Schlagwort-Archiv: Right Planet Syndrome

RPS: Neurotypische lügen fast immer

Nach jahrelanger intensiver Forschung steht nun fest: Neurotypische mit Right Planet Syndrome (RPS) lügen fast immer.

Grundlage der Forschung war die in Alltagsgesprächen häufig auftauchende Bitte, doch „mal ehrlich“ zu sein. Nach Prüfung aller möglichen Ursachen der Sitte um eine „ehrliche“ Einschätzung oder Antwort zu bitten, ist nicht davon auszugehen, dass Neurotypische mit RPS meistens die Wahrheit sagen. Die explizite Bitte um „Ehrlichkeit“ lässt nur zwei Ursachen zu:

1. Die erste Ursache ist zugleich die naheliegendste: Neurotypische mit RPS gehen davon aus, dass sie nur dann eine „ehrliche“ Antwort erhalten, wenn sie explizit darum bitten. Daher muss davon ausgegangen werden, dass NTs in der Regel lügen und nur dann davon abweichen, wenn sie dazu aufgefordert werden. Dieses – über die Bitte zum Ausdruck gebrachte – Wissen um die soziale Regel normalerweise zu lügen und eben nur auf Wunsch ehrlich zu sein, deutet darauf hin, dass eben diese Bitte implizit auch die Bereiche benennt, in der gelogen werden soll. Unmarkiert ist also die Lüge und damit der Regelfall.

2. Insbesondere für diese zweite Ursachenklärung wurden die Jahre intensiver Forschung benötigt: Neurotypische mit RPS bringen mit der Bitte um „Ehrlichkeit“ das Gegenteil zum Ausdruck. Grundlage dieser bei näherer Hinsicht überzeugenden Interpretation ist die Beobachtung, dass die Bitte nur dann auftaucht, wenn es auf die Antwort der gefragten Person seitens der fragenden Person ankommt. Das soziale Setting dieser Situation ist häufig dergestalt, dass die Entscheidung, welche „ehrlich“ kommentiert werden soll, eigentlich schon getroffen ist, z.B. bei der Partner_innenwahl, getätigten Einkäufen oder geleisteter Arbeit. Die Wahrscheinlichkeit, dass die um „Ehrlichkeit“ bittende Person ihre Entscheidung bei einer negativen Einschätzung der gefragten Person wirklich revidieren möchte, ist dabei anzuzweifeln.

Zahlreiche Tests haben kein eindeutiges Ergebnis offenbaren können. Zu verschiedenen Anlässen haben unsere Forscher_innen als gefragte Personen alle 4 Möglichen Szenarien durch entsprechende Antworten herbeigeführt:

Situation 1: Ehrliche Antwort, welche positiv zur getroffenen Entscheidung ausfiel.
Situation 2: Ehrliche Antwort, welche negativ zur getroffenen Entscheidung ausfiel.
Situation 3: Gelogene Antwort, welche positiv zur getroffenen Entscheidung ausfiel.
Situation 4: Gelogene Antwort, welche negativ zur getroffenen Entscheidung ausfiel.

In den Situationen 1 und 3 konnte keine nennenswerte Reaktion seitens der fragenden Person festgestellt werden.  In Situation 2 und 4 waren die Reaktionen so divers, dass sich eine Auswertung bisher als nicht durchführbar erwies. Erwähnenswert ist jedoch, dass in Situation 4 bei Offenlegung der Lüge, sich die fragenden Personen nach einem Lachen ohne Umschweife wie in Situation 1 und 3 verhielten. Die Lüge wurde also offenbar nicht als Problem empfunden, obwohl sie dem explizit erbetenem Verhalten wiedersprach. Letzteres und die weitgehend neutrale Reaktion auf gelogene und ehrliche positive Einschätzungen lässt den Schluss zu, dass es bei der „Bitte um Ehrlichkeit“ nicht im Geringsten um die Ehrlichkeit geht, sondern möglicherweise um die positive Einschätzung, die jedoch gelogen sein darf. Das wiederum lässt den Schluss zu, dass wenn selbst die „Bitte um Ehrlichkeit“ gelogen ist, es auch nicht besser um andere Aussagen steht.

