Schlagwort-Archiv: Rassismus

Petition gegen Racial Profiling: Noch zwei Tage

Noch zwei Tage bleiben, um bei der Petition gegen die Legalisierung rassistischer Polizeiwillkür zu unterschreiben. Hier nochmal ein kurzer Erinnerungs-Post. Unterschreibt und verbreitet es fleißig weiter!
Hier gehts zur –> Petition.

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Petition: Stoppt Racial Profiling

Erst einmal eine Entschuldigung, wir sind spät dran.

Zum Thema: Der Pressemitteilung Nr. 11/2012 des Bundeslandes Rheinland-Pfalz zufolge

[dürfen Beamte der Bundespolizei] Reisende jedenfalls auf Bahnstrecken, die Ausländern zur unerlaubten Einreise oder zu Verstößen gegen das Aufenthaltsgesetz dienen, verdachtsunabhängig kontrollieren. Es ist ihnen bei Stichprobenkontrollen nicht verwehrt, die Auswahl der anzusprechenden Personen auch nach dem äußeren Erscheinungsbild vorzunehmen.

Dies ergibt sich aus einem Urteil des Verwaltungsgerichts Koblenz vom 28. Februar 2012. Mit anderen Worten bedeutet das, dass es Beamt*innen der Bundespolizei erlaubt ist, Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe als verdächtig einzustufen, also Racial Profiling zu betreiben.

Auf dem Blog Stop! Talking. bemerkt accalmie dazu

What this court ruling and, of course, the testimony of the police officer, do, is to at least admit what has been going on all along: people of color are being singled out to “prove” their actual “germanness” and the formal right to inclusion in an imagined community thanks to a piece of paper. It is a constant reminder that people who don’t look what some imagine as “german” are being considered a strange presence that can never fully claim their civil rights, and whose presence is constantly disturbing to “actual” germans [sic] who see it as their right to define who is part of their supposedly homogeneous people and who is not.

Offiziell dürfen also zumindest Beamt*innen der Bundespolizei festlegen, wer “deutsch aussieht” und wer nicht. Wenn sie zur rassistischen, in Deutschland sehr beliebten Entscheidung kommen, dass die Hautfarbe dafür ausschlaggebend ist, sieht das Verwaltungsgericht Koblenz keinen Grund zum Einspruch.

In der Petition Stoppt Racial Profiling! wird daher folgendes gefordert.

• Die Revision des Urteils vom 28. Februar 2012 zu „Racial Profiling“
• Die Einführung eines verpflichtenden Anti-Rassismus Trainings, das sich tatsächlich mit Rassismus und nicht nur mit euphemistischen Begrifflichkeiten wie Fremdenfeindlichkeit und Ausländerfeindlichkeit befasst, für ALLE Polizist_innen und Polizeischüler_innen
• Eine Meldepflicht aller Rassismus Vorwürfe gegenüber der Poizei, die von einer unabhängigen, von geschultem Fachpersonal besetzten Stelle geprüft und archiviert werden
• Die Überarbeitung des AGG anhand der europäischen Antirassismus Richtlinien, da dieses derzeit zu viele Ausnahmereglungen beinhaltet und daher in vielen Diskriminierungsfällen nicht greift

Die Petition kann nur noch 43 Tage mitgezeichnet werden und ist derzeit erst bei 4749 Stimmen aus Deutschland, das sind gerade einmal 0,01% aller Einwohner (Stand 07.06.2012, 14:32).
Es gibt die Möglichkeit, “privat” zu unterzeichnen – das heißt, Name und Adresse erscheinen bei der Auswahl des Kästchens “nicht öffentlich unterzeichnen” nicht auf der Website.

Helft mit zu verdeutlichen, dass die Praxis des Racial Profiling rassistisch ist und setzt ein Zeichen gegen den allgegenwärtigen deutschen Rassismus.

Zur Petition

Ergänzung kiturak mit freundlicher Genehmigung von Zweisatz:

Anlass für diesen Aufruf bei uns ist accalmies neuer Artikel, Sign. [Sign, Sign, Sign!], der insbesondere weiße Feminist_innen betrifft:

Almost 25,000 people sign a petition against a federal minister and her policies [Unterschriftenkampagne zu Schröder] in about 2 weeks, and more than 80 per cent of these people are either too oblivious or too racist to notice that there are pressing matters concerning the civil rights not only of white women*, but of women* of color, people of color in general, that might be supported by another digital signature.

Danke für die Erinnerung.

