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Berlin. Eine Körper-Geschichte.

Inhaltswarnung: Beschreibung sexualisierter Gewalt an einer Stellezwei Stellen, auf die ich hervorgehoben nochmal aufmerksam mache. edit: Sowie Beschreibung (anderer) physischer Gewalt.

“… our writings like graffitis on the surface of the moneyed culture at large.”
(Michelle Tea: Without a Net. Via ClaraRosa)

Ich wünschte, ich hätte eine Geschichte, die nicht so starr wäre. Eine Geschichte, die ich im Nachhinein und mit wachsendem Alter immer neu und wie Bilder beim Internetdienst Instagram immer eingetaucht in anderen Farben sehen könnte. Hier und da mich an goldene Momente, an Highlights zurückerinnern könnte wie an funkelndes Spielzeug.

Aber meine Vergangenheit wirkt stattdessen unhandlich und unbeweglich auf mich. Ich habe sie selten erzählt bekommen; zuwenige Menschen, die sie kennen und die wenigen, die ein paar Jahre darunter kennen, verweigern mir oft ihre Perspektive; mit der seltsamen Annahme mich schützen zu müssen. Das Wenige was ich aus der frühen Kindheit weiß, habe ich den Menschen mit harter Arbeit abgezwungen; das andere aus meinem Gedächtnis gekratzt. Und weil ich von früh an lernte, mich mit den Augen anderer zu sehen, wurde ich meine eigene PR-Agentur. Ich erzählte den Menschen eine Geschichte, die okay war zu erzählen. Ich orientierte mich an Daten und Fakten, ich vergaß Gerüche, Bilder, Gesichter.

Vor kurzem war ich in Berlin; auf Konfrontationskurs; mit der Absicht diesen Erinnerungen nachzujagen um ein altes Tagheim wiederzufinden. Ich hatte nichts, nur die Information des Stadtteils; die schwache Erinnerung an ein längliches Haus und einen großen Garten; an eine Hausnummer, die dreistellig sein musste; und einen Straßennamen, den sich mein Gedächtnis vermutlich zurechtgelogen hatte.
So stand ich dann mit einem Menschen, die mich über die Zeit bei sich aufgenommen hatte, irgendwann am Abend an einer Straße; und die Straße endete im Nirgendwo; und die Hausnummer die ich zuvor noch bei GoogleMaps eingegeben hatte und dort sichtbar gewesen war, schien es nie gegeben zu haben.

Aber es hatte andere Momente gegeben. In Wedding in irgendeinem Treppenhaus – ein Geruch von früher, schlagartig erwachten meine Sinne, meine Knie wurden weich. Was da in einem Gehirn abgehen kann, in was da eine zurückgeworfen wird; ich stand und konzentrierte mich und genoss es, einen Erinnerungsfaden einzufangen und ihn wieder gehen lassen zu müssen. Später holten wir ein Kleinkind von der Krippe ab; der kleine Laden war süß, die Kinder purzelten mit durch Windeln vergrößerte Hinterteilen durch die Gegend, eine kam und legte mir mehrere Sachen in die Hand. Ein anderer erwartete seine Mutter und weinte und weinte und weinte. Ich saß da; und die Atmosphäre der Straße, die durch die hohen Schaufenster hineinwirkte und das heulende Kind, das wirkte, und plötzlich sah ich es wieder: keine eindeutigen Eindrücke, sondern ein verwehtes Bild einer Kindheit; auferstanden um mich herum, für wenige Sekunden.

Ich war mit vier oder fünf Jahren in Berlin. Meine Großeltern packten uns eines Nachts ein und fuhren meinen Bruder und mich zu meinem Vater; von Stuttgart nach Berlin. Türkische Konvention hatte anscheinend mal beschlossen, ein Mann dürfe nicht die Kinder eines anderen Mannes erziehen. Also musste/sollte/wollte meine Mutter ihre Kinder gefälligst in freundliche Hände abgeben.

Seriously, Mum? What were you thinking?

Ich hatte zuvor gedacht, mein Opa wäre mein Vater, der lediglich eben gerne das Bett mit meiner Oma teilt. Und als sie mir sagten: Dein Vater ist woanders und vllt besucht ihr ihn ja bald!!11 da dachte ich an einen abgedunkelten Raum mit einer Kerze, über die wir uns beugen damit ich das Gesicht meines Vaters besser erkenne. Ich weiß nicht, wieso ich mich an dieses Bild immer noch so gut erinnere. Mein Vater war ein Nichts; deshalb versuchte ich mir krampfhaft ein Gesicht vorzustellen. Aber jede Vorstellung entglitt mir.

