bleibt die Kritik, die sich ja erstmal total einleuchtend anhört, virtuell. Weil sie einfach in die Luft geschossen wird, ohne Ziel. Nee, auch nicht, kiturak war ja schon ein ganz eindeutiges Ziel. Dann vielleicht: Ohne dass das Ziel bekannt wäre. Trotzdem, ab hier war ich neugierig – was ist dieses Widerstandswissen? Warum ist es wichtig? Wer hat es, wer kann es bekommen?

Erstmal kommt aber ein kleiner Schwenk ins Grundsätzliche:

Warum sich auf einmal in die Kritik eines Machtverhältnis ein fieser liberalistischer Grundgedanke einschleicht und jeder Hinweis auf die Gefahr der Gleichsetzung von sozialen Positioniertheiten mit “Spiel keine oppression olympics!” vom Tisch gefegt wird.

Den Teil fand ich sehr kryptisch. Da hätte ein konkretes Beispiel bestimmt geholfen, kann ja auch ein erfundenes sein. Liberalismus ist scheiße, Oppression Olympics auch, der Zusammenhang ist mir völlig unklar. Ich sag auch gerne mal was gegen Oppression Olympics, deshalb hätt ich die Stelle gern verstanden – wenns jemand erklären könnte, wär das toll.

Jetzt kommt viel von Lantzschs eigenem Leben und wie sie zu einer antiklassistischen Praxis gefunden hat. Sie kommt dann auf “studierte junge Menschen, vielleicht auch aus studierten Elternhäusern”, die ihr bei Vorträgen wegen ihrer Sprache Klassismus vorwerfen. Ich versuch das ja alles zu entschlüsseln, und ich denke mal, hier geht es definitiv nicht mehr um Leute, die ich kenne oder mit denen ich zu tun habe. Ich kenne offline jedenfalls kaum studierte Menschen, und meine großartigen Mitblogger_innen können auch nicht gemeint sein, weil die keinen “neoliberalem Sprech” draufhaben.

Dann gehts darum, dass Lantzsch das Wissen von der Uni weiterverbreitet, indem sie z.B. bloggt. Hier bin ich auch wieder nicht ganz sicher, aber ich glaube, sie sieht das Bloggen als antiklassistische Praxis, weil sie damit ja Leuten hilft, die nicht studiert haben. Find ich ziemlich komisch, aber nicht so wichtig, weil:

Auch dann kommt wieder der Klassismusvorwurf um die Ecke, weil ich nicht immer Alltagssprache benutze.

Undankbares Pack! Da gibt man sich sone Mühe, und dann?! Naja, eh nicht: Sie behauptet ja, die Kritiker_innen seien gar nicht von Klassismus betroffen. LOL. “Nicht immer Alltagssprache” ist ne harte Untertreibung. Diesen Artikel von Lantzsch konnt ich ganz gut lesen, andere: Not so much. Alltagssprache sei “rassistisch, sexistisch usw geprägt und dominiert”. Normal, aber deshalb muss man doch nicht rumakademisieren. Krieg ich doch auch hin! Klar, die *ismen muss und musste ich mir abgewöhnen, das war und ist harte Arbeit. Das hat aber nen Scheiß mit dem Sprachniveau zu tun, ich versteh überhaupt nicht, wie man auf sowas kommt. Ich meine, gehts hier um “je niedriger die Klasse desto größer der Rassismus”? Sind Akademiker_innen weniger sexistisch? Ist “Migrationshintergrund” weniger widerlich als das K-Wort? (Das steht für das rassistische Schimpfwort “Kanake”.)

Warum soll ich Wissen von Theoretiker_innen of color umlabeln, umschreiben und umsprechen, so dass es auch jede weiße Person begreift? Warum wird Wissen von Theoretiker_innen of color als “Fremd”wörter fremddefiniert?

Bahnhof. Um welche Wörter gehts hier? Englische Sachen vielleicht? Spaß, es geht natürlich um die fantastische KITURAK! Also, um das oben erwähnte Zitat von Facebook.

Und warum beschweren sich weiße Personen aus Akademikerhaushalten, dass sie auf postkolonial verorteten Konferenzen das Wort “epistemische Gewalt” nicht verstanden haben … Während Wikipedia eigentlich die Antwort auf dem Silbertablett serviert?

Ich will hier nochmal betonen, was für ne unfassbar widerliche Tour das ist, jemanden so anzugreifen, dass nur sie* und ein paar wenige Eingeweihte es verstehen können. Aber zur Kritik: Wenn ich Wikipedia frage, kommt was krass Unverständliches über “Epistemologie”. Das soll ein Silbertablett sein?! Letztens konnte mir jemand “epistemische Gewalt” erklären, es bedeutet sowas wie “Wissensgewalt” oder “Gewalt durch Wissensproduktion”. Weil.. ein Epistel ein Brief ist. (Korrigiert mich bitte, wenn das völliger Quatsch ist.) Ich denke, das soll jetzt ein Beispiel für einen Begriff aus dem Widerstandswissen sein. Er ist ganz klar akademisch, lateinisch, für Außenstehende nicht verständlich. Kein Plan, warum das kein Fremdwort sein soll. Man kann so einen Begriff hinterfragen. Spoiler: Ich bin weder weiß noch akademisch, die Keule zieht also nicht.

