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RPS-Beispiel: Zwischen den Zeilen lesen

Menschen mit RPS rühmen sich einer eventuell beneidenswerten Fähigkeit, das sogenannte „Lesen zwischen den Zeilen“. Eine damit zusammenhängende, jedoch seltener thematisierte Fähigkeit ist das „Schreiben zwischen den Zeilen“, was bedeutet, dass Aussagen in Texte und Sätze formuliert werden, welche dort nicht stehen. Die Forschung vermutete zeitweise, dass sich diese Aussagen in den Leerzeichen und/oder Zeilenabständen verstecken. Mikroskopische Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass dort auch unter extremer Vergrößerung nichts steht. Ebenso scheint zusätzlich mit den Fähigkeiten „Lesen“ und „Schreiben“ auch die Fähigkeiten „Zwischen den »Zeilen« hören“ und „Zwischen den »Zeilen« sagen“ einherzugehen, da auf diese Gesamtfähigkeit auch bei mündlichen Aussagen Bezug genommen wird. Allerdings mit der Formulierung „zwischen den Zeilen lesen“, was eventuell ein Indiz dafür ist, dass dies eine Visualisierungsbegabung ist und damit scheinbar im Bereich der Synästhesie anzusiedeln ist.

Die aktuelle Forschung geht davon aus, dass die grob als „Zwischen den Zeilen lesen“ benannte Fähigkeit mit der Sitte der indirekten Kommunikation zusammenhängt. Während mit der indirekten Kommunikation das tatsächliche Interesse kaschiert werden soll, wird das kaschierte Interesse über das „Lesen zwischen den Zeilen“ enttarnt und kann so scheinbar thematisiert werden. Eventuell handelt es sich also dabei um einen rivalisierenden und damit konfliktträchtigen Vorgang, da die Intention der indirekten Kommunikation nicht in der Entschlüsselung bestehen kann. Wäre Letzteres der Fall, hätte ja gleich direkt kommuniziert werden können.

Dennoch gilt als schlüssig, dass die Fähigkeit „Zwischen den Zeilen schreiben“ einerseits nicht notwendig für indirekte Kommunikation ist und andererseits auch in Fällen von direkter Kommunikation eingesetzt wird. Das „Zwischen den Zeilen lesen und schreiben/sagen und hören“ ist also eine von der indirekten Kommunikation scheinbar unabhängige Tätigkeit.

Sowohl in der empirischen Forschung als auch bei der Formulierung von Beispielen für erläuternden Texten, steht die Forschung vor dem Problem, dass aufgrund der fehlenden Fähigkeit „Zwischen den Zeilen schreiben/sagen“ keine Testtexte und Beispiele formuliert werden können, da eben die Forscher_innen nichts „dazwischen“ schreiben können und somit, z.B. für Testfragebögen. die Rückmeldung unumgänglich ist, dass dort nichts steht.

Daher wäre ich Ihnen dankbar – sollten Sie mit dem Right Planet Syndrome ausgestattet sein -, wenn Sie in den Kommentaren Beispiele formulieren würden, in welche Sie Aussagen zwischen die Zeilen schreiben. Ich freue mich ebenso über zusätzliche mir zugängliche Ausschreibungen dieser Aussagen, entweder von Ihnen selbst oder von anderen Leser_innen, die zumindest zwischen den Zeilen lesen können.

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RPS-Beispiel: Unehrlichkeit (Collage)

Transcript folgend:

Comic von Fuchskind:

Bild 1 (scheinbar Schulhof):
Beschriftung: Oft offenbarte sich mir aber kein logischer Zusammenhang vom Sinn und Zweck.
Figur A: Sehen wir uns später?
Figur B: Ja, klar!
Figur C: Klaro!
Hauptprotagonisten steht mit Abstand zur Gruppe von Figur A-C im Bild.

Bild 2 (scheinbar Schulhof):
Figur A: Freu mich, bis dann!
Figur C: Ich mich auch!
Figur B steht lächelnd dabei.
Hauptprotagonisten steht mit Abstand zur Gruppe von Figur A-C im Bild.

Bild 3 (scheinbar Schulhof):
Hauptprotagonistin und Figur C und B gucken der aus dem Bild verschwundenen Figur A hinterher.