Noch ist ungeklärt, wie es sich mit der Findung der passenden Lüge verhält, gibt es doch weitaus mehr gelogene als ehrliche Aussagen. Stellt der Anpassungsdruck die Auswahlkriterien oder ist dies „zwischen den Zeilen“ verborgen? Hat der mangelnde Sinn für Ehrlichkeit etwas mit mangelndem Interesse zu tun? Trifft die zweite mögliche Ursache zu, ist es vermutlich eine Form von „indirekter Kommunikation“,  doch ist dies auch der Fall bei der ersten Ursache?

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Quatschen mit den Suchenden

Wie jeder Blog bekommen wir mehr Besuche als Kommentare. Wie wohl viele Blogger_innen verbringe ich eine unglaubliche Zeit mit dem Betrachten der Statistiken. Dort findet sich u.a. eine Auflistung der Suchbegriffe über welche takeover.beta nicht nur gefunden wurde, sondern auch besucht wurde. Viele der Suchbegriffe erschüttern mich, viele Suchbegriffe ärgern mich und bei vielen find ich’s schade, dass wir vermutlich nicht ins Gespräch gekommen sind. Aber „hey“ ich kann ja antworten!

„lesbenfilme“, „wo kann man lesbische filme schauen?“ etc.
Wenn Du Interesse hast, gibst folgende Möglichkeiten, an diese zu gelangen: Konny von lesben.org betreibt einen amazon-shop, das Lesbenkaufhaus hat sie alle und bei Filme für Frauen können einige geliehen werden.

„right planet syndrom wiki“
Noch hat Dr. autistic Summers Forschung es noch nicht zu einem wikipedia-Eintrag geschafft. Dennoch gibt’s zum Weiterlesen hier ein geschlossenes Institut.

„coole namen für dalmatiner“
Das ist wirklich schwierig ;-) .

„stephanie lesb“
Da fehlt ein „e“!

„da bin ich nicht kompetent genug“
Welche_r ist das schon?

„elis hi ich bin ein bi hi daki“
Da bin ich auch überfragt, aber hat mir einige schöne Stunden beschwert, über die Bedeutung dieser Suchphrase nachzudenken.

„samia weiss was freischalten“
Samia ist die Beste, also bitte immer freischalten!

„ich bin lesbe und ich will es vollkommen ausnutzen wie geht das“
Da hilft nur lizzy the lezzy.

„warum nimmt elena nicht damon“
Ich versteh das auch nicht!!!

„schimpfwort nazi eine beleidigung?“
Ich glaub ja nicht, dass Nazi ein Schimpfwort ist. Vielmehr sollte es sich um eine Beschreibung des Gedankenguts der betitelten Person handeln. Ob’s dann für die Person eine Beleidigung ist, ist mir ehrlich gesagt schnuppe.

„muss man sich als frau angrapschen lassen“
NEIN!!!!

„ich werde meinen ansprüchen nicht gerecht“
Welche_r wird das schon?

„parken sie ihre lesben“
Ich will auch wissen, wie das geht!

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RPS-Beispiel: Zwischen den Zeilen lesen

Menschen mit RPS rühmen sich einer eventuell beneidenswerten Fähigkeit, das sogenannte „Lesen zwischen den Zeilen“. Eine damit zusammenhängende, jedoch seltener thematisierte Fähigkeit ist das „Schreiben zwischen den Zeilen“, was bedeutet, dass Aussagen in Texte und Sätze formuliert werden, welche dort nicht stehen. Die Forschung vermutete zeitweise, dass sich diese Aussagen in den Leerzeichen und/oder Zeilenabständen verstecken. Mikroskopische Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass dort auch unter extremer Vergrößerung nichts steht. Ebenso scheint zusätzlich mit den Fähigkeiten „Lesen“ und „Schreiben“ auch die Fähigkeiten „Zwischen den »Zeilen« hören“ und „Zwischen den »Zeilen« sagen“ einherzugehen, da auf diese Gesamtfähigkeit auch bei mündlichen Aussagen Bezug genommen wird. Allerdings mit der Formulierung „zwischen den Zeilen lesen“, was eventuell ein Indiz dafür ist, dass dies eine Visualisierungsbegabung ist und damit scheinbar im Bereich der Synästhesie anzusiedeln ist.