Ich wachte im Auto auf; sie hatten uns in Schlafanzügen mitgenommen, wechselten nun unsere Kleidung; ich trug ein weißes Kleid mit rostroten Blüten auf Altrosa. Hin und wieder hielten sie an, um die Gebetsteppiche auszurollen. Sie setzten uns vor der Tür unseres Vaters ab. Die Putzfrau brachte uns hoch. Dort aus der Wohnung kam ein strahlender Mann heraus mt einem Schnurrbart, der sagte: ,,Meine Kinder sind da, meine Kinder sind da!”

Das Leben in Stuttgart hatte sich innerhalb eines großen Familienverbands abgespielt. Schon allein in der 5-Zimmer-Wohnung meiner Großeltern wohnten viele Menschen, große und kleine, alte und junge, und es gab immer Besuch. Ich war nie alleine, meine Tanten liebten mich, mein Opa liebte mich, vor einem Onkel rannten wir regelmäßig schreiend weg, wenn er zu Besuch kam, weil seine Wangenkniffe Ausschlag verursachten. Wir lebten in den Hochhäusern; und wenn wir rausgingen, war da schon immer ein Haufen Kinder, mit denen wir dann durch die Gegend rannten. Wir hatten bereits unsere eigenen hochkomplexen sozialen Netzwerke und die Währung bestand aus Selbstbewusstsein und Tratsch.

In Berlin: Ein weiteres Hochhaus, doch alles fiel zurück auf diese Kernfamilie: Mein Vater, seine Frau, ihre zwei Kinder. Wände. Mein Vater, eine Mischung aus Humor, Sentimentalität und Aggressivität. Selbstbewusstsein half nicht mehr; noch wurden wir von unserem Vater betüttelt; später würde das der genervten Langeweile weichen. Nach klassisch märchenhaften Prinzip bekamen mein Bruder und ich bald für alles die Schuld was unser kleiner Halbbruder anrichtete. [Hier folgt eine Darstellung sexualisierter Gewalt . . . ] Ein Cousin, der uns zeigte, wie er sich auf einer Matratze selbstbefriedigte. Unnütze Sachen, die uns gekauft wurden, wie Tische und Stühle für ein Puppenhaus, ohne Puppen, ohne Haus. Mein kleiner Halbbruder, der nur ,,heiß” sagen konnte und das oft und gerne. Meine Stiefmutter, die ihren Freundinnen die Haare blond färbte und ihnen erzählte, dass hier da und da eine grüne Stelle sei. Irgendwann rasierten mein Vater und sie sich ganz die Haare ab. Ich weiß, dass sie schön war, meine Stiefmutter, bis heute erinnere ich mich an ihre schönen Wangenknochen.
Dann dieses Tagheim. Kannst du dir vorstellen wie eine Art Kindertagesstätte, wo arbeitende Elternteile ihre Kinder hinbringen konnten und die durchaus auch dort übernachten konnten, für ein, zwei, mehrere Tage. Meine erste Erinnerung an ein Jugendamt. In der Wohnung gab es immer öfter Streit wegen Geld; meine Stiefmutter war überfordert mit uns zusätzlichen Kindern. Mein Vater wurde gewalttätig. Ich erinnere mich an eine Drohung, die er ausstieß: Wenn ich wieder ins Bett einnässen würde, würde er mir mit einem glühenden Eisen den Hintern versohlen. Ich erinnere mich nicht an Schläge. Mein Bruder erzählte mir, dass mein Vater mich oft geschlagen hätte. Ich glaubte ihm nicht. Jahre Später sah ich in einer Akte ein Arztschreiben. Da ging es wohl um eine tiefe Wunde an der Stirn, die mein Vater bei mir verursacht hat. Ich wäre dann mit hohem Fieber ins Krankenhaus gebracht worden. Danach ging ich der Akte nach im Tagheim nicht mehr mit, als mein Vater uns zum Wochenende mitnehmen wollte.