Warum wird hier Klassismus gegen Rassismus ausgespielt, während es in der Mehrheit von Rassismus betroffene Menschen sind, die sich mit “ethnischer Unterschichtung”, Sozialchauvinismus und der Bewertung ihrer nationalökonomischen Verwertbarkeit rumschlagen müssen …

AAAAAH anstrengend. Denkt sie denn, die Menschen, für die sie da spricht (Achtung: bei anderen ist das was Schlechtes), verstehen den ganzen Scheiß? Gibts doch nicht. Aber es ist noch nicht vorbei, hier:

Warum wird widerständiges antisexistisches, antirassistisches Wissen zur Angriffsfläche von Klassismuskritik und nicht die sexistischen und rassistischen Wissensproduktionen irgendwelcher weißen Theoretiker … Warum werden nicht vornehmlich linke Theoriemacker bei Seite genommen …

Immer das Gleiche: Nestbeschmutzerin*! Wir müssen zusammenhalten! Du machst unsere schöne Bewegung kaputt! Die da drüben sind viel schlimmer! Das kann man doch echt nicht mehr bringen. Trololol, und woanders müssense hungern.. Aus.

Wichtige Hinweise: Das takeoverbeta-Team haftet nicht für Samia. Das ist übrigens immer so und bei allen, außer bei gemeinsam veröffentlichten Posts wie den Hinterzimmerberichten.
Die üblichen Lantzsch-Haters brauchens gar nicht erst versuchen, ihr seid hier immer schon raus. Sollte uns jemand durchrutschen, weil er_sie sich verstellt, sagt Bescheid, dann fliegt er_sie nachträglich raus.

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Umgang mit Abwesenheit

In der Veranstaltungs-, Aktions- und Gruppenorganisation ist die Frage nach den Abwesenden ein leidiges Thema. Nicht weil die Frage schlimm ist, sondern weil die Antwort darauf spekulativ und jede Umgangsform mit den theoretischen Antworten zwar praktische Konsequenzen hat, aber nicht unbedingt eben die gewollten Auswirkungen.

Nehmen wir als Beispiel eine fiktive Gruppe zum Thema X. Die Zielgruppe ist also thematisch auf X beschränkt. In der Gruppenzusammensetzung finden sich nur Menschen ohne sichtbare Behinderung, nach Analyse stellt sich heraus, dass die Abwesenheit derjenigen nicht am Thema liegen kann. Es stellt sich heraus, dass der Gruppentreffpunkt kontraproduktiv für die Anwesenheit der in den Blick genommen Abwesenden ist – beispielsweise weil sich der Ort im fünften Stock ohne Aufzug befindet. Der Ort wird also zugunsten eines barrierefreieren Ort verändert. Die anvisierten Abwesenden bleiben abwesend. Die Analyse geht weiter und es stellt sich heraus, dass die Gruppenwerbung ausschließlich über barriereschrottige Wege erfolgt, z.B. nur über Flyer, die zwar auch online gestellt werden, jedoch als Bild. Die Gruppenwerbung wird entsprechend überarbeitet und die Abwesenden bleiben abwesend. Die Analyse geht weiter…

Ehrlich gesagt, läuft das immer so. Ich habe selten Fälle erlebt, in der es tatsächlich funktioniert. Meistens ist es schwierig, eine bestehende Gruppe inklusiver zu gestalten. Bei Gruppenneugründungen läuft’s nicht viel besser. Warum kann ich nicht so genau sagen, denn die Abwesenden sprechen selten. Deswegen bin ich für jede Kritik dankbar, denn wenn sich eine_r die Mühe macht, eine spezifische Gruppe zu kritisieren, hat die Gruppe eine erhebliche Chance, da sie nicht im luftleeren Raum rumanalysieren muss, sondern direkt auf etwas eingehen kann. Doch diese Dankbarkeit seitens Gruppen findet sich selten. Nicht nur deswegen ist schwer und erfahrungsgemäß demotivierend Kritik zu üben. Wie also kann ein kritikbegrüßender Raum geschaffen werden?

Negativbeispiele gibt’s viele, Antje Schrupp ist gerade auf einen aktuellen Fall eingegangen. Wie jedoch steht’s um die Projekte, die versuchen, kritikbegrüßend zu sein? Besonders schwierig ist dies nicht nur aufgrund von Abwehrreflexen, sondern auch bei die Vorerfahrung Kritikübender negativ sind. So ist es umso schwieriger, einen kritikbegrüßenden Raum zu schaffen, der gleichzeitig auch das „Nicht mehr sprechen wollen“ durch die Negativerfahrungen ausbügelt. Für dieses Ausbügeln gibt’s jedoch keinen heilversprechenden Weg, jedenfalls ist mir keiner bekannt.