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Ich liebe personalisierte Werbung

Bei personalisierter Werbung hege ich eine große Hoffnung: Endlich keine Scheiß-Werbung mehr, sondern zu mir passende, informative Werbung. Ich konsumiere gerne und für tolle Tipps wäre ich sogar dankbar.

Doch noch macht’s keinen Spaß, Google Adwords hält mich für männlich (was vermutlich diese unsäglichen “Heiß und sexy will Dich”-Werbung verursacht) und Facebook ist mir ein Rätsel.

Also, die regionalen Geschichten verstehe ich noch einigermaßen: Auch wenn ich nicht die Sportliche bin, kann es ja trotzdem sein, dass ich tanzen lernen möchte.

Aber der ganze Rest, was denken sich die Werbetreibenden auf Facebook bloß dabei? Ernsthaft, irgendwann fang ich an, auf jede zu mir unpassende Werbung zu klicken, die mir aufgrund von Genderstereotypen angezeigt wird. Das wird teuer, schließlich bezahlen die Werbenden pro Klick.

Ich hab ja schön erwähnt, sportlich bin ich nicht. Schuhe kann ich übrigens außerhalb von Übergrößengeschäften auch nicht kaufen. Und ja, ich steh auf Putzzeug, dazu zählt jedoch nicht Waschmittel. UND: Auf diese Frau+Waschmittel = Glück Scheiße stehe ich noch weniger.

Neulich habe ich dank einer Zeitungsanzeige Weingarten entdeckt. Ich habe ganze 13 Jahre gebraucht, um herauszufinden, dass es tolle Läden gibt, die Klamotten anbieten, die mir passen. Mit allein Hosenlänge 36-38 ist das nämlich eine eigene Kunst. Facebook bietet mir jedoch ausschließlich Klamotten an, in die ich entweder nicht reinpasse oder die zu kurz sind (und zwar überall).

Seit neuestem hat Facebook entdeckt, dass ich homosexuell bin. Ich wähle den Begriff absichtlich, denn seit dem bekomme ich häufiger Werbung für eine wohl schwule Zielgruppe. Warum aber ich? Ich bin offensichtlich nicht die Zielgrupp.

Ebenso unpassend: Wir knallen an die Werbung einfach mal eine Regenbogenfahne + “Botschaft”  dran, dann passt das schon. Verarschen kann ich mich alleine.

Und natürlich, bald ist mein Studium zu Ende, da dürfen Jobangebote nicht fehlen. Regionale Angebote bitte auch gerne. Aber, jetzt der große Insider-Wissen-Handel: Die Inserierenden können nach Zielgruppe verschiedene Anzeigen gestalten. Es wäre also ein leichtes gewesen, die Typenlastigkeit an mit vorbeiziehen zu lassen. Die Werbung sagt mir eindeutig: Wir wollen nur weiße, junge, schlanke Männer.

Zum Abschluss eine Werbung, die mich überrascht hat. Ich weiß nicht, was ich von ihr halten soll. Als Weiße in Deutschland bin ich es gewohnt, bei Konsum-Werbung nur weiße Menschen präsentiert zu bekommen. Diese Fotostudio-Werbung hat mich also überrascht. Ist sie also cool, weil sie einfach ein nettes Foto aus ihrem Repertoire genommen hat? Oder eher nicht, wegen der Nacktheits-Komponente? Oder glaubt Facebook nach dem Teilen von 5 Milliarden Links (Übertreibung) zu Antirassismus-Geschichten, dass ich schwarz bin? Oder….?

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IBB – Deine Beobachtungsgabe beleidigt mich

Crossposted auf High on Clichés

Schlagwörter: Rassismus – Derailing – Abwehrverhalten – Intersektionalität – Diskriminierung – intersektionelles Bullshit-Bingo

(Dieser Artikel nahm seinen Anfang vor dem Kuttner-Debakel. Ich schließe nicht aus, dass er auch in diesem Kontext hilfreiche Einblicke liefern kann, dafür ausgelegt ist er jedoch sicher nicht.)

Sogar die Polizei hat das größte Problem unserer Zeit erkannt*: wenn Menschen als rassistisch beleidigt werden.

Ich schreibe bewusst “beleidigt”, weil die Bezeichnung “Rassist/in” nicht etwa als Konsequenz dessen betrachtet wird, dass man eine rassistische Handlung beobachtet hat und der Person daraufhin eine passende Bezeichnung zuweist. Sie gilt schlicht und ergreifend als Beleidigung, als würde ich “Arschloch” sagen.
Die Logik dahinter will mir nicht in den Kopf.

