Schlagwort-Archiv: Mädchenmannschaft

Die linke Presse entdeckt die Mädchenmannschaft

Eigentlich sollten wir uns freuen: Die linke Printpresse berichtet über Frauenbewegungs-/feministische Konflikte! Die Auseinandersetzung mit verschiedenen theoretischen, praktischen, sozialen und politischen Fragen aus Perspektive der unterschiedlichen feministischen Strömungen ist eine sehr reiche, welche jedoch leider kaum Beachtung findet. Doch das diese kaum Beachtung der renommierten (linken) Presse findet hat System und es hat auch System, wenn diese plötzlich Aufmerksamkeit erlangt.

Prinzipiell sind die verschiedenen links-verorteten Bewegungen im beständigen Richtungsstreit. Irgendeine Gruppe redet immer mit irgendeiner anderen Gruppe der scheinbar gleichen Bewegung nicht, immer gibt es Vorfälle, die zu größeren Auseinandersetzungen führen. Meist ist es so, dass die Obrigkeit (welche auch immer) nicht ein Auge darauf werden soll, weshalb nicht berichtet wird. Doch gerade im anti-istischen Bereich gilt diese Annahme selten. Vielmehr ist hier die Frage, ob die jeweiligen anti-istischen Bewegungen in ihrem Streit gerade zweckdienlich zum „Wohle“ der anderen linken Aktionsfelder instrumentalisiert werden können.

Jungle World und taz berichten zurzeit über einen Richtungsstreit der Mädchenmannschaft. Die Mädchenmannschaft, als wichtigster feministischer Blog im deutschsprachigen Raum, hat jede Aufmerksamkeit seitens der feministisch-positionierten Menschen verdient. Schließlich wird sie es sein, die in den feministischen Geschichtsbüchern genauso stehen wird wie die Emma. So wird die Mädchenmannschaft auch beständiger Kritik seitens der verschiedenen feministischen Strömungen und Aktivist_innen ausgesetzt. Das ist wichtig, denn wie die Mädchenmannschaft sich positioniert, wird später als die dominante Strömung der feministischen Blogosphäre ausgelegt werden. Quasi zwangsläufig wird ein Richtungsstreit innerhalb der feministischen Blogosphäre anhand der Mädchenmannschaft eskalieren. Der Umgang mit dieser Eskalation als Ausdruck eines bestehenden Konflikts ist die politische Pflicht der Mädchenmannschaft, da sie der meistgelesene feministische Blog sind. Es gibt daraus kein Entrinnen, auch wenn diese vielleicht damit unglücklich sind.

Diese Eskalationen können in verschiedenen Bewegungen nachgelesen werden, eben immer auch anhand der wichtigen Gruppen. So eskaliert beispielsweise die Auseinandersetzung mit verschiedenen –ismen innerhalb der Lesbenbewegung regelmäßig anhand des Lesbenfrühlingstreffen (siehe beispielsweise “In Bewegung bleiben”). Alice Schwarzers Rassismus ist wichtiger, als der jeder anderer Feministin, aufgrund ihrer gesellschaftlichen Präsenz. Und wenn Luise F. Pusch einen cissexistischen Sprachgebrauch befürwortet, brennt der Richtungsstreit der anti-istischen Linguistik. Doch keine dieser Beispiele schaffte es, in der linken Printpresse derartig rezensiert zu werden. Was also ist jetzt anders?

Angeblich geht es um einen Richtungswechsel bei der Mädchenmannschaft, welcher durch die rassistischen Vorfälle auf der Geburtstagsparty zum 5-jährigen Jubiläum notwendig  wurde. Richtungswechsel gab es jedoch bereits vorher. Als beispielsweise Anfang 2011 die „Frau-Lila-Spaltung“ erfolgte, wurden die Artikel bei der Mädchenmannschaft deutlich diverser, so schienen Themen aus dem Homo-Bereich dominanter zu werden. Das jedoch war kein Grund für eine derartige Berichterstattung. Jetzt also kam es zu Redaktionsveränderungen aufgrund des erwähnten aktuellen Vorfalls. Nicht besonderer, als sonst. Doch liegt der Fall insofern anders, als die linke Presse ihre Rassismus-Diskussion (dominant geworden nach dem No-border-camp) mit Feminismus vermengen kann. Yay , der antisexistische Kampf wird verhindert durch den „falschen“ antirassistischen Kampf! Da lohnt es sich doch mal, möglichst tendenziös den Finger in die Wunde zu legen. Es macht dabei keinen Unterschied, dass die verbleibende Redaktion  sich der berichtenden Printpresse verweigert. Hätte die Printpresse tatsächlich Interesse, könnte sie genauso erraten warum, wie ich:

  1. Die Printpresse zeigt kein Interesse an der tatsächlichen Auseinandersetzung mit aktuellen feministischen Richtungstreitigkeiten, sondern will nur etwas zum ausspielen für die eigene Heiligsprechung der ihnen näheren Aktionsfelder.
  2. Es gibt keinen Weg der Äußerung innerhalb der Positionierung der verbleibenden Redaktion: Meredith Haaf und Susanne Klingner (übrigens genau wie bei Katrin Rönicke) profitieren durch ihre „Skandalaufdeckungen“ mittels der Alice-Schwarzer-Methode.  Sexismus gegen weiße Frauen wird für wichtiger erklärt, als Rassismus. So wird eine_r Bildzeitungs-anschlussfähig. Steigern können sie das nur noch, wenn sie sich alle samt mit Sarrazin an einen Tisch setzen. (Mehr dazu bei Noah Sow)

Innerhalb dieses Gefüges kann die aktuelle Mädchenmannschaft sich nicht äußern. Es gibt keinen Grund für eine Kooperation mit der Printpresse, weder aus Machtkalkül noch aus der Annahme heraus, es gäbe eine neutralere Berichterstattung. Das könnten taz und Jungle World wissen: Ist doch der Tomatenwurf aus einer ähnlichen Instrumentalisierungsgeschichte entstanden.