Der kritikbegrüßende Raum kann vermutlich nicht perfekt sein und die Anspruchüberprüfung mangelt gerade an der fehlenden Perfektion. Wie kann ein Raum, der beispielweise mir nicht das Gefühl gibt, meine Kritik hören zu wollen, dafür von mir kritisiert werden? Eher gar nicht, doch wie soll dieser dann besser werden? Dieses Problem taucht zudem immer akut auf, heißt, eigentlich gibt’s was Kritikwürdiges, nur kann die Kritik nicht ohne Kritik am Umgang mit der Kritik geäußert werden…

Ein Indikator für eine derartige Situation ist Schweigen oder eben Abwesenheit. Wenn ich Stimmen nicht höre, gibt’s dafür eventuell einen Grund und dieser Grund könnte von meiner Seite ungewollt sein. Doch ob dem so ist oder nicht, kann eigentlich nur durch Versuch-und-Irrtum geklärt werden. Heißt: Thematisieren, an eventuellen Barrieren arbeiten oder eben vorrauseilenden Terror machen. Kein Weg ist unbestritten gut, kein Weg führt zwangsläufig ans Ziel.

Ein Beispiel dafür findet sich rund um die Diskussion der MM-Geburtstagsparty. accalmie, Sabine und Nadia haben einen Artikel geschrieben, der u.a. besagt, dass „vorrauseilenden Terror“ machen in Kommentardiskussion, in denen scheinbar Menschen nicht sprechen bzw. abwesend sind, für Allys von PoC kein guter Weg ist (so hab ich‘s verstanden, aber ich kann mich irren), also in ihren Worten: “Wir müssen nicht von Euch gerettet werden“. In ihrem Artikel wiederum thematisieren sie, dass nicht able-bodied Menschen sich nur wenig von der MM-Party angesprochen fühlen, also großteils „abwesend“ waren. Dieses Thematisieren kritisiert Rike wiederum als übergriffig. Es finden sich also zwei Fälle vom Umgang mit Abwesenheit, die beide (berechtigt) kritisiert wurden.

Ich würde gerne darüber reden, wie mit Abwesenheit irgendwie produktiv umgegangen werden kann oder ob das gar nicht sein soll? Ich weiß, dass ich gerne meine Wünsche zum Umgang mit meiner Abwesenheit auf andere übertrage, aber das kann auch nicht der Weg sein? Wie geht ihr mit Abwesenheit anderer und eigener Abwesenheit um? Sehe ich das alles falsch? Was soll/kann takeover.beta anders machen? Gibt’s weitere Positiv-/Negativ-Beispiele? Ähm, so viele Fragen…

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Adultismus – Wer sind die Bösen?

Crossposted auf High on Clichés

Schlagwörter: Intersektionalität – Eltern – Kinder – Adultismus – unsere Gesellschaft – Familie

[Meine Lektüre: Erich Fromm (so lala), Arno Gruen (okay), Alice Miller (schon besser), Marshall Rosenberg (dazu komme ich später)]

Wenn Kinder sehr klein sind, sind sie abhängig von einer Bezugsperson/Bezugspersonen. Sie sind es in physischer Hinsicht, aber auch in emotionaler. Diese Bezugspersonen helfen ihnen idealerweise, ein Sinn für das eigene Ich zu entwickeln, dafür dass ihre Bedürfnisse zählen und wichtig sind und dass sie selbst liebenswert sind. Im Wortsinne: es wert, geliebt zu werden.
Mit zunehmendem Alter vollzieht sich eine Trennung von der Bezugsperson. Wenn die Beziehung funktioniert, ist die irgendwann vollständig: man steht sich als getrennte Personen gegenüber, die die Bedürfnisse der jeweils anderen anerkennen und für ihre eigenen eintreten.
Oft funktioniert es nicht.

Familie wird dennoch als der Nährboden für alles Gute dargestellt. “Blut ist dicker als Wasser” und all dieser Unsinn. Ich habe jedoch bewusst “Bezugsperson” und nichts von Eltern geschrieben, denn es besteht keine Notwendigkeit, dass dies (leibliche) Eltern oder ein Mann* und eine Frau* sein müssen. So weit mir bekannt ist, müssen es auch nicht zwei Personen sein oder nicht nur zwei. Was ein Kind aber braucht, ist, wie Alice Miller es nennt, ein*e Zeug*in. Eine Person (oder mehrere), die vermittelt, was ich im ersten Absatz beschrieb. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: das Leben mit leiblichen Eltern garantiert kein*e Zeug*in.

Warum die Einleitung?