Obwohl man es nach gängigen Diskussionsverhalten erwarten würde, wird nicht einmal scheinbar zum Thema gekontert (“Bla kann nicht rassistisch sein, denn Bla hat nichts gegen Ausländer.” oder “Bla ist gut befreundet mit einem Schwarzen – HOMIES FOREVER.”), nicht einmal die Mühe klassisches Derailing zu verwenden macht man sich also. “Rassist/in” ist schlicht und ergreifend ein neues Schimpfwort geworden, dessen inhaltliche Bedeutung (“rassistisch denken oder handeln”) man völlig ignoriert. Eine inhaltliche Debatte über das, was Anlass zu der Bezeichnung gab, ist damit nicht mehr möglich. Man könnte also sagen, der empörte Aufschrei nach einer Rassist/in-”Attacke” ist die beste Derailing-Taktik.

Wegen der neuen(?) Bedeutung von “Rassist/in” stoße ich auch in Gesprächen auf Unverständnis, wenn ich unumwunden sage: “Ja, ich bin rassistisch”. Entweder nehmen Menschen an, dass ich was falsch verstanden habe und wollen die böse Aussage, die man mir eingeredet haben muss, abschwächen oder Personen, die mir näher stehen, sind der Meinung, dass ich es mit meiner kritischen Selbstanalyse inzwischen übertrieben habe und “nicht so hart mit mir ins Gericht gehen” solle – in jedem Falle wird “rassistisch” im Kopf mit der beleidigenden Note in Zusammenhang gebracht.
Tatsache ist: ich sage das weder, weil ich krasse Hetze gegen Einheimische anderer Länder, Migrant*innen oder Deutsche of Color betreibe, noch weil ich Ally-Sternchen bekommen möchte, weil ich so toll introspektiv bin (à la “Seht her! Ich habe entdeckt, dass ich sexistisch bin! Geil, wa? … Oh ja, ich will voll dran arbeiten.”) – nein, für mich ist es eine nicht wertende Tatsachenbeschreibung. Man kann mich aufgrund dieser Bezeichnung bewerten, wenn man das möchte, die Beschreibung selbst ist aber keine Beleidigung. Sie sagt aus, dass ich weiß, dass ich als Weiße in einem rassistischen Land aufgezogen wurde und all die Bilder, die ich dadurch aufgenommen habe und noch aufnehme, ihre Spuren hinterlassen haben, gegen die ich aktiv vorgehen, die ich aber sehr unwahrscheinlich restlos beseitigen kann. Viele werden mir wahrscheinlich auch nie bewusst. Ganz davon abgesehen, dass ich spätestens bei rassistischen Strukturen mit Solidarität nicht weit komme. Ich kann dagegen protestieren, dass racial profiling als zulässig erklärt wurde, werde aber immer noch weiß sein, wenn ein*e rassistische*r Kontrolleur*in in der Bahn meine Karte mit dem Blick streift und bei der schwarzen Frau* neben mir ganz genau hinsieht.

Also merke: nicht alles, was weh tut, ist eine Beleidigung. Manchmal ist der Schmerz ein Zeichen von unwillkommener Erkenntnis.
Es war zwar nicht beabsichtigt, dass es wieder einen roten Faden in meinen Beiträgen gibt, aber ich kann nur auf meinen vorherigen Artikel zum Abwehrverhalten verweisen: wenn dich eine*r als -istisch bezeichnet, mach’s erst mal ganz in Ruhe mit dir aus, bevor du losschlägst.

*In dem Fall, von dem ich spreche, sagte ein Polizist etwas sehr Rassistisches zu einer Frau* (was ich aus diesem Grund nicht verlinke), die daraufhin darauf bestand, dass die Aussage nicht in Ordnung sei. Dann zeigte man sie an.

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,,Woher kommst du?” – Auch eine Delikate Frage für (ehemalige) Heimkinder.