Die aktuelle Forschung geht davon aus, dass die grob als „Zwischen den Zeilen lesen“ benannte Fähigkeit mit der Sitte der indirekten Kommunikation zusammenhängt. Während mit der indirekten Kommunikation das tatsächliche Interesse kaschiert werden soll, wird das kaschierte Interesse über das „Lesen zwischen den Zeilen“ enttarnt und kann so scheinbar thematisiert werden. Eventuell handelt es sich also dabei um einen rivalisierenden und damit konfliktträchtigen Vorgang, da die Intention der indirekten Kommunikation nicht in der Entschlüsselung bestehen kann. Wäre Letzteres der Fall, hätte ja gleich direkt kommuniziert werden können.

Dennoch gilt als schlüssig, dass die Fähigkeit „Zwischen den Zeilen schreiben“ einerseits nicht notwendig für indirekte Kommunikation ist und andererseits auch in Fällen von direkter Kommunikation eingesetzt wird. Das „Zwischen den Zeilen lesen und schreiben/sagen und hören“ ist also eine von der indirekten Kommunikation scheinbar unabhängige Tätigkeit.

Sowohl in der empirischen Forschung als auch bei der Formulierung von Beispielen für erläuternden Texten, steht die Forschung vor dem Problem, dass aufgrund der fehlenden Fähigkeit „Zwischen den Zeilen schreiben/sagen“ keine Testtexte und Beispiele formuliert werden können, da eben die Forscher_innen nichts „dazwischen“ schreiben können und somit, z.B. für Testfragebögen. die Rückmeldung unumgänglich ist, dass dort nichts steht.

Daher wäre ich Ihnen dankbar – sollten Sie mit dem Right Planet Syndrome ausgestattet sein -, wenn Sie in den Kommentaren Beispiele formulieren würden, in welche Sie Aussagen zwischen die Zeilen schreiben. Ich freue mich ebenso über zusätzliche mir zugängliche Ausschreibungen dieser Aussagen, entweder von Ihnen selbst oder von anderen Leser_innen, die zumindest zwischen den Zeilen lesen können.

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RPS-Beispiel: Unehrlichkeit (Collage)

Transcript folgend:

Comic von Fuchskind:

Bild 1 (scheinbar Schulhof):
Beschriftung: Oft offenbarte sich mir aber kein logischer Zusammenhang vom Sinn und Zweck.
Figur A: Sehen wir uns später?
Figur B: Ja, klar!
Figur C: Klaro!
Hauptprotagonisten steht mit Abstand zur Gruppe von Figur A-C im Bild.

Bild 2 (scheinbar Schulhof):
Figur A: Freu mich, bis dann!
Figur C: Ich mich auch!
Figur B steht lächelnd dabei.
Hauptprotagonisten steht mit Abstand zur Gruppe von Figur A-C im Bild.

Bild 3 (scheinbar Schulhof):
Hauptprotagonistin und Figur C und B gucken der aus dem Bild verschwundenen Figur A hinterher.

Bild 4 (scheinbar Schulhof)
Figur B: Gott ist die nervig!
Figur C: Kaum zum Aushalten!
Hauptprotagonisten steht mit Abstand zur Gruppe von Figur A-C im Bild, mit Fragezeichen über dem Kopf.

Bild 5 (Party):
Beschriftung: Faszinierenderweise kann ich manche Beobachtungen von damals auch noch heute entdecken.
Figur D winkt: Bis morgen!
Figur  E und F: Mach’s gut!
Hauptprotagonistin steht mit anderer Figur im Bild.

Bild 6 (Party):
Figur E: Was für ‘ne [leider sexistischer Begriff] Schlampe!
Figur F: Hast Du das Kleid gesehen? Irks!
Beschriftung: Und sie machen genauso wenig Sinn wie früher.

Bild 7 (Klassenzimmer):
Hauptprotagonistin sitzt alleine ein Buch lesend am Tisch.
Beschriftung: Es gab mehr Gründe lieber für sich alleine zu bleiben, statt mit anderen Kindern zu spielen.

 

“Jetzt überlegen SIe einmal: Wir sind in der Minderheit. Selbst, wenn jede/r Normale es mit 2 – 3 Autisten zu tun hätte, die ihn/sie ählich nerven wie ich, so sollten sie ab und zu bedenken daß ich von Normelen umgeben bin.”  Quelle: Vera F. Birkenbihl

 

Nothing more to add. / Nichts hinzuzufügen.

