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Emotional abuse is real abuse: Trauma ohne V.

Auch erschienen auf High on Clichés

Trigger-Warnung für Diskussion von verschiedensten Formen von Gewalt. Größtenteils, aber nicht nur, mündliche Gewalt. (TW sexualisierte Gewalt für Chwestas Link)

Eines Tages, als ich einen Artikel von Captain Awkward.com auf Twitter verlinkte, wies mich Joke daraufhin, dass der ‘ne Trigger-Warnung für emotionalen Missbrauch haben sollte. Und er_ hatte Recht. Warum hab’ ich das nicht selbst schnell hingeschrieben?
In meinem Kopf spielte sich der Test auf die üblichen Themen ab. Da es nicht um sexualisierte Gewalt ging, habe ich nichts ergänzt. – Aber das darf nicht der einzige Maßstab bleiben. Wie Chwesta in einem Beitrag sagt:

Und die wollte ich eigentlich nur wissen lassen, dass es auch möglich ist ohne V[…]¹ traumatisiert zu sein […]

Viele Gründe

Ich habe das Gefühl, dass noch kein Bewusstsein dafür besteht, dass man auch von “kleineren” Übergriffen Schaden davontragen kann. Geschrei, regelmäßigen Beleidigungen und vieles mehr zeigen eine Wirkung. Es gibt viele Bemühungen, die von sexualisierter Gewalt Betroffenen sichtbar zu machen (leider gegen starken Widerstand).
Was bei all dem schwer fällt, ist aber ein Bewusstsein zu schaffen, dass abuse² (grob “Missbrauch”) klein anfängt und trotzdem Spuren hinterlässt. Was auch fehlt, ist ein Bewusstsein, dass “bloße” Worte tiefe und bleibende Verletzungen verursachen können. Was deswegen vor allem fehlt, ist ein Bewusstsein, wann man sich denn überhaupt kaputt, ängstlich, fertig und überwältigt fühlen darf (oder sonstwie, es gibt keine Regeln).
“Aber andere haben’s viel schlechter”, mögen sich einige denken. “Wenn es Leute gibt, die so viel Schlimmeres erlebt haben, ist es dann nicht selbstsüchtig von mir, nach so einer Kleinigkeit zu einem Häufchen Elend zu werden?” (RW) Nein, ist es nicht.

Ich kann euch nennen, was ich schrecklich finde: Menschen, die Kinder anschreien oder respektlos behandeln. Und Männer*, die ‘rumschreien. Thema egal. Kann ich nicht haben. Fühle ich mich sofort arg unwohl. Ich hatte keine großen einschneidenden Erlebnisse. Die Umstände haben mich dennoch zu diesem Punkt gebracht.

Zum Beispiel

Wenn man auf verschiedene Formen von Gewalt schaut, ist es zum Beispiel auch absurd, was in unseren Kinos geschnitten wird. So weit ich das mitbekommen habe, ist ein Maßstab: Blut. Blut und abgetrennte Gliedmaßen. So übertriebener Kram wie Saw I bis XXV, da wird fröhlich geschnitten. (Auch in der Erwachsenen-Versionen. Why the fuck…) Wovon ihr aber Unmengen haben könnt, ist sexualisierte Gewalt. Die dann auch noch in der weiß-männlichen Wikipedia seltenst beim Namen genannt wird. Die krassesten *-ismen und Gewalt. Wird alles nicht geschnitten.
Es schert sich niemand drum, wie sehr das “unsere Kinder” mitnehmen kann, Gewalt zu sehen, die sich nicht in Litern Blut messen lässt.

Ein Beispiel außerhalb des Kinos ist “Alle lieben Raymond” (oder so ziemlich jede andere “Familien-Comedy-Serie” aus den USA, wenn ihr mich fragt). Das ist für mich echt zu fucking schlimm, mir das anzusehen.
Witze, die sich darum drehen, dass die Hauptfigur ein narzisstisches (nur sich selbst und die eigenen Interessen sehendes), sexistisches Arschloch ist und die Bedürfnisse von allen anderen ignoriert. Ein Ehepaar, dass sich gegenseitig fertig macht und sich einfach nur zu hassen scheint. Eine Familie, die so unglaublich kaputt ist, dass sie einfach nicht respektvoll miteinander reden können. Für mich ist das zu sehr Realität, als dass ich irgendwie drüber lachen könnte.³

Unsere Gesellschaft hat einfach keine Vorstellung von Gewalt, die keine körperlichen Spuren hinterlässt. Weil die Gesellschaft darauf beruht, sie fördert, ja sogar anerzieht (Diskriminierung). Wenn du davon betroffen bist, wird dir geraten härter sein, dich von sowas nicht ‘runterziehen lassen. Gefühle einfach schlucken und verdrängen ist die neue Stärke. Damit kann ich nicht leben.

1 Zitat verändert. Ich vermeide zur Zeit das Wort auszuschreiben. Gefällt mir mehr. Find ich weniger triggernd.

2 Ich benutze hier das englische Wort abuse statt “Missbrauch”, weil das deutsche weniger Bedeutungen abdeckt und selbst fragwürdig klingt. “falsch gebrauchen” ist nicht das Bild, was ich heraufbeschwören will (RW).
abuse kann für Missbrauch, verschiedene Formen von Gewalt stehen, aber auch wörtlich für “Beleidigungen”.

