Schlagwort-Archiv: white privilege

Neue Reihe: SMASH ALL THE DINNER PARTIES!

Wir haben es alle schon erlebt: Es wurde zu einem Blogartikel eingeladen. Alle unterhalten sich über dies und das, die Atmosphäre ist angeregt, das Essen erlesen, der Hintergrund geschmackvoll, dezente Musik vom Streichquartett.

Plötzlich der Eklat: VICTIM BLAMING!! SEXISMUS! krakeelt jemand, oder “RASSISTISCH”, irgendetwas dieser Art, “ARSCHLOCH!”* – da wurde wohl beim Einlass nicht genau genug hingesehen. Erschreckt ducken sich schüchterne weiße Menschen hinter ihre Kristallgläser. Solchen Störungen wird glücklicherweise von den Gastgeber_innen meist schnell Einhalt geboten, zur Ruhe gemahnt, daran erinnert, dass wir alle es gut meinen und *ismus auf Dinnerparties keinen Platz hat, und die störende laute Person unauffällig aus dem Raum entfernt.

Finden wir scheiße.
Hier findet die andere Party statt.

Wir laden die Steineschmeißer_innen ein.

In dieser Reihe veröffentlichen wir anti-*istische Interventionen von uns und – wenn ihr wollt – anderen, die auf anderen Blogs nicht veröffentlicht oder editiert wurden.
Schickt uns den Inhalt Eurer woanders gelöschten anti-*istischen Kommentare samt dem zugehörigen Blogpost!
Willkür vorbehalten.

Den Anfang macht Samia bei ANA & ANDA – Vorhang auf für

Schlag Doch Im Duden Nach, Was “Exotisch” Bedeutet!

Samias folgender Kommentar wurde nicht veröffentlicht und der Kommentarthread ohne weitere Begründung geschlossen.

Mit “exotisch” wurden Menschen seit dem Kolonialismus geothert, fetischisiert, entmenschlicht. Ich sehe nicht ein, warum man das nicht kurz googeln kann, wenn man schon drauf hingewiesen wird, um dann im Gegenteil auch noch autoritär auf den mehrheitsgesellschaftlichen Duden – wer hat den wohl geschrieben – zu verweisen.

Und bei “T*ssi” habt ihr halt nix umgedreht: Den Begriff gibts schon, er ist schon negativ, er wird schon gegen Frauen* verwendet. Andauernd. Ich habe euch sogar gesagt, dass er oft gegen mich verwendet wurde. Ist euch das etwa egal? Auf dem Rücken anderer unterdrückter Gruppen gegen eine spezielle Form von Unterdrückung (hier: Heterosexismus) zu kämpfen, hat im Feminismus eine traurige Tradition, aber jetzt reichts auch mal.

 

Diese Reihe ist Samia gewidmet und allen anderen, die politische Kämpfe nicht aufgeben wollen.
Und denen, die aufgegeben haben.
 

[Inspiration für den Titel.
* ergänzt. kiturak]

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Ich sehe aus wie Merkel

Lang hab ich überlegt, was ich in meinem ersten Post schreiben möchte. Vor allem der Vorstellungsteil bereitete mir Kopfzerbrechen. Was möchte ich gerne in welcher Form über mich schreiben? Eigentlich nichts, ich binde Kram lieber an passender Stelle ein. Ich werde Details zu meiner Person einfach in den Artikeln verstecken.

Ich sehe aus wie Angela Merkel. Diese Ähnlichkeit war mir bis gestern noch gar nicht so aufgefallen. Doch seit knapp einer Woche bekomme ich öfter gesagt, dass alle möglichen Menschen aussehen wie Philipp Rösler: Zuerst ein Tanzlehrer und dann, gleich von verschiedenen Seiten, der Priester der Hochzeit, auf der ich gestern war. Am Outfit hat’s wohl nicht gelegen, die Katholischen sind schon sehr speziell mit der Wahl ihrer Klamotten. Aber was kokettier ich hier rum, natürlich geht’s um die Hautfarbe. Mit Merkel hab ich übrigens mehr Gemeinsamkeiten als Rösler mit dem Priester (hier versteckter Vorstellungsteil ;-) ): Wir sind beide weiß, Cis-Frauen, mögen Social Media (hab ich mal irgendwo gehört), Frisuren sind so eine Sache. Merkel könnte meine Schwester sein.

Aufgrund meiner Ähnlichkeit mit Merkel durfte ich auf der Hochzeit erstmals erleben, dass ich mich fragte, ob ich es schaffen könnte, mich über mehrere Köpfe einer Menschenmenge hinweg auf eine ältere Frau zu werfen und dann mit dieser gemeinsam die Kirchentreppe runter zu purzeln. Wäre jedenfalls ein schöneres Event für die Hochzeitsanekdoten als die tatsächlich erfolgte Zurschaustellung von white privilege. Besagte ältere Frau bewegte sich im Pulk der nicht unerheblichen großen Anzahl von Hochzeitsgästen aus der Kirche heraus. Der Priester steht am Ausgang und verabschiedet sich bei möglichst Vielen persönlich. Es geht somit nur langsam voran. Ich stehe gerade auf der anderen Seite des Pulks, da höre ich die magischen Worte „Wo kommen Sie denn her?“. Der Priester gibt ihr eine lange Antwort – es dauert bekanntlich eine Weile, die Familienzusammenhänge bis zu den Großtanten 7. Grades (Übertreibung) zu erläutern. (Vietnam ist übrigens meines Wissens nicht gefallen – nur falls wirklich ein_e Leser_in annimmt, die Ähnlichkeitsannahme läge an der Abstammung.) Abgesehen von der rassistischen Frage, hat das den Ablauf erheblich verzögert…

Doch wenn ich auch den Hechtsprung über die Menge nicht gemacht habe, wie hätte ich mit der Situation vernünftig umgehen sollen? Jede Form der Einflussnahme hätte die Autorität des Schäfchen-hütenden Priesters untergraben, oder? Ideen, Vorschläge? Vielleicht gibt’s ja Gläubige unter Euch, die was darüber wissen, wie die Gemeinde Priester_innen vor Rassismus seitens der Besucher_innen schützen kann?

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