Es gibt wenige Themen, die es einer*m so schwer machen können, den Durchblick zu erhalten. Weil die menschliche Psyche zu einem guten Teil daran glauben muss, dass die eigenen Eltern/Bezugspersonen gut waren. Das ist der Grund, warum einige Kinder nicht einfach davonlaufen, wenn sie 18 werden (also die meisten, meine ich), obwohl ihre Familie sie von außen betrachtet furchtbar behandelt haben. – Selbst diese Betrachtung von außen wird oft erschwert, weil man dran gewöhnt ist, “Schrulligkeiten” in einer Familie eher zu dulden, auch wenn sie zwischen Partner*innen als emotionale oder körperliche Misshandlung eingestuft würden. Unter anderem natürlich auch wegen Adultismus selbst: weil Kindern keine körperliche und seelische Autonomie zugestanden wird.
Was ich sagen will: Familie und besonders Eltern sind in unserer Gesellschaft stark mit Bedeutung aufgeladen, die der Gesundung von vielen Kindern, [edit]die Probleme haben[/edit], im Wege steht und auch die Betrachtung von Adultismus erschwert, weil schmerzhaft macht. (“Kinder” ist hier durchaus als “alle Personen mit Eltern/Bezugspersonen” gemeint – also auch Menschen weit über 18. Wenn ich von der Betroffenheit durch Adultismus schreibe, spreche ich aber nur von Personen bis 18.)

Heißt es immer Eltern vs. Kinder?

Jein. Auf der persönlichen Ebene haben Eltern¹ tatsächlich eine sehr wichtige Position, die ich oben erklärt habe: das emotionale Wohlbefinden der Kinder hängt von ihnen ab. Aber Adultismus² bezieht sich meinem Verständnis nach vor allem auf gesellschaftliche Strukturen, die Eltern z.B. moralisch in ihrer Machtposition bestärken. Damit meine ich konkret, Entscheidungen “für” statt mit ihren Kindern zu treffen, ihnen Vorschriften zu machen, ihren Lebensweg bis zur Vollendung des 18. Lebensjahr vorzuzeichnen.
Eltern haben gesellschaftliche Rückendeckung dabei, über das Leben einer anderen Person zu bestimmen.

Das bedeutet aber im Umkehrschluss, dass gesellschaftliche Strukturen stark bestimmen, inwiefern ein Kind anti-adultistisch behandelt werden kann.
Auch Eltern, die ihrem Kind auf Augenhöhe begegnen möchten, müssen der Schuldpflicht nachkommen, können ihre Kinder keine wichtigen Dokumente selbst unterzeichnen lassen, bevor sie volljährig sind, können ihre Kinder nicht wählen schicken usw.

Eine andere Frage ist die nach sich überschneidenden Diskriminierungen der Eltern. Wie wirkt sich das auf die Fähigkeit der Eltern aus, ihr Kind anti-adultistisch zu behandeln? Meiner Meinung nach: so gut wie nicht. Es ist korrekt, dass z.B. Alleinerziehende/Geringerverdiener*innen mit mehreren Jobs schlicht und ergreifend weniger Zeit mit den Kindern verbringen können und gerecht ist das nicht (aus einer gesellschaftlichen Perspektive). Es hat aber keinen Einfluss darauf, wie (sprich: auf welche Art, nicht wie oft) die Eltern mit dem Kind umgehen. Ob sie si:hn an Entscheidungen beteiligen oder ob sie über siren Kopf hinweg entscheiden.
Anklagen wie Rabenmutterschaft und all das fällt zu einem guten Teil unter Sexismus und nicht Adultismus. Oft für das Kind nicht erreichbar zu sein, macht noch keine adultistischen Eltern. Es kann die Eltern-Kind-Beziehung schädigen, aber hier wäre die Schuldigkeit tatsächlich nicht bei Adultismus zu suchen, sondern bei den klassistischen, rassistischen und ableistischen Strukturen unserer Gesellschaft, die den Eltern verwehren, mehr Zeit mit den Kindern zu verbringen.
Jedoch: Kinder werden oft als Anschaffung betrachtet. Man plant sie ins Leben ein und dann sind sie da und man freut sich. Weniger beachtet wird, ob sie etwas zum Freuen haben. Viel zu viele Eltern sind meiner Meinung nach emotional überhaupt nicht in der Lage, damit umzugehen. Kinder als Accessoir oder Haustier? Adultistisch.

Dadurch, dass ich Adultismus mit der Einleitung vermischt habe, habe ich die Themen ein wenig vermengt. Ich weiß nicht, ob es als adultistisch zählt Kinder aufgrund von äußeren Umständen z.B. zeitlich zu vernachlässigen. Dies ist ein Thema für ein andermal, wenn ich vielleicht mehr weiß.

Ich habe noch einige relevante Links durch/von takeover.beta, hoffe aber, die in einem der nächsten Artikel einfügen zu können.

1 …/Bezugspersonen” bitte ab hier dazudenken
2 Wobei zu beachten ist, dass das Konzept des Adultismus sich stark auf Weiße bezieht. Weiteres bei accalmie. (Warnung Adultismus)
3 Ich habe diese Autor*innen vor 2 bis 5 Jahren gelesen. Ich lese sie, bis auf Alice Miller, gar nicht mehr, aus Gründen.™ Sie stehen nicht da oben, weil ich sie empfehlen will (siehe Klammern), sondern weil ich mir, unter anderem anhand dieser Bücher, eine Meinung gebildet habe. Diese ist im Artikel nachzulesen. Ich kann aber nicht mehr sagen, welche*r Autor*in konkret welche Meinung beeinflusste, daher habe ich sie alle aufgelistet.