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RPS-Beispiel: Indirekte Kommunikation

Neurotypische (NTe) mit Right Planet Syndrom haben ein eigenes Verhältnis zu ihren Interessen. Dies wird besonders deutlich, bei etwas, dass sie „indirekte“ Kommunikation nennen. „Indirekt“ ist eine Aussage, wenn die Aussage nicht das Gemeinte aussagt. Nicht nur der Anpassungsdruck soll dazu führen, dass das eigentliche Gemeinte in der „indirekten“ Aussage entschlüsselt wird.  Geschieht die Entschlüsselung nicht sind häufig Verzweiflung, Wut und Gefühle aufgrund als mangelhaft empfundener Wertschätzung beobachtbar.

Beispiele für „indirekte“ Kommunikation:

  1. „Ich habe Durst.“
  2. „Glaubst Du, dass das eine gute Idee ist?”
  3. „Ich würde das ja nicht so machen.“
  4. „Ich habe die Buntwäsche vor die Waschmaschine gelegt.“

Nach umfangreicher empirischer Forschung bedeuten diese Aussagen:

  1. „Biete mir etwas zu trinken an!“
  2. „Ich halte das für keine gute Idee.“
  3. „Du sollst das nicht so machen!“
  4. „Falls Du noch Buntwäsche hast, leg sie vor die Waschmaschine.“

Eventuell kann es sinnvoll sein, die „indirekte“ “Do I need to hold up a sarcasm sign every time?” That would be helpful; thanks.Submitted by: matthew0440Kommunikation als Fremdsprache zu erlenen. Doch angesichts von häufiger vorkommenden Problemen mit dieser Kommunikationsform ist auch eine generelle Reflektion denkbar. Beispiele für Probleme mit „indirekter“ Kommunikation auch unter NTen mit Right Planet Syndrom sind:

  • „Glaubst Du, dass das eine gute Idee ist?“ – „Ja.“
  • „Ich habe Durst.“ – „Ich auch.“
  • „Das ist aber ein schönes Kleid!“ – „Meinst Du das steht Dir?“

Weiterhin scheinen die tatsächlichen Aussagen von Aussagen, die in der “indirekten” Kommunikation verwendet werden, für die Kommunikation verloren zu gehen.

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RPS-Beispiel: Darf ich [Name] anrufen?

Die vermehrt neurotypische Darstellung dieses Problems erfolgt häufig in US-amerikanischen Spielfilmen über die 3-Tagesregel für romantische Beziehungen, nach welcher Frauen überhaupt nicht anrufen dürfen, Männer erst drei Tage nach einem „Date“ und Menschen, die weder Frau noch Mann sind, nicht vorkommen. Zum Beispiel (insbesondere 0:20-0:27  und 1:06-1:15):


[Trailer des Kinofilms "Er steht einfach nicht auf dich". Transcript der Passagen siehe unten. kiturak]

Auch im deutschen Umfeld – sowohl in Spielfilmen als auch außerhalb von Spielfilmen – gibt es ein ähnliches neurotypisches Symptom: Eine unbeteiligte Person wird nach den Bedürfnissen einer abwesenden Person befragt, an welcher die fragende Person ein romantisches, sympathiebezogenes oder sexuelles Interesse hat. Derartige Fragestellungen sind zum Beispiel:

  • „Sollte ich mich bei ihm_ihr melden?“
  • „Ich hab eine SMS geschickt und noch keine Antwort bekommen. Wirkt es „komisch“, wenn ich mich nochmal melde?“
  • „Glaubst Du, ich wirke verzweifelt/interessiert/übergriffig/etc., wenn ich mich (nochmal) bei ihm_ihr melde?“
  • „Glaubst Du ich überfordere [Name] mit langen E-Mails/häufigen Anrufen/[Sympathiebekundungen]?“
  • „Warum hat [Name] sich noch nicht gemeldet?“

Grundlage dieser Fragestellung ist natürlich das Right Planet Syndrome, da dies die einzige Erklärung dafür ist, warum die fragende Person glaubt, von der unbeteiligten Person erfahren zu können, wie die abwesende Person eine Handlung auffasst. Selbstverständlich ist die einzige Person, die diese Fragen korrekt beantworten könnte, die abwesende Person. Die abwesende Person gilt jedoch als unfragbar, da anscheinend das Interesse kaschiert werden muss. Ebenso kommt es vermehrt zu „Glückstreffern“ der gefragten Person aufgrund des Anpassungsdrucks.

