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Vampire Diaries: Elena und Damon

Am Donnerstag kam auf Sixx die neue Folge von Vampire Diaries (Spoilerwarnung also für alle, die die Serie auf Pro Sieben verfolgen). In dieser erfolgte die bisher beste „Wie kommt’s zum Kuss“-Szene, die ich je gesehen habe. Gleichzeitig belegt diese eine These, die ich gleichermaßen gegenüber True Blood (Spoiler: Behandele auch Kram aus der 4. Staffel) und Vampire Diaries vertrete:

In beiden Serien ist die weibliche Hauptfigur (Sookie, Elena) an zwei Männern interessiert: Einen scheinbar bemüht moralisch Integeren (Bill, Stephan) und einem „Halunken“ (Eric, Damon). In beiden Fällen ist der scheinbare Integere bemüht, für sich und die weibliche Hauptfigur die richtige Entscheidung zu treffen und der „Halunke“ auf der ersten Interpretationsebene übergriffig. Diese Übergriffigkeit ist aus meiner Interpretation so ausgelegt, dass er zwar darauf scheißt, was die weibliche Hauptfigur will, aber beständig daran interessiert ist, dass die weibliche Hauptfigur weiß, was sie will. Sie muss sich gegen den Willen des „Halunken“ durchsetzen, während der Integere den Willen anerkennt/fördert, den er gut findet: Sie muss und kann sich nicht gegen den Integeren durchsetzen, es geht ihm nicht um ihre Stärke.

Aus diesem Grund bin ich sehr parteiisch gegenüber den „Halunken“, ich hoffe immer drauf, dass sich die weibliche Hauptfigur – falls sie findet, sich entscheiden zu müssen – sich für den „Halunken“ entscheidet.

In Vampire Diaries kam es also in der im deutsprachigen Fernsehen aktuellen Staffel zur 2. Kussszene zwischen der weiblichen Hauptfigur Elena und dem „Halunken“ Damon. Und dies geschah auf die wohl unübergriffigste, zustimmungsbasierteste und ungewaltätigste Weise, die ich je im Film gesehen habe:

Elena und Damon befinden sich auf einer Reise, die Elena u.a. deswegen mit ihm unternimmt, um herauszufinden, wie sie für Damon fühlt (Elena weiß bereits von Damon, dass dieser an ihr emotional und sexuell interessiert ist). Es ist Nacht, Elena liegt im Bett und Damon vagabundiert durch das Zimmer. Elena beobachtet auf der Seite liegend Damon – der dank offenem Hemd und so wohl anziehend wirken soll – mehr oder minder heimlich. Als Damon ihren Blick bemerkt, schließt sie zunächst wieder die Augen. Kurze Zeit später öffnet sie Augen wieder und schaut ihn weiter an. Darauf geht Damon zu ihr hinüber und legt sich neben sich auf dem Rücken liegen zu ihr ins Bett, ohne sie zu berühren. Sie führen ein kurzes Gespräch, über was Persönliches, jedoch nicht über die Situation an sich. Erst als Elena ihre Hand „aus Versehen“ neben Damon legt, beginnen sie Händchen zu halten und Damon streichelt Elenas Hand. Daraufhin wird Elenas Atmung unregelmäßig, doch Damon nimmt dies nicht zum Anlass, über das Händchen halten hinaus zu gehen. Elena flieht trotzdem aus dem Bett und geht aus dem Zimmer. Damon folgt ihr langsam und mit Abstand. Als Elena draußen stehen bleibt, bleibt auch Damon mit Abstand stehen, noch bevor Elena „Nicht/Don’t“ sagt. Während also Elena davon ausgeht, dass er ihre Grenzen nicht respektiert, tut dies Damon wohl aus Erfahrung bereits. Nach seiner Antwort „Warum nicht?/ Why not?“ geht Elena auf ihn zu, sie beginnen sich zu küssen und erst ab diesem Zeitpunkt wird Damon gegenüber Elena auf explizit sexuelle Weise aktiv.

