Schlagwort-Archiv: Lesben

Quatschen mit den Suchenden

Wie jeder Blog bekommen wir mehr Besuche als Kommentare. Wie wohl viele Blogger_innen verbringe ich eine unglaubliche Zeit mit dem Betrachten der Statistiken. Dort findet sich u.a. eine Auflistung der Suchbegriffe über welche takeover.beta nicht nur gefunden wurde, sondern auch besucht wurde. Viele der Suchbegriffe erschüttern mich, viele Suchbegriffe ärgern mich und bei vielen find ich’s schade, dass wir vermutlich nicht ins Gespräch gekommen sind. Aber „hey“ ich kann ja antworten!

„lesbenfilme“, „wo kann man lesbische filme schauen?“ etc.
Wenn Du Interesse hast, gibst folgende Möglichkeiten, an diese zu gelangen: Konny von lesben.org betreibt einen amazon-shop, das Lesbenkaufhaus hat sie alle und bei Filme für Frauen können einige geliehen werden.

„right planet syndrom wiki“
Noch hat Dr. autistic Summers Forschung es noch nicht zu einem wikipedia-Eintrag geschafft. Dennoch gibt’s zum Weiterlesen hier ein geschlossenes Institut.

„coole namen für dalmatiner“
Das ist wirklich schwierig ;-) .

„stephanie lesb“
Da fehlt ein „e“!

„da bin ich nicht kompetent genug“
Welche_r ist das schon?

„elis hi ich bin ein bi hi daki“
Da bin ich auch überfragt, aber hat mir einige schöne Stunden beschwert, über die Bedeutung dieser Suchphrase nachzudenken.

„samia weiss was freischalten“
Samia ist die Beste, also bitte immer freischalten!

„ich bin lesbe und ich will es vollkommen ausnutzen wie geht das“
Da hilft nur lizzy the lezzy.

„warum nimmt elena nicht damon“
Ich versteh das auch nicht!!!

„schimpfwort nazi eine beleidigung?“
Ich glaub ja nicht, dass Nazi ein Schimpfwort ist. Vielmehr sollte es sich um eine Beschreibung des Gedankenguts der betitelten Person handeln. Ob’s dann für die Person eine Beleidigung ist, ist mir ehrlich gesagt schnuppe.

„muss man sich als frau angrapschen lassen“
NEIN!!!!

„ich werde meinen ansprüchen nicht gerecht“
Welche_r wird das schon?

„parken sie ihre lesben“
Ich will auch wissen, wie das geht!

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Urlaub in Mecklenburg

Ich liebe Frauenorte und so ist es wenig überraschend, dass ich die letzten zwei Wochen Urlaub in einer Frauenferienwohnung auf einem Selbstversorgerinnenhof gemacht habe. Eines der begnadeten Vorteile an Frauenurlaubsorten ist, dass bei der Anmeldung keine entsetzter Gesichtsausdruck seitens der Betreiber_innen zu sehen ist, der mit den Worten “Oh, wir haben für Sie ein Doppelzimmer reserviert” garniert wird. Aber es gibt noch andere Vorteile, insbesondere wenn, wie in diesem Fall, der Urlaubsort mitten in der Pampa gelegen ist. Die Betreiberinnen haben meist schon ein grundlegendes Stück Arbeit geleistet und so ist das Dorf darauf vorbereitet, dass es tatsächlich Lesben gibt. Macht das Leben leichter.

Sonnenuntergang mitten auf dem Land. Zu sehen ist ein Baum im Vordergrund, dann ein Kornfeld, im Hintergrund Windräder und ein paar Wölcken.Meine Freundin und ich waren also mitten in Mecklenburg. Der schnellste Weg dorthin – vor allem bei ungünstiger Verkehrslage – führt 3 Stunden über Landstraßen. Kleine eher einspurige Straßen, mit der Zeit wird auch der eigene Fahrstil immer rasanter, Alleen soweit die Straßen reichen.