Für die Therapie ist der emotionale Zustand der fragenden Person ein guter Ausgangspunkt, um die Reflektion dazu zu beginnen, ob es wirklich notwendig ist, weiterhin daran festzuhalten, dass sie ihre eigenen Interessen kaschieren muss und ob eine direkte Kommunikation mit der die von der Frage betroffene Person nicht einerseits zur Problemlösung zweckdienlicher wäre und ein Kennenlernen außerhalb der Anpassungsdruck-Problematik erleichtern würde.

P.S.: I’m totally in love with Rachel Cohen-Rottenberg. Ich werde nach dem Vorbild ihrer fantastischen Analyse des EQ-Test demnächst außerhalb der RPS-Reihe etwas Ähnliches für die Prosopagnosie-Tests machen.

[Transcript Video-Passagen:
0:20 Gigi (Ginnifer Goodwin) am Telefon, liest von einem Block ab: Hi Connor! Du hast Dich nicht gemeldet, und mal ehrlich: Dass Frauen immer darauf warten müssen, bis die Typen sie anrufen, ist doch bescheuert, oder?

1:06 Gigis Anrufbeantworter: Sie haben keine neuen Nachrichten.
(eingeblendete Unterhaltung zwischen Gigi und Alex)
Alex (Justin Long): Du meinst, Du bist tagelang zwanghaft um Dein Telefon rumgeschlichen?
Gigi: Vielleicht hat er meine Nummer verloren oder ist verreist oder wurde von einem Taxi überfahren?
Alex (im Bild): Oder er will vielleicht einfach nichts von Dir.
(Gigi schaut verständnislos)]

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RPS: Interesse

Bevor ich mich den Einzelbeispielen widme, ist noch eine weitere Grundlage des Right Planet Syndromes zu klären. Wie bereits aus der Anpassungsdruck-Problematik erahnbar ist, geht mit dem Right Planet Syndrome eine Welt- und Selbstwahrnehmung einher, die es Neurotypischen beinahe unmöglich macht, Interesse zu empfinden. Interesse ist ein Gefühl, das bedingt, ob etwas erfahren, kennengelernt oder erlernt werden möchte.

Es gibt zwei Theorien, welche versuchen zu klären, wie es sich mit diesem Gefühl für Menschen mit Right Planet Syndrome verhält:

Theorie A: Menschen mit Right Planet Syndrome scheint das Gefühl „Interesse“ gänzlich unbekannt zu sein und wird von diesen daher durch die Kalkulation von Eigenbedürfnissen ersetzt. So werden Neurotypische häufig als manipulativ wahrgenommen, da sie eben keine klare Aussagen über ihr Interesse an Themen oder Menschen machen können, sondern das fehlende Bewusstsein für Interesse durch Verschleierungstaktiken zugunsten ihres Eigeninteresses kaschieren. Daher werden zum Beispiel aufgrund von romantischen Bedürfnissen, gemeinsame Interessen vorgetäuscht, was bereits in zahlreichen Spielfilmen problematisiert wurde.

Theorie B: Menschen mit Right Planet Syndrome wird einerseits über ihr Syndrom und andererseits über den Anpassungsdruck beständig suggeriert, dass ihre Interessens-Gefühle, den Interessens-Gefühlen ihr Mitmenschen gleichen. Dadurch stellt es für sie eine extreme Verunsicherung dar, wenn sie zumindest scheinbar nicht ebenso Interesse empfinden. Dies führt insbesondere in sozialen Beziehungen zu Problemen, zum Beispiel: Unterhaltungen werden geführt, obwohl das Thema zumindest für eine Partei uninteressant ist; aus mangelndem Interesse wird nur unzulänglich zugehört; sexuelle Beziehungen werden als romantisch deklariert (und umgekehrt).

Ob nun Theorie A oder Theorie B zutrifft, ist es in beiden Fällen wesentlich, Menschen mit Right Planet Syndrome eine Brücke zu bauen, durch welche sie benennen können, was sie bewegt, damit sie sich und ihre Mitmenschen angstfrei kennenlernen können. Davon hätten auch wir im Alltag und in der Therapie einen erheblichen Vorteil: Endlich nicht mehr raten zu müssen, worum es ihnen wirklich geht.

