Schlagwort-Archiv: Vorstellung

Ich sehe aus wie Merkel

Lang hab ich überlegt, was ich in meinem ersten Post schreiben möchte. Vor allem der Vorstellungsteil bereitete mir Kopfzerbrechen. Was möchte ich gerne in welcher Form über mich schreiben? Eigentlich nichts, ich binde Kram lieber an passender Stelle ein. Ich werde Details zu meiner Person einfach in den Artikeln verstecken.

Ich sehe aus wie Angela Merkel. Diese Ähnlichkeit war mir bis gestern noch gar nicht so aufgefallen. Doch seit knapp einer Woche bekomme ich öfter gesagt, dass alle möglichen Menschen aussehen wie Philipp Rösler: Zuerst ein Tanzlehrer und dann, gleich von verschiedenen Seiten, der Priester der Hochzeit, auf der ich gestern war. Am Outfit hat’s wohl nicht gelegen, die Katholischen sind schon sehr speziell mit der Wahl ihrer Klamotten. Aber was kokettier ich hier rum, natürlich geht’s um die Hautfarbe. Mit Merkel hab ich übrigens mehr Gemeinsamkeiten als Rösler mit dem Priester (hier versteckter Vorstellungsteil ;-) ): Wir sind beide weiß, Cis-Frauen, mögen Social Media (hab ich mal irgendwo gehört), Frisuren sind so eine Sache. Merkel könnte meine Schwester sein.

Aufgrund meiner Ähnlichkeit mit Merkel durfte ich auf der Hochzeit erstmals erleben, dass ich mich fragte, ob ich es schaffen könnte, mich über mehrere Köpfe einer Menschenmenge hinweg auf eine ältere Frau zu werfen und dann mit dieser gemeinsam die Kirchentreppe runter zu purzeln. Wäre jedenfalls ein schöneres Event für die Hochzeitsanekdoten als die tatsächlich erfolgte Zurschaustellung von white privilege. Besagte ältere Frau bewegte sich im Pulk der nicht unerheblichen großen Anzahl von Hochzeitsgästen aus der Kirche heraus. Der Priester steht am Ausgang und verabschiedet sich bei möglichst Vielen persönlich. Es geht somit nur langsam voran. Ich stehe gerade auf der anderen Seite des Pulks, da höre ich die magischen Worte „Wo kommen Sie denn her?“. Der Priester gibt ihr eine lange Antwort – es dauert bekanntlich eine Weile, die Familienzusammenhänge bis zu den Großtanten 7. Grades (Übertreibung) zu erläutern. (Vietnam ist übrigens meines Wissens nicht gefallen – nur falls wirklich ein_e Leser_in annimmt, die Ähnlichkeitsannahme läge an der Abstammung.) Abgesehen von der rassistischen Frage, hat das den Ablauf erheblich verzögert…

Doch wenn ich auch den Hechtsprung über die Menge nicht gemacht habe, wie hätte ich mit der Situation vernünftig umgehen sollen? Jede Form der Einflussnahme hätte die Autorität des Schäfchen-hütenden Priesters untergraben, oder? Ideen, Vorschläge? Vielleicht gibt’s ja Gläubige unter Euch, die was darüber wissen, wie die Gemeinde Priester_innen vor Rassismus seitens der Besucher_innen schützen kann?

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://takeoverbeta.de/2012/05/ich-sehe-aus-wie-merkel/

Right Planet Syndrome

In der Reihe „Dr. autistic Summer“ widme ich mich allen Problemen, die vor allem Neurotypische haben, aber gar nicht haben müssten. Kurz gesagt, es geht um das „Right Planet Syndrome“.

Das Right Planet Syndrome ist davon geprägt, das Menschen „von Geburt an“ glauben, dass sie auf dem richtigen Planeten geboren wurden, sie der Spezies angehören, in dessen Gemeinschaft sie leben und daher die sozialen Regeln der Gemeinschaft zu ihnen passen. Wichtig ist auch, dass die sozialen Regeln vermeintlich nicht ausgehandelt wurden, sondern der Spezies eigen sind. Das heißt, dass diese scheinbar unveränderlich und noch dazu für alle Individuen der Spezies richtig sind.

Die Naturalisierung von sozialen Verhaltensweisen führt dazu, dass von Betroffenen des Right Planet Syndromes bei zwischenmenschlichen Problemen „niemals“ auf die soziale Struktur geschaut wird, sondern das Problem als individuell wahrgenommen wird – eventuell wird sogar die soziale Regel als wegweisend für die zwischenmenschliche Problemlösung herangezogen. Dies kann natürlich für die Betroffenen der richtige Weg sein. Es kann jedoch förderlich sein, sich die Welt aus einer anderen Perspektive anzusehen und so zu neuen Problemlösungsstrategien zu gelangen. Somit sei diese Reihe jenen ans Herz gelegt, die lernen wollen, wie sie mit dem Right Planet Syndrome anders umgehen können.

Ein guter erster Schritt ist einzusehen, dass die Welt nicht so ist, wie sie sein muss. Die allermeisten Gegebenheiten der Welt sind sozial vereinbart und können somit neu verhandelt werden – sei es gesamtgesellschaftlich oder individuell. Es gibt bei diesen Gegebenheiten keinen Zustand der erreicht werden muss, weil er vermeintlich dem wahren Wesen der Welt entspricht, denn es gibt kein wahres Wesen der Welt.

Ob es nun um den Aufbau einer romantischen Beziehung, Höflichkeit oder den Bau von Häusern geht: Dr. autistic Summer wird Ihnen helfen, die Welt außerhalb Ihres Right Planet Syndromes zu verstehen.

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://takeoverbeta.de/2012/05/right-planet-syndrome/