Danach ist eine_r mitten im Nirgendwo. Riesige Felder, vermutlich dank der LPGen, Wald in Massen, kleine Hutzeldörfer, ab und zu ein touristischer gesprägter Ort. Noch mehr Felder… Backsteingebäude, Höfe, verhältnismäßig wenig Tiere (find ich).

Der Selbstversorgerinnenhof ist wunderschön. Viele Stunden habe ich mit dem Ausblick verbracht:

3 Pferde im Stall. Ausblick vom Hof aufs Land.

Die Ferienwohnung hat einen eigenen Eingang, der durch den Pferdestall führt. So konnte ich jeden Morgen damit beginnen, den Pferden einen guten Morgen zu wünschen. Auf dem Hof gab’s auch eine spielsüchtige Hündin, viele Schafe, zwei Laufenten, ein paar Hühner (zwei davon schliefen lieber auf dem Baum, als in ihrem Stall ;-) ) und zwei Katzen.
Katze liegt unter einem Sattel, welcher ihr Schatten spendet. Schafstall von außen.

Rundherum gibt es viele Seen. Einige sind touristisch belebt, aber trotz des guten Wetters nicht überlaufen. Allerdings habe ich es nicht für möglich gehalten, dass es Gegenden in Deutschland gibt, die so unglaublich weiß sind und angesichts dessen, gab’s zu viele Männer mit zu kurzen Haaren. Ich weiß nicht, woran dieser Haarmangel lag, vielleicht sind sie auch alle bei der Bundeswehr – Arbeit schien’s eher weniger zu geben. Eindeutig geschmückte haarlose Männer hab ich erst wieder im Autobahn-Gebiet (in Hessen) gesehen.

Parken verboten Schild mit der Einschränkung "Di - 13-14h, Straßenreinigung"Die Menschen dort -sowohl die Urlauber_innen als auch die erspähten Einwohner_innen – waren eher bodenständig. Nur die Teenager an den Seen hatten “Schönheitswettbewerbe” am Laufen, an den Tischen im Cafe konnte ich zumeist keine “Aber Kant hat gesagt…”-Gespräche belauschen, nur ein Tisch voller Freimaurer_innen wirkte etwas deplaziert ;-) .

In einem dieser Seeorte (ich glaube Sternberg) gab es ein wunderschöne Schild. Dieser Auswuchs der Bürokratie würde die Parksituation in vielen Städten sehr erleichtern!

Neben See und Land wollten wir auch Städte und Meer sehen. Nach Schwerin sind wir zwar gefahren, aber das Wetter war so schlecht, so richtig aus dem Auto aussteigen oder Fotos machen wollten wir nicht. Dann ging’s irgendwann nach Wismar, an die Ostsee. Leider war das schönste am Hotel der Ausblick vom und auf das Hotel.

Aber Wismar ist wunderschön und wir haben eine grandiose Stadtführung mitgemacht. Die Stadtführerin war die Beste, die ich Stadtführunglok auf Rädern am Marktplatz in Wismarseit langem erlebt habe. Sie erklärte uns sowohl die alten als auch die neuen Stadtdetails, weder die alten Kirchen noch der neue Busbahnhof blieben außen vor. Ich weiß jetzt, dass Wismar 15.000 Einwohner_innen in den letzten 20 Jahren verloren gegangen sind, dass ein Klosterziegel 8 € das Stück kostet, dass in den Studiwohnheimzimmern gleichzeitig gekocht und geduscht werden kann und wie sich in Wismar ausgerechnet wird, dass sie eigentlich die Kirche mit dem höchsten Dachfirst  in Deutschland haben ;-) .
Ein wichtiges Kriterium für eine gute Stadtführung ist für mich, dass erwähnt wird, warum eine Stadt bombadiert wurde, bevor erwähnt wird, wieviel zerstört war. Auch das hat sie wunderbar deutlich gemacht (Flugzeugbauer)… keine Selbstverständlichkeit, in Nürnberg musste ich mal einen Stadtführer zwingen, der allzu lang über die Bombadierung sprach, die er als “grundlos” wirken ließ.