Irgendwann kam unser Vater nicht mehr. Was da alles lief im Hintergrund würde ich erst ein Jahrzehnt später nachvollziehen können. Wir blieben in dem Tagheim. Mein Bruder und ich entwickelten recht bald große Unabhängigkeit voneinander; er hatte seine Freundeskreise, ich meine. Ich für meinen Teil vergaß meine Familie erstmal. Der Tagesrhythmus des Hauses wurde zu meiner Struktur; der quälend lange Mittagsschlaf, zu dem wir verordnet wurden; mein Neid auf die, die schon in die Schule gehen konnten und deshalb in der Mittagspause Hausaufgaben machen durften im Wohnzimmer. Ich brachte mir selber Lesen und Schreiben bei; erforschte Sexualkundebücher. Wir liebten Michael Jackson und seinen Moonwalk; tanzten ihn mit nackten Oberkörpern, wir befummelten einander wie es sich gehörte, überhaupt drehte sich vieles um Lust. Manche Freundschaften ergaben sich, unerklärlich wie so oft; andere waren Allianzen, die strategisch durchgeplant waren, zum Beispiel um sich gegen die älteren Kinder zu wehren.

[edit: Ab hier die Darstellung sexualisierter Gewalt; Absatz kann übersprungen werden!]

Es gab ein Mädchen über das sich alle lustig machten, weil sie alle paar Minuten aufs Klo musste und dadurch jedes Spiel verdarb. Ich erinnere mich, wie ein etwas älterer Junge ihr beim Campen irgendwann des Nachts während sie schlief seinen Pimmel in den Mund gestopft hat. Bis heute steht diese Erinnerung ziemlich isoliert in meinem Kopf. Es war ganz klar ein Akt der Macht gewesen und für mich velleicht nie so spürbar wie in diesem Alter, wo ja fast nichts mehr hervortrat als die Verfügbarkeit und Kontrolle unserer Körper durch die älterer, stärkerer Menschen. Die Verfügbarkeit machte den Ekel größer; ich dachte tatsächlich, er würde in ihren Mund pinkeln, weil er keine Lust hatte, draußen zu pinkeln.

[Hier ists auch schon wieder vorbei :) ]

Unsere Betreuer*innen, an die ich mich erinnern konnte … Wolfgang, Gisela, Dirk? Gisela war eine recht alte Frau gewesen, die mich immer mit zum Bäcker genommen hatte, wo ich regelmäßig ein Brötchen geschenkt bekam. Sie erzählte oft Lügen der Pädagogik wegen; und ich weiß, dass mich bei ihr dieses Mitleid ritt, dass mir schon in meiner Familie für alte Frauen eingeimpft worden war. Einmal hatte ich ihr absagen müssen, weil ich nicht mit ihr zum Bäcker gehen wollte und erinnerte mich sehr gut an die Schuldgefühle, die mich da heiß überfielen.

Mit den männlichen Betreuern hatte ich seit jeher meine Probleme. Ich erinnere mich noch, dass es mir unangenehm war, als unsere Prinzessin einmal liebevoll im Schnurrbart von Wolfgang gespielt hatte. Überhaupt diese Prinzessin … innerhalb der Machtspielchen die es damals unter den Kids gab, war das Ausspielen des “gelungeren” Mädchen-Seins der mich am meisten überfordernde Kniff. Ich sah schon damals wie perfekt die Inszenierung dessen war: diese zarten hellhäutigen blonden Mädchen mit den großen blauen Augen, die einfach nur durch ihre Präsenz Menschen überzeugten. Sie erzählten mir auch eine Geschichte dessen, was ich nicht war. Seit damals hatte ich nie verlernt zu sehen: wahrzunehmen: die gerade Haltung meines Gegenübers, wie der Schal saß; die sauberen Formulierungen, das Räuspern; bis heute kann ich menschliche Inszenierung nie ignorieren; selbst in jeder noch so banalen Busfahrt prägt sich mir das Auftreten meines Gegenüber ein. Am stärksten aber das von anderen Frauen*.

Berlin, das war damals dieses Tagheim und das eine Hochhaus und der Laden um die Ecke, wo es türkischen Honig gab. Berlin, das war schon damals Schimpfen über einen Flughafen. Das Tobezimmer mit den riesigen Plüschtieren. Mein Schlafzimmer und das häufige Kranksein. Die Entwicklung unserer Zähne; manchmal war nichts faszinierender. Und viele viele Kinder, viele große und kleine Geschehnisse, erste Enttäuschungen, Mohnbrötchen, Sandmännchen. Und Mineralwasser. Ernsthaft.