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://takeoverbeta.de/2012/08/adultismus-wer-sind-die-boesen/

Motivation, Wohltätigkeit und Antidiskriminierungspolitik

Seit einiger Zeit stelle ich mir die Frage, warum ich’s eigentlich keine Menschen diskriminieren, ausschließen, beleidigen und benachteiligen möchte. Solange ich ausschließlich im Betroffenheitsbereich war – als Lesbe und Frau ist ja genug zu tun – war das kein Problem, ich kämpfte schlicht für mich, selbst wenn ich selbst nur peripher betroffen war. Doch mit dem intersektionellem Ansatz kam eben nicht nur die Frage auf, wie ich als Adressatin von Betroffenheitspolitik von Menschen deren Merkmale ich nicht teile, umgehen soll, sondern auch warum mir „die Anderen“ am Herzen liegen.

Gerade bei –ismen von denen ich positiv bedacht werde, finde ich keinen Grund mich kritisch zu meinen Privilegien zu stellen, ohne Wohltätigkeitsattitüden an den Tag zu legen. Wohltätigkeit  ist jedoch nicht nur keine gute Idee, siehe z.B. white charity, sondern ist auch ein andauerndes othern, ein Verweis auf „die Anderen“ die einer_m dann „am Herzen liegen“ können, die im Falle des Falles einfach nicht Teil der eigenen Gruppe sind, nur „bedacht“ werden können usw. Wohltätigkeit ist daher für mich keine Grundlage für politisch-gesellschaftliches Engagement.

Zu meinen Gedanken zu der Konstruktion von „ich und die Anderen“ schreibe ich ein andermal mehr, jetzt möchte ich den Fokus auf die Frage legen, wie sich Wohltätigkeitsdenken verhindern lassen könnte.  Warum ich generell alles, was mit Altruismus verbunden werden könnte, für zunächst keine gute Idee halte, habe ich bereits geschrieben und ich neige dazu, die Wohltätigkeitsfalle mit einem „kapitalistischen“ Egoismus-Modell zu umgehen:

Ich gehe davon aus, dass Menschen Einfluss auf mein Leben haben und ich habe ein ziemlich großes Interesse daran, dass dieser Einfluss mir nicht auf die Nerven geht. Das ist nicht nur die Motivationsgrundlage für mein antisexistisches und antihetereosexistisches Engagement, sondern eben auch für anti-istisches Engagement in Bereichen, von denen ich positiv betroffen bin. Auf einer ganz banalen Ebene habe ich ein großes Interesse daran, dass mir mein Auto nicht geklaut wird, mir Mitmenschen nicht die Hölle heiß machen und ich mich um viele Belange nicht selbst kümmern muss. Das bedeutet für mich, dass kein Mensch einen Grund haben sollte, mein Auto zu klauen (weil er_sie selbst eins haben oder eine äquivalente Einnahmequelle zur Verfügung steht); dass ich meine Mitmenschen nicht scheiße behandele, damit diese nicht wütend auf mich sind; und dass die gesellschaftlichen Organe, die sich um vielseitige gesellschaftliche Probleme kümmern (von Polizei bis freie Initiativen) gute Arbeit leisten und keinen Bockmist verzapfen.

Da ist nicht unbedingt eine umfassende Systemkritik drin, kann aber daraus abgeleitet werden, je nach dem, wie die_der Jeweilige glaubt, dass das „nicht auf die Nerven gehen“ am besten umgesetzt werden kann. Weiterhin heißt „nicht auf die Nerven gehen“, dass ich keiner_m auf die Nerven gehen soll oder dass der Wunsch, nicht auf die Nerven gegangen zu werden allzeit Berechtigung hat. Es ist nur eine Grundlage für einen beginnenden sozialen, gesellschaftlichen und/oder kleingruppenbezogenen Einigungsprozess. Ohne auf eine Version von „Ich kümmere mich um Dich, Du armes Ding“ zu verfallen.

Zwei Anmerkungen:

  • Dies ist ein unfertiges Gedankengang-Ding. Ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist, so wie ich das vorschlage und bin daher dankbar für Diskussion und Kritik.
  • Dies ist irgendwie auch eine Antwort auf diesen Kommentar von AusDerBaum.

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Auf dem Weg zur Perfektion oder Altruismus verhindert Altruismus

Unter Leuten, die sich mit Intersektionalität beschäftigen, beobachte ich immer wieder Gespräche, die in einer „Wenn ich’s nichts richtig machen kann, darf ich dann überhaupt noch was machen?“-Schleife enden. Es gibt eine gewisse Grundverzweiflung, für dich ich drei Ursachen/Fehlschlüsse vermute.

Das erste, noch am leichtesten verständliche Ding ist, dass keine_r „nichts“ machen kann. Jede Aktion, auch das Unterlassen einer Handlung, ist eine Aktion. Wenn ich nichts mehr schreibe, nichts mehr sage usw. hat dies eine Aussage. Wie Wittgenstein und Lyotard es ausdrücken „Schweigen ist ein Satz“. Das bedeutet jedoch auch, dass es keinen Weg gibt, das „nicht richtig machen können“ über eine „Passive“-Handlung zu verhindern. Meines Erachtens ist es hier besser, eine „aktive“ Handlung vorzuziehen, da „passive“ Handlungen vielseitiger interpretierbar sind und somit eine größeren als falsch-interpretierbaren Spielraum haben.