Ansonsten lese ich im Urlaub ca. ein Buch pro Tag und hatte diesen Urlaub unglaublich viel Glück mit der Auswahl, die ich Euch hiermit ans Herz legen möchte: Von Charlaine Harris die “Aurora Teagarden” und die “Harper Conelly”-Reihe, sowie die grandiose Lily Brett (einfach alles von ihr).

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Lesben*filme

Vor ein paar Jahren durfte ich die Laudatio für Mirjam Müntefering (leider inkl. ableistischer Sprache) bei der Augspurg-Heymann-Preisverleihung halten und habe dabei ungeplant die anwesenden Heten geoutet. Ich berichtete von meinen ersten Versuchen, mich im Sub zu Recht zu finden, u.a. mit dieser Geschichte:

Also nächster Versuch: Filme! Das konnte doch nicht so schwer sein! Bei Amazon dann schnell nach Lesben gesucht und den ersten finanzierbaren Film gekauft. Meine Wahl traf auf „High Art“ – wie ich heute weiß, ein im Ausgang typischer Lesbenfilm der 80er – am Ende steht Tod oder Elend. Der zweite Versuch war auch nicht viel besser… „The Girl“… Das sollte mein Leben sein?

Als ich „High Art“ sagte, brachen die anwesenden (älteren) Lesben* in Lachen aus. Von der Bühne war deutlich zu sehen, welche Frauen sich das nicht erklären konnten. Dieser Bildungsunterschied ist einer der Gründe, warum es schwierig ist, insbesondere mit Heten Lesben*filme zu gucken.

Ich bin heute froh darum, dass ich versehentlich mit den tragischen 80er-Jahre Lesben*filmen meine Reise in den lesbischen Filmsub begann, denn durch dieses Versehen entspricht – trotz meiner Jugend – meine lesbische Filmerfahrungsgeschichte in etwa der lesbischen Filmgeschichte. Es fällt mir dadurch leicht, Filme einzuordnen, da ich sie nicht nur „akademisch“ historisch, sondern auch persönlich einordnen kann: Ich bin dankbar um jeden Film, in dem Lesben* am Ende glücklich sind oder zumindest nicht tot. Ich bin völlig fasziniert von jedem Film, in dem „lesbisch* sein“ nicht den Spannungsbogen ausmacht. Ich bin von jedem Film begeistert, der lesbische* Geschichten erzählt, welche „Hollywood“ für Heten in horrenden Mengen auf den Markt bringt.

Das Problem mit Heten ist, dass sie die zugrundliegende Erfahrung nicht kennen und eben auch nicht diese Bildung errungen haben. Sie kommen auf die Idee „The L-Word“ mit „randomhetenserie“ zu vergleichen, z.B. weil in beiden Serien irgendwie „alle“ schlank sind und selten arbeiten müssen. Die lesbischen* Produktionen haben eine komplett andere Filmgeschichte – eine Filmgeschichte übrigens, die mit verursacht, warum Mehrfachdiskriminierungsthemen im lesbischen Filmsub viel leichter zu finden sind, als auf dem Hetenfilmmarkt.

Obwohl es mir ein Anliegen ist, dass sich Heten mit „Nicht-Heten“ auseinandersetzten, rede oder schaue ich mit Heten nur ungern (über) lesbische Filme, weil‘s meistens in einem „Fuck off“-Gefühl meinerseits endet. Weil sie versuchen die Filme mit ihrer Erfahrung zu analysisieren und da gehört’s nicht hin. Doch damit Heten genau das lernen, sind lesbische Filme zu gucken, kein schlechter Weg. Es wäre also genial, wenn Heten schlicht einen „Fuck off/Aus“-Schalter für Filmanalysen von lesbischen Filmen haben, dann können wir auch gerne gemeinsam Filme gucken.