Kurz bevor wir wegzogen, lernte ich Annika kennen. Sie war ein Mädchen in meinem Alter, blond wie die Prinzessin aber überraschend nett und vielleicht war sie meine erste gute Freundin. Sie schien mich bedingungslos zu mögen und einfach nur gerne Zeit mit mir zu verbringen. Ich durfte bei ihr übernachten und wir hatten viel Spaß miteinander. Und dann war das auch schon wieder vorbei und mein Bruder und ich saßen im Auto; unterwegs zu einem anderen Ort, zu einem anderen Heim. Weil irgendwelche Menschen in Büros das so beschlossen hatten.

Berlin. Zurück im Heute. Als ich letztens dort aus der Bahn stieg nach einer langen Fahrt, und mich erstmal müde verlief, da überraschte mich, wie angenehm alles war. Die Häuser und die Straßen, die ich sah, die vielen türkisch- und arabischsprechenden Menschen um mich her; die Häuserwände bunt wie damals schon; der freundliche Schmutz. Ich fühlte mich zuhause. Ich verirrte mich, aber das war okay. Ich hätte stundenlang weiter durch diese Straßen irren und ihren Geruch und ihre Atmosphäre auf mich einwirken lassen können. Es ist schön, dieses Gefühl, dass manche Erinnerungen zwar nicht in Worte gefasst werden können, aber vom Körper gelebt werden. Und gerade dieses Nichtfassenkönnen, Nichteinteilenkönnen solcher Erinnerungen; gerade das, was flüchtet, sobald ich danach greife, dieses Sprachlose; das, was eingewirkt in unseren Körpern weiterhin unsere Geschichte erzählt; ich möchte dies wieder wahrnehmen lernen. Ich möchte lernen, mich dem Einteilen zu verweigern, mich der Datierung zu entziehen. Lernen, das was Körper-Geschichte ist – : nicht mehr zu hören durch Erzählungen allein, sondern auch zu schmecken, zu riechen, zu fühlen.
Meine ganz eigene Geschichte.

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Groß und nackt

Ich musste 26 Jahre alt werden und ein Geschäft zu finden, welches ich nicht nach den Verkäufer_innen aussuchen musste. Als ich erstmals ein Schuhgeschäft meiner Zukunft besuchte, lernte ich, dass ich zur „Fransen-“Fraktion gehören würde. Mein Umfeld erziehe ich immer noch, neue Klamotten angemessen zu kommentieren. Mit meinem lesbischen Coming Out hörten ein Großteil der Sprüche auf, mit denen 90% der Frauen* auf meiner Augenhöhe konfrontiert sind. In Bussen sitze ich in den 4er-Sitzen, in Flugzeugen versuche ich einen der „Notausgang“-Sitze zu bekommen und mein Gesicht auf öffentlichen Toiletten im Spiegel zu sehen, ist dann doch eher eine Seltenheit.

Meine Körperhöhe wurde diagnostiziert, was sie zu einem Zustand macht. 1,90m +/- 5cm. Hormone oder Operation? Meine Mutter sagte „Nein“, damit kommen wir klar. Schon meine Oma wurde „Leni Leuchtturm“ genannt. In meiner Familie versauen wir gerne Altersschätzungen bei Kindern, schließlich ist nur einer meiner Cousins „normal“ groß. Ich habe Ewigkeiten gebraucht, um mir einzuprägen, dass er nicht mehr im Kindergarten oder der Grundschule ist. Er war einfach so…klein.

Meine Kinderärztin war das Vorbild meiner Kindheit. Ich wollte nicht Ärztin werden, aber genauso groß wie sie. Sie musste sich immer unter der Tür durch bücken. Naja, dieses Ziel habe ich nicht erreicht, aber ich bin ihr und der Wahl meiner Mutter bis heute dankbar. Auf jeden Fall besser als der Kinderarzt, der meiner Mutter „Elefanten kriegen auch Elefantenkinder“ antwortete, als sie sich erkundigte, warum ich andauern hinfiel. Wachstum ist halt so eine Sache und diesen Prozess hatte ich mit 13 durch.