Das zweite und wohl am meisten diskutierte Ding ist, dass „richtig“ ein sehr schwammiger Begriff ist. Das sind so Diskussionen nach dem Motto „Wäre es nicht richtiger, wenn…“ bzw. „Wie gehe ich besser mit den eigenen Privilegien um?“. Das Problem hieran ist nicht, dass die Diskussion und die Fragestellungen nicht zweckdienlich sind, sondern dass sie die Grundverzweiflung nicht einschränken. Scheinbar ist das Ziel der Auseinandersetzung Perfektion zu erreichen und diese Perfektion besteht nicht darin, Fehler bewusst zu machen. Eigentlich wissen ja alle, dass die gesellschaftlichen Probleme – gerade in -istischen Fragen – nicht von einer Person, die „alles richtig macht“ zu lösen sind. Das hindert uns jedoch nicht daran, trotzdem nach jeder dieser Diskussionen ein horrendes Bedürfnis nach Verdrängungswerkzeugen wie Alkohol, Schokolade oder Fernsehen zu entwickeln.
Ich glaube nicht, dass die Grundverzweiflung eine gute, beizubehaltende Idee ist. Sie macht Aktivist_innen müde, depressiv und/oder demotiviert. Ich denke, dass Beste was wir tun können, ist die Idee der Perfektion dahingehend aufzugeben, dass wir die Fehler in den Vordergrund stellen und nicht die Positivbeispiele. Dafür jedoch halte ich es für notwendig, auch die Idee des Altruismus aufzugeben. Womit ich zum dritten Ding komme:

Zumindest mir wurde gerade in meiner Jugend beständig vermittelt, dass es diese tollen, selbstlosen Menschen gibt, die „einfach so“ ihr Leben irgendeiner Sache gewidmet haben und dafür „am Besten“ auch noch in den Tod gegangen sind. In den unzähligen Schuldiskussion zu diesem Altruismus habe ich jedes mal gesagt, dass ich glaube, dass sie das aus reinem Egoismus getan haben, nämlich mindestens in der Hoffnung darauf, irgendwann von der Nachwelt dafür bewundert zu werden. Das Problem an der Altruismus-Konstruktion ist für mich, dass Altruismus motivationslos zu erfolgen hat. Dementsprechend ist die Frage, warum sollte ich altruistisch handeln?

Aus dieser Motivationslosigkeit des viel bewunderten Altruismus folgen dann Gespräche, wie sie vielleicht jede_r Aktivist_in kennt: Bewundernde Äußerungen seitens nicht oder wenig aktiven Menschen, wie „Ich find’s so toll, was Du alles machst. Ich könnte das nicht.“. Solche Äußerungen machen mich aggressiv, ich antworte darauf mal mit einer Version von „Super, mehr Blumen und Anerkennung für mich.“ und mal, dass es halt eine Frage von Prioritäten ist (Natürlich gibt es selbstgewählte und erzwungene Prioritäten, Engagement ist nicht frei von Privilegien.). Meine Antworten werden in der Regel nicht verstanden, was ich jedoch versuche deutlich zu machen, ist das Engagement nicht selbstlos ist und jede_r Motivationsgründe für Engagement finden kann. Es geht nicht darum, für das eigene Engagement irgendwann „heilig“ gesprochen zu werden, sondern das eigene Leben so zu gestalten, wie es für die Jeweiligen cool ist. Zu meiner Lebensplanung gehört ein ziemlich großer Lottogewinn, den ich vermutlich nicht kriegen werden, genauso wie Engagement, welches nicht immer perfekt laufen wird. Doch wenn ich vorgebe, aus Altruismus heraus zu handeln, verhindere ich einerseits, dass meine Handlungen anschlussfähig für Viele sind, die ihr Leben nicht aufgeben wollen und ich bau mir selbst einen riesigen moralischen Druck auf, selbstlos zu sein und keine Fehler zu machen – denn Fehler offenbaren scheinbar einen fehlerhaften Charakter und wie kann ein fehlerhafter Mensch altruistisch sein?

Egoistische Motivationsgrundlagen zu finden, scheint mir ein wichtiges Anliegen für Engagement und Aktivismus zu sein. Die Idee aufzugeben, ein „besserer Mensch zu werden“ zugunsten des eigenen Lebensplans. Wenn Engagement und die Beschäftigung mit Intersektionalität auf „Genau so habe ich mir mein Leben vorgestellt“ beruht und nicht auf „Ich will, dass die Welt ein besserer Ort ist“, hilft das nicht nur dabei, bei jeder weiteren Baustelle, bei jedem Fehler usw. nicht zu verzweifeln, sondern jede Baustelle und jeder Fehler ist genau das, was das Ziel des Ganzen war, nämlich das Leben mit eben diesen Baustellen und Fehlern und Menschen und Kram zu füllen.