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Lesben und Geld

Folgender Text stammt aus einer meiner “alten” Hausarbeiten (von 2009 schätze ich) zu “Geld in feministischen Frauenzusammenhängen”. Ich fand meinen “wissenschaftlich”-verpackten Frust sehr schön und zudem vielleicht auch sonst ganz spannend.

7. Lesben und Geld / lesbische Geldkultur
Auch wenn Lesben Frauen sind, bilden Lesben doch eine sehr eigene Gruppe. Wie die Kapitel 5 und 6 gezeigt haben, wurden die meisten Daten nur in Bezug auf heterosexuelle Frauen erhoben. Ebenso haben Lesben eine eigene Subkultur, sowohl innerhalb von Frauenzusammenhängen, als auch außerhalb.

7.1 Lesben und Geld
Es gibt weder Vertrauens erweckende statistische Erhebungen über die Existenz von Lesben, noch über deren Einkommen in Deutschland.

7.1.1 Statistisches Bundesamt
Eine Onlineabfrage, am 22.10.2009 um 13:05 Uhr, beim statistischen Bundesamt ergab bei den Suchworten „Lesben“, „Lesbe“, „lesbisch“, „lesbische“ und „lesbischen“ keinerlei Treffer. Die Suche nach „Homosexuell“ ergab einen Treffer, der Aufschluss über Straftaten u.a. nach dem Paragraphen 175 aufführt . Damit ist zunächst einmal belegt, dass es homosexuelle Handlungen zwischen Männern gab. Der Paragraph ist inzwischen abgeschafft, so dass darüber und über Homosexualität im Allgemeinen, nach den Daten des statistischen Bundesamts, für den heutigen Zeitpunkt keine Aussagen getroffen werden kann.

7.1.2 Bisher zitierte Statistiken
Die in den Kapiteln 5 und 6 aufgeführten Erhebungen erwecken nicht einmal den Anschein, dass Lesben oder lesbische Paarhaushalte existieren.

(7.1.3. weggelassen)

7.1.4. Gerüchteküche
Die les-bi-schwule Community spricht von 10 % homosexuellen Menschen , teilweise sinkt der prozentuale Wert auf 5 %. Lesben gelten eher als arm, wobei ich noch keine „im Verhältnis zu…“ Aussage gehört habe.
Jedoch gibt es auch Zusammenschlüsse lesbischer Frauen, die als eher wohlhabend gelten, wie z.B. die Wirtschaftsweiber .

7.1.5. Einschätzungen der Ihrsinn
Die „Ihrsinn“ ist eine „radikalfeministische Lesbenzeitschrift“, die von 1990 bis 2004 zweimal im Jahr erschien. 1994 erschien eine Ausgabe zum Thema Lesben und Geld unter dem Titel „Von Klassen und Kassen“. In dieser Ausgabe stellt Ulrike Janz Überlegungen zur ökonomischen Lage von Lesben in Deutschland an.

Zunächst geht sie davon aus, dass die meisten Lesben unverheiratet oder geschieden sind. Des weiteren das Lesben in den Statistiken als allein – stehend gelten, da sie keinen Mann vorweisen können. Es lagen ihr keine Daten vor, wie viele Lesben Kinder haben und damit, mangels Mann, als allein – erziehend gelten. (Die Ausrichtung von Frauen auf (Ehe)-Männer wird mehrfach innerhalb des Artikels als Heterosexismus betitelt.)

Weiterhin führt sie aus, „daß (sic!) für die meisten Lesben in der BRD heute die mannlose Existenz möglich ist“ . Da die so genannten „Frauenberufe“ vom Verdienst auf einen Zusatzverdienst und nicht auf Existenzsicherung ausgerichtet sind, sei die ökonomische Lage von Lesben schwieriger als für heterosexuelle Frauen in Paarbeziehungen.