Zur Kommunion (mit 9) trug ich Brautschuhe, die Suche nach einem passenden (heißt genügend Länge) Kleid war nervenzermürbend. Zu meiner ersten Tanzstunde war ich erstmals in einem „Über- und Untergrößen“-Schuhgeschäft.  Die Untergrößen hatten Schleifchen und die Übergrößen Fransen. Die Farbauswahl war: Schwarz, Braun, Dunkelbau und Dunkelgrün. Der größte Stolz meiner Teenagerzeit waren hellgründe Turnschuhe. HELLGRÜN! Irgendwann fand ich ein Schuhgeschäft (Schuh Kaufmann), dass tatsächlich Auswahl hatte und höchstens 2-Jahre hinter dem jeweiligen Trend  zurücklag. Zum Glück war ich nicht so Mode interessiert, aber wie hätte ich dieses Interesse auch halten können?

Aber die Schuhe passen zu den Klamotten. Hochwasser (RW) in Hosen und Oberteilen habe ich lange Zeit in Kauf genommen, für ein bisschen mehr Spielerei und Auswahl. Irgendwann hat’s mir gereicht und ich wollte zumindest Hosen die lang genug sind. Was bedeutet Herrenabteilung. Der passende Laden war der, in dem das Personal so gut geschult war, mich nicht darauf hinzuweisen, wo die Damenabteilung ist. Manchmal hatte ich Glück und der_die Verkäufer_in antwortete auf „Ich hätte gerne ein Hose in Länge 36, 38 nehme ich auch.“ nicht mit „Welche Farbe/Machart denn?“. Je nach Laune ließ ich diese dann nach meiner Wunschfarbe suchen. Am Ende war ich froh, wenn ich mit einer Jeans nach Hause ging, die einigermaßen saß.

Dieses Jahr habe ich einen Laden (Weingarten) gefunden, der tatsächlich Überlängen anbietet. Der Hartnäckigkeit meiner Freundin ist es zu verdanken, dass ich mir den überhaupt angeschaut habe. Sonst hieß Überlänge nämlich nur, dass die Hosen auch in „Long“-Version haben. Haha. Seitdem ich Weingarten entdeckt habe, ist mein ganzer Stolz eine rosa Hose. ROSA! Ich hatte noch nie eine Hose, die nicht blau oder schwarz war. Dort gibt’s auch Oberteile, deren Ärmel lang genug sind. Luxus.  Mein Umfeld jedoch, weiß das nicht so richtig zu schätzen.

„Normalgroße“ Menschen (also alle, die (bei Frauen: mind. 11cm) kleiner sind als ich und über 1,40m) wissen nicht, warum ich mich in Schuhgeschäften gar nicht erst umgucke und das dazu hartes Training gehört. Oder warum rosa Hosen und hellgrüne Schuhe eine Errungenschaft der Menschheit sind. Oder warum ich in 2-er Bänken im Bus nicht neben ihnen sitze und schon gar nicht „reinrücken“ kann. Oder warum ich sie bitte, wenn sie Flugzeug vor mir sitzen und ich keinen Sondersitz erwischt habe, nicht die Stuhllehne zurück zu lassen. Oder warum ich zuhause die Badezimmerspiegel so hoch hänge, dass sie sich nicht mehr sehen können (und ich mit dem Gedanken spiele, einen Kindertritt-Schemel für sie zu kaufen…aber so viel Höflichkeit ist auch irgendwie zu viel verlangt…). Oder warum ich bei den meisten Autos darum bitte, vorne sitzen zu können.

Quasi nach den Grundregeln der Intersektionalität gibt’s gerade im feministischen Bereich, Diskriminierungen, die mich nicht gleichermaßen treffen. Beispielsweise belästigen Typen mich viel seltener, was wiederum am „Napoleon-Syndrom“ liegt (Napoleon hatte Angst vor großen Frauen). Ich hatte darüber bei der Mädchenmannschaft geschrieben.

Naja, lange Rede, kurzer Sinn. Ich habe mir heute die DVD von „Tall girls“ bestellt. Auf deren Facebook-Seite gibt’s viele tolle Links (beispielsweise), die mich jetzt seit einigen Wochen glücklich machen. Nach dem Trailer und deren Selbstdarstellung endlich eine „Empowerment“-Dokumentation, statt des nervtötenden „Wachtumsstörungen“-Scheiß, den ich sonst so gesehen habe.

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