3 Weiteres, aber nicht ganz passendes Beispiel: Eragon. Das ist eine vierteilige Fantasy-Serie (die ich gestern hingeworfen habe, aber das ist ein anderes Thema).
Die Hauptfigur, Eragon, ist unterwegs mit der Drachin Saphira. Saphira lernt erst im Laufe der Erzählung Feuerspucken. Einmal lacht/schnaubt/? sie, als die Fähigkeit gerade neu ist und verbrennt Eragon fast. Er reagiert erbost. Nach einem kurzen Wortwechsel einigen sie sich, dass sein Unmut nicht gerechtfertigt war, denn es war ja nicht mit Absicht. ??? Ich weiß, das scheint wie eine Kleinigkeit, aber mich stört das wirklich.
Wenn ich unvorsichtig bin und jemanden an einer Treppe schubse und die Person fällt runter, dann stellen wir uns nicht hin und reden drüber, dass ich’s ja nicht mit Absicht gemacht hab. Mit sowas öffnet man Victim Blaming Tür und Tor. “Reg dich nicht auf, es war ja keine Absicht.” Das ist doch völlig scheißegal! Die Person am Fuße der Treppe hat, mit etwas Glück immer noch viele blaue Flecke oder – mit weniger Glück – gebrochene Knochen. HULK DO NOT LIKE.

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Warum f***en Leute sich nicht selbst?

Zuerst erschienen auf High on Clichés

Trigger Warnung emotionale Gewalt, sexualisierte Gewalt. Gilt auch besonders für den Link
Thema: Manipulation in (sexuellen) Beziehungen.

Diese Frage stelle ich mir immer wieder: Warum gibt es Menschen, die ihre*n Partner*in anbetteln, bedrängen, umgarnen, beknien, traurig ansehen, anschweigen, anschmollen oder beschimpfen, weil diese*r momentanes Desinteresse an Sex bekundet hat, statt es sich einfach selbst zu machen? (Nun gibt es einige, die das aus körperlichen Gründen nicht können, aber eine*n zu sexuellen Handlungen zu zwingen, wird dadurch nicht besser. Sie sind lediglich vom zweiten Teil meiner Frage ausgeschlossen.)
Warum erscheint es diesen Menschen als vorteilhaft, mit einem*r zu schlafen, di:er es folgerichtig nicht genießen wird? Es kann unmöglich daran liegen, dass der “Sex” besser wird, denn die andere Person hat keine Lust. Das Einzige, was hier Sinn macht, ist eine nicht Einverständnis-basierte sadistische Motivation und the hell, da kann ich nur sagen: Lauf so schnell du kannst. (Gut, das tue ich generell, wenn deine Partner*in/nen ein Nein, auch und vor allem im Bett, nicht anstandslos akzeptieren.)

Die einfache Antwort lautet natürlich: sie glauben, ein Recht darauf zu haben. Dieser Thread zeigt ganz gut, mit welchen Ausreden, die Aggressor*innen das rechtfertigen: ungleicher Sexdrive, “früher haben wir doch so viel”, “ich will aber” … in Realität ist es immer das gleiche: meine Bedürfnisse > dein Recht auf körperliche Selbstbestimmung. Und wenn das mal nicht abgefuckte sexistische Scheiße ist (wie ihr wahrscheinlich erraten habt, handelt es sich oft um eine Hetero-Beziehung, in der der Mann* Stress macht. Es stehen unzählige traurige Beispiele in dem Thread).
Wie hinter dem Link diskutiert wird, kommen noch einige andere Aspekte unserer patriarchalen rape culture hinzu: “Frauen* wollen ja eh nie”, “Frauen* haben ja generell eine geringere Libido” (was für ein abgefuckter Grund, um sie gegen ihren Willen zu zwingen) oder einfach der Fakt, dass uns Nein sagen und die Relevanz der eigenen Bedürfnisse vs. der anderer nicht im gleichen Maße beigebracht wird.

Eine Beobachtung aus dem Thread, die auch nicht vergessen werden sollte, lautet: wer ein Nein ignoriert, diskutiert, in Frage stellt, tut das nicht nur im Bett. Das Missachten der*s Partner*in erstreckt sich meist auch auf den Rest der Beziehung, in kleinen oder großen Formen. Oft geht dies einher mit gaslighting. Dieser Begriff bedeutet etwa, dass man einer Person so häufig die Realität und Legitimität ihrer Wahrnehmung/Gefühle abspricht, dass sie zunehmend an ihnen zweifelt und sich immer mehr an die Wünsche der*s Partner*in anpasst – meist um Auseinandersetzungen zu vermeiden. Oft wird dies auch davon begleitet, dass di:er Täter*in versucht, sire Partner*in von desren Freund*innen/Familie/unterstützendem Netzwerk zu entfremden.

Wie Gavin de Becker in seinem (victim-blamenden) Buch The Gift of Fear sagt: Nein, ist ein vollständiger Satz. (“No is a complete sentence.”) Dies bedeutet, dass eine Person, die ein Nein nicht respektiert, versucht dich zu manipulieren. “Nein” ist nicht missverständlich. Ablehnung ist, auch in Körpersprache, eindeutig.¹ (Mit der Ausnahme von Menschen, die Körpersprache schlecht lesen können.) Menschen, die eine Absage nicht stehen lassen, tun dies mit voller Absicht, weil sie dein Recht auf Selbstbestimmung nicht respektieren. This way lies doom.

1 (Übersetzung auf Anfrage)

Especially since nine times out of ten, the creepers I’ve seen can readily identify social cues from the other men, but flat out ignore them from women because it’s more fun to watch us get uncomfortable.

katyisbutthurt

I used to react to unwanted attention from a guy at a social event by going all small and uncomfortable and nonresponsive and “please just go away”, and that this left me with the impression that only about 40% of all guys are any good at reading social cues — and then I changed my body language to “go away now or I will reject you loudly and embarrassingly in front of everyone” and, hey, wow, what do you know, there are practically NO boys out there who can’t read body language, after all.

gemmaem

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