Linksammlung zur Rassismus/Criticial Whiteness-Debatte (danke an kiturak für die Zusammenstellung):

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://takeoverbeta.de/2012/10/linke-presse-entdeckt-maedchenmannschaft/

Aus den Hinterzimmern (2)

Der letzte Hinterzimmer-Bericht ist noch gar nicht so lange her und trotzdem ist schon sehr viel passiert. So sind wir auf der Suche nach einer gut lesbaren, schönen und weit verbreiteten Schrift. Gerade das Kriterium „schön“ bereitet uns große Probleme, doch auch wenn wir bereits von Arial zu Lucida Console gewechselt sind, war das eher so eine eigenmächtige Geschichte und wird auch nicht so bleiben.

Richtig auf Trab gebracht haben uns jedoch inhaltliche und strukturelle Fragen. So haben wir festgestellt, dass wir Kommentare schon sehr unterschiedlich bewerten und einige bestimmten Kram freischalten würden, andere nicht und zusammen mit einer „Freischalt-Anarchie“ – soll heißen, alle dürfen überall freischalten – ist das eben manchmal schwierig. Einer der Lösungsansätze dazu ist, dass wir jetzt unter jeden Kommentar schreiben, welche Person diesen freigeschaltet, depubliziert oder editiert hat. Das macht’s für uns leichter und auch für Euch hoffentlich nachvollziehbarer und kritisierbarer – denn ihr wisst dann auch, wer „versagt“ hat mit der Freischaltung und so. Es wird jedoch keine Entsolidarisierung zur Folge haben, heißt wir stehen dazu, da jede_r von uns fehlbar ist und werden nicht anfangen, Leute zu bashen, die in der Kommentarmoderation manchmal „seltsame“ Wege gehen.

Überhaupt haben wir viel über Kommentare gesprochen, vor allem weil wir Derailing zugelassen haben, wenn’s uns irgendwie wichtig erschien. Wichtige Derails waren für uns meist generelle Klärungsgeschichten, also Nachfragen, die sich auf „Wie steht ihr eigentlich zu…“ und „Wie seht ihr Euren Gruppenblog…“ beziehen. Da dies jedoch nie wirklich was mit dem Thema des Artikels zu tun hatte, haben wir dafür jetzt eine eigene Seite erschaffen, zu welcher wir diese Kommentare verschieben können. Wir finden diese also wichtig, nur möchten wir deshalb andere Themen nicht Verschütt‘ gehen lassen. Da das erst seit Kurzem so ist, haben wir eine „alte“ Diskussion, die uns wichtig ist, umgezogen.

Damit zusammenhängend ist das „Wie steht ihr eigentlich zur Mädchenmannschaft?“-Thema. Für alle, die sich fragen, wo das herkommt, zur Geschichte dahinter: Also, kiturak und Stephanie haben sich öffentlich in eigenen Blogposts mit der Mädchenmannschaft geprügelt, weil sie unterschiedliche Sachen nicht so cool fanden. Leider gab’s nach der Rauferei keine Versöhnung und so gibt’s auf beiden Seiten wohl noch Vorbehalte. So weit, so schlicht. Da aber eben beide bei takeover.beta mitmachen, entstand anscheinend der Eindruck, dass takeover.beta feindlich gegenüber der Mädchenmannschaft gesinnt ist. Wir sind uns darüber einig, dass dem nicht so ist.

Wir sind noch dabei genereller darüber zu sprechen, wie wir mit vor-takeover.beta-Geschichten umgehen wollen. Aber das ist noch nicht soweit, dass es sinnvoll hier wiedergegeben werden kann.

Ansonsten arbeiten wir an einer Lösung, wie wir damit umgehen, dass wir irgendwie gerne gleichzeitig veröffentlichen. Das ist übrigens keine Absicht, sondern Zufall – oder eine telepathische Verbindung ;-) . Wir finden’s gut, wenn jeder Artikel die nötige Aufmerksamkeit bekommt, gleichzeitig wollen wir jedoch auch keine „Sperrfrist“ bis zur nächsten Veröffentlichung einführen. Wir haben einen Slider eingefügt, welcher Artikel des_der Jeweiligen hervorhebt, die dem_derjenigen gerade besonders wichtig ist. Tut uns den Gefallen und nehmt diesen Slider total wichtig, dann müssen wir uns nämlich keine Gedanken mehr machen ;-) .

Der „about“-Text ist immer noch in Arbeit, fast fertig ist unser „Macht mit“-Aufruf. Also, es geht weiter!

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://takeoverbeta.de/2012/06/aus-den-hinterzimmern-2/