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RPS: Anpassungsdruck

Vielen Menschen ist eigen, dass sie sich in der Welt wiederfinden wollen in der sie leben. Doch um sich in der Welt wiederzufinden, muss in ihr gelebt werden und die Welt muss so eingerichtet sein und werden, dass alle Menschen, die sich wiederfinden wollen, in ihr leben können. Für Neurotypische mit Right Planet Syndrome (RPS) ist dies besonders schwer, denn sie justieren nicht die Welt zu ihren Gunsten, sondern sich zugunsten der vorgefundenen Welt. Damit können sie sich jedoch nicht in der Welt wiederfinden, da sie nur ihr justiertes Selbst in die Welt einbringen. Die Folge sind Unzufriedenheit, Stress, häufig Depressionen und scheinbar mangelnde Empathie mit Mitmenschen, seien sie neurotypisch oder –divers. Das Right Planet Syndrome (RPS) führt zudem dazu, dass sie diesen Weg als den einzig richtigen empfinden und so die damit einhergehenden Probleme nicht auf die Ursache zurückführen können: Den Anpassungsdruck.

Neurotypische mit Right Planet Syndrome bestärken sich zunächst gegenseitig in ihrer Weltsicht und erzeugen so einen Anpassungsdruck an die vorgefundene Welt. Der Austausch zeigt, dass sie alle mit der Anpassung die gleichen Probleme erleben, die sie damit als „normal“ und unveränderlich verstehen. In einem nächsten Schritt tragen sie diese gemeinsame „Erkenntnis“ nach außen und geben so den Anpassungsdruck an all‘ ihre Mitmenschen weiter. Dies mag auf Menschen ohne Right Planet Syndrome herzlos (RW), gefühlskalt oder wenig empathisch wirken, da diese versuchen diesen Lebensweg ihren Mitmenschen aufzuzwingen´, obwohl sie um die damit zusammenhängenden Probleme wissen.

Doch sind sie nicht gefühlskalt, sie sehen nur keinen anderen Weg. Sie brauchen unsere liebevolle Unterstützung, um selbst zu erkennen, dass ein anderer Weg möglich ist und sie es verdient haben, ihre unjustierte Persönlichkeit in der Welt wiederzufinden.

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Right Planet Syndrome

In der Reihe „Dr. autistic Summer“ widme ich mich allen Problemen, die vor allem Neurotypische haben, aber gar nicht haben müssten. Kurz gesagt, es geht um das „Right Planet Syndrome“.

Das Right Planet Syndrome ist davon geprägt, das Menschen „von Geburt an“ glauben, dass sie auf dem richtigen Planeten geboren wurden, sie der Spezies angehören, in dessen Gemeinschaft sie leben und daher die sozialen Regeln der Gemeinschaft zu ihnen passen. Wichtig ist auch, dass die sozialen Regeln vermeintlich nicht ausgehandelt wurden, sondern der Spezies eigen sind. Das heißt, dass diese scheinbar unveränderlich und noch dazu für alle Individuen der Spezies richtig sind.

Die Naturalisierung von sozialen Verhaltensweisen führt dazu, dass von Betroffenen des Right Planet Syndromes bei zwischenmenschlichen Problemen „niemals“ auf die soziale Struktur geschaut wird, sondern das Problem als individuell wahrgenommen wird – eventuell wird sogar die soziale Regel als wegweisend für die zwischenmenschliche Problemlösung herangezogen. Dies kann natürlich für die Betroffenen der richtige Weg sein. Es kann jedoch förderlich sein, sich die Welt aus einer anderen Perspektive anzusehen und so zu neuen Problemlösungsstrategien zu gelangen. Somit sei diese Reihe jenen ans Herz gelegt, die lernen wollen, wie sie mit dem Right Planet Syndrome anders umgehen können.

Ein guter erster Schritt ist einzusehen, dass die Welt nicht so ist, wie sie sein muss. Die allermeisten Gegebenheiten der Welt sind sozial vereinbart und können somit neu verhandelt werden – sei es gesamtgesellschaftlich oder individuell. Es gibt bei diesen Gegebenheiten keinen Zustand der erreicht werden muss, weil er vermeintlich dem wahren Wesen der Welt entspricht, denn es gibt kein wahres Wesen der Welt.

Ob es nun um den Aufbau einer romantischen Beziehung, Höflichkeit oder den Bau von Häusern geht: Dr. autistic Summer wird Ihnen helfen, die Welt außerhalb Ihres Right Planet Syndromes zu verstehen.

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