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LesMigraS stellt erste umfangreiche Studie zu Mehrfachdiskriminierung vor

Pressemitteilung von LesMigraS

Vorstellung erster Ergebnisse der bisher umfangreichsten Studie zu Gewalt- und Mehrfachdiskriminierungserfahrungen von lesbischen/bisexuellen Frauen und Trans*

Lesbische und bisexuelle Frauen sehen sich im Bildungsbereich diskriminiert

Berlin, 14.6.2012 – Diskriminierung und Gewalt von lesbischen, bisexuellen Frauen und Trans* ist in Deutschland immer noch ein hochrelevantes Thema. Dies ergeben die nun vorliegenden quantitativen Ergebnisse der ersten umfangreichen wissenschaftlichen Studie zu dieser Thematik. Formen, Ausmaß, Folgen und Ursachen der erlebten Gewalt sowie Diskriminierung stehen dabei im Vordergrund.

Plakat zur Studie von LesMigraS
(Plakat zur Studie von LesMigraS. Überschrift: “Die erste umfangreiche Studie zu Gewalt- und Mehrfachdiskriminierungserfahrungen von lesbischen, bisexuellen Frauen und Trans*Menschen”. Drei Menschen halten ein Schild: “Identität kennt kein Entweder-Oder.” Text unten: “Bist Du lesbisch oder Migrant_in? [ ] lesbisch [ ] Migrant_in [x] nein”)

Ein wesentliches Ergebnis der Studie ist die relativ hohe Wahrnehmung an Diskriminierungen in den Bereichen Bildung und Arbeit. Etwa ein Drittel der Befragten gibt an, mindestens einmal am Arbeitsplatz gemobbt worden zu sein. Weiterhin geben 72,6% der Studienteilnehmer_innen an, dass ihre Leistungen im Bildungsbereich aufgrund ihrer lesbischen/bisexuellen Lebensweise vergleichsweise schlechter bewertet wurden. „Die überwältigende Mehrheit hält es nach wie vor für notwendig, dass im Bildungsbereich mehr über vielfältige sexuelle Lebensweisen aufgeklärt werden sollte“ sagte Saideh Saadat-Lendle, Projektleiterin von LesMigraS.

Interessant sind auch die Ergebnisse, die bezüglich Diskriminierungen im Bereich Ämter und Behörden sowie im Gesundheitswesen gemacht wurden. So geben mehr als ein Viertel der Studienteilnehmer_innen an, dass sich ihre lesbische oder bisexuelle Lebensweise negativ auf ihre Chancen auswirkt, von der Polizei geschützt zu werden. Des Weiteren haben etwa 20% respektlose Behandlung durch medizinisches Fachpersonal erfahren.

Eine relativ hohe Anzahl der Befragten hat den Bereich des Fragebogens ausgefüllt, der sich ausdrücklich an Trans* richtete. Die bisherige Auswertung zeigt hier, dass vornehmlich Diskriminierungserfahrungen bei Ärzt_innen und Ämtern gemacht wurden und damit strukturelle Diskriminierung deutlich wahrgenommen wird.

Ein wesentliches Ergebnis der Studie ist unter anderem auch die Erkenntnis, dass die scheinbare Nichtübereinstimmung des Ausdrucks einer Person (Kleidung, Gestik etc.) mit der gesellschaftlichen Vorstellung einer Frau oder eines Mannes in vielen Fällen als problematisch erfahren wird. „Diskriminierungen und Gewalt aufgrund von Abweichungen von normativen männlichen oder weiblichen Geschlechterrollen stellen uns weiterhin vor Herausforderungen, mit denen wir uns in der Beratungsarbeit konfrontiert sehen“, so Claudia Apfelbacher, Geschäftsführerin der Lesbenberatung Berlin. Auch Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, sieht darin eine der zentralen Herausforderungen.
„Es ist die vermeintliche gesellschaftliche Vorstellung von Norm oder Normalität, die viele Menschen ausgrenzt“, sagte Lüders. Sexismus und Rassismus gehörten dabei zu den nach wie vor stärksten Ausgrenzungsmechanismen.

Sehr aufschlussreich sind auch erste Ergebnisse zum Thema Mehrfachdiskriminierung. Von denjenigen Teilnehmer_innen, die mehrfachzugehörig sind, geben 78,2% an, aufgrund von Mehrfachzugehörigkeiten in der Öffentlichkeit mindestens einmal diskriminiert worden zu sein. Mehr als die Hälfte von ihnen empfindet es als schwer, sich zu wehren, weil oft unklar ist, um welche Art der Diskriminierung es sich jeweils handelt, beispielsweise durch eine Beschimpfung wie „Sprich gefälligst Deutsch, du scheiß Lesbe“.

Die vorliegenden Daten der Studie werden in Kürze mit Ergebnissen einer qualitativen Untersuchung ergänzt und diesen September veröffentlicht. Im Anschluss daran werden umfangreiche Empfehlungen an Politik, Öffentlichkeit und Beratungsstellungen formuliert.