Was mich an dieser Szene so unfassbar fasziniert, ist das – schätzungsweise – jeder anderen Storyline, dass Augen wieder aufmachen gereicht hätte, für die Kussszene. Ich habe noch nie im Film diese langsame, Grenzen respektierende und auslotende Handlungen gesehen. Soviel zum Thema “der “Halunke” will, dass die weibliche Hauptfigur, weiß was sie will”.

Kurz überflogen, finde ich die “Halunken”-Figur nur in Vampierserien, ist es also eher so, dass die “Schnelligkeit” der anderen Filme und Serien dem “Integeren” geschuldet ist? Oder ist das Drehbuch von Vampire Diaries wirklich so genial geschrieben und all die anderen Filme und Serien so unglaublich schlecht?

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Halb-wtf

Ich bin Deutsche über’s Blut und US-Amerikanerin über den Boden. Was eine erstaunliche Anzahl von Menschen dazu bringt, mich als Halbamerikanerin zu bezeichnen – jedoch niemals als Halbdeutsche. Diese Menschen wissen nicht, dass ich mich um meine us-amerikanische Staatbürgerschaft aus Faulheit nicht kümmere – heißt, ich weiß nicht so genau wie es um meine Staatsbürgerschaften steht. Aber darum geht’s auch nicht, sondern darum, dass ich aus deren Perspektive eben keine „ganze“ US-Amerikanerin bin. Da ich diesen Ausdruck ausschließlich von Deutschen höre (und von den US-Amerikaner_innen eher Aufrufe bekomme, mich als Wählerin zu registrieren), muss es wohl um ein grundlegendes Missverstehen von Staatsbürgerschaften unter Deutschen gehen. Was mich direkt zu dem Missfallen bringt, wenn ich äußere, dass ich „Deutsche über’s Blut“ bin. Nein, ich bin kein Nazi, nur so ist halt das deutsche Recht. Ist ein Elternteil deutsch, kann ich auf dem Mond geboren worden sein, ich bin trotzdem Deutsche. Bringt nichts drum herum zu reden oder zu schreiben. Ok, eine Adoption würde das Gleiche verursachen, nur ist diese halt die Ausnahme und verschleiert nur, worum es geht: In Deutschland sind Staatsbürgerschaften genetisch vererbbar und auch wenn viele das nicht hören wollen, wenn’s aber um „Halbsonstwas“ geht, liegt das genau an dieser Denke.

Das ist Nicht-Deutschen schwer zu erklären. Neulich habe ich meinem Bruder erklären müssen, dass er kein Deutscher ist. Seine „anarchistischen“ Eltern haben es versäumt, sich um seine Staatsbürgerschaft zu kümmern und so ging der in den USA aufgewachsene, aber in Deutschland geborene junge Mann davon aus, dass er eben Deutscher ist. Klar, über den Boden halt. Mein Versuch das deutsche Recht über die True-Blood Vampire zu erklären, war nicht so erfolgreich. Wobei es ziemlich ähnlich ist, mit der Wiedergeburt als Vampir gehört der neue Vampir zu großen Vampirfamilie, ist jedoch der Willkür des_derjenigen unterworfen, dessen Blut er intus hat. Ok, der Vergleich hinkt ein bisschen, doch… Gibt’s eine bessere Erklärung?

Mein Bruder und ich haben also genau umgekehrte Geburt-Sozialisationsbiografien. Er wurde in Deutschland, ich in den USA geboren. Er ist in den USA aufgewachsen und ich in Deutschland. Mir bringt das 2 Staatsbürgerschaften, ihm Null. Ich vermute übrigens, dass er am ehesten Brite ist, aber das ist eine andere Geschichte. Über den Boden dagegen ist leichter zu erklären, bringt jedoch im Zweifelsfall auch nix.

Wenn’s also um Staatsbürgerschaften geht, sollten das eher per Aufzeigen (Melden) geregelt werden oder per Tausch-Geschenk-Verfahren: Ich hab zwei, mein Bruder hat Null. Eine davon brauch ich nicht ;-) .

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