Alleinerziehende Mütter sind, laut Janz, die Ärmsten der Gesellschaft. Lesbische allein erziehende Mütter kann es nochmals härter treffen, wenn ihr aufgrund ihrer sexuellen Orientierung die familiäre Unterstützung verweigert wird oder von ihr selbst verweigert wird, um nicht von einem Mann, sprich ihrem Vater, abhängig zu sein. Nach Janz ist „die Unabhängigkeit vom (…) Mann (…) eine Grundbedingung ihrer lesbischen Identität“.

Weiterhin wirkt sich möglicherweise das „offen lesbisch leben“ negativ auf die berufliche Situation aus, ebenso die Verweigerung vom weiblichen Rollenmuster nach „Aussehen, Lächeln, vorausgesetzter Verfügbarkeit (…)[, dass] viel zu oft als integrierter Bestandteil der Arbeitskraft Frau betrachtet wird“ .

Trotzdem geht Janz davon aus, dass „junge, gutausgebildete, nichtbehinderte deutsche Lesben in der BRD bessere Chancen einer eigenständigen Existenzsicherung haben, als heterosexuelle verheiratete Frauen“ . Dies vor allem, da kinderlose Lesben keine unbezahlte Reproduktionsarbeit für Kinder und Mann leisten müssen. (Die feministische Ökonomietheorie sieht diese Arbeit als eine der Hauptursachen von Frauenarmut.)

Ebenso führt Janz aus, dass durch die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und dem Anspruch des Arbeitsmarktes auf allzeitige und allseitige Verfügbarkeit, also wenig private und räumliche Verpflichtungen, Lesben die idealen Arbeitnehmerinnen sein könnten, da es bei Ihnen weniger wahrscheinlich sei, dass sie Kinder bekommen oder großziehen und die familiären und räumlichen Verpflichtungen dementsprechend gering sind.

Letztere Einschätzung wurde mir neulich von einer lesbischen Mitarbeiterin einer Personalabteilung bestätigt: Lesben bekommen seltener Kinder, dementsprechend kein Mutterschutz, keine Vertretung und Einarbeitung einer Vertretung in Elternzeit, keine Abrufe der Arbeitnehmerinnen aufgrund von Kindernotfällen etc.. Dementsprechend günstige und weit reichend verfügbare Arbeitskraft.

7.2 Lesbische Geldkultur
„Ist schon bitter, wenn eine nicht mal zur Werbungs-Zielgruppe taugt. Sind wir etwa nicht lesbisch genug um einzukaufen? PROTEST!!!“ wird auf dem lesbischen Blog „L-Talk“ zum Thema „Schwulenwerbung“ gebloggt. Diese positive Haltung zur Einordnung in eine Konsumentinnengruppe ist eher selten.

Häufiger findet sich die Thematisierung einer lesbischen Geldkultur in der Forderung bzw. Fragestellung „Lesbengeld in Lesbenhände“.

7.2.1 Lesbengeld in Lesbenhände
Die radikale Version der Forderung ist die Idee einer eigenständigen lesbischen Ökonomie (siehe dazu: „Lesbian Nation“ von Jill Johnston), eine abgeschwächte Form findet sich in der Forderung bzw. Praxis besonderer Solidarität zwischen Lesben.

Die erste Stiftung für Lesben in Europa ist die Sappho-Stiftung. Deren Motto „Das Vermögen unserer Urgroßmütter haben unsere Großväter geerbt. Das Vermögen unserer Großväter fiel an unsere Väter. Unser Vermögen werden unsere >>Töchter<< erben und es wird in Lesbenhänden bleiben.“ verdeutlicht praktisch die Forderung „Lesbengeld in Lesbenhände“.

Die Idee hinter „Lesbengeld in Lesbenhände“ hat keine allgemeine Verbreitung, wobei diese durchaus bei den „hauptberuflichen Lesben“, also Lesben die mit lesbenspezifischen Angeboten ihren Lebensunterhalt verdienen, Anerkennung findet. So finden sich bei lesbenspezifischen Angeboten immer wieder Forderungen wie „Geld sollte durch Lesbenhände fließen – davon sind wir überzeugt. Wir leisten unseren Anteil daran, indem wir lesbische Unternehmen und Veranstaltungen bewerben. [...] Nutzt die Partnerprogramme von lesben.org!“. Letzteres wurde 2009 von der Betreiberin des größten deutschsprachigen Lesbeninformationsportal Konstanze Gerhard online gestellt.