Weitere Informationen und Interviewanfragen: LesMigraS

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Intersektionalität: Von Brücken und Grenzen, am Beispiel der Tierbefreiungsbewegung

Hatte neulich ne Diskussion auf Twitter über Intersektionalität. Interessanterweise hatten die Personen, mit denen ich stritt, ähnliche Ansichten, aber was Aktionen betraf, sah das ganz anders aus. Ein Punkt war v.a.: eine Aktion/Kampagne, die nicht auf alle Formen von Herrschaft eingeht, gar nicht anfangen.
Ich hab jetzt zwei Jahre antispeziesistische Arbeit gemacht. Wir verstehen uns sozusagen als Brücke zwischen oftmals autonomen, radikalen ,,Fleischlinken” mit anarchischen und emanzipatorischen Ansätzen einerseits und der Tierrechtsbewegung andererseits mit ihrem Rütteln am starren Mensch-Tier-Bild und der Forderung nach Tierrechten sowie veganer/vegetarischer Ernährung und Lebensweise. Für die einen sind wir menschenfeindlich, für die anderen linksextreme Spinner*innen. Die Kritik nach der einen Seite üben wir, weil Tiere in linken Theorien und Utopien einfach mal ausgeblendet werden, und nach der anderen Seite, weil sie Kapitalismus überall noch mitdenkt.
Es ist so schwer, die zwei zusammenzubringen! In der Tierrechtsbewegung gibt es wie auch in der Umweltbewegung religiöse wie rechtsradikale Gruppierungen (z.B. ist ,,Antispe” in Italien v.a. als Nazigruppe bekannt GRUSELIG). Was dauernd nötig ist, sind Abgrenzungen unsererseits, mitunter mit dem Gefühl, wir tuen eigentlich nichts anderes als uns abzugrenzen. Dennoch ist diese Arbeit wichtig, das ist klar, ich will nicht mit PETA, mit Universellem Leben, ,,Heimatschützern” und anderen Gruselgeschichten zusammenarbeiten. Andererseits wollen wir uns nicht einfach nur bei der Linken andienen und ständig deren Antirepressionsarbeit machen und für die vegane Vokü zuständig sein, sondern auch sie in Bezug auf Leben und Leiden von Tieren in unserer Gesellschaft sensibilisieren.
Zum Beispiel laufen derzeit Kampagnen gegen neue Schlachthäuser. Da gibt es dann Kollaborationen, die so aussehen können: Anarchistisch und herrschaftskritisch denkende Tierbefreier*innen arbeiten gemeinsam mit Bürgerinitiativen, denen es vor allem um die Erhaltung der Lebensqualität in ihrem Raum geht. Beide Gruppen sind sich eigentlich fremd; das einzige, was sie vereint, ist dieses Ziel: Schlachthof xy abzuschaffen. Beide lernen sich durch die Zusammenarbeit kennen, beide kämpfen für ihren Standpunkt innerhalb der Kampagne, beide gehen Kompromisse ein. Sie missverstehen sich und manchmal bekämpfen sie sich auch. Sie erreichen ihr Ziel oder nicht, manchmal mit, manchmal ohne die Bündnispartner.
Es gibt Ängste, dass das alles nur in Reformismus endet. Eine Abwärtsbewegung des Tierbefreiungsgedanken zu ,,bloßen” Tierrechten bis zum gesetzlich verankerten Tierschutz, der vor allem ,,Warenschutz” zu sein scheint. Um mal einen Menschen bei Twitter zu zitieren, mit dem*der ich über Veganismus diskutierte: ,,die kuh die aktuell leidet der nuetzt es nichts wenn sie weiss dass in diesem jahr 50 kuehe weniger leiden”[sic]. Aber was ist mit den 50 anderen Kühen, das sind doch Lebewesen, jedes für sich, nicht einfach nur ,,Exemplare” ihrer Art. Ein Freund von mir bezog sich in einer ähnlichen Diskussion auf die Frauenbewegung. Die sei letztendlich auch daran gescheitert, dass sie sich von vielen Ansprüchen wegbewegt hat hin zu einem vor allem auf Forderung von Rechten beruhenden Kampagnenaktivismus. Dass gesetzliche Gleichstellung vieles bisher noch nicht gelöst hat, wissen wir. Aber dass es nur eine Verlagerung von Unterdrückungsmechanismen sein soll, wenn Frauen in unserer Gesellschaft zum Beispiel ökonomisch unabhängig geworden sind, und diese Tatsache nicht etwa auch ein befreiendes Moment hat, dieser Gedanke stört mich. Wer ökonomische Abhängigkeit kennt, weiß was ich meine: Es macht einen RIESEN Unterschied. Und natürlich: Es reicht nicht. Ich will die Befreiung aller. Ich erfahre aber in der Realität immer die Grenzen von Menschen und Aktionen und muss damit umgehen, auch mit meinen eigenen Grenzen. Und sehe kleine Ziele, die ich heute erreichen kann und weiß, dass ich dieses positive Feedback auch brauche, um nicht total auszubrennen.
Wie geht es euch damit? Seht ihr das alles ganz anders? Wie geht ihr mit der ,,Vermittler*innen”-Rolle um? Was heißt es für euch, aktiv zu werden, macht ihr Kompromisse? Und wie fühlt ihr euch damit?

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