Meine Lebensgeschichte (oder einen Aspekt davon) bekamen Menschen zum Teil recht unfreiwillig beim Smalltalken mitgeliefert. Das geschah, als ich das Prinzip ,,Smalltalk“ noch nicht so ganz verstanden hatte.
Gespräche liefen (oftmals 1:1) so ab:

xyz: ,,Hey, ich bin xyz! Und wer bist du?”
Ich: ,,Ich bin zyx(nichtdeutscher Name).”
xyz: ,,Ach wie lustig, du heißt ja zyx!”
Ich: ,,Ja genau. Ha ha.”
xyz: ,,Und woher kommst du?”
Ich: ,,Ähm. Ich bin in Hannover geboren.”
xyz: ,,Nee, ich mein… ursprünglich.”
Ich: ,,Meine Eltern kommen aus der Türkei.”
xyz: Mögliche Antwort 1: ,,Ach, du wirkst gar nicht türkisch!”
Mögliche Antwort 1.1: ,,… sondern[anderes Ausland einfügen, von indisch bis estnisch war da alles drin]
Mögliche Antwort 2: ,,Du kannst aber gut deutsch!”
Ich: ,,Tjaja.”
xyz: ,,Sprichst du Türkisch?”
Ich: ,,Nee.”
xyz: ,,Wieso nicht?”
Ich: ,,Weil ich nicht bei meinen Eltern aufgewachsen bin, sondern im Heim.”
FAIL.

Was ist das, was mich an dieser Situation ärgert? Erstmal, dass sie so, wie mensch sie hier liest, tatsächlich ablief, immer und immer wieder. Und bald verliert mensch den Glauben daran, dass Menschen und Begegnungen individuell sind.
Zweitens: Nicht der rassistische Unterton ließen diesen Smalltalk problematisch erscheinen für meine Umgebung (kleiner Brainstorm: fremdklingender Name: Lebenswirklichkeit muss anderes Land/Kultur sein; und was bitte ist ,,ursprünglich”, wenn Menschen schon immer von einem Ort zum anderen gezogen sind?; türkisch ,,wirken” heißt: gewisse Rassenmerkmale aufzuweisen wie …?; Verwunderung über Sprachkenntnisse), nein, problematisch war meine ehrliche und selbstbewusste Antwort, in der ich erwähnte, Heimkind zu sein, d.h. in einer Alternative zur Kernfamilie aufgewachsen zu sein. Und ähnlich, wie Lesben und Schwule (und viele andere) sich auf der Arbeitsstelle anhören dürfen, doch nicht von ihren ,,sexuellen Vorlieben” zu reden, wenn es um ihre Partnerschaften geht, weil sie nicht das Normale repräsentieren, so ähnlich wollte man mich zum Schweigen bringen, weil mit Heimleben das Andere, die Abweichung repräsentiert wird. ,,Heim”, das ist voller Symbolik über grausame Erziehungsmethoden, Missbrauch, böse Betreuer*innen, kriminelle Kinder. Dass es soetwas wie eine glückliche, eine gesunde Kindheit in Heimen gibt, dass auch hier interessante, vielfältige, tolle Menschen leben, darüber wird nicht geredet. Es verwundert mich, dass Menschen nicht nachfragen, wenn es schlicht ungewohnt für sie ist; dass sie bei der Erwähnung vom ,,Kinderheim” oft nur kurz abnicken in meiner Erfahrung und dann ihre eigenen Vorurteile züchten. Was ich dann in der Beziehung zu ihnen langfristig mitkriegen werde.
Wer Familien individuell betrachtet, weiß, dass es ziemlich viel Scheiße in jeder Familie geben kann. Doch sobald Heim und Familie als Dualismus gesehen werden, scheinen Menschen alles Negative, was auch in Familien vorkommt, auf das Leben im Heim zu übertragen. (Emotionale) Vernachlässigung, rauer Umgang, strenge Ordnung, wechselnde Bezugspersonen. Achja, und vermutlich hat es GRÜNDE™, warum das Kind im Heim ist, die sicher auch in seinen Genen vorliegen/auf eine alkoholabhängige Mutter/einen dauerschwangeren Vater hinweisen, der/die Drogen nahm/im Gefängnis saß/Sex vor der Ehe hatte/sonstwie ein schillerndes Leben führte.
Weil ich es müde geworden bin, eine Heimvergangenheit als annehmbare Alternative für ein Familienleben durchzusetzen, bin ich auf Umgehung Heikler Fragen™ umgeschwungen. Das heißt, ich antworte auf jeglichen Smalltalk-Mechanismus, der unweigerlich dazu führen wird, dass ich erzählen muss, warum ich so gut deutsch/kein Türkisch spreche, damit, dass ich einfach sehr viele deutsche Freunde hatte. Das ist sehr simpel. Es hilft mir aber nicht, weil ich damit selber einen wichtigen Teil von mir leugne und ihn der Marginalisierung überlasse, anstatt ihn wieder mit etwas Positivem zu besetzen, als Lebenswirklichkeit, die auch im alltäglichen Umgang mit anderen Menschen nicht verheimlicht werden müsste.
Was denkt ihr darüber?