Bild 4 (scheinbar Schulhof)
Figur B: Gott ist die nervig!
Figur C: Kaum zum Aushalten!
Hauptprotagonisten steht mit Abstand zur Gruppe von Figur A-C im Bild, mit Fragezeichen über dem Kopf.

Bild 5 (Party):
Beschriftung: Faszinierenderweise kann ich manche Beobachtungen von damals auch noch heute entdecken.
Figur D winkt: Bis morgen!
Figur  E und F: Mach’s gut!
Hauptprotagonistin steht mit anderer Figur im Bild.

Bild 6 (Party):
Figur E: Was für ‘ne [leider sexistischer Begriff] Schlampe!
Figur F: Hast Du das Kleid gesehen? Irks!
Beschriftung: Und sie machen genauso wenig Sinn wie früher.

Bild 7 (Klassenzimmer):
Hauptprotagonistin sitzt alleine ein Buch lesend am Tisch.
Beschriftung: Es gab mehr Gründe lieber für sich alleine zu bleiben, statt mit anderen Kindern zu spielen.

 

“Jetzt überlegen SIe einmal: Wir sind in der Minderheit. Selbst, wenn jede/r Normale es mit 2 – 3 Autisten zu tun hätte, die ihn/sie ählich nerven wie ich, so sollten sie ab und zu bedenken daß ich von Normelen umgeben bin.”  Quelle: Vera F. Birkenbihl

 

Nothing more to add. / Nichts hinzuzufügen.

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RPS-Beispiel: Indirekte Kommunikation

Neurotypische (NTe) mit Right Planet Syndrom haben ein eigenes Verhältnis zu ihren Interessen. Dies wird besonders deutlich, bei etwas, dass sie „indirekte“ Kommunikation nennen. „Indirekt“ ist eine Aussage, wenn die Aussage nicht das Gemeinte aussagt. Nicht nur der Anpassungsdruck soll dazu führen, dass das eigentliche Gemeinte in der „indirekten“ Aussage entschlüsselt wird.  Geschieht die Entschlüsselung nicht sind häufig Verzweiflung, Wut und Gefühle aufgrund als mangelhaft empfundener Wertschätzung beobachtbar.

Beispiele für „indirekte“ Kommunikation:

  1. „Ich habe Durst.“
  2. „Glaubst Du, dass das eine gute Idee ist?”
  3. „Ich würde das ja nicht so machen.“
  4. „Ich habe die Buntwäsche vor die Waschmaschine gelegt.“

Nach umfangreicher empirischer Forschung bedeuten diese Aussagen:

  1. „Biete mir etwas zu trinken an!“
  2. „Ich halte das für keine gute Idee.“
  3. „Du sollst das nicht so machen!“
  4. „Falls Du noch Buntwäsche hast, leg sie vor die Waschmaschine.“

Eventuell kann es sinnvoll sein, die „indirekte“ “Do I need to hold up a sarcasm sign every time?” That would be helpful; thanks.Submitted by: matthew0440Kommunikation als Fremdsprache zu erlenen. Doch angesichts von häufiger vorkommenden Problemen mit dieser Kommunikationsform ist auch eine generelle Reflektion denkbar. Beispiele für Probleme mit „indirekter“ Kommunikation auch unter NTen mit Right Planet Syndrom sind:

  • „Glaubst Du, dass das eine gute Idee ist?“ – „Ja.“
  • „Ich habe Durst.“ – „Ich auch.“
  • „Das ist aber ein schönes Kleid!“ – „Meinst Du das steht Dir?“

Weiterhin scheinen die tatsächlichen Aussagen von Aussagen, die in der “indirekten” Kommunikation verwendet werden, für die Kommunikation verloren zu gehen.

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RPS-Beispiel: Darf ich [Name] anrufen?

Die vermehrt neurotypische Darstellung dieses Problems erfolgt häufig in US-amerikanischen Spielfilmen über die 3-Tagesregel für romantische Beziehungen, nach welcher Frauen überhaupt nicht anrufen dürfen, Männer erst drei Tage nach einem „Date“ und Menschen, die weder Frau noch Mann sind, nicht vorkommen. Zum Beispiel (insbesondere 0:20-0:27  und 1:06-1:15):


[Trailer des Kinofilms "Er steht einfach nicht auf dich". Transcript der Passagen siehe unten. kiturak]

Auch im deutschen Umfeld – sowohl in Spielfilmen als auch außerhalb von Spielfilmen – gibt es ein ähnliches neurotypisches Symptom: Eine unbeteiligte Person wird nach den Bedürfnissen einer abwesenden Person befragt, an welcher die fragende Person ein romantisches, sympathiebezogenes oder sexuelles Interesse hat. Derartige Fragestellungen sind zum Beispiel:

  • „Sollte ich mich bei ihm_ihr melden?“
  • „Ich hab eine SMS geschickt und noch keine Antwort bekommen. Wirkt es „komisch“, wenn ich mich nochmal melde?“
  • „Glaubst Du, ich wirke verzweifelt/interessiert/übergriffig/etc., wenn ich mich (nochmal) bei ihm_ihr melde?“
  • „Glaubst Du ich überfordere [Name] mit langen E-Mails/häufigen Anrufen/[Sympathiebekundungen]?“
  • „Warum hat [Name] sich noch nicht gemeldet?“

Grundlage dieser Fragestellung ist natürlich das Right Planet Syndrome, da dies die einzige Erklärung dafür ist, warum die fragende Person glaubt, von der unbeteiligten Person erfahren zu können, wie die abwesende Person eine Handlung auffasst. Selbstverständlich ist die einzige Person, die diese Fragen korrekt beantworten könnte, die abwesende Person. Die abwesende Person gilt jedoch als unfragbar, da anscheinend das Interesse kaschiert werden muss. Ebenso kommt es vermehrt zu „Glückstreffern“ der gefragten Person aufgrund des Anpassungsdrucks.

Für die Therapie ist der emotionale Zustand der fragenden Person ein guter Ausgangspunkt, um die Reflektion dazu zu beginnen, ob es wirklich notwendig ist, weiterhin daran festzuhalten, dass sie ihre eigenen Interessen kaschieren muss und ob eine direkte Kommunikation mit der die von der Frage betroffene Person nicht einerseits zur Problemlösung zweckdienlicher wäre und ein Kennenlernen außerhalb der Anpassungsdruck-Problematik erleichtern würde.

P.S.: I’m totally in love with Rachel Cohen-Rottenberg. Ich werde nach dem Vorbild ihrer fantastischen Analyse des EQ-Test demnächst außerhalb der RPS-Reihe etwas Ähnliches für die Prosopagnosie-Tests machen.

[Transcript Video-Passagen:
0:20 Gigi (Ginnifer Goodwin) am Telefon, liest von einem Block ab: Hi Connor! Du hast Dich nicht gemeldet, und mal ehrlich: Dass Frauen immer darauf warten müssen, bis die Typen sie anrufen, ist doch bescheuert, oder?

1:06 Gigis Anrufbeantworter: Sie haben keine neuen Nachrichten.
(eingeblendete Unterhaltung zwischen Gigi und Alex)
Alex (Justin Long): Du meinst, Du bist tagelang zwanghaft um Dein Telefon rumgeschlichen?
Gigi: Vielleicht hat er meine Nummer verloren oder ist verreist oder wurde von einem Taxi überfahren?
Alex (im Bild): Oder er will vielleicht einfach nichts von Dir.
(Gigi schaut verständnislos)]

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RPS: Interesse

Bevor ich mich den Einzelbeispielen widme, ist noch eine weitere Grundlage des Right Planet Syndromes zu klären. Wie bereits aus der Anpassungsdruck-Problematik erahnbar ist, geht mit dem Right Planet Syndrome eine Welt- und Selbstwahrnehmung einher, die es Neurotypischen beinahe unmöglich macht, Interesse zu empfinden. Interesse ist ein Gefühl, das bedingt, ob etwas erfahren, kennengelernt oder erlernt werden möchte.

Es gibt zwei Theorien, welche versuchen zu klären, wie es sich mit diesem Gefühl für Menschen mit Right Planet Syndrome verhält:

Theorie A: Menschen mit Right Planet Syndrome scheint das Gefühl „Interesse“ gänzlich unbekannt zu sein und wird von diesen daher durch die Kalkulation von Eigenbedürfnissen ersetzt. So werden Neurotypische häufig als manipulativ wahrgenommen, da sie eben keine klare Aussagen über ihr Interesse an Themen oder Menschen machen können, sondern das fehlende Bewusstsein für Interesse durch Verschleierungstaktiken zugunsten ihres Eigeninteresses kaschieren. Daher werden zum Beispiel aufgrund von romantischen Bedürfnissen, gemeinsame Interessen vorgetäuscht, was bereits in zahlreichen Spielfilmen problematisiert wurde.

Theorie B: Menschen mit Right Planet Syndrome wird einerseits über ihr Syndrom und andererseits über den Anpassungsdruck beständig suggeriert, dass ihre Interessens-Gefühle, den Interessens-Gefühlen ihr Mitmenschen gleichen. Dadurch stellt es für sie eine extreme Verunsicherung dar, wenn sie zumindest scheinbar nicht ebenso Interesse empfinden. Dies führt insbesondere in sozialen Beziehungen zu Problemen, zum Beispiel: Unterhaltungen werden geführt, obwohl das Thema zumindest für eine Partei uninteressant ist; aus mangelndem Interesse wird nur unzulänglich zugehört; sexuelle Beziehungen werden als romantisch deklariert (und umgekehrt).

Ob nun Theorie A oder Theorie B zutrifft, ist es in beiden Fällen wesentlich, Menschen mit Right Planet Syndrome eine Brücke zu bauen, durch welche sie benennen können, was sie bewegt, damit sie sich und ihre Mitmenschen angstfrei kennenlernen können. Davon hätten auch wir im Alltag und in der Therapie einen erheblichen Vorteil: Endlich nicht mehr raten zu müssen, worum es ihnen wirklich geht.

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RPS: Anpassungsdruck

Vielen Menschen ist eigen, dass sie sich in der Welt wiederfinden wollen in der sie leben. Doch um sich in der Welt wiederzufinden, muss in ihr gelebt werden und die Welt muss so eingerichtet sein und werden, dass alle Menschen, die sich wiederfinden wollen, in ihr leben können. Für Neurotypische mit Right Planet Syndrome (RPS) ist dies besonders schwer, denn sie justieren nicht die Welt zu ihren Gunsten, sondern sich zugunsten der vorgefundenen Welt. Damit können sie sich jedoch nicht in der Welt wiederfinden, da sie nur ihr justiertes Selbst in die Welt einbringen. Die Folge sind Unzufriedenheit, Stress, häufig Depressionen und scheinbar mangelnde Empathie mit Mitmenschen, seien sie neurotypisch oder –divers. Das Right Planet Syndrome (RPS) führt zudem dazu, dass sie diesen Weg als den einzig richtigen empfinden und so die damit einhergehenden Probleme nicht auf die Ursache zurückführen können: Den Anpassungsdruck.

Neurotypische mit Right Planet Syndrome bestärken sich zunächst gegenseitig in ihrer Weltsicht und erzeugen so einen Anpassungsdruck an die vorgefundene Welt. Der Austausch zeigt, dass sie alle mit der Anpassung die gleichen Probleme erleben, die sie damit als „normal“ und unveränderlich verstehen. In einem nächsten Schritt tragen sie diese gemeinsame „Erkenntnis“ nach außen und geben so den Anpassungsdruck an all‘ ihre Mitmenschen weiter. Dies mag auf Menschen ohne Right Planet Syndrome herzlos (RW), gefühlskalt oder wenig empathisch wirken, da diese versuchen diesen Lebensweg ihren Mitmenschen aufzuzwingen´, obwohl sie um die damit zusammenhängenden Probleme wissen.

Doch sind sie nicht gefühlskalt, sie sehen nur keinen anderen Weg. Sie brauchen unsere liebevolle Unterstützung, um selbst zu erkennen, dass ein anderer Weg möglich ist und sie es verdient haben, ihre unjustierte Persönlichkeit in der Welt wiederzufinden.

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