Ausführlicher äußerte sich eine Gruppe von Standbetreiberinnen des größten jährlichen Lesbentreffens Deutschland, dem Lesbenfrühlingstreffen, die um Wertschätzung seitens der Besucherinnen und Organisatorinnen baten: „Lesben, die sich entschieden haben, (auch) Produkte für Lesben herzustellen, haben eine politische Entscheidung getroffen. Wir sind darauf angewiesen, auf den jeweiligen Lesbenfrühlingstreffen und -wochen verkaufen zu können. [...]Wir wünschen und fordern, daß (sic!) alle Lesben so einfach über unsere Stände stolpern, daß (sic!) das Prinzip “Lesbengeld in Lesbenhände” ohne großen Aufwand umgesetzt werden kann. [...] Auch wenn Lesben wenig Geld haben (Thema für ein Extra-Kapitel …), gibt jede trotzdem mehr oder weniger viel Geld für kulinarische Genüsse aus. Deshalb ist es besonders wichtig, daß (sic!) Lesben für die Essensstände engagiert werden, mit einem so umfassenden Angebot, daß (sic!) die “Konsumentinnen” nicht in die Hetera/o-welt ausschwärmen, um dort ihr Geld zu lassen.“ Mitunterzeichnerin ist keine Geringere als Anke Schäfer, eine der wenigen lesbischen Bundesverdienstkreuzträgerinnen. (leider ist die Quelle nicht mehr online)

7.2.2. Einschätzung von Marie Sichtermann
Marie Sichtermann, Unternehmensberaterin bei „Geld und Rosen“ , führt an, dass ihr bei Lesben keine Verhaltensweisen auffallen, die für sie nicht generell unter frauentypisch fallen. Jedoch hält sie für möglich, dass diese frauentypischen Verhaltensweisen möglicherweise bei Lesben verstärkt werden, da es kein männliches Korrektiv gebe. Nach Sichtermann fehlen größtenteils die politischen Visionen .

Eine kleine Gruppe von Frauen die in der 2. bzw. neuen Frauenbewegung stark involviert waren, bewerten ihrer Meinung nach Geld, nach Geld streben und die Steigerung von Wohlbefinden durch Luxusgüter moralisch negativ.

Eine weitere Gruppe sind die Frauen die Geld mögen, viel dafür arbeiten und es dann sparen. Diese Frauen fühlen sich, nach Sichtermann, arm, insbesondere da sie sich nichts gönnen.

Die beiden genannten Gruppen bilden für Sichtermann die beiden Extrempole. Zwischen diesen liegen viele Frauen mit wenig Geld, insbesondere wenn diese Kinder haben. Weiterhin gebe es Lesben, die vom Familienvermögen ausgeschlossen werden, aber auch viele Frauen mit Geld, die nicht sparen oder ihr Geld für politische Ziele einsetzen.

Die beschriebenen Gruppen treffen laut Sichtermann nur noch selten aufeinander, da sich die Gruppen mit mehr oder mittelmäßig viel Geld separieren. Als gegenläufige Gruppierung bringt Sichtermann SAFIA an.

Mit „Sagen nicht auch die italienischen Philosophinnen , dass wir Frauen einander reichlich zu geben haben, unermessliches miteinander tauschen könnten, Geld sei nur eines von vielen Tauschobjekten? (…)Heute schon was an eine Lesbe verschenkt? “ gibt Sichtermann ihre eigene Vision an. (Sichtermann, Marie: „Happy and rich ?“. In: Lesbenring e.V.: „Lesbenring-Info. Lesben und Geld. Juni/Juli 2008“. Oldenburg, 2008, S. 11-12.)

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