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Neues Rassistisches Theater Halle

Wie auf buehnenwatch.com zu verfolgen ist, hat das Ńeue Theater Halle sich ebenfalls in das Rennen um das rassistischste Theater Deutschlands begeben. Seine Chancen stehen meiner Einschätzung nach recht gut.
Der Titel ihrer Version von Othello lautet “Othello.VenedigsN****”. Nein, ohne die Sternchen. Plakate dieses Titels hängen in der Stadt verteilt.
Über die weitere Reaktion des Theaters muss ich eigentlich kein Wort mehr verlieren, passender wäre eine Bingokarte. Kunstfreiheit, “Provokation”, man solle sich doch erst einmal das Stück ansehen, zeitgemäß. Blabla.
Wer die Nerven hat, kann sich in die Facebook-Diskussion einklinken. Anscheinend hilft in solchen Fällen nur Masse, damit die “Kunstschaffenden” bereit sind, ihre Praxis zu überdenken.

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Ich sehe aus wie Merkel

Lang hab ich überlegt, was ich in meinem ersten Post schreiben möchte. Vor allem der Vorstellungsteil bereitete mir Kopfzerbrechen. Was möchte ich gerne in welcher Form über mich schreiben? Eigentlich nichts, ich binde Kram lieber an passender Stelle ein. Ich werde Details zu meiner Person einfach in den Artikeln verstecken.

Ich sehe aus wie Angela Merkel. Diese Ähnlichkeit war mir bis gestern noch gar nicht so aufgefallen. Doch seit knapp einer Woche bekomme ich öfter gesagt, dass alle möglichen Menschen aussehen wie Philipp Rösler: Zuerst ein Tanzlehrer und dann, gleich von verschiedenen Seiten, der Priester der Hochzeit, auf der ich gestern war. Am Outfit hat’s wohl nicht gelegen, die Katholischen sind schon sehr speziell mit der Wahl ihrer Klamotten. Aber was kokettier ich hier rum, natürlich geht’s um die Hautfarbe. Mit Merkel hab ich übrigens mehr Gemeinsamkeiten als Rösler mit dem Priester (hier versteckter Vorstellungsteil ;-) ): Wir sind beide weiß, Cis-Frauen, mögen Social Media (hab ich mal irgendwo gehört), Frisuren sind so eine Sache. Merkel könnte meine Schwester sein.

Aufgrund meiner Ähnlichkeit mit Merkel durfte ich auf der Hochzeit erstmals erleben, dass ich mich fragte, ob ich es schaffen könnte, mich über mehrere Köpfe einer Menschenmenge hinweg auf eine ältere Frau zu werfen und dann mit dieser gemeinsam die Kirchentreppe runter zu purzeln. Wäre jedenfalls ein schöneres Event für die Hochzeitsanekdoten als die tatsächlich erfolgte Zurschaustellung von white privilege. Besagte ältere Frau bewegte sich im Pulk der nicht unerheblichen großen Anzahl von Hochzeitsgästen aus der Kirche heraus. Der Priester steht am Ausgang und verabschiedet sich bei möglichst Vielen persönlich. Es geht somit nur langsam voran. Ich stehe gerade auf der anderen Seite des Pulks, da höre ich die magischen Worte „Wo kommen Sie denn her?“. Der Priester gibt ihr eine lange Antwort – es dauert bekanntlich eine Weile, die Familienzusammenhänge bis zu den Großtanten 7. Grades (Übertreibung) zu erläutern. (Vietnam ist übrigens meines Wissens nicht gefallen – nur falls wirklich ein_e Leser_in annimmt, die Ähnlichkeitsannahme läge an der Abstammung.) Abgesehen von der rassistischen Frage, hat das den Ablauf erheblich verzögert…

Doch wenn ich auch den Hechtsprung über die Menge nicht gemacht habe, wie hätte ich mit der Situation vernünftig umgehen sollen? Jede Form der Einflussnahme hätte die Autorität des Schäfchen-hütenden Priesters untergraben, oder? Ideen, Vorschläge? Vielleicht gibt’s ja Gläubige unter Euch, die was darüber wissen, wie die Gemeinde Priester_innen vor Rassismus seitens der Besucher_